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»Dies Buch ist ein Liebesbekenntnis.« So lautet der erste Satz – das Werk entpuppt sich dann jedoch sehr schnell als das genaue Gegenteil. Bittere Ironie tropft aus jeder Seite des Ratgebers für ein sorgenfreies Leben auf Kosten anderer.
Die Idee kam dem Autor während einer Griechenlandreise – bei einem Tauchgang zum Wrack der 2007 gesunkenen Sea Diamond. Die Reederei zahlte damals 50 Millionen Euro für die Bergung. Das Geld versickerte auf Privatkonten der politischen Führung von Santorin. Anschließend mahnte man die EU an – solch ein Wrack sei schließlich gefährlich. Die EU erklärte daraufhin das Wrack
zu Sondermüll – und zahlte. Dessen ungeachtet gammeln die Schiffsüberreste auch noch heute fröhlich auf dem Meeresgrunde vor sich hin, ohne dass sich jemand auch nur im Geringsten darüber aufregen würde.
Es ist diese Haltung, die Autor Bittrich wütend macht, hüben wie drüben. Und das entbehrt einer gewissen Komik nicht. Auf der einen Seite jammernde Griechen, die ständig fordern, auf der anderen Seite EU-Kommissare, die ihre Finanzhilfen geradezu aufdrängen. Dem Ärger über so viel soziales Unvermögen kann man nur entrinnen, wenn man diese »Auf-Lau-Mechanismen« auf das eigene Leben zu übertragen sucht – und das liegt näher, als man es sich wünschen mag. Autor Bittrich führt die Beweise an.
So gibt es zu fast jedem Bereich des täglichen Lebens einen ironischen »Griechify-Tipp«. »Griechify your Bildschirm« – schonen Sie den Computer und sich selber im Büro: Arbeiten Sie einfach nicht! Und so ist es auch natürlich auch kein Zufall, dass in Griechenland Krankheits-Symptome wie die gemeine Maushand oder eine schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung deutlich seltener vorkommen als bei uns, jedoch die PC-Bildschirmschoner länger und häufiger laufen.
»Griechify your Kundendienst«: Lassen Sie andere ruhig warten, das steigert den eigenen Wert. Wie? Ganz einfach: Mit Versprechungen und Hinhaltemanövern. Lassen Sie Anfragen ins Leere laufen, vertrösten Sie, setzen Sie Preise herauf. Kennen wir diese Mechanismen nicht seit den Eurorettungsversuchen zur Genüge?
Auch das Prinzip »Mit Schuldgefühlen abkassieren« wird erläutert: Wenn Deutsche nicht mehr zahlen wollen, müssen sie einfach nur an die Nazi-Zeit erinnert und mit Hitler verglichen werden, schon rollt der Euro wieder. Das Leben kann so einfach sein.
Nächster Tipp: »Glücklich auf Pump leben« – ein Mechanismus, den die Griechen verinnerlicht haben. Wer auf Pump luxuriös lebt, braucht selbst nicht mehr zu pumpen – dem geben alle anderen freiwillig, um sich beliebt zu machen.
In amüsanter Art und Weise macht der Autor mit diesen Beispielen aus Griechenland wie auch Deutschland seinem Ärger Luft – seinem Ärger über 30-jährige Rentenbezieher, über EU-Zuwendungen für den Umweltschutz, während überall in Griechenland ständig neue wilde Mülldeponien entstehen und Altöl einfach in den Boden entsorgt wird. Ärger über die einlullenden Worte, mit denen wir täglich für dumm verkauft werden: »Wenn Sie Geld abschöpfen wollen, müssen Sie Vokabeln einstreuen wie Strukturreform, Integrationsprozess, Kulturaustausch oder dauerhafte Friedenssicherung und immer wieder >im Gesamtzusammenhang<«. Griechify your Rhetorik.
Allerdings sind das Worte, die in Griechenland kaum jemand lesen dürfte – denn der Analphabetismus ist hier erstaunlich hoch. Nicht, weil Griechen dümmer wären: mit hochgerechneten Zahlen lässt sich der europäische »Fonds zur Förderung elementarer Kulturtechniken« besser anzapfen. Dieser wird übrigens sonst nur von Rumänien beansprucht, schreibt Autor Bittrich.
Allen, die an ihrem Ärger über die Griechen-Krise bisher glaubten, ersticken zu müssen, wird dieses Buch Erleichterung verschaffen: Denn es tut richtig gut, dieser griechischen Tragödie auch einmal die komische Seite abgewinnen und einfach mal herzhaft darüber lachen zu können. Griechify your life!
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