Saturday, 27. August 2016
15.08.2010
 
 

Türkische Tradition: Schon Kemal Atatürk ließ Kurden vergasen

Udo Ulfkotte

Deutschsprachige Medien berichten aufgeregt über mögliche Giftgaseinsätze der türkischen Armee gegen Kurden. Das klingt sensationell und völlig neu. Die Journalisten wissen offenbar nicht, dass es Kemal Atatürk – der Gründervater der Türkei – war, der als erster die ungeliebten Kurden im Land vergasen ließ. Die Türken wollen nicht, dass man darüber berichtet. Sie leugnen die Vergasung von Kurden in Höhlen genauso wie den Völkermord an den christlichen Armeniern. Doch das Leugnen der Kurdenvergasungen hilft den Türken nichts, denn nachlesen kann man Atatürks Kurdenvergasungen trotzdem.

Die Schlagzeilen dieser Tage klingen unglaublich: »Türkei soll Giftgas eingesetzt haben«, oder »Türkei soll Kurden mit Chemiewaffen getötet haben«. Und auch Schweizer Medien berichten: »Setzte die Türkei Chemiewaffen gegen kurdische Rebellen ein?« Ein Land, das nach Auffassung mancher Politiker in die Europäische Union gehört, angeblich modern und fortschrittlich ist – und dann Schlagzeilen wie diese. Das passt irgendwie nicht zusammen. Die Türkei gerät denn auch mächtig unter Druck.

Bei aller Aufregung um den jüngsten türkischen Giftgaseinsatz wird von geschichtsblinden deutschsprachigen Journalisten allerdings völlig übersehen, dass Giftgaseinsätze gegen Kurden schon von Kemal Atatürk, der unangreifbaren Ikone aller Türken, abgesegnet wurden. Er selbst hat jedenfalls höchstpersönlich die Verantwortung dafür übernommen. Das war 1937. Die Türkei versteht heute keinen Spaß, wenn es um das Andenken an ihren Führer Atatürk geht: In jedem Geschäft und an vielen öffentlichen Plätzen hängt sein Bild. Die Verfassung des Landes gebietet, dass die Schulen und die Jugend auf ihn ausgerichtet und orientiert werden. Alle Gesetze der Türkei müssen darauf überprüft werden, ob sie im Sinne Atatürks sind. In der Verfassung wird Atartürk weiterhin als »unsterblicher Führer« gewürdigt und der türkische Nationalismus steht nach der Verfassung noch über den Menschenrechten. Verwundert es da wirklich, wenn türkische Generäle heute ihrem großen Führer nacheifern und Kurden vergasen? Immerhin befahl Atatürk den Armeeangriff auf kurdische Siedlungen und die Vergasung der Bewohner von Dersim – dem heutigen Tunceli – in Höhlen. Atatürk selbst hat jedenfalls die volle Verantwortung für die Giftgaseinsätze gegen die Kurden übernommen. Eine deutschsprachige Zeitung, die auch nur ansatzweise darüber berichtete – die Neue Zürcher Zeitung – hat sich damit viel Ärger unter den Türken in Europa eingehandelt. Denn die Türken selbst verdrängen das heute lieber. Und in der türkischen Zeitung Hürriyet heißt es zum türkischen Giftgaseinsatz von 1937 gegen Kurden, selbst der britische Premier «Winston Churchill sei damals für Giftgaseinsätze gegen »unzivilisierte Völker gewesen, man müsse das alles halt im »historischen Kontext« sehen. Über die türkischen Kurdenmassaker zu Zeiten Atatürks berichtete auch die Zeitung Junge Welt.

Im Jahre 1986 wurden überlebende kurdische Zeitzeugen der Massaker von 1937 von unabhängigen Reportern interviewt. Und auch der spätere türkische Außenminister Çaglayangil bestätigte damals in einem Interview – das aufgezeichnet und dokumentiert wurde – den Einsatz von Giftgas durch die türkische Armee gegen Kurden. Wörtlich heißt es über die Kurden: »Sie hatten sich in Höhlen geflüchtet. Die Armee setzte Giftgas ein. Durch den Höhleneingang. Sie vergifteten sie wie Mäuse […]. Es wurde eine blutige Operation.«

Wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wie zuletzt im März 2010 am Grab von Kemal Atatürk einen Kranz niederlegt, dann ehrt sie damit einen barbarischen Mörder, einen Zeitgenossen Adolf Hitlers. Die Bundesregierung teilt auf ihrer offiziellen Seite mit: »Nach der Ankunft in Ankara fährt die Bundeskanzlerin Montagmittag zunächst zum Atatürk-Mausoleum, wo sie einen Kranz niederlegt.«

Wenn man geschichtsblind ist, dann blendet man die barbarische Geschichte der Türken halt einfach aus. Und man tut völlig überrascht, wenn Türken heute – wieder einmal – Kurden vergasen. Türkische Repräsentanten behaupten unterdessen immer öfter, sie würden in Europa »diskriminiert«. Und sie fordern von uns Europäern, wir sollten sie doch bitte so behandeln, wie sie als Türken in ihrem Kulturkreis andere Mitbürger, die ihnen fremd erscheinen, zu behandeln pflegen. Was meinen sie wohl nur damit? Schauen wir also einmal, wie Türken ihre zugewanderten Mitbürger zu behandeln pflegen: Vielleicht wollen sie ja deportiert werden? Immerhin hat Premierminister Erdogan, dem Frau Merkel auch gern die Hand schüttelt, ja unlängst erst 100.000 Armeniern im Land die Deportation angedroht.

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