Saturday, 23. July 2016
30.03.2011
 
 

Ein leuchtendes Geheimnis

Andreas von Rétyi

Anfang März startete das zweite X-37B-Raumschiff der US Air Force zu einer geheimen Mission ins All, nachdem sein Vorgänger im vergangenen Jahr in eine Erdumlaufbahn geschickt worden war. Und wieder konnte eine kleine Gruppe von spezialisierten Amateurbeobachtern den Orbital-Flugkörper am nächtlichen Himmel identifizieren. Air Force, NASA & Co schweigen sich über die Aufgabenstellungen aus, doch die Grundidee hinter dem Roboter-Shuttle scheint klar zu sein.

Derzeit kreist eine Art Miniaturausgabe des mittlerweile ausgedienten Space Shuttle einsam um unseren Planeten und wird wohl noch monatelang im All bleiben. Gewiss ist jener Orbitalflugkörper, genannt OTV-2 oder Orbital Test Vehicle 2, kein »Nachfolger« des bemannten Raumpendlers, wie wir ihn seit vielen Jahren kennen und wie er neben teils spektakulären Weltraummissionen auch durch katastrophale, tödliche Unglücksfälle in die Schlagzeilen geriet.

OTV-2 erreicht nur ein Viertel der Größe eines Space Shuttle, sieht ihm aber formal durchaus ähnlich – mit der rundlichen Nase und den Stummelflügeln. Auch besitzt es eine Ladebucht, die naturgemäß allerdings weitaus geringere Nutzlasten aufnehmen kann. Immerhin aber reicht es für Spionagesatelliten. Überhaupt darf mit einiger Gewissheit davon ausgegangen werden, dass dieses unbemannte orbitale Testfluggerät ebenso wie sein Vorgänger OTV-1 als geheimdienstliches Instrument vor allem für (sehr verdeckte) Aufklärungsmissionen eingesetzt werden soll. Vielleicht sind aber auch Einsätze als orbitaler Waffentransporter geplant.

Wie so oft, begann alles ganz harmlos. Nämlich im Jahr 1999. Damals wurde die X-37B als NASA-Projekt ins Leben gerufen, demnach ein Forschungsprogramm der zivilen US-Weltraumbehörde, die an sich gar nicht so zivil ist. Es sind wahrlich schon mehr als zarte Bande, die zwischen der NASA und Strukturen des militärisch-geheimdienstlichen Komplexes bestehen. Nichts Neues natürlich, aber immer wieder bemerkenswert. Und warum sollten die Beziehungen heute anders sein? Immer noch besteht die Nähe zum Verteidigungsministerium und zu nachrichtendienstlichen Anwendungen. Vor allem beim OTV-Programm dürfte dies auch der viel zitierten breiten Öffentlichkeit schnell deutlich geworden sein.

Der Übergang in geheimere kosmische Sphären fand spätestens 2006 statt, als Pentagon und US-Luftwaffe das Programm unter ihre Fittiche nahmen. Damals legte sich ein Mantel des Schweigens über wesentliche Aspekte der X-37B. Von Budget und Missionszielen war seitdem nicht mehr viel zu hören. Dann, am 22. April 2010, war es soweit. OTV-1 startete ins All. Auch hierzu war im Übrigen nicht allzu viel zu vernehmen. Gut, ein paar technische Daten waren mittlerweile bekannt geworden, doch bei diesem Projekt dürften sie kaum das Maßgebliche sein. Und kurz nach dem Liftoff verlor sich die Spur sprichwörtlich im Nichts. Es gab keinerlei offizielle Informationen zu den Bahndaten. Bald aber konnten einige auf künstliche Flugkörper im Erdorbit spezialisierte Amateure die verschollene Weltraumdrohne ausfindig machen. Kursänderungen ließen sie zwischenzeitlich zwar wieder im Dunkel abtauchen, doch den »Himmelsjägern« gelang es immer, neuen Sichtkontakt aufzunehmen. Nicht anders auch beim aktuellen Test. Wieder wurden keine offiziellen Auskünfte zum Orbit bekannt gegeben. Schon am 9. März, vier Tage nach dem Start also, verkündete der kanadische Beobachter Ted Molczan den Erfolg. Zuvor hatte er auf Grundlage der früheren Beobachtungen sinnvolle Kombination von Bahnelementen veröffentlicht, die erste Anhaltspunkte für die Suche geben sollten. Wie er dann bekannt gab, konnte sein Beobachterkollege Greg Roberts aus Cape Town das Raumschiff unter schwierigen Bedingungen sichten und damit gleichsam noch im Beginn der geheimen Mission auf »frischer Tat« ertappen. Bald folgten weitere Bestätigungen durch andere Beobachter.

Das größtenteils geheime OTV-2 bewegt sich auf einer leicht elliptischen Bahn mit einer Inklination von 42,8 Grad, was es über einen weiten Bereich geografischer Breiten führt, sowohl nördlich als auch südlich des Äquators. Seinen größten Abstand erreicht es mit knapp 345 Kilometern, die Erdnähe liegt bei 327 Kilometern. Also geringe Distanzen vom Boden, die unter anderem bedingen, dass dieses Raumschiff in nur 91,1 Minuten Dauer einmal komplett um unseren Planeten rast. Stehen die Bahndaten erst einmal fest und ist klar, wann und wo das Raumschiff gerade beobachtbar ist, lässt es sich eben wegen seines geringen Erdabstands recht gut beobachten, wobei es einem Stern mittlerer Helligkeit ähnelt, der sich allerdings sehr schnell über den Himmel bewegt.

Wer Näheres zur aktuellen Position von OTV-2 wissen will, muss nur die Seite http://www.n2yo.com/?s=25544 aufrufen und hier OTV 2 (USA 226) aufrufen. Hier sind weitere Bahndaten zu finden sowie nach Anklicken von »Track it now« eine Weltkarte mit der augenblicklichen Position des nicht mehr ganz so geheimen Geheim-Shuttle.

 

 

 

 


 

 

 

 

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