Sunday, 2. October 2016
21.04.2014
 
 

Gold, Wladimir Putin und die Ukraine

Dr. Bernd Heim

Der nächste größere Krieg droht. Autoren wie F. William Engdahl sehen geostrategische Interessen in der Ukraine. Russland und die USA stehen einander gegenüber. Wenn wir schon den Krieg nicht verhindern können – ist Gold dann der sichere Währungshafen?

Die Massenmedien wollen uns jetzt wieder Gold verkaufen – als »sicheren Hafen«, denn der Goldpreis soll in Kriegssituationen steigen. Die Gewitterwolken werden zumindest immer deutlicher.

 

Dieser Erwartung ist der Goldpreis in den vergangenen Wochen gefolgt, wenn auch nicht sehr nachhaltig oder gar spektakulär. Es gab einen kurzzeitigen Anstieg der Preise für Gold und Silber, nachdem Russland die Krim faktisch von der Ukraine abgespalten und seinem eigenen Territorium einverleibt hat.

 

Aber Hand aufs Herz: Hat Sie dieser kurze Anstieg um etwa 100 US-Dollar wirklich beeindruckt? Hatten Sie das Gefühl, dass der kurzfristige Preiszuwachs der Gefahr entsprach, die über Nacht die politische Situation in Europa verändert hat?

 

Goldpreis viel zu sanft gestiegen

 

Oder ist die Gefahr nicht deutlich genug geworden? Waren die Sanktionen des Westens zu harmlos? Da raubt aus Sicht des Westens ein Staat einem anderen in einer Phase der Schwäche ohne konkreten Anlass und ohne offizielle Kriegserklärung einen Teil seines Territoriums, lässt im großen Stil Militär an den Landesgrenzen aufmarschieren und der Goldpreis steigt gerade mal um rund 100 Dollar. Jetzt notiert Gold bei 1300 Dollar/Unze.

 

Dabei rückt der Krieg von Tag zu Tag näher, die Sprache im Osten und Westen wird schärfer. Die Propagandamaschinen beider Seiten laufen. Unsere Nachrichten im Westen erzählen von den russischen Soldaten, die in der Ostukraine den Aufstand organisieren würden. Die russischen Medien berichten davon, dass die Aufnahmen selbst gestellt seien. Es liegt förmlich in der Luft, dass die Krise eskalieren wird. Und der Goldpreis – bleibt am Boden.

 

Hat Gold als Krisenmetall versagt?

 

Es stellt sich schnell die Frage, ob das Gold als klassisches Krisenmetall in dieser Situation versagt. Vordergründig ist die Frage mit einem klaren »Ja« zu beantworten, denn außer dem berühmten Sturm im Wasserglas war nichts zu sehen.

 

Doch wer nur vordergründig auf die Kurse schaut und den kurzfristigen Zahlen allein eine Wahrheit zuschreibt, die ihnen nicht zukommt, der macht es sich vermutlich etwas zu leicht. Nicht Gold versagt, sondern aktuell funktioniert noch die verzerrte Wahrnehmung an den Finanzmärkten. Mit der Krim hat kürzlich nicht nur ein fernes Stück Land seinen Besitzer gewechselt. Auch Rechtssysteme, Zuständigkeiten und Währungen haben kurzfristig gewechselt. Wer gestern noch in einem festen politischen System lebte, ist heute mit einem anderen konfrontiert.

 

Die Situation ähnelt der der Ostblockstaaten um das Jahr 1990 und der damaligen DDR. Der Wechsel von einer Währung, von einem Rechtssystem zum nächsten war viel härter, als sich das jemals jemand hätte vorstellen können. Auch die Krim-Bewohner werden jetzt faktisch über Nacht Bürger eines anderen Staates. Der große Unterschied damals war, dass sich dieser Wechsel langsamer vollzog und damit jenen, die ihn nicht wollten, die Möglichkeit gab, durch geeignete Maßnahmen rechtzeitig zu reagieren. Jetzt geht alles ganz schnell.

 

Die Gunst der Stunde für sich nutzen

 

Wladimir Putin hat auf der Krim die ersten Fakten schaffen lassen und den ersten Machtkampf gegen die USA gewonnen. Ob sich jetzt größere Teile der Ukraine Russland sozusagen freiwillig anschließen, bleibt abzuwarten. Die Folgen allerdings sind unabsehbar.

 

Was auch immer passiert, wir werden einen fortgesetzten Rechtsbruch erleben. Da werden Wahlen vorgezogen und manipuliert – gleich, von welcher Seite –, da gibt es zwei Regierungen, davon eine aus dem Exil, die andere ohne demokratische Legitimation, da gibt es jetzt schon unterschiedliche Parallelwährungen. Rechtsbrüche aber zerstören Vertrauen und verschärfen die Unsicherheit – wie etwa damals im Osten Deutschlands. Den neuen Machthabern spielt das in die Karten, lässt sich ein verunsichertes Volk ohne weitere Widerstandskraft doch einfacher regieren.

 

Dieser Rechtsbruch – von beiden Seiten – wird indes auch für die großen anderen Währungen Folgen haben. Der Euro und der Dollar als Westwährungen könnten sich unverdient noch einmal als Krisenwährungen bewähren. In vielen Krisensituationen hat sich der Dollar als Anker erwiesen. Dabei steigen die Schulden in den westlichen und östlichen Staaten durch diese Kriegsmaschinerie immer weiter. Finanziert durch eine immer neue Kette von Rechtsbrüchen bei der Finanzierung. Die Euro-Zone wird nach den jüngsten Beschlüssen Banken im Zweifel bei Pleiten retten, es haftet entgegen jeder öffentlichen Propaganda am Ende der Kette weiterhin der Steuerzahler. Die USA geraten immer weiter in den Schuldenstrudel. Die Geldproduktion durch neue Kredite – meist durch China finanziert – hört gar nicht mehr auf. Der kommende Krieg ist auch dafür ein willkommenes Ablenkungs- und Legitimationsmittel. Und deshalb wird Gold für private Haushalte immer wichtiger.

 

Je gewaltiger die Krise in der Ukraine wird, desto bedeutender wird Gold. Finanzpolitisch sind in den vergangenen Jahren zu viele Dämme gebrochen. Wir erleben nun die zerstörerische Kraft des Wassers und viele suchen verdeckt von den Nachrichten um die Ukraine heimlich händeringend nach Lösungen. Gold ist eine dieser Lösungen, denn es hat keinen Forderungscharakter und steht damit außerhalb unseres Geldsystems. Es ist das älteste Geld der Menschheit und es wird auch dann noch seinen Wert haben, wenn alle anderen Papier- und Kunstwährungen längst untergegangen sind.

 

Das macht das Gold für Politiker und Notenbanker so gefährlich, denn Gold ist an dieser Stelle Freiheit und Schutz zugleich. Es ist nicht ortsgebunden, kann leicht verlagert werden und eröffnet auch dann noch Spielräume, wenn anderen längst die Hände gebunden sind. Gold ist gewiss nicht das Allheilmittel gegen jede Herausforderung unserer Zeit, aber es ist mit Sicherheit ein mächtiges Instrument und sein Preis eigentlich auch ein feiner Seismograf.

 

Zurück zur Ausgangsfrage: Dass der Preis nicht stärker ausgeschlagen hat als aktuell auf etwa 1300 Dollar, kann zwei Gründe haben: Starke Kräfte haben diesen Ausschlag verhindert, weil er ihnen unangenehm war und sie seine Signalwirkung fürchten, oder die Anleger verschließen unbewusst die Augen vor der latenten Bedrohung. In diesem Fall sehen sie die Krim nur als einen Landstrich im fernen Osteuropa und übersehen die Gefahr, dass die notorischen Rechtsbrecher aus Politik und Bankenwelt sich früher oder später auch an ihrem Geld schamlos vergreifen werden.

 

Private Finanzen, die dann nur aus unbeweglichen Immobilien, ausgefallenen Anleihen und uneinbringlichen Geldforderungen bestehen, werden in solchen Fällen schnell zur verletzlichen Achillesferse, die ein rasches Entkommen verhindert. Deshalb ist jeder Anleger, egal ob privater oder institutioneller, gut beraten, zumindest einen Teil seines Vermögens in physischen Edelmetallen vorzuhalten. Diese Art der privaten Vorsorge wird weder Politikern noch Bankern sonderlich gefallen. Doch sie hat in den Krisen vergangener Jahrhunderte immer wieder ihre Stärke bewiesen. Auch wenn die Krise auf der Krim momentan (noch) etwas anderes suggeriert: Es spricht viel dafür, dass es auch in Zukunft wieder so sein wird.

 

Noch ist Gold frei verfügbar. Noch haben nicht hinreichend viele Anleger sich in das gelbe Edelmetall geflüchtet. Doch seien Sie sicher: Wenn die militärische Krise sich ausweitet, wenn ein Krieg finanziert werden muss, wird Gold plötzlich sehr knapp. Die Staaten werden Gold vom Markt nehmen und möglicherweise sogar verbieten. Wie so oft in der Geschichte, wenn das Geld plötzlich immer knapper wird.

 

Gold, Putin und die Ukraine gehören enger zusammen, als es jetzt in den Massenmedien den Anschein hat.

 

 

 

 


 

 

 

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