
Berichten zufolge plant ein al-Qaida-Ableger im Jemen einen Terroranschlag während der Olympischen Spiele in London, die Ende Juli beginnen werden. Die Sunday Times berichtete am vergangenen Sonntag unter Berufung auf Geheimdienstkreise, al-Qaida habe einen zum Islam konvertierten Norweger dafür rekrutiert, ein amerikanisches Passagierflugzeug zu entführen und
dann im Rahmen eines Selbstmordanschlags zum Absturz zu bringen. Unklar sei aber trotz des geplanten Anschlagszeitpunktes, ob sich der Anschlag gegen einen der olympischen Austragungsorte richte.
Die Terrorgruppe »Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel« (AQAP) war schon an zahlreichen aufsehenerregenden Anschlagsversuchen auf westliche Ziele beteiligt.
Der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, John Evans, erklärte bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte in der vergangenen Woche: »Die Olympischen Spiele bilden kein einfaches Ziel, und die Tatsache, dass wir zahlreiche terroristische Aktionen hier und im Ausland in den vergangenen Jahren vereiteln konnten, zeigt deutlich, dass das Vereinigte Königreich als Ganzes kein leichtes Ziel [für Terroranschläge] ist«. Trotz dieser Erfolge bei der Terrorbekämpfung warnte Evans: »In Hinterzimmern und in Autos auf den Straßen dieses Landes herrscht kein Mangel an Personen, die darüber reden, hier einen Terroranschlag durchführen zu wollen.« Der Geheimdienstchef ging auf die Gefahr ein, die von westlichen muslimischen Bürgern ausgehe, deren Einstellungen sich radikalisiert hätten und die in Lagern in Ländern wie dem Jemen und dem Sudan ausgebildet würden, um dann in den Westen zurückzukehren und dort Anschläge durchzuführen.
Den Angaben der Quelle des Berichts in der Sunday Times zufolge handele es sich bei dem potenziellen Attentäter um einen Norweger im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, der nach seinem Übertritt zum Islam im Jahr 2008 den Namen Abu Abdul Rahman angenommen und sich in den vergangenen Monaten in AQAP-Ausbildungslagern im Jemen aufgehalten habe. In den letzten Monaten war in zahlreichen Berichten davon die Rede, dass sich Muslime westlicher Herkunft al-Qaida angeschlossen und sich auch bereits an Aktionen der Terrororganisation im Jemen beteiligt hätten, die sich gegen vom Westen unterstützte Sicherheitskräfte richteten.
Der Geheimdienst geht davon aus, dass AQAP versuchen werde, sich die Tatsache zunutze zu machen, dass der Norweger nicht vorbestraft ist und sich daher weitgehend ungehindert in ganz Europa bewegen kann. Bei den Olympischen Spielen sind bisher 600.000 Sportler oder andere Funktionsträger akkreditiert, und man rechnet damit, dass einige Millionen Touristen und Zuschauer im kommenden Monat nach London reisen und sich dort aufhalten werden. Die britischen Flughäfen leiden unter einem erheblichen Mangel an qualifiziertem Personal etwa bei den Einreisekontrollen. Die Behörden befürchten, dass die Qualität der Grenzkontrollen aufgrund der Olympischen Spiele leiden würde und viele Besucher bei der Einreise keiner ausreichenden Sicherheitskontrolle unterzogen werden könnten.
Bei den sorgfältig geplanten und vorbereiteten Sicherheitsvorkehrungen im Zusammenhang mit den
Olympischen Spielen wurde auch die Gefahr von Terroranschlägen aus der Luft berücksichtigt. Auf verschiedenen öffentlichen Plätzen und auf den Dächern verschiedener Wohnblocks um London herum wurden Flugzeugabwehrraketensysteme aufgebaut. Zusätzlich wurden Kampfflugzeuge vom Typ Typhoon (Eurofighter) auf dem Flugplatz Northolt in der Nähe der Hauptstadt stationiert, und zusätzlich stehen Scharfschützen bereit, die darauf spezialisiert sind, kleinere Flugzeuge abzuschießen. Sie würden im Ernstfall von Hubschraubern aus, die auf einem Kriegsschiff in der Themse stationiert sind, operieren. Premierminister David Cameron persönlich behält sich die Entscheidung vor, ob ein Passagierflugzeug, von dem man annimmt, dass es sich auf Kollisionskurs befindet, abgeschossen werden soll. Diese Sicherheitsvorkehrungen wurden vielfach kritisiert. Einige Bewohner eines Hauses, auf dessen Dach Abwehrraketen stationiert wurden, wollen vor Gericht erwirken, dass die Systeme abgebaut werden.
Bisher ist noch unklar, ob der geplante Terroranschlag direkt mit den Olympischen Spielen in Verbindung steht oder ob der Zeitpunkt zufällig so gewählt wurde. Auf jeden Fall fiele er in eine Zeit, in der sich die westlichen Sicherheitsdienste in höchster Alarmbereitschaft befinden. Die Olympischen Spiele werden auch zu einer Zeit stattfinden, in der sich die Spannungen und das Chaos im Jemen ebenso wie die Unsicherheit in Saudi-Arabien verschärfen werden und die Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm in eine Sackgasse geraten sind.
Originalartikel: Haaretz
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