Tuesday, 27. September 2016
05.08.2010
 
 

Unterwasser-Endlager vor Hawaii angeblich sicher

Andreas von Rétyi

Die Universität von Hawaii hat kürzlich ihre drei Jahre andauernde Untersuchung der betagten Sea Disposal Site Hawaii Number 5 (HI-05) abgeschlossen. Dieses Tiefsee-Endlager für die verschiedensten Waffensysteme befindet sich in Küstengewässern rund fünf Meilen südlich von Pearl Harbor, Hawaii. Insgesamt wurden hier mehr als 2500 Tonnen hochgiftiger Chemikalien versenkt. Mit von der Partie die chlorhaltige Arsenverbindung Lewisit, ebenso auch Senfgas und Cyanverbindungen. Laut der aktuellen Untersuchung ist das »Endlager« sicher. Doch man sollte besser nicht danach fragen, wie und durch wen diese beruhigende Studie wirklich zustande kam.

In bis zu zirka 500 Meter Tiefe lagert vor Hawaii laut umfangreichem Archivmaterial ein riesiges Arsenal alter Militärmunition. Unter anderem wurden auch rund 16 000 Einheiten von M47-Bomben aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs versenkt, von denen jede einzelne rund 30 Kilogramm Senfgas in einer dünnwandigen Stahlhülle enthält. Wegen der instabilen Behälter ist die Gefahr eines Lecks besonders hoch. Die aktuelle Untersuchung habe laut Projektmitarbeiterin Dr. Margo H. Edwards die genaue Bestimmung zahlreicher Bestandteile des unterseeischen Lagers ermöglicht: »Die systematische Annäherung, wie wir sie in Zusammenarbeit mit Angehörigen der US-Armee und der privaten Industrie (Environet, Inc.) entwickelt haben, gestattete uns, mehr als 2000 Munitionseinheiten am Meeresboden der untersuchten Region zu identifizieren«.

Für das komplexe Unternehmen kamen ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge und hoch auflösendes Sonar zum Einsatz. Eine Analyse habe ergeben, dass selbst die besterhaltenen Munitions-Container korrodierten, wobei die Verfallsrate allerdings erst noch zu bestimmen sei. Sehr beruhigend!

Geologische und biologische Proben aus der Umgebung von HI-05 ließen jedoch eine Entwarnung zu. Wunderbar! Demnach gebe es keinerlei nachteilige Einflüsse auf die Umwelt. Auch der Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten aus der Region sei unbedenklich. Also alles bestens! Die Messergebnisse lägen allesamt unter den Grenzwerten, wie sie von der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA zugelassen seien. Bekanntlich sind aber auch Überprüfungen durch die EPA nicht immer möglich, beispielsweise auch dort, wo die viel zitierte nationale Sicherheit gefährdet werden könnte. Ein zuverlässiges und neutrales Urteil darf jedenfalls niemand von der EPA erwarten.

Die letztlich wiederum unter der Ägide des Militärs durchgeführte Studie der HI-05-Anlage listet einige wesentliche Schlussfolgerungen auf, darunter auch, dass Proben aus der direkten Meeresumgebung keine Veränderungen durch menschliche Einwirkung zeigten und auch kein Austritt von giftigen Substanzen festgestellt werden konnte, bis auf eine Ausnahme: Senfgas. Doch sei dessen Auftreten in der Umgebung nicht definitiv nachgewiesen, könne also nicht bestätigt werden…

Laut Aussage der US-Armee sollten die versenkten Waffen allerdings völlig unberührt an Ort und Stelle verbleiben, da jede Bewegung der Behälter ein erhöhtes Risiko für die Umwelt und die Bevölkerung darstelle. Lokale Umweltschützer sind aufgebracht und sehen im Gegensatz zum Militär eine deutliche Gefahr in der Anlage HI-05. Sie befürchten logischerweise schon sehr bald auftretende Lecks in den meist stark korrodierten Arsenalen. Es ist wirklich bemerkenswert, dass zwar bereits deutlich fortgeschrittener Rost festgestellt wurde und auch die Korrosionsrate noch nicht bestimmt ist, insgesamt aber sofortige Entwarnung für dieses Giftmüll-Lager vor Hawaii gegeben wird!

Im Jahr 2007 hatten Politiker schlicht aus wahltaktischen Gründen die Aufmerksamkeit auf das Unterwasser-Lager gelenkt und entsprechende Studien angekündigt. Sonst wäre ohnehin kein Wort über die unterseeische Müllkippe verloren worden. Sämtliche Forschungen wurden dann über ein eigens hierfür an der Universität Hawaii (UH) eingerichtetes, klassifiziertes Labor der US-Marine koordiniert: das umstrittene Navy University Affiliated Research Center (UARC). Schon im Jahr 2005 taten sich Studenten sowie Repräsentanten der Universität Hawaii zusammen, um gegen die Einrichtung eines geheimen Militärlabors an der Uni zu protestieren und das Projekt zu verhindern. Die Aktion gipfelte in einer einwöchigen Besetzung des Büros von Uni-Präsident David McClain. Doch das Programm wurde, wenn auch in eingeschränkter Form, letzten Endes eben doch durchgesetzt.

Jetzt geben die Forscher von der Uni Hawaii Entwarnung für HI-05. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

 

 


 

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