Wut in Großbritannien: In englischen Gärten sollen Zigeuner Stellplätze für ihre Wohnwagen bekommen
Udo Ulfkotte
Seit Jahren schon tobt in Großbritannien ein Kulturkampf. Fast alle politischen Parteien wollen den im Lande umherziehenden »gypsies« (»Zigeunern«) für ihre mehr als 25.000 Wohnwagen Stellplätze in Gebieten bereitstellen, die sie nicht länger von der Gesellschaft ausgrenzen. Im Gegensatz zu den Deutschen meinen die Briten mit dem Wort »Zigeuner« nicht nur Sinti und Roma, sondern all jene, die ohne festen Wohnsitz mit einem Campingwagen von Ort zu Ort fahren. Viele Bürger finden das gut gemeinte Projekt inzwischen ziemlich schrecklich. Sie sind nicht etwa gegen die Landfahrer – sie wehren sich vielmehr dagegen, dass englische Gärten und Grundstücke zwangsenteignet und zu Stellplätzen für die Wohnwagen der »gypsies« werden sollen. Hass und ohnmächtige Wut machen sich breit. Und in nicht wenigen Kommentaren wünschen sich Briten auf einmal einen Militärputsch, um dem Vorhaben ein Ende zu bereiten.
Zum 1. Januar 2009 wollten die Niederlande ihre Grenzen eigentlich weit öffnen – zumindest für Landfahrer aus Rumänien und Bulgarien. Doch nun bleiben die Grenzen weiterhin geschlossen, zumindest wenn Rumänen und Bulgaren keine Arbeitserlaubnis für die Niederlande vorweisen können. So will es die sozialdemokratische niederländische Regierung. Man will nicht noch mehr Wohnwagen im Land haben. Möglicherweise haben die Niederländer ihren Blick über die Nordsee nach Großbritannien gerichtet. Denn dort nimmt die Berichterstattung über die Wohnwagen von »gypsies« (»Zigeunern«) inzwischen bizarre Züge an.
Wie überall in Europa, so haben auch Briten gewisse Vorurteile gegenüber den im Lande lebenden »gypsies«. Die britische Regierung will das oftmals dämonisierte Ansehen der Zigeuner seit Jahren schon aufpolieren – und ihnen vor allem wirklich vorzeigbare Stellplätze und Wohngegenden für die etwa 25.000 Wohnwagen zur Verfügung stellen. Man dachte daran, den Zigeunern fast zum Nulltarif schöne Flächen anzubieten und sie so besser in die britische Gesellschaft zu integrieren. Nun braucht man dazu viel Land. Die 25.000 Wohnwagen sollen ja nicht wie auf dem Parkplatz eines riesigen Einkaufszentrum ein ausgrenzendes Zigeuner-Ghetto bilden, sondern Zaun an Zaun neben britischen Durchschnittsbürgern stehen.
Doch was gut gemeint war, stößt seit Jahren schon bei Bürgermeistern und weiten Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung: Fast niemand will der Regierung sein Land verkaufen, damit dort Stellplätze für Zigeuner-Wohnburgen entstehen.
Die Regierung hatte dann eine neue wundersame integrative Idee: Die Stellplätze auf den aufzukaufenden Flächen sollen künftig gemeinsam von deutschen, französischen und niederländischen Campern und eben von Zigeunern genutzt werden. So könnten die europäischen Touristen im Urlaub gleich noch Freundschaften mit Landfahrern schließen – und an der Grundstücksgrenze die einheimischen Briten kennenlernen.
Doch was gut angedacht war, kam bei der britischen Bevölkerung nicht gut an. Irgendwie steckt der Teufel im Detail – und die inzwischen abgelöste und durch eine andere Regierung ersetzte politische Führung steht zu dem alten Vorhaben, landesweit mehr als 25.000 schöne Stellplätze für campende Zigeuner zur Verfügung zu stellen. Nachdem die Zeitung Sun im Jahre 2005 mit einer landesweiten Kampagne gegen die »gipsy«-Stellplätze (»Meet your Neighbours«) die Regierung schwer unter Druck gesetzt hatte, ließ man das Thema einige Monate ruhen.
Jetzt aber wird es ernst: Die Regierung will landesweit Grundstückseigentümer enteignen und nur minimal entschädigen, wenn diese nicht bald »freiwillig« schöne Grundstücke für die mobilen Wohnwagensiedlungen verkaufen. Nun sollen private Gärten, Felder und andere Grundstücke enteignet werden, um Platz für die in weiten Teilen der Bevölkerung nicht willkommenen Integrationsprojekte zu machen. Enteignet werden sollen auch englische Gärten, die immerhin zum Kulturgut der Insel gehören. In den Kommentarspalten der großen Zeitungen entlädt sich derweilen die Wut jener, die das Land von einer Enteignungswelle förmlich überschwemmt wähnen: Nicht wenige der Kommentatoren wünschen sich allen Ernstes einen Militärputsch – vielleicht aber ist das ja auch nur der typische englische Humor, mit dem die Inselbewohner auf die sich abzeichnende Entwicklung reagieren ...
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