Thursday, 28. July 2016
18.02.2016
 
 

Strategische Stabilität in Gefahr: Ein brandgefährliches Angriffssystem

Andreas von Rétyi

Mit deutlichen Worten kritisierte unlängst Russlands NATO-Botschafter Alexander Gruschko die amerikanischen Bemühungen, ein hochpräzises Lenkwaffensystem zu etablieren. Dieses System, das innerhalb von nur einer Stunde weltweit alle beliebigen Ziele erreichen soll, stellt laut Gruschko eine klare Bedrohung des strategischen Gleichgewichts dar.

 

Der russische NATO-Botschafter Alexander Gruschko kommentierte gegenüber dem Wall Street Journal, das US-Projekt Prompt Global Strike (PGS) sei dem militärischen Verständnis strategischer Stabilität zufolge eine bedrohliche Entwicklung. Solche Themen müssten diskutiert werden.

 

Moskau habe mit Blick auf die NATO ohnehin etliche Bedenken, so auch, wenn es um die geplante Einrichtung eines Raketen-Schutzschildes in Europa oder die Militarisierung des Weltraums gehe.

 

Insgesamt läuft alles erneut auf sehr kriegerische Zeiten hinaus. Das 21. Jahrhundert wird wohl kaum zivilisierter werden als sein Vorläufer. Vielmehr droht es unmittelbar in eine Apokalypse hineinzugleiten.

 

Der russische Premier Dmitri Medwedew erwiderte besorgten Fragen auf der Münchner Sicherheitskonferenz allerdings mit beschwichtigenden Worten. So erklärte er gegenüber Journalisten des Time-Magazins, ein neuer Kalter Krieg sei noch nicht ausgebrochen, fügte jedoch gleich hinzu, bestimmte Entscheidungen der NATO könnten genau dazu beitragen.

 

Das Signal war deutlich. Man darf sich denken, was Medwedew unausgesprochen ließ. Welchen Namen man den zunehmenden weltweiten Spannungen auch immer geben will, die Welt gleicht wieder einem Pulverfass. Medwedew beklagte seinerseits die Unfreundlichkeit, die Moskau seitens der Allianz spüre. Russland werde beinahe täglich als schlimmste Gefahr abgestempelt.

 

Dass in der großen Politik wahrlich keine Waisenknaben aufeinandertreffen, muss nicht betont werden. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch Russland betreiben intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit, um schnelle und präzise Waffensysteme zu installieren, die mittels Hyperschallflug beliebige Ziele der Welt innerhalb von nur einer Stunde erreichen können.

 

Im September 2014 erklärte das russische Verteidigungsministerium, an solchen Systemen für einen umgehenden weltweiten Schlag zu arbeiten.

 

Und die USA?

 

Bald nach den verheerenden Anschlägen des 11. September 2001, die unsere Welt auf den Kopf gestellt haben und alle Insignien einer gewaltigen Operation unter falscher Flagge tragen, legte ein aktualisierter Verteidigungsplan des Pentagon neue Aufgaben für das Strategische Kommando der USA fest. Das war im Januar 2003. Hauptziel der Anstrengungen: ein schneller globaler Schlag (Prompt Global Strike) mit Präzisionskampfmitteln!

 

Dabei wurde vom ursprünglichen, etwas schwerfälligen Operations Plan abgesehen und ein neues Konzept formuliert. Es sollte mit kleineren, flexibleren Einsatzplänen besser auf die aktuelle Weltlage abgestimmt sein. Seit Herbst 2004 gilt der Contingency Plan 8022 zur Durchführung der Global-Strike-Initiativen. Auf beiden Seiten also ähnliche Ideen.

 

Wie nun Gruschko auf der Münchner Sicherheitskonferenz betonte, bestehe seitens Russland überhaupt kein Interesse an einer Konfrontation mit der NATO. Es sollte aber verständlich sein, dass die zuständigen Behörden Russlands »eine Analyse der Militärplanung durchführen und alles unternehmen werden, um unsere Sicherheit zu gewährleisten«, so fügt Gruschko hinzu, der sich auf der Sicherheitskonferenz durchaus an die Rhetorik des Kalten Krieges erinnert gefühlt habe.

 

Entsprechend fragt er dann auch: »Wann hört die NATO auf, die Idee auszunutzen, Russland beispielsweise werde von heute auf morgen die baltischen Staaten angreifen? Verstehen Sie, dass es keine realen Gefahren gibt? Das ist keine echte Tagesordnung der Sicherheitspolitik.«

 

Vorwürfe, Russland habe bereits atomare Schläge gegen andere Staaten trainiert, weist er als haltlos zurück. Die Übungen seien vollends transparent gewesen. Man habe zwar solche Simulationen organisiert, um die eigenen nuklearen Möglichkeiten zu testen, doch ein Geheimnis sei daraus nicht gemacht worden.

 

Ein Kernwaffeneinsatz käme für Russland nur bei einer Gefährdung der Existenz des Staates infrage. Was über imitierte Atomschläge gegen andere Staaten berichtet worden sei, entspreche nicht der Faktenlage. Außerdem habe Russland bekanntlich die Streitkräfte und die Kernwaffen sehr wesentlich reduziert.

 

Traurige Tatsache aber bleibt: Die aktuellen Bemühungen auf beiden Seiten laufen wie selbstverständlich auf brandgefährliche strategische Konzepte und einen neuen Rüstungswettlauf hinaus. Sowohl die amerikanischen als auch die russischen Initiativen werden mindestens ein Jahrzehnt bis zur Einsatzreife beanspruchen, heißt es derzeit. Das bietet leider nicht die geringste Garantie dafür, dass die Welt nicht bereits früher in eine Katastrophe gleitet.

 

 

 

 

 

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