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Immer mehr Menschen stellen sich heutzutage die Frage: »Was haben sich die Europäer, um Himmels willen, eigentlich dabei gedacht, als sie sich auf nur eine Währung für ganz Europa einigten?«
In der griechischen Mythologie lebte [der Riese] Prokrustes, ein Sohn des Meeresgottes Poseidon [als Wegelagerer in der Gegend von Eleusis]. Er besaß ein aus Eisen gefertigtes Bett, das seiner Größe angemessen war. Er zwang jeden Wanderer, der an seiner Behausung vorbeikam, sich in dieses Bett zu legen. War der Gast zu klein, zog er ihn auseinander und streckte seine Glieder
solange, bis sein Opfer in das Bett »passte«. War sein Gast zu groß für das Bett, hieb er ihm die Gliedmaßen »auf die richtige Größe« zurecht …
An diese antike Geschichte einer »Einheitsgröße« scheint man im 21. Jahrhundert wieder anknüpfen zu wollen, als die Europäer überredet wurden, sich einem Oxymoron zu unterwerfen – einem offenkundigen und konzeptionellen Widerspruch in sich, den sie »den Euro« nannten.
Diese supranationale Gemeinschaftswährung, die von Frankreich und Deutschland erfunden wurde, der sich Großbritannien verweigerte und die die Schweiz ignorierte, die von Deutschland gesteuert und vom Rest Europas in einem Wahnzustand euphorischer Unwissenheit übernommen wurde, hat letztendlich ihre Maske fallengelassen und zeigt ihre hässliche Fratze: Sie ist ein Mechanismus, der niemals wirklich funktionieren kann und ausschließlich den Interessen der Bankerelite, aber nicht denen der arbeitenden Bevölkerung dient.
Dieses Währungskonstrukt überdeckt grundlegende, umfassende, weitreichende und vielgestaltige Gegensätze, die die relative Größe, die Stärke, das Profil, die spezifische Ausgestaltung, die Geschichte, ökonometrische Faktoren, die Arbeitsmarkt- und Arbeitspolitik, das Rentenwesen, die Industriestruktur und nicht zuletzt die menschlichen und natürlichen Ressourcen der 17 Nationen der Eurozone betreffen, in der sich Länder wie Deutschland und Frankreich auf der einen und Griechenland, Portugal und Irland auf der anderen Seite gegenüberstehen.
In einem anderen Artikel schrieb ich vor Kurzem, der Euro trage ein Verfallsdatum, und möglicherweise hofften die Eurokraten, die vor zehn Jahren seine Geburtshelfer waren, er würde etwas länger halten und vielleicht sogar erwachsen werden … Aber ihnen war klar, dass der Euro über kurz oder lang sterben würde; denn das war auch so geplant.
Schließlich ist der Euro kein Selbstzweck, sondern markiert einen Übergang, eine Brücke, oder er war als Experiment für eine supranationale Währung gedacht, die durch eine noch ehrgeizigere und stärkere Weltwährung ersetzt werden soll, die von einer Welt-Zentralbank unter der Kontrolle einer Clique global agierender Privatbankiers ausgegeben wird. Diese Bankenkreise sind entschlossen, ihre Vision einer Neuen Weltordnung durchzusetzen, die von einer privaten weltweiten Machtelite ersonnen wurde.
Aber die Finanzkrise, die sich zunächst allmählich über Europa ausbreitete, ist zu einem ausgewachsenen Finanztsunami angeschwollen, der das ganze Euro-System zu verschlingen droht … Aber noch weiteres und größeres Unheil kündigt sich an.
Viele Aspekte und Erscheinungsformen der heutigen Eurokrise sind nichts anderes als verschiedene Spielarten des Souveränitätsproblems. Denn wenn die führenden Politiker eines Landes in unverantwortlicher Weise bereit sind, Teile der Souveränität ihres Landes – seien sie nun währungspolitischer, politischer, finanzieller, wirtschaftlicher juristischer oder militärischer Natur –
abzugeben, sollten sie sich genau überlegen, was sie damit bewirken und was die mittel- und langfristigen Folgen sind.
Eine Übertragung von Souveränitätsrechten bedeutet, dass andere irgendwo Entscheidungen treffen werden, die auf den Interessen anderer beruhen. Solange es sich um gemeinsame Interessen handelt, wäre alles in Ordnung. Aber sobald die unterschiedlichen Gruppeninteressen nicht länger deckungsgleich sind, beginnt ein Machtkampf. Und Machtkämpfe haben es an sich, dass in der Regel die Stärkeren gewinnen und die Schwächeren verlieren.
In der Eurozone tobt derzeit ein heftiger Machtkampf. Wer wird gewinnen? Wer wird die neue Politik bestimmen – Deutschland oder Griechenland? Frankreich oder Portugal? Deutschland oder Italien?
Und dies betrifft nur die Oberfläche, sozusagen die öffentlich sichtbare Seite. Man darf aber die versteckteren, von den Medien in ihrer Berichtserstattung weniger berücksichtigten, sozusagen »privaten« Schichten nicht aus dem Auge verlieren, in denen die wirklichen Machtentscheidungen fallen.
Welchen Interessen wird sich der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti stärker verpflichtet fühlen – den Interessen und Bedürfnissen des italienischen Volkes oder denen der Großbanker, die der einflussreichen Trilateralen Kommission angehören, deren europäischer Vorsitzender er ist? Die gleiche Frage stellt sich auch beim griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos, der ebenfalls der Trilateralen Kommission angehört. Und die gleiche Problematik betrifft alle Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten, in denen die Chefs der Großbanken, die Großindustriellen und Medienmogule die eigentlichen Drahtzieher sind, die sich in Organisationen wie der Trilateralen Kommission, der Bilderberg-Gruppe, dem Weltwirtschaftsforum und Denkfabriken wie dem Chatham House und anderen Lobbygruppen zusammengeschlossen haben.
Die weltweiten Eliten werden alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um den Euro zu einer Übergangsphase in Richtung einer Weltwährung zu machen, die den Euro und den Dollar irgendwann ersetzen soll. Zu diesem Prozess gehört auch der kontrollierte Zusammenbruch beider Währungen, während man insgeheim schon den »Königsweg« eines »Welt-Dollars« oder eines anderen Oxymorons vorbereitet.
Ein Zusammenbruch des Dollars lässt sich leicht herbeiführen: Es reicht schon aus, wenn die etablierten Medien hysterisch melden: »Der Dollar ist hyperinflationär!«, und der Dollar wird umgehend in die Tiefe stürzen, da er keinen wirklichen Rückhalt mehr besitzt. Auch der Euro wird untergehen, wenn die Mitgliedsländer der Eurozone mit einer Rückkehr zu den alten Tagen der Peseten, Lira, Francs, Escudos und Drachmen liebäugeln ...
Ist die Zeit dafür schon reif? Möglicherweise nicht …, noch nicht. Ohne Zweifel werden wir noch weitere »Notbehandlungen«, weitere »finanzielle Chemotherapien« erleben, mit denen der Euro gerettet und stabilisiert werden soll, wie es schon mit den verschiedenen Bankenrettungspaketen der Fall war. Auch wenn die meisten Banken und das Euro-Oxymoron nicht wirklich gerettet, sondern höchstens künstlich am Leben gehalten werden können und praktisch als Untote weiterexistieren.
An die Adresse der Griechen, Italiener, Spanier, Portugiesen und Iren, aber auch an die Franzosen und Deutschen richtet sich jetzt die folgende, entscheidende Frage: Nehmt Ihr die Einladung Eurer Führungspolitiker in Brüssel an, Euch in Euer gemachtes Prokrustes-Bett zu legen?
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