Samstag, 3. Dezember 2016
03.07.2010
 
 

Golf von Mexiko: Luftaufnahmen zeigen das wahre Ausmaß der Verschmutzung

Armin Risi

Am 21. Juni flog der Umweltaktivist John L. Wathen zusammen mit dem Buchautor David Helvarg zur Stelle der BP-Katastrophe im Golf von Mexiko und machte verstörende Luftaufnahmen, u.a. von sterbenden und schon toten Delphinen und Walen. Am 26. Juni wurden diese Aufnahmen auf Wathens Website und auf »youtube« veröffentlicht und bekamen auch Aufmerksamkeit von den amerikanischen Mainstream-Medien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

David Helvargs Bericht

Am 30. Juni veröffentlichte David Helvarg seinen Bericht über diesen Flug auf der Website von John Wathen. Überschrift seines Berichts: »Wie schlimm ist die Ölpest? Flugaufnahmen zeigen die Größe der Katastrophe«. David Helvarg ist Präsident der Blue Frontier Campaign, einer Umweltorganisation zum Schutz der Meere.

Ihr Flugzeug startete vom Sonny-Callahan-Flughafen in Fairhope, Alabama, gesteuert vom Piloten Tom Hutchings der kleinen Nonprofit-Luftfahrtorganisation SouthWing, deren Motto lautet: Conservation through Aviation (Umweltbewahrung durch Luftfahrt). Tom Hutchings, ein Meeresbiologe mit Universitätsabschluss, flog zusammen mit John Wathen seit dem dritten Tag der Katastrophe regelmäßig aufs Meer hinaus, um die Entwicklung der Katastrophe zu dokumentieren.

Am 21. Juni entdeckte John Wathen nun zum ersten Mal bereits Öl in der Mississippi-Bay. Bis dahin hatte die Wasserströmung des Flusses in der Mündung das Öl zurückgetrieben. Obwohl Ground Zero etwa 90 Meilen vom Meeresufer entfernt ist, entdeckten sie – von Alabama her kommend – nach zwei Meilen die ersten vom Wind getriebenen Ölschlieren. Nach 12 Meilen wurden die Schlieren dicker und dichter.

»30 Meilen von der Küste entfernt sehen wir überall Öl. Dutzende von rötlichen Ölschlieren sind am Absinken, wahrscheinlich wegen der Millionen von Litern Corexit, die über diesem Bereich des Meeres versprüht worden sind«, schreibt Helvarg. »Und wir sind immer noch 60 Meilen von der Quelle entfernt«, antwortete ihm der Pilot Tom, der bereits seit dreißig Jahren über den Golf von Mexiko fliegt.

Bald tauchen auch die ersten Rauchsäulen auf, dunkel, kegelförmig und giftig. »Jetzt gerade setzen sie täglich zehn bis 16 solcher Stellen in Brand, sowie drei weitere, die jetzt gerade gestartet werden, mit schwerem öligem Rauch und orangefarbenen Flammen über dem Wasser.«

In diesen Bereichen fotografiert John einen Pottwal und Schwärme von Delphinen, darunter einen Schwarm von über dreißig Delphinen. Sie alle sind dem Tod geweiht.

Sogar im kilometerweiten Nahbereich der Quelle sehen sie Delphine. »Ihr Zuhause brennt, und sie sind gekommen, um zu schauen, was los ist. Sie trinken das giftige Wasser, und sie werden sterben«, sagt der Pilot.

Nördlich der kleinen Inseln, die nun alle bedroht sind, entstehen künstliche Inselstationen von etwa zwei Hektar Größe, eine Idee des Gouverneurs von Louisiana, Bobby Jindal: Er möchte Hunderte solcher künstlicher Barriereninseln errichten lassen, um die Küste zu schützen.

»Das macht keinen Sinn«, kommentiert John Wathen und denkt dabei an den nächsten Hurrikan, der diese Inseln wegspülen wird.

»Sag mir, macht irgend etwas von dem, was wir heute gesehen haben, Sinn?« lautet die lakonische Antwort des Piloten.

Brennendes Öl, sterbende Wale und Delphine

John L. Wathen ist Mitglied von Robert Kennedy Jr.s Umweltorganisation Hurricane Creek Keeper. »Kein Video, das ich bisher gemacht habe, hat mich emotionell derart aufgewühlt wie dieses hier«, schreibt John Wathen auf youtube. »Bei unserem Flug zur BP-Stelle, wo das Öl austritt, sah ich mindestens 100 Delphine im Öl, einige bereits am Sterben. Ich fotografierte auch einen Pottwal, dessen Blasloch ganz mit Öl umgeben war. Bitte verbreitet dies um die ganze Welt.«

Sein Video veröffentlichte John Wathen auf seiner Website und auf youtube mit dem Titel BP Slick Covers Dolphins and Whales:

 

 

0:45: »Einige dieser Schlieren [nur wenige Meilen vom Ufer entfernt] sind mehrere Meilen lang und Hunderte von Fuß breit.«

0:57: »Nach 17 Meilen war es klar ersichtlich, dass von hier an der ganze Golf mit Öl bedeckt ist. Nirgendwo gibt es mehr sauberes Wasser.«

1:45: »Die Schiffe auf dem Meer sind klein im Vergleich zum Ölteppich.«

Ab 2:30: Die Rauchsäulen. »Zuerst sahen wir vier, dann sieben. ... Die Größe dieser Feuer erweckt den Eindruck, als ob wir nicht nur alles Leben im Golf von Mexiko töten wollen, sondern auch alles, was darüber hinwegfliegt.«

Er bezeichnet diese Schlieren als »Regenbogen des Todes«. Jeder von ihnen umspannt mehrere Meilen.

Von 6:20 bis 7:20: Delphinschwärme (einer mit 36, ein anderer mit 18 Delphinen) und ein Pottwal im Öl.

7:50: Barriereninsel mit Vögeln, die vor dem Öl fliehen oder schon vom Öl verklebt sind; Haie in Küstennähe der Inseln; Schwärme von Möwen, die einen sauberen Ort zum Landen suchen.

 

John Wathen, der mit seinem Piraten-Look nicht sehr zartbesaitet aussieht, beendet sein zehnminütiges Video mit einem emotionalen Aufruf, in dem er der Anklage der sterbenden Tiere gegen die Menschen eine Stimme verleiht. »Ich beanspruche das Recht, in meinem Land zu leben, und ich gewähre euch das Privileg, in eures zurückkehren zu können.«

In seinem Begleittext auf youtube schreibt er: »Ich will, dass es der Welt übel wird. Wer wird für diese liebeswürdigen Geschöpfe antworten?« (I want to piss off the world. Who will answer for these gentle creatures?)

 

Nebenbemerkung zum Datum der Katastrophe

Der 20. April könnte zu einem ähnlich einprägsamen Datum werden wie der 11. September. Ist der 20. April ein Unglückstag? Am 20. April 1999 fand das Columbine-Hochschulmassaker statt, und der 20. April ist der Geburtstag von Adolf Hitler. Nun kommt auch noch die Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon hinzu.

Demgegenüber findet seit 1970 am 22. April der Earth Day statt. Dieser Tag ist heute »der größte säkulare Feiertag der Welt, an dem mittlerweile über eine Milliarde Menschen teilnehmen«, konstatieren die Organisatoren auf ihrer Website.

2009 wurde auf Vorschlag des bolivianischen Präsidenten der 22. April von der UNO zum »Internationalen Tag der Mutter Erde« erklärt. Ein Jahr später, zwei Tage vor dem zweiten »Tag der Mutter Erde«, kam es am 20. April 2010 zur größten Umweltkatastrophe der neueren Menschheitsgeschichte, deren Ende und Ausmaß noch nicht abzusehen ist.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Ölkatastrophe: Die Gespenster des 20. April 2010

Gerhard Wisnewski

Kaum stirbt in den USA jemand bei einer nationalen Katastrophe, wird er in den Medien normalerweise als Held gefeiert. Sein Bild geht tagelang durch jede Nachrichtensendung und schließlich um die Welt. Und kaum überlebt jemand eine nationale Katastrophe, wird er von den Medien herumgereicht und darf seine Geschichte erzählen bis die Kameras  mehr …

17 wichtige Fragen in Bezug auf den Umgang mit der Ölpest im Golf von Mexiko

Mike Adams

Eindeutigerweise stellen unabhängige Journalisten weit bessere und härtere Fragen in Bezug auf die BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, als die Vertreter der Mainstream-Medien. Natürlich richten CNN, »Fox« und andere in gewissem Umfang die Aufmerksamkeit darauf, manchmal sogar mit zuverlässigen Berichten, doch haben sie bisher noch keinen Weg  mehr …

Die Ölkatastrophe »könnte noch Jahre andauern«, wenn es nicht gelingt, sie zu bekämpfen

F. William Engdahl

Die Regierung Obama und hohe BP-Vertreter arbeiten fieberhaft … nicht etwa daran, die schlimmste Ölpest der Geschichte zu bekämpfen, sondern daran, das wahre Ausmaß der Umweltkatastrophe zu verbergen. Hochrangige Forscher berichten uns, BP habe bei der Bohrung einen der Öl-Migrationskanäle getroffen, noch jahrelang könnte Öl austreten, wenn nicht  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Iran-Konflikt: Fidel Castro fürchtet weltweiten Atomkrieg

Udo Schulze

In einem offenen Brief an die Bevölkerung Kubas hat der ehemalige Staatschef der Insel, Fidel Castro, vor einem Atomkrieg der Amerikaner und Israelis gegen den Iran gewarnt.  mehr …

Platos Geheimcode geknackt

Andreas von Rétyi

Der altgriechische Gelehrte Plato verlieh seinen schriftstellerischen Werken eine geheime innere Struktur. Wie der britische Wissenschaftshistoriker Jay Kennedy jetzt erklärt, habe er den verborgenen Plato-Code nach umfangreichen Bemühungen entschlüsselt und dabei revolutionäre Einblicke in die Welt des berühmten antiken Philosophen erhalten. Die  mehr …

Nächste Lüge: Das Märchen von sinkenden Arbeitslosenzahlen

Michael Grandt

Beinahe tagtäglich werden wir von Mainstreammedien und Politiker belogen. Ein gutes Beispiel dafür ist die monatliche Arbeitslosenstatistik der Bundesanstalt für Arbeit. Wie unverschämt sie schöngerechnet wird, erfahren Sie hier …  mehr …

Ölkatastrophe: Die Gespenster des 20. April 2010

Gerhard Wisnewski

Kaum stirbt in den USA jemand bei einer nationalen Katastrophe, wird er in den Medien normalerweise als Held gefeiert. Sein Bild geht tagelang durch jede Nachrichtensendung und schließlich um die Welt. Und kaum überlebt jemand eine nationale Katastrophe, wird er von den Medien herumgereicht und darf seine Geschichte erzählen bis die Kameras  mehr …

Bundeswehr: Verstrickt in heimliche Kriegsvorbereitungen?

Udo Schulze

Gut getarnt hinter der Alltagspolitik bereiten sich die Bundesregierung und Teile der Bundeswehr offenbar auf eine erneute kriegerische Auseinandersetzung vor. Ziel der heimlichen Bemühungen, die vom Einsatzführungskommando in Potsdam vorangetrieben werden, ist – zusammen mit den USA und Israel – ein militärischer Sieg im arabischen Raum. Der  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.