
»Ich kann dem amerikanischen Volk und der Welt berichten, dass die USA eine Operation ausgeführt haben, die Osama bin Laden getötet hat.« So verkündete es Präsident Barack Obama
an diesem Sonntag zu ungewöhnlich später Stunde der Welt – und beendete damit ein nahezu zehn Jahre währendes Kapitel. Eine Woge der Erleichterung und Genugtuung verbreitete sich, unmittelbar nachdem die außergewöhnliche Nachricht durch die Medien gegangen war. Endlich konnte der lange gesuchte, doch bis heute verschollene terroristische Satan vom Erdboden getilgt werden. Sühne für einen unvergleichlichen Akts der Grausamkeit, bei dem rund 3.000 unschuldige Menschen in ein gigantisches Inferno gerissen wurden, in dem einige Opfer in Sekundenschnelle starben, während andere qualvoll zugrunde gingen. Sofort stand die Welt geschlossen hinter den Betroffenen und ihrer Nation. Wer auch immer diese entsetzliche Tat begangen hatte, musste mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gejagt und zur Rechenschaft gezogen werden.
Das »Gesicht des Terrors« ging bereits unmittelbar nach dem Schreckenstag des 11. September 2001 um die Welt: Als Kopf jener koordinierten Flugzeugattacke identifizierten die Behörden sofort Al-Qaida-Führer Osama bin Laden. Doch ein volles Jahrzehnt lang entkam er den Verfolgern, so die offizielle Darstellung. Jetzt aber ist es ebenso amtlich – bin Laden ist tot. Im East Room des Weißen Hauses erklärte Präsident Obama: »Justice has been done« – am Ende also siegte die Gerechtigkeit doch. »Für mehr als zwei Dekaden war bin Laden ein Führer und Symbol«, so erklärte Präsident Obama in seiner Fernsehansprache. »Der Tod von bin Laden kennzeichnet die herausragendste Errungenschaft unserer Nation im Kampf gegen Al Qaida. Doch sein Tod bezeichnet nicht das Ende unserer Bemühungen.« So ergänzte der Präsident: »Wir müssen und werden wachsam sein, zu Hause wie auch im Ausland.«
Wie aber ging bin Laden seinen Verfolgern nun endlich ins Netz? 2001 war er im Bergland von Tora
Bora, Afghanistan, verschwunden. Dann soll er sich nach Pakistan abgesetzt haben. Doch der Geheimdienst verlor seine Spur. Schließlich aber, im vergangenen August, sei es endlich gelungen, neue Hinweise auf den Aufenthaltsort des Top-Terroristen zu finden. Nach Monaten hätten sich diese Informationen zunehmend bestätigt, bis vergangene Woche sämtliche verbliebenen Zweifel ausgeräumt werden konnten, so der Präsident. In dieser Phase habe er die Autorisierung für eine geheime Operation in Pakistan geben können. Wie unter anderem zwei für Terrorabwehr zuständige Behördenvertreter bestätigten, wurde bin Laden in der vergangenen Woche getötet, wie es heißt, nicht per Predator-Drohne aus der Luft, sondern direkt vom Boden aus. Bei der »gezielten Operation« seien keine Amerikaner getötet worden, man habe »darauf geachtet, zivile Opfer zu vermeiden«. Nach einem Feuergefecht sei Osama bin Laden getötet worden, seinen Körper habe man sichergestellt. Dass der Al-Qaida-Kopf tief innerhalb Pakistans aufgefunden und getötet wurde, führe auch wieder zu der Frage, wie weit das Land wirklich bereit sei, mit den USA zusammenzuarbeiten. Denn pakistanische Behördenvertreter hätten seit Jahren vehement bestritten, dass sich bin Laden dort aufhalte.
Einige Skeptiker werden ohnehin die Frage stellen, ob das jetzt offiziell präsentierte Szenario den Fakten entspricht. Hielt sich bin Laden vielleicht wirklich keineswegs schon jahrelang in Pakistan auf, und das aus dem einfachen Grunde, weil er nicht erst seit einer Woche tot ist, sondern bereits seit etlichen Jahren?
Doch warum sollte so ein Triumph verschwiegen werden? Nun, zum einen vielleicht, weil ein lebender bin Laden den von Bush erklärten »Krieg gegen den Terror« weit mehr am Leben halten würde, zum anderen vielleicht auch, weil der Triumph in Wirklichkeit gar kein so großer Triumph war. Weil bin Laden nämlich ohne weiteres Zutun verstarb. Und der Gegenseite mochte der Mythos eines lebenden bin Laden ebenfalls willkommen sein, also gab es auch hier keine Dementi.
Schon vor Jahren erkärte Angelo M. Codevilla, ehemaliger Geheimdienstoffizier und späterer Professor an der Universität Boston: »Die gesamte Sachlage deutet darauf hin, dass Elvis Presley heute lebendiger ist als Osama bin Laden.« Denn die diversen, über die Zeit ausgestrahlten Videos zeigen laut Codevilla zahlreiche Ungereimtheiten und »überzeugen keinen unparteiischen Zuschauer«. Der führende bin-Laden-Kenner Professor Bruce Lawrence wies auf die für einen streng Gläubigen unangemessene Sprache in einer späteren Videobotschaft bin Ladens hin. Er trage auch goldene Ringe an den Fingern, was ebenfalls nicht mit der strikten islamischen Lehre der Wahhabiten vereinbar sei, der auch bin Laden angehöre. Was aber bedeutet das alles? Nun, offenbar etwas gar nicht Unübliches: nämlich das Präsentieren von Doppelgängern! So gibt es auch physiognomische Abweichungen vom Original. Unter anderem auffallend die nunmehr viel breitere Nase, die überhaupt nicht mit derjenigen von bin Laden übereinstimmt.
Sichere Zeichen für einen noch lebenden Osama bin Laden waren über die Jahre nicht mehr
vorzuweisen. Vor allem auch der Politik-Analyst David Ray Griffin hat in seinen Veröffentlichungen immer wieder erklärt, dass bin Laden bereits lange tot ist. Auch die widersprüchlichen Botschaften der Videos sprechen dafür. In seinen ersten Ansprachen hatte bin Laden wiederholt darauf hingewiesen, nichts mit den Anschlägen des 11. September zu tun zu haben. Erst in einem auf dubiose Weise in Jalalabad, Afghanistan, aufgefundenen Video vom 13. Dezember 2001 gesteht bin Laden seine Verbindung zu den Attacken ein und widerspricht all seinen zuvor gemachten Aussagen. Dieses Band wurde als der überzeugendste Beweis seiner Täterschaft präsentiert. Doch der Terror-Führer sieht in diesem Video ganz anders aus als der bis dahin bekannte Mann. Er wirkt weitaus gesünder. Und er verfasst mit der rechten Hand eine Notiz, während aber der echte bin Laden Linkshänder war, so Griffin. Auch die Aussagen, wie sie bin Laden zum erstaunlichen und auch für ihn überraschenden »Erfolg« eines kompletten Zusammenbruchs des World Trade Center macht, können für Griffin nicht aus dem Mund eines ausgebildeten Bauingenieurs stammen, wie es bin Laden immerhin war. So verwechselt der Top-Terrorist hier Stahl mit Eisen und scheint auch andere Fakten zu verwechseln. Wie David Griffin anmerkt, gelangte das seltsame Videoband genau zu dem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit, als Bush und Blair völlig versagt hatten, jedwede Beweise für bin Ladens Beteiligung an 9/11 zu präsentieren. Merkwürdig, wie oft so etwas geschieht – diese wertvollen Beweisstücke tauchen immer exakt im richtigen Moment auf. Griffins These: bin Laden starb genau am 13. Dezember 2001. Offenbar an einem Nierenleiden, das er in den Höhlensystemen von Tora Bora wohl eher nicht auskurieren konnte. Die Nachricht vom damaligen Tod bin Ladens wurde in einer kleinen Zeitungsnotiz des ägyptischen Blattes Al-Wafd offenbar bestätigt. Sie erschien am 26. Dezember 2001 und bezieht sich auf ein weiteres führendes Al-Qaida-Mitglied, das den Tod von Osama bin Laden damals bekannt gegeben habe. »Er starb an ernsthaften Komplikationen und hatte einen natürlichen, ruhigen Tod. Er wurde in Tora Bora bestattet. Dem Begräbnis wohnten 30 Al-Qaida-Kämpfer bei, enge Familienmitglieder und Freunde aus den Reihen der Taliban. Der Tradition der Wahhabiten folgend wurde am Grab keine Inschrift hinterlassen.«
Welche Version aber stimmt nun? Die Hinweise auf ein doppeltes Spiel, von denen es noch etliche weitere gibt, dürften nunmehr zumindest Grund für einige Skepsis hinsichtlich der am Sonntag veröffentlichten offiziellen Darstellung zum Tod von Osama bin Laden geben. Doch eines scheint jetzt in jedem Falle klar zu sein: Der seit dem 11. September 2001 meistgesuchte Terrorist ist definitiv tot.
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