Wednesday, 24. August 2016
02.12.2010
 
 

Weltraumgleiter X-37B beendet geheime Mission

Andreas von Rétyi

Am 22. April dieses Jahres startete ein voll automatisierter, experimenteller »Drohnen«-Raumgleiter mit der Bezeichnung X-37B zu einem Testflug ins All. Bereits wenige Minuten nach dem Liftoff versanken die Behörden in dauerhaftes Schweigen. Über das Projekt sind nur wenige Eckdaten bekannt, engagierte Satellitenbeobachter konnten jedoch den Orbit ermitteln und anhand des Bahnverlaufs einige interessante Rückschlüsse auf die Aufgaben der X-37B ziehen. Jetzt dürfte der geheime Raumgleiter bald wieder zur Erde zurückkehren.

Während diese Zeilen entstehen, rast der geheime Weltraumgleiter X-37B gerade über das australische Northern Territory hinweg, seine Bahn führt ihn in enormer Schnelligkeit um die Erde herum. Derzeit bewegt sich der kompakte Gleiter mit einer Geschwindigkeit von 7,38 Kilometern pro Sekunde, entsprechend immerhin 26.600 Kilometern in jeder Stunde. Ein kosmisches Geschoss. Nur einige wenige Orts-Zeit-Marken verdeutlichen dieses »Affentempo«.

5.52 Uhr MEZ: Teheran. Weiterflug über Afghanistan, Pakistan und Jaipur in Indien (5.58 Uhr). Alles in nur sechs Minuten! Von dort weiter zur Südspitze Malaysias, »Ankunft« gegen 6.05 Uhr, dann nördlich von Kuala Lumpur in Richtung Timor-See und Australien. Die X-37B, auch bekannt als Orbital Test Vehicle 1 (kurz: OTV1) befindet sich um 6.14 Uhr an der südwestlichen Küste bei Darwin. In insgesamt lediglich 16 Minuten von Jaipur, Indien, nach Darwin, Australien!

Satellitenbeobachter verfolgen die Bahn des so geheimen Testgleiters seit den ersten Tagen mit Argusaugen, um möglichst viel über seine potenzielle Leistung und seine Aufgaben in Erfahrung zu bringen. Dabei ist immer wieder erstaunlich, was ein bewegter Lichtpunkt am Himmel so alles preisgibt. Bekannt war immerhin, dass die maximale Flugdauer auf 270 Tage ausgelegt war, sodass jetzt von einem baldigen Ende der Mission ausgegangen werden kann. Im Januar dürfte die Landung erfolgen. Wie sich gezeigt hat, lässt auch die aktuelle Entwicklung des Bahnverlaufs darauf schließen. Mit Tausenden von Sichtungen hat das weltweite Amateur-Netzwerk von Satellitenbeobachtern dem OTV1 nachgespürt.

Der etwa zehn Meter lange Orbitalgleiter bewegte sich ursprünglich in einem Abstand von mehr als 400 Kilometern um die Erde und war von Anfang an gut am dunklen Himmel auszumachen. Wiederholte Änderungen der Bahn haben es den »Verfolgern« nicht leicht gemacht. So verloren sie dadurch für einige Tage die Orientierung, konnten das Objekt nicht mehr orten. Doch die Beharrlichkeit führte zum Ziel, mit einer eindeutigen Neuidentifizierung der X-37B.

Am 9. August wurde der Antrieb des Raumgleiters gezündet, um ihn in einen höheren Orbit zu verfrachten. Weitere Manöver am 6. Oktober sowie am 1. und 12. November führten dann allerdings zu einem stufenweisen Absinken, sodass die Bahn jetzt im Bereich zwischen 282 und 291 Kilometer Höhe liegt. Am 23. November entdeckte der erfahrene afrikanische Satellitenbeobachter Greg Roberts das »Objekt der Begierde« wieder. Die Bahndaten müssen allerdings noch bestätigt werden.

Dem kanadischen Beobachter Ted Molczan fiel ein besonderer Aspekt der einzelnen Bahnen auf: Jede war so gewählt, dass sie innerhalb weniger Tage wieder über die gleichen Punkte der Erde führte. »Solche Wiederholungen im Rhythmus von zwei, drei oder vier Tagen sind typisch für die Orbits von US-Aufklärungssatelliten«, erläutert Molczan. Auf diese Weise können besonders wichtige Punkte der Erdoberfläche zu Überwachungszwecken in ziemlich schneller Folge immer wieder fotografiert und auf Veränderungen hin überprüft werden. Interessant dabei auch der gegenwärtige Verlauf der Bahn über Afghanistan und Pakistan hinweg.

Die verschiedenen hohen Bahnen dürften mit unterschiedlichen Experimenten zusammenhängen, so vermutet Molczan, wobei zu Beginn des Orbitalfluges logischerweise mit dem größten Abstand vom Erdboden begonnen wird, um dann immer niedriger zu kreisen. Über die einzelnen Aktivitäten ließen die Behörden allerdings kein Sterbenswörtchen verlautbaren. Klar ist, dass es sich hier um einen Testflug handelt, was natürlich nutzbringende Beobachtungen nicht ausschließen muss. Auch wurde der genaue Zeitpunkt der Landung nicht preisgegeben. Dabei könnten allerdings entsprechende Warnungen an Piloten sowie eine Sperrung des Luftraums für militärische Operationen durchaus einigen Aufschluss geben. Vielleicht finden sich in den NOTAMs (Notices To Airmen) entsprechend verräterische Hinweise.

Die X-37B wird sich nach allem, was derzeit bekannt ist, parallel zum Verlauf einer Piste der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien einschießen und auf knapp 500 Stundenkilometer gebremst aufsetzen. Als Ausweichbasis gilt die auch für Shuttle-Flüge häufig genutzte Edwards Air Force Base im kalifornischen Antelope Valley. Wie es dann mit diesem kleinen Space Shuttle weitergeht, das durchaus in der Lage ist, Spionagesatelliten ins All zu transportieren, ist derzeit nicht bekannt. Allerdings dürfte bereits im März ein zweites Exemplar dieses von Boeing Phantom Works gebauten Orbitalflugkörpers gebaut werden.

 

_____________

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

US-Geheimprojekt: Luftschiffe als Spionage- und Kampfmaschinen

Udo Schulze

Trotz erheblicher ökonomischer Probleme und offiziell gesenkter Rüstungsausgaben lässt US-Präsident Barack Obama horrende Summen für neue Geheimprojekte ausgeben. Insgesamt 917 Millionen US-Dollar wurden für die Entwicklung zweier Luftschiffe bereitgestellt. Ziel der als Cargo-Lifter (Luftschiffe zum Transport sperriger Güter) getarnten Zeppeline  mehr …

Geheimer Raketenstart an der kalifornischen Küste?

Andreas von Rétyi

Am vergangenen Montag-Abend kam es zur Sichtung eines ungewöhnlichen Phänomens vor der kalifornischen Küste. Ein Kameramann des US-Senders KCBS filmte vom Hubschrauber aus einen mysteriösen Kondensstreifen, dessen spiralförmiges Muster sich deutlich über einen weiten Bereich des Himmels zog und an den Start einer große Rakete erinnerte. Die  mehr …

Geheimflugzeug am Himmel!

Andreas von Rétyi

Die US-Luftwaffe schweigt sich ziemlich aus über einen kompakten Weltraumgleiter, der gegenwärtig in einem relativ niedrigen Orbit um unseren Planeten kreist. Am 22. April hob das unbemannte Testflugzeug X-37B in Florida ab, um für unbestimmte Zeit und mit geheimer Zielsetzung ins All aufzubrechen. Die Behörden lassen kein weiteres Wort darüber  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Deutsche Pleitebanken vor dem Kollaps?

Michael Grandt

Die sogenannte »Bankenrettung« wird schlimme Folgen haben. Und jetzt verkündet der EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia auch noch, dass die irischen und die deutschen Banken seine »größten Sorgenfälle« seien.  mehr …

Geheimsache Karyes: Wie europäische Milliardäre der Steuer entfliehen

Udo Ulfkotte

Reiche Familien horten ihr Geld angeblich in der Schweiz, in Liechtenstein oder in den anderen bekannten ehemaligen Steueroasen. Allerdings gibt es inmitten Europas ein Land, das kaum jemand kennt. Es zieht in finanziell unsicheren Zeiten sehr diskret unvorstellbar große Vermögen magisch an – denn dort sind sie dem Zugriff der EU-Finanzminister  mehr …

Geheimer Notfallplan – Schließung der Bankschalter

Udo Ulfkotte

Nicht nur in Deutschland gibt es Pläne, vor dem Hintergrund der sich ausweitenden EU-Schuldenkrise und dem möglichen Ausscheiden eines Landes aus der Eurozone vorübergehend Bankschalter zu schließen und alle Geldautomaten abzustellen.  mehr …

US-Geheimprojekt: Luftschiffe als Spionage- und Kampfmaschinen

Udo Schulze

Trotz erheblicher ökonomischer Probleme und offiziell gesenkter Rüstungsausgaben lässt US-Präsident Barack Obama horrende Summen für neue Geheimprojekte ausgeben. Insgesamt 917 Millionen US-Dollar wurden für die Entwicklung zweier Luftschiffe bereitgestellt. Ziel der als Cargo-Lifter (Luftschiffe zum Transport sperriger Güter) getarnten Zeppeline  mehr …

Geheimflugzeug am Himmel!

Andreas von Rétyi

Die US-Luftwaffe schweigt sich ziemlich aus über einen kompakten Weltraumgleiter, der gegenwärtig in einem relativ niedrigen Orbit um unseren Planeten kreist. Am 22. April hob das unbemannte Testflugzeug X-37B in Florida ab, um für unbestimmte Zeit und mit geheimer Zielsetzung ins All aufzubrechen. Die Behörden lassen kein weiteres Wort darüber  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.