Sunday, 26. June 2016
29.09.2014
 
 

Putin kommt

Willy Wimmer

Natürlich wäre es für Deutschland angemessen, den russischen Präsidenten bei uns willkommen zu heißen. Wo sich doch der Fall der Mauer zum 25. Male jährt. Oder im kommenden Jahr, wenn dank russischer und anderer Hilfe die Wiedervereinigung Deutschlands ebenfalls vor 25 Jahren ermöglicht worden ist. Nein, Fehlanzeige. Unsere Regierung hat nach Kräften dazu beigetragen, in Europa ein Klima gegenüber einem Nachbarland und seiner gewählten Staatsspitze entstehen zu lassen, das durch nichts gerechtfertigt ist.

 

Es sei denn, man macht sich die amerikanischen Weltherrschaftsphantasien zu Eigen. Wie will man im Interesse seines eigenen Volkes und des Landes, dessen Wohl man fördern soll, einem Menschen begegnen, den man im eigenen Bündnis schlichtweg mit den Untoten der Geschichte in einen Topf geschmissen hat?

Keine Sorge. Putin kommt, aber in eine andere europäische Hauptstadt. Der russische Präsident Putin wird in Belgrad am 20. Oktober 2014 einen Besuch abstatten, um mit den Serben und denjenigen, die sich Jugoslawien verbunden fühlen, des Tages zu gedenken, an dem vor 70 Jahren Belgrad von den Achsenmächten befreit werden konnte.

 

Wer mit diesem Tag der Befreiung langfristig die Hoffnung verbunden haben sollte, eine gerechtere und menschlichere Ordnung erleben zu dürfen, der wurde in der Folge enttäuscht, zuletzt im Frühjahr 1999 durch den Angriff ohne Kriegserklärung und unter Bruch des Völkerrechtes gegen diese leidgeprüfte Stadt. Auch diesmal durften deutsche Bomber nicht fehlen.

 

Kriegsangst, die wir vor Monaten noch weit von uns gewiesen haben würden, schleicht durch alle Ecken Europas. Die Ursache liegt nahe der russischen Grenze. Als der Westen daranging, eine frei gewählte Regierung in der Ukraine unter Einsatz von Milliarden Dollar zu stürzen und von Kiew aus die Brandfackel der ethnischen Trennung dieses Vielvölkerstaates gegen die russischsprachige Bevölkerung zu schleudern und mit Hilfe faschistischer Kräfte Kriegsmethoden gegen die eigene Bevölkerung zu mobilisieren, war klar, dass dieses Vorgehen nicht folgenlos bleiben würde.

 

Die Ursache dafür wurde bei denen gesetzt, die die Kaskaden losgetreten haben. Die sitzen bekanntlich nicht in Moskau. Russland kann seine Belange hinlänglich vertreten und seine Sache zu Gehör bringen.

 

Uns im Westen kann es allerdings nicht gleichgültig sein, in welchem Maße unsere eigenen Regierungen aus dem »gemeinsamen Haus Europa« eine erneute Trümmerwüste zu machen bereit sind.

 

Da kommt der Besuch des russischen Präsidenten Putin in Belgrad zur rechten Zeit. Damit wird an diesem Tage in Belgrad auch die Dimension des Leids gerade für das russische Volk und die Menschen in der damaligen Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg deutlich.

 

Einem solchen Volk und einem solchen Staat setzt man im gemeinsamen Haus Europa nicht den Stuhl vor die Türe, nur weil andere Weltherrschaftsgelüste haben, die uns allen das eingebrockt hatten, was zu solchen Tagen wie in Belgrad geführt hatte.

 

Die Fehler werden immer im eigenen Land gemacht, die den Nachbarn und das eigene Volk ins Elend stürzen. Was hindert aber die Regierung der Vereinigten Staaten bis heute daran, die Archive darüber zu öffnen, in welchem Umfang nach Versailles die nationalsozialistische Bewegung auf tatkräftige Aufbauarbeit aus den USA zählen durfte. Schon deshalb lässt uns entsprechendes Vorgehen heute in der Ukraine nicht kalt.

 

Auswege aus der Situation? Neues erfinden ist nicht nötig. Wir alle in Europa sind mit den größten Schwierigkeiten fertig geworden, weil wir uns an einen Tisch gesetzt haben. Der Anstoß dazu kam damals schon aus Moskau. Gibt Belgrad Europa mit dem Besuch von Präsident Putin eine neue Chance?

 

 

 


 

 

Über den Autor

 

Der CDU Politiker Willy Wimmer gehörte 33 Jahre dem Bundestag an. Zwischen 1985 und 1992 war er erst verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und dann Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung. Soeben ist sein Sachbuch Wiederkehr der Hasardeure (zusammen mit Wolfgang Effenberger) erschienen.

 

 

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Leser-Kommentare (59) zu diesem Artikel

01.10.2014 | 12:10

CM

@Rolf, Ich denke die Anschi würde gerne, wenn die Asis das erlauben würden. Vermutlich schlummern auch bei der Mutti unschöne Dinge im Keller, bzw. Archiv der NSA/....... ein falsches Wort und die Presse hat genügend Material siehe Wulff usw.


01.10.2014 | 09:46

Rolf

Putin solte auf jeden Fall nach Deutschland kommen.Frau Merkel kennt doch Herrn Putin schon aus ihrer aktiven DDR-Zeit sehr gut. Weshalb läuft da nichts mehr.?


01.10.2014 | 02:18

Michael Juergen

Natuerlich sollte Putin kommen und vielleicht gemeinsam mit dem deutschen Staatsoberhaupt eine heimliche Traene vergiessen eingedenk des unbeschreiblichen Leides welches sich die beiden Voelker in der Vergangenheit gegenseitig zugefuegt haben.- Fuer entseelte Plastikpolitiker freilich unvorstellbar.


30.09.2014 | 20:38

Anni

@Shamael: Auch ich war mal Atheist. Inzwischen ist mir klar, dass in jedem Menschen ein christlicher Kern steckt, auch in Ihnen. Putin handelt christlicher und damit menschlicher als viele andere Menschen.


30.09.2014 | 19:36

Helmut F.

Ich setze voll auf die BRICS Staaten. Einer Wochenzeitung, ohne Reklame, daher nur von den ABOS abhängig las ich, welche Bauvorhaben die Giganten Rußland und China planen. Laut Geschichte waren die Rußen immer gut auf die Deutschen (+Österreich) zu sprechen. Nur das Kapitalgesindel hat die letzte Wahnsinnsscheiße verursacht. Jetzt zündeln die wieder. Die derzeitigen Vorturner in den Parlamenten sollen auswandern, die fehlen hier niemanden.


30.09.2014 | 14:41

jorge

Ich möchte mich der Frau Müller anschliessen, der Westen solle sich schämen, nur weil sie sich in die Scheisse reiten, vor lauter ach du lieber Ami, sollten sie sich an Putin ein Beispiel nehmen, wenn er gewollt hätte, hätte er schon die Ukraine überrollt( er sagte es ja schon aus Spass) da bekamen ja der Westen schon das Hosenflattern. Es ist schmerzlich zu sehen das die meisten Deutschen sich keinen Kopf machen, wie die Bundesregierung zum Hampelmann und Lakaien der USA werden...

Ich möchte mich der Frau Müller anschliessen, der Westen solle sich schämen, nur weil sie sich in die Scheisse reiten, vor lauter ach du lieber Ami, sollten sie sich an Putin ein Beispiel nehmen, wenn er gewollt hätte, hätte er schon die Ukraine überrollt( er sagte es ja schon aus Spass) da bekamen ja der Westen schon das Hosenflattern. Es ist schmerzlich zu sehen das die meisten Deutschen sich keinen Kopf machen, wie die Bundesregierung zum Hampelmann und Lakaien der USA werden und schon geraume Zeit sind, die Quittung werden sie schon früh genug erhalten. Die Gutmenschen, es ist grausam immer wieder das Gesulze zu hören, aber der ach so böse Putin, was der alles macht, sie sollten sich ein Beispiel nehmen, das man auch auf sein Land stolz sein kann und es nicht verkommen lässt. Beim Ami haben 40 MIO Menschen keine Krankenversicherung und und und ist das beispielhaft? Hallo Deutschland aufwachen. Lasst den Putin in Ruhe und kehrt vor eurer eigenen Haustüre. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht wer euch regiert, nein, Politiker können nicht allwissend sein, deshalb sind grosse, sehr grosse Anwaltskanzleien für sie tätig, dann die ganzen Lobbyisten die sogar schon ihre eigenen Gesetze schreiben, natürlich zu ihrem Nutzen, dann wird das ganze abgenickt, fertig, also wer hat nun was "als sogenannter Volksvertreter" gemacht, genau andere, die ihr nicht mal kennt, aber die sind die Fädenzieher und die Politiker die Marionetten, die nebenbei, dafür satte Gehälter bekommen, satte Pensionen, aber andere machen im Eigennutz die Arbeit. Ihr soltet mal mehr nachdenken, als immer nur als Gutmensch zu fungieren.

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