Thursday, 29. September 2016
20.10.2011
 
 

Für Fußball-EM und Euro-Song-Contest: Osteuropa quält und verbrennt Hunde in Mobil-Krematorien

Wolf Sorgenfrey

Die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ist das Todesurteil für Zehntausende Hunde und Katzen. Die Ukraine nämlich will sich 2012 von ihrer schönsten und saubersten Seite zeigen – und lässt alle streunenden Tiere kurzerhand umbringen. Hunde und Katzen werden zu Sondermüll erklärt und abgeschlachtet – pro Jahr etwa 50.000, wie Tierschutzorganisationen schätzen.

Diese Praxis wird bereits seit Jahren ausgeübt. Sie ist im Prinzip nichts Neues in osteuropäischen Ländern – aber die Brutalität des Vorgehens ist neu und lässt zivilisierte Gesellschaften erschauern. Denn offenbar werden die Tiere zu Tausenden zunächst in sogenannten »Tötungsstationen« zusammengepfercht. Dort werden sie dann sich selbst überlassen und verhungern oder verdursten jämmerlich. Oft werden sie auch vergast oder zu Tode geprügelt.

Augenzeugen berichten, dass Tiere auch auf offener Straße systematisch überfahren werden, gängige Praxis ist auch, sie bei lebendigem Leib zu verbrennen. Jüngste Errungenschaft sind

mobile Krematorien – die Organisation peta berichtet davon. Die Tiere werden eingefangen und einfach lebend in den Verbrennungsofen geworfen – das Gerät wird sogar im Staatsfernsehen beworben.

Damit nicht genug: Immer wieder wird auch beobachtet, wie lebende Tiere in Müllcontainer geschmissen werden, die dann von Walzen zerquetscht werden. Tiere als lebender Sperrmüll – und das in einem Land, in dem in weniger als einem Jahr ein europaweites fröhliches Fußballfest gefeiert werden soll.

Die Verantwortlichen reagieren nach außen empört. Die Schweizer Tierschutzorganisation SOS-Chats schickte bereits vor drei Jahren eine Petition an die UEFA – unterschrieben von 3.200 Bürgern, darunter auch Politiker und Prominente. Daraufhin forderte die UEFA den ukrainischen Vizepremier zum Handeln auf. Inzwischen ist eine örtliche Tierschutzorganisation damit beauftragt, die herrenlosen Hunde und Katzen kastrieren zu lassen. Allerdings: die Tier-Killer-Truppen sind nach wie vor unterwegs und werden offenbar nicht gestoppt.

Im Gegenteil: Beobachter berichten, dass nun, kurz vor Beginn der Spiele, die Tötungen verstärkt und massiver werden. Allerdings fast völlig wirkungslos: nach wie vor bestimmten streunende Hunde und Katzen das Straßenbild, die unvorstellbare Brutalität hat also offenbar nicht einmal den gewünschten Erfolg.

Den hätte allenfalls die Methode, die von Tierschützern und der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird: die Tiere einsammeln, kastrieren und dann wieder in ihrer gewohnten Umgebung aussetzen. Nur so kann die Überpopulation eingedämmt werden. Das predigen Experten seit Jahren, dennoch können diese die Tierquäler offenbar aber nicht an ihrem geradezu fanatischen Treiben hindern. Vernunft scheint hier nicht anzukommen.

Darf man in einem solchen Land eine UEFA-Fußball-EM feiern? In einem Land, das inzwischen Druck auf die Tierschutzorganisationen ausübt, den weltweiten Protest endlich einzustellen?

Das Problem ist aber durchaus kein speziell ukrainisches – weltweit nimmt offenbar die Gewalt gegen Tiere zu. Besonders allerdings in Osteuropa:

Auch in Rumänien werden Hunde und Katzen brutal abgeschlachtet und bestialisch gequält – dort ist das Problem sogar noch viel länger bekannt. Hunden werden die Beine abgehackt, dann werden sie einfach liegengelassen. Gift wird ausgelegt – Gift, das selbst beim geringsten Körperkontakt tödlich wirkt. Experten gehen davon aus, dass in diesem Fall nicht nur streunende Tiere betroffen sind – es ist nicht ausgeschlossen, dass auch Kinder durch das Gift ums Leben kommen werden.

Erst im Februar 2010 erklärte der Präfekt von Bukarest seine Absicht, die Tötung von Straßenhunden offiziell zu legalisieren – Bürgermeister und Bürger fühlten sich gleichermaßen von den Tieren gestört.

Die Deutsche Ute Langenkamp, ausgezeichnet mit mehreren Tierschutzpreisen und international anerkannt, betreibt in Rumänien das größte Tierheim der Welt, »smeura«. Rund 4.000 Tiere leben dort. Jetzt droht ein langer, kalter Winter – Ute Langenkamp hat sich diese Woche an die Öffentlichkeit gewandt. Das Tierheim braucht dringend Geld, es muss sonst endgültig geschlossen werden. Die rumänische Regierung zeigt sich uneinsichtig bis desinteressiert.

Man hat dort in den Jahren 2004 bis 2008 Tierschutzgesetze erlassen, die tatsächlich auch das Töten gesunder Tiere unter allen Umständen verbieten. Kranke Tiere dürfen mit einer Spritze eingeschläfert werden. So weit, so gut – nur hält sich niemand an diese Gesetze. In einem Land, in dem fast alle Menschen in Armut leben, wo es am Nötigsten fehlt und der Bildungsstand niedriger als gering ist, gilt natürlich ein Tierleben nicht viel.

Ein Blick nach Russland: Moskau hat versucht, der streunenden Hunde und Katzen mittels Kastration Herr zu werden – dort wurden umgerechnet etwa 1,7 Millionen Euro an ein Sterilisationsprojekt weitergeleitet. Die Tiere sollten gechippt, kastriert und wieder ausgesetzt werden. Ob das jemals geschehen ist, wurde niemals kontrolliert – Experten gehen davon aus, dass das Geld versickert ist. Jedenfalls kam man der Lösung des Problems nicht ansatzweise nahe.

Vor einigen Jahren setzte Moskau Staatsgelder ein, um die Tiere mit Giftspritzen ins Jenseits zu befördern. Bei dem Gift soll es sich nach Angaben von Beobachtern um einen Stoff gehandelt haben, der erst nach vierzig Minuten körperlicher Qualen zum Tod führt. Das Gift ist in der EU nicht zugelassen. Diese Praxis wurde 2002 eingestellt.

Anlässlich des 2009 in Moskau stattgefundenen Eurovision Song Contest schlug man andere Wege ein: Über sämtliche Medien wurde immer wieder verbreitet, dass streunende Hunde Passanten angefallen und mit Tollwut infiziert haben sollen. Die Häufung dieser Meldungen legt den Verdacht zumindest nahe, dass die öffentliche Meinung in genau diese Richtung gelenkt werden sollte. Angedacht war damals eine Abschussprämie: Für jeden getöteten Hund umgerechnet fünf Euro. Eilig fanden sich Killertrupps zusammen: Es gibt Filmdokumente von Hundefängerkolonnen, die die Tiere auf grauenvolle Weise töten.

Damals empörten sich auch Moskauer Bürger und wandten sich an die Behörden. Die betonten daraufhin die Notwendigkeit dieser Maßnahmen, da sich ja angeblich die Beißattacken auf Menschen in letzter Zeit gehäuft hätten.

Daraufhin sollten streunende Hunde aus Moskau in ein Tierlager in der Region Yaroslavl gebracht werden – 282 Kilometer nordöstlich von Moskau. Dort vegetieren bereits Tiere laut Augenzeugenberichten auf grausame Art vor sich hin und warten auf den Tod. Yaroslavl befindet sich übrigens in einer Partnerschaft mit dem Land Hessen.

Erst am 12. Oktober haben rund 10.000 Menschen in Moskau gegen den sogenannten »Hundegulag« demonstriert. Eine Petition, die an den Bürgermeister gerichtet war, reichte dieser umgehend weiter an seinen Sekretär – ausrechnet an den Mann, der dafür sorgt, dass Tausende von Tieren nach Yaroslavl transportiert werden. Trotzdem wurden die Pläne zunächst auf Eis gelegt. Die Hunde haben eine Galgenfrist.

Die Liste von Ländern, in denen Tiere grausam gequält, verstümmelt und umgebracht werden, ließe sich weiter fortsetzen – auch Pakistan ist beispielsweise im Visier der Tierschützer.

Trotz zahlreicher Unterschriftenaktionen, Petitionen und weiterer Proteste scheinen jedoch die Regierungen weltweit an einem wirklichen Tierschutz nicht interessiert zu sein.

Ein internationales Fußballfest in der Ukraine zumindest heißt, auf den Gräbern Tausender zu Tode gequälter Tiere zu tanzen.

Es wird die Veranstalter kaum hindern …

_______________________

Hier einige Links zu den Petitionen, an denen sich jeder beteiligen kann:

peta

thepetitionsite

 

 


 

 

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