Wann kommt die »Wir zahlen nicht!«-Revolte?
Udo Ulfkotte
Von Island und Griechenland aus rollt eine neue Bewegung auf Europa zu: In Massen weigern sich Bürger, für öffentliche Leistungen zu zahlen. Verheerender noch: Sie wollen keine Schulden zurückbezahlen.
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Vor fast anderthalb Jahren legte der Bundesnachrichtendienst eine Studie vor, nach der im Falle einer Verschärfung der Finanzkrise mitten in Europa Kriege um die Rückzahlung von Schulden möglich seien. Viele hielten das damals noch für irrational und für völlig abwegig. Doch jetzt gewinnen überall in Europa Bewegungen an Zulauf, deren Unterstützer ein Ziel eint: Sie wollen keine Schulden mehr zurückbezahlen und auch nicht für andere bürgen. Erst lehnten die Isländer
2011 zum zweiten Mal per Volksabstimmung die Entschädigung aller ausländischen Kunden der Pleite gegangenen Bank Icesave ab, obwohl das Parlament beschlossen hatte, mit Steuergeldern für die ausländischen Gläubiger der Milliardenpleite zu haften.
Dann entstand wie ein Flächenbrand in Griechenland eine »Wir zahlen nicht«-Offensive. An den kostenpflichtigen Mautstraßen stehen seit Monaten schon Bürger mit Westen, deren Aufschrift schlicht lautet: »Totaler Ungehorsam«. Sie schieben die rot-weißen Schranken beiseite und winken die Autofahrer einfach ohne Bezahlung durch. Was in Griechenland auf den Autobahnen entstand, ist inzwischen landesweit zu einem Volkssport geworden, der ohne zentrale Hintermänner von immer neuen Gruppen über das Internet koordiniert wird. Die Wutbürger setzen Flashmobs ein, wobei unerwartet Menschenmengen vor Banken und öffentlichen Gebäuden aufziehen und demonstrieren. Sie rufen dann etwa: »Wir geben ausländischen Banken kein Geld«. Das letzte Angriffsziel war das deutsche Konsulat, wo Griechen Slogans skandierten, das Straßenpflaster mit Farbe besprühten und verlangten, die Deutschen sollten mehr für Griechenland zahlen, während ihnen Polizisten in aller Ruhe zusahen. Es ist eine reine Frage der Zeit, bis diese Welle auch den deutschsprachigen Raum erreichen wird. Denn Deutsche und Österreicher zählen zu jenen, die am meisten für den Euro-Crash zahlen sollen.
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