
Die NATO-Mitgliedsländer würden zunächst mittels Satelliten die syrischen Luftverteidigungsanlagen auskundschaften. Wenig später starteten dann Kampfflugzeuge, die an Zahl den syrischen Kräften weit überlegen wären, von der britischen Basis auf Zypern und gingen dann daran, in den sich anschließenden 48 Stunden die syrischen Boden-Luft-Raketen und Kampfflugzeuge zu zerstören. Andere Kampflugzeuge der Allianz begännen dann mit zeitlich unbefristeten Luftangriffen auf syrische Panzer und Bodentruppen.
Dieses Szenario geht auf Analysten des französischen Militärs, der britischen Militärfachzeitschrift Jane’s Defense Weekly und des israelischen Fernsehsenders Channel 10 zurück.
Die syrische Luftwaffe soll dabei nach allgemeiner Einschätzung kein großes Hindernis darstellen. Sie verfügt über 60 russische Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29. Aber die übrigen Flugzeuge – an die 160 MiG-21, 80 MiG-23, 60 MiG-23BN, 50 Su-22 und 20 Su24MK – sind veraltet.
Ihre modernen Boden-Luft-Raketen könnten durchaus einige NATO-Piloten vom Himmel holen. In den vergangenen drei Jahren stationierte Syrien einige hundert russische SA-17 [Mittelstrecken-Flugabwehrraketen], die erst kurz vor dem Abschuss auf dem Radar erkennbar sind. Im Jahr 2007 flog Israel einen Luftangriff auf eine nukleare Einrichtung in Syrien, wobei es vorher einen Cyberangriff startete, um die Luftverteidigungssysteme von der Stromversorgung abzutrennen. Die SA-17 sollten vor Cyberangriffen geschützt sein, und die Israelis werden möglicherweise ihr Geheimwissen nicht mit der NATO teilen wollen.
Im Jahr 2006 kaufte Syrien an die 30 Panzir-S1-Luftabwehrsysteme russischer Bauart [, die wahlweise mit Maschinenkanonen oder Flugabwehrraketen ausgerüstet werden können]… Und das Land hat zudem einen Vorrat moderner SA-18-Raketen aus Weißrussland und Russland angelegt. Aber diese Waffen stellen mit ihrer kurzen Reichweite nur für NATO-Hubschrauber in einer späteren Phase der Kampfhandlungen eine Gefahr dar.
»Aber es gibt eine Reihe asymmetrischer Bedrohungen: Die NATO-Länder haben Truppen im Zusammenhang mit UNFIL, der UN-Mission im benachbarten Libanon, stationiert.
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›Ich kann keine rein militärischen Probleme erkennen. Syrien verfügt über keine ausreichende Verteidigung gegen westliche Systeme … [Aber] es stellt ein größeres Risiko als im Falle Libyens dar und erfordert eine großangelegte, umfassende Militäroperation‹, sagte der frühere Kommandeur der französischen Luftwaffe, General Jean Rannou gegenüber EUobserver. Er fügte hinzu, ein militärisches Vorgehen sei unwahrscheinlich, weil Russland gegen ein UN-Mandat sein Veto einlegen würde, die NATO-Kräfte in Afghanistan und Libyen gebunden und überbeansprucht seien und sich die NATO-Länder in einer Finanzkrise befänden.
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Der früher in Libyen stationierte CIA-Mitarbeiter Robert Baer erklärte, es gebe nur eine geringe Hoffnung, dass ein NATO-Angriff zum Frieden führe: ›Jeder Einsatz militärischer Gewalt in Syrien wäre ein Schuss ins Blaue und gründet sich auf die Hoffnung, dass sich das Militär im Falle eines Angriffs [von außen] gegen das Regime wenden würde. Aber wann ist das schon jemals geschehen? Beim [verstorben irakischen Machthaber] Saddam oder [dem libyschen Machthaber] Gaddafi hat es auch nicht funktioniert.‹«
Baer hatte zuvor bereits gegenüber dieser Internetseite ausgeführt, dass die Unruhen in Syrien einen komplizierteren Charakter aufwiesen, als die Berichterstattung in den etablierten Medien über die unterdrückte sunnitische Mehrheit, die von der regierenden schiitische Machtelite Reformen fordere, Glauben mache.
Alastair Crooke, ein früherer MI-6-Mitarbeiter und hochrangiger EU-Berater, der eine Nichtregierungsorganisation in Beirut leitet, bestätigt Baers Einschätzung. »Die Syrer wollen Veränderung. Aber ob das der Westen nun glauben will oder nicht, die meisten Menschen in Damaskus, Aleppo, die Mittelschicht, die Händler und Geschäftsleute und die [religiösen] Minderheiten sind überzeugt, dass Assad die einzige Person sei, die diese Reformen durchsetzen könne«, sagte er. »Sie fürchten vor allem zwei Dinge: Bürgerkrieg und westliche Einmischung ... Sie wollen eine Wiederholung der Ereignisse wie in Libyen verhindern, denn dies würde unausweichlich zum Bürgerkrieg führen.«
Crooke meinte weiter, hinter den Ereignissen stünden zwei einflussreiche Kräfte – radikale sunnitische Gruppen und syrische Exilgruppen in Frankreich und den USA. Die radikalen Kräften würden von den Lehren Abu Musab az-Zarqawis, eines bereits verstorbenen jordanischen Islamisten, beeinflusst, der die Gründung eines sunnitischen Emirates in Jordanien, Libanon, Palästina und Syrien anstrebte, das den Namen Bilad a-Scham [Großsyrien] tragen sollte. Bei diesen radikalen Gruppen handelt es sich um im städtischen Umfeld erfahrene Guerillakämpfer, die im Irak gekämpft haben und von außen finanziert werden. Sie haben die Proteste gegen Assad unterwandert, um Einheiten Assads anzugreifen, wie es etwa in Jisr-al-Shagur im Juni geschehen ist, wo sie für starke Verluste sorgten.
Die Exilgruppen, so fuhr Crooke fort, wollten vor allem das gegen Israel eingestellte Regime stürzen. Sie werden von den USA finanziert und ausgebildet. Sie bestechen sunnitische Stammesführer, um Leute für Straßenproteste zu mobilisieren, und arbeiten mit NGOs zusammen, um unbestätigte Berichte über Grausamkeiten an westliche Medien zu verbreiten. Darüber hinaus arbeiten sie mit radikalen Elementen zusammen, weil sie hoffen, eine Eskalation der Gewalt liefere einen Vorwand für eine Intervention der NATO. »Es besteht ein gewaltiger Unterschied zu [der Revolution] in Ägypten«, ergänzte er. »Aber die Berichterstattung in der europäischen und amerikanischen Presse vermittelt den Eindruck, man habe es mit friedlichen Protesten zu tun, und Assad wüsste sich nicht anders zu helfen, als seine eigene Bevölkerung zu massakrieren.«
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