Freitag, 23. Juni 2017
11.06.2016
 
 

Bilderberg in den »Qualitätsmedien«: So einfach ist das alles!

Andreas von Rétyi

In Dresden ist die Bilderberg-Konferenz in vollem Gange, und im Gegensatz zu früheren Zeiten müssen auch die Leitmedien in der einen oder anderen Form Stellung zur Sache beziehen. Das allerdings fällt ihnen sichtlich schwer. Was also bleibt übrig, als mit ewig gleichlautendem Vokabular gegen die wachsende Zahl kritischer Stimmen zu feuern und die Konferenz zu verharmlosen! Kritischer Journalismus sollte eigentlich anders aussehen.

 

Die etablierten Medien stehen seit geraumer Zeit unter Handlungsdruck. Sie müssen endlich reagieren, wenn es um Bilderberg geht. Die Konferenzen lassen sich nicht mehr vor der breiten Öffentlichkeit verschweigen, wie das über Jahre und Jahrzehnte hinweg der Fall gewesen ist. Es ist noch gar nicht so lange her, da fiel zum Thema kein Sterbenswörtchen.

 

Der »Normalbürger«, der zum ersten Mal von Bilderberg hörte, ging in aller Regel von blanker Verschwörungstheorie aus. Selbst heute noch haben viele Menschen nichts von Bilderberg gehört. Mittlerweile aber haben unabhängige und kritische Journalisten diese verdeckten Treffen irreversibel ans Licht gebracht. Und genau deshalb steht der große Strom nun unter Zugzwang.

 

Berichtet wird nun zwar auch hier über die Treffen, allerdings – von Kritik fehlt weitgehend jede Spur. Es geht lediglich darum zu retten, was zu retten ist. Die allgemein betriebene Verharmlosung der Thematik dient gleich mehreren Herren. Einmal schützt sie die Konferenz und deren strikte Geheimhaltungspolitik, dann hält sie zum Schein teilweise auch als Erklärung für das lange Schweigen der großen Medien her.

 

Was die diversen Parade-Blätter und üblichen Medienformate derzeit zum Bilderberger-Treffen 2016 zu berichten haben, stellt allerdings zumeist eine recht plumpe Form der Schadensbegrenzung dar, um die Öffentlichkeit ruhigzustellen, dies vielfach in einem Ton arroganter Abgeklärtheit, die jener (ab)schreibenden Zunft des Konformitätsjournalismus jedoch kaum zukommen dürfte. Nur verfängt die Methodik immer weniger. Wie auch immer, da finden sich fabelhaft simplifizierende Erklärungen, belegt durch Extrembeispiele, über die sich eigentlich niemand mehr den Kopf zerbricht.

 

Das ist natürlich wieder zum tausendsten Male recht fantasiefremd von »kruden Verschwörungstheorien« die Rede – nun, wo aber finden sich die nicht? Allein, zum Pauschalargument der Beurteilung kritischer Stimmen dürfen sie nicht geraten. Es ist allgemein gesagt schon erstaunlich, wie immer wieder versucht wird, Bilderberg-Kritiker völlig aus dem Kontext gerissen lächerlich zu machen, indem das übliche »Pandämonium« an Verschwörungstheorien heraufbeschworen wird. Es wäre so, als ob man die Welteislehre dazu heranzöge, Theorien über globale subglaziale Ozeane des Jupitertrabanten Europa lächerlich zu machen.

 

Wie dem auch sei, gerne wird gegenwärtig Henri de Castries zitiert, Vorsitzender der Bilderberg-Konferenz. Schließlich muss er doch genau wissen, was von der Konferenz zu halten ist. Gewiss auch wird er den Medien bereitwillig verraten, was vor sich geht, warum ein derart hoher Aufwand der Geheimhaltung und Abschottung betrieben wird. Immerhin, die Stadt Dresden hat ein allgemeines Versammlungsverbot verhängt, das auf großzügig bemessener Fläche rund um das Taschenbergpalais gilt. Hunderte von Polizisten sind im Einsatz, Absperrungen verhindern den Zugang zum Gelände, der Luftraum ist für Drohnen und andere Flugkörper gesperrt.

 

Was sagt nun Henri de Castries zur Konferenz? »Es ist kein Parlament, keine operative Organisation. Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern. Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?«

 

Das sind schon recht erstaunliche Aussagen. Wo denn hat heute noch jeder normale Bürger wirklich ein reales Recht auf Privatsphäre! Nicht zu vergessen, dass aus dem Umkreis von Konferenz-Teilnehmern schon vor Jahren zu vernehmen war, man müsse dieses Konzept Privatsphäre endlich aufgeben, es sei überholt. Hinzu kommt wohl, dass jener elitäre Kreis unser Dasein sehr wohl nachhaltig zu beeinflussen imstande ist, während man dies umgekehrt vom Einfluss des Normalbürgers wohl kaum sagen kann. Da die bei Bilderberg diskutierten Themen uns alle angehen und die Konferenzen von Steuergeldern mitgetragen werden, wäre doch wohl nur recht und billig, die Inhalte bekannt zu machen – und dies nicht lediglich in Form einiger äußerst knapper Stichpunkte.

 

Doch die Strukturen und die Regeln, auf denen die Bilderberger-Treffen gründen, stehen völlig konträr zu dieser Forderung. Und letztlich handelt es sich auch bei Bilderberg-Teilnehmern nicht um gleichwertige Partner; da bilden sich kleinere Gruppen, es gibt zahlreiche Vieraugen-Gespräche und zudem existiert ein harter Kern in Gestalt des Lenkungsausschusses.

 

Für den Mainstream aber ist alles ganz klar: Die sogenannten Verschwörungstheorien boomen derzeit angeblich, weil die globalisierte Welt zunehmend komplexer wird und die Menschen simple »Erklärungen und Rezepte« hören wollen. Die reale Situation gestaltet sich jedoch vielfach anders. Es ist gerade der Mainstream, der ein relativ schlichtes Weltbild pflegt, indem wesentliche, nicht ins konforme Bild passende Fakten häufig schlichtweg unterschlagen werden. Solche Fakten werden dann pauschal als »Verschwörungstheorien« abgestempelt, in gröbster Vereinfachung. Bilderberg demonstriert lebendig, was davon zu halten ist. Wirklich simpel und eindimensional gestalten sich die Fakten fast nie. In der allgemeinen Berichterstattung zu Bilderberg allerdings schon.

 

Warum beispielsweise die enorm hohen Sicherheitsvorkehrungen? Natürlich, da versammeln sich hochkarätige Leute aus der ganzen Welt, demnach muss logischerweise für entsprechend hohen Polizeischutz gesorgt sein. Letztes Jahr war das im Extrem zu bemerken. 2015 trafen sich die Bilderberger wesentlich stärker abgeschottet als 2016 – die Konferenz fand in einem Luxushotel hoch oben auf einem Bergplateau in Tirol statt. Interessant allerdings, dass vor allem alternative Journalisten etliche Teilnehmer am Flughafen oder Bahnhof ansprechen konnten, ohne dass in irgendeiner Weise für deren Sicherheit gesorgt gewesen wäre. Einigen Reportern gelang es sogar, bis zur Hotelzufahrt vorzudringen und die Teilnehmer abzufangen, um Fotos zu machen. Allein dieser Umstand belegt: Bei all der Abschottung geht es nicht so sehr um die Sicherheit der Teilnehmer als vielmehr um die Abschottung der dort ausgetauschten Informationen.

 

2014 in Kopenhagen gingen Konferenzteilnehmer auf den Straßen spazieren – keine Sorge um tätliche Attacken auf Teilnehmer. Es geht vorrangig um Informationen. Vor allem aus diesem Grund darf sich niemand Zugang zum Hotel verschaffen. Selbst als die Bilderberger 2015 bereits abgereist waren, wurde ein US-amerikanisches Journalistenteam sehr nachdrücklich des Hotels verwiesen. Wolle man der Aufforderung nicht Folge leisten, werde es Schwierigkeiten geben, so die Direktion.

 

Nur einen Tag nach Abreise der hohen Gäste musste demnach sichergestellt werden, dass keine Notizen, USB-Sticks oder andere Informationsquellen zurückgelassen wurden. Es sind vor allem die Inhalte der Konferenzen, von denen die Öffentlichkeit nichts erfahren darf und die geheim bleiben müssen.

 

Was nun die angeblich völlig ungerechtfertigte Kritik an Bilderberg und die seitens der Massenmedien belächelten Vorwürfe einer wesentlichen politischer Einflussnahme durch die Konferenzen im Sinne einer »geheimen Weltverschwörung« oder »geheimen Weltregierung« betrifft, wäre vor dieser Kritik erst einmal zu definieren, was damit gemeint ist.

 

Mit Blick auf Bilderberg abschließend noch zwei kurze Zitate. Das erste stammt von C. Gordon Tether, ehedem Journalist der Financial Times, London. Tether verweigerte sich der allgemeinen Zensur und verlor 1976 wegen seiner kritischen Artikel seinen Job. Seine Arbeit The Prince and the Bilderbergers erregte äußerstes Missfallen. Chef der Financial Times war damals der gut mit den Eliten vernetzte Max Henry Fisher. Unter anderem schrieb Tether: »Wenn die Bilderberg-Gruppe keine wie auch immer geartete Verschwörung darstellt, so wird sie doch in solcher Weise geführt, dass sie eine bemerkenswerte Imitation [einer solchen Verschwörung] abgibt.«

 

Und der amerikanische Soziologe und Gesellschaftskritiker C. Wright Mills schrieb bereits 1962: »Wird der Kreis der einflussreichen Menschen bei gleichzeitiger Konzentration der Machtmittel und bei unendlich vergrößerter Tragweite der Entscheidungen immer enger, dann lässt sich der Ablauf großer Ereignisse häufig auf die Entschlüsse deutlich bestimmbarer Gruppen zurückführen.« Man kann gar nicht oft genug an diese Worte erinnern. Heute, über ein halbes Jahrhundert danach, und nach weit über 60 Bilderberg-Konferenzen, haben die Qualitätsmedien anscheinend immer noch nicht verstanden, worum es geht. Sie dürfen das auch gar nicht.

 

 

 

 

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