Sonntag, 26. Februar 2017
25.09.2015
 
 

Die Demokratie hat sich aus dem Westen verabschiedet

Dr. Paul Craig Roberts

Bevor der Westen anderswo in der Welt Demokratie verbreitet, sollte er doch besser erst einmal zu Hause für demokratische Verhältnisse sorgen. Die Vereinigten Staaten sind eine Oligarchie, in der die Regierung sechs einflussreichen privaten Interessengruppen verpflichtet ist. In Europa sind die Regierungen der Europäischen Union (EU) Washington und privaten Banken verpflichtet, aber nicht ihrer Bevölkerung. Im Vereinigten Königreich erklärte die Militärführung, sie werde ihre Macht keinesfalls aufgeben.

 

Jeremy Corbyn ist seit Langem der erste authentische Labour-Politiker an der Spitze seiner Partei. Angesichts der Dummheit und Unmoral der Torys könnte Corbyn britischer Premierminister werden. In diesem Fall würde er die Haushaltsprioritäten grundsätzlich anders setzen.

 

Nicht mehr die Unterstützung der Kriege Washingtons stünde im Mittelpunkt, sondern die Wiederherstellung des Wohlfahrtsstaates, der das Leben der normalen britischen Bevölkerung sicherer und weniger belastend gestalten würde.

 

Ein hochrangiger aktiver General der britischen Streitkräfte erklärte nun, die Armee werde nicht zulassen, dass die Bevölkerung »einem Außenseiter und Querdenker die Verantwortung für die Sicherheit des Landes überträgt. Die Armee wird dies nicht zulassen und alle erdenklichen Mittel – lautere und unlautere – einsetzen, um dies zu verhindern«. Mit anderen Worten würde eine demokratische Entscheidung, die für das britische Militär inakzeptabel ist, einfach übergangen – genauso wie in Ägypten.

 

Hier tritt die Diskrepanz in der Politik Washingtons und Londons offen zutage, da sie einerseits anderen Ländern mit Mitteln Demokratie bringen wollen, die der russische Präsident Wladimir Putin als »Demokratie durch Luftangriffe« bezeichnete, während sie andererseits zu Hause undemokratische Verhältnisse dulden. Daraus lässt sich der sichere Schluss ziehen, dass Demokratie für die herrschenden amerikanischen und britischen Eliten, die diese Länder auch weiterhin zu ihrem persönlichen Nutzen beherrschen wollen, nur ein Deckmantel für eine aggressive Agenda ist und keinesfalls einen Wert an sich darstellt.

 

Jonathan Cook schreibt in einem Artikel, die Anwendung »aller erdenklichen Mittel, ob lauter oder unlauter« gegen Labour-Premierminister, die die Interessen des Volkes und nicht der Eliten vertreten, sei nicht auf Corbyn beschränkt. Bereits der Labour-Premierminister Harold Wilson sei ähnlichem Druck ausgesetzt gewesen und schließlich zurückgetreten.

 

Soweit ich das beurteilen kann, ist Demokratie nicht der einzige grundlegende Wert, den die westliche Welt aufgegeben hat. Gleiches gilt für Mitleid, Empathie gegenüber anderen Menschen, Moral, Integrität, Respekt vor der Wahrheit, Gerechtigkeit, Treue und Loyalität sowie Selbstachtung.

 

Die westliche Zivilisation ist zu einer leeren Hülse verkommen. Nichts davon ist geblieben, außer Gier und Nötigung oder die Drohung damit. Wenn ich – hoffentlich unzutreffenden – Berichten entnehme, dass Russlands Präsident Putin immer noch Partner des Westens werden will, frage ich mich, warum sich ein so mächtiges Land, das in der jüngsten Zeit erst aus der Dunkelheit wieder ans Licht hervorgetreten ist, zum Partner des Bösen machen will. Ich nehme an, dass diese Berichte falsch sind oder Putin im Interesse der Menschheit versucht, die gefährliche, von Washington und seinen NATO-Vasallen geschaffene, höchst gefährliche Situation zu entspannen.

 

Russland sollte sich an die mutige Rede erinnern, die der frühere, leider schon verstorbene Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, am 20. September 2006 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hielt. Vor der Weltöffentlichkeit erklärte Chávez an der gleichen Stelle, an der am Tag zuvor der damalige amerikanische Präsident George W. Bush gestanden hatte: »Der Teufel selbst hat so gesprochen, als besäße er die Welt. Es riecht immer noch nach Schwefel.« Amerika verfolge das Ziel, so Chávez weiter, »die gegenwärtigen Verhältnisse von Vorherrschaft, Ausbeutung und der Ausplünderung aller Völker aufrechtzuerhalten«.


Diese Worte von Chávez enthielten für amerikanische Politiker zu viel Wahrheit. Die millionenschwere damalige Sprecherin des amerikanischen Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, erklärte, eine solche Rede sei von einem »gewöhnlichen Gangster« wie Chávez zu erwarten gewesen.

 

Aber nicht alle reagierten so. Der gegenwärtige Präsident Ecuadors, Rafael Correa, sagte, Chávez habe den Teufel beleidigt, denn auch wenn der Teufel bösartig wäre – wie Washington auch –, sei er zumindest intelligent, Washington dagegen sei einfach nur dumm.

 

Die westliche Welt pfeift aus dem letzten Loch. Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa und Amerika ist entsetzlich. Dies gilt insbesondere für die qualifizierten jungen Menschen. Junge amerikanische Frauen, die unter einer hohen Schuldenlast leiden, weil sie ihre Ausbildung über Kredite finanzieren mussten, suchen auf Internetseiten nach sogenannten »Sugar Daddys«, also älteren reichen Männern, von denen sie sich im Gegenzug für sexuelle Dienste materielle Unterstützung erhoffen.

 

Der immer wieder vorgebrachte Slogan – »Bildung ist die Lösung« – ist eine Lüge. Promovierte Wissenschaftler erhalten keine Arbeit, weil die finanziellen Mittel der Universitäten gekürzt wurden, um Geld für Kriege und Bankenrettungen bereitzustellen. Dreiviertel der verbleibenden Haushalte der Universitäten werden von den Verwaltungen benutzt, sich selbst riesige Gehälter und Vergünstigungen zu sichern. So versorgt beispielsweise die New York University (NYU) ihr leitendes Verwaltungspersonal mit kostspieligen Sommerhäusern. In Amerika erhalten Universitätsrektoren millionenschwere Gehälter, während ihre Studenten in Schulden versinken.

 

Die Geisteshaltung der Wall Street – unbegrenzte Gier – hat von ganz Amerika und seiner Bevölkerung Besitz ergriffen, und diese Gier wurde nach Europa exportiert, in der sich ein funktionierendes, auf Ausgleich beruhendes Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital entwickelt hatte. Heute kann Europa, ähnlich wie die USA, seiner Jugend keine Zukunft mehr bieten. Griechenland wurde den privaten Banken geopfert, und Italien, Spanien und Portugal droht das gleiche Schicksal. An der Stelle unabhängiger, souveräner europäischer Länder bildet sich eine faschistische, zentralisierte Gewalt heraus.

 

Gegenwärtig suchen Millionen Flüchtlinge aus den durch die Kriege von Washington und seiner NATO-Unterstützer zerstörten Ländern Zuflucht in Europa. Dies wird die Sozialsysteme noch weiter belasten.

 

In den vergangenen Jahren mussten wir miterleben, wie private Banken, die sich dazu der EU bedienten, in der Lage waren, die Politik der eigentlich demokratisch gewählten Regierungen Griechenlands und Italiens zu bestimmen.

 

In der westlichen Welt wird die Herrschaft einer Aristokratie des Reichtums wiedererrichtet. Wenn Russland und China sich dieser »Partnerschaft« anschließen wollen, würden Milliarden Menschen von einer Handvoll superreicher Eliten beherrscht.

 

Das Schicksal der Welt steht auf des Messers Schneide. Der Westen ist verloren. Russland und China könnten zusammen mit dem Westen untergehen, denn beide Völker mussten tyrannische Herrschaft erdulden und betrachten den Westen als Hort der Freiheit. Aber die westliche Politik führt stattdessen zu »Vorherrschaft, Ausbeutung und Ausplünderung der Völker der Welt«.


Werden sich Russland und China an dieser Ausplünderung beteiligen oder werden sie sich ihr im Interesse der Menschheit widersetzen?

 

 

 

 


 

 

 

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Leser-Kommentare (21) zu diesem Artikel

27.09.2015 | 00:29

ELI YAH

In Offenbarung 12 wird Satan entlarvt als die Macht hinter den Weltreichen, die alle Verfolgungen und Massaker antreibt (Dan 8:24), die Welt trügerisch verführt und die Völker beherrscht. - Weil das "7te" Reich in seiner geschwächten, zersplitterten Form von zergliederten und erschütterten Nationen nahezu untergeht (scheinbarer Tod), aber vermeintlich geheilt wieder aufersteht, wird es sowohl als "7tes" als auch als "8tes" Reich bezeichnet. Die Zahl...

In Offenbarung 12 wird Satan entlarvt als die Macht hinter den Weltreichen, die alle Verfolgungen und Massaker antreibt (Dan 8:24), die Welt trügerisch verführt und die Völker beherrscht. - Weil das "7te" Reich in seiner geschwächten, zersplitterten Form von zergliederten und erschütterten Nationen nahezu untergeht (scheinbarer Tod), aber vermeintlich geheilt wieder aufersteht, wird es sowohl als "7tes" als auch als "8tes" Reich bezeichnet. Die Zahl »8« symbolisiert Neubeginn, Neuanfang und Auferstehung. Das Tier aus dem Meer wird nach seiner "vorgetäuschten Auferstehung" als das Tier aus dem Todes-Abgrund bezeichnet, mit Antichrist als dem mächtigsten König, der sich jemals an die Spitze der Weltherrschaft getrickst hat. Das letzte satanische Weltreich wird unmittelbar mit diesem von Dämonen besessenen Menschen verbunden sein, der es autokratisch anführt (Offb 13:1) in einer vorgetäuschten Demokratie. Weitere Informationen finden Sie z.B. unter http://issuu.com/eli.yah/docs/blutmonde_und_schwarze_sonnen


26.09.2015 | 20:56

woku

Über Jahre mußte ich mir gefallen lassen, da ich aus dem Osten komme Demokratie
lernen. Wenn ich das heute betrachte , gibt es da Unterschiede ???


26.09.2015 | 17:47

Hector

Beendet den Schuldenschwindel: Griechenland schuldet gar nichts!21. Februar 2015 • 13:24 UhrDie angeblichen „Rettungspakete“, die Griechenland aufgezwungen wurden, um die europäischen Großbanken zu stützen, haben die „Schulden“ des Landes deutlich vermehrt.http://www.bueso.de/node/7912Diskussionsbeitrag: Warum eine europäische Schuldenkonferenz nötig ist - nicht nur für Griechenland27. Januar 2015 • 17:28 Uhrhttp://www.bueso.de/node/7874Zu dieser Schlußfolgerung kommen die...

Beendet den Schuldenschwindel: Griechenland schuldet gar nichts!
21. Februar 2015 • 13:24 Uhr
Die angeblichen „Rettungspakete“, die Griechenland aufgezwungen wurden, um die europäischen Großbanken zu stützen, haben die „Schulden“ des Landes deutlich vermehrt.

http://www.bueso.de/node/7912

Diskussionsbeitrag: Warum eine europäische Schuldenkonferenz nötig ist - nicht nur für Griechenland
27. Januar 2015 • 17:28 Uhr

http://www.bueso.de/node/7874

Zu dieser Schlußfolgerung kommen die Autoren des Artikels: „Wir brauchen eine europäische Schuldenkonferenz“, Dean Andromidas und Paul Gallagher. Der Artikel erscheint diese Woche in der Neuen Solidarität, Nr. 5, 28.1.2015.

http://www.solidaritaet.com/neuesol/2015/5/schulden.htm

Wer ist der Verfasser und Verfechter der Lohnkostenreform nach schwedischem Vorbild für das skandinavische Steuer-Modell?

http://www.das-kapital.eu/manfred-mueller.html

Gegen die zentralistische Brüsseler EU, die gerade zu einer Art Rätediktatur zu werden droht!

http://www.europaeische-union-eu.de/

Nachdenkseiten Weblog nach Albrecht Müller, Autor von "Die Reformlüge"

http://www.nachdenkseiten.de/

Aus der direktdemokratischen föderalistischen Schweiz mit Plebisziten und Volksabstimmungen - wie auch die EFTA eine dezentrale Alternative zur zentralistischen Brüsseler EU mit der undemokratischen EU Kommission!

http://www.zeit-fragen.ch

Für ein Trennbanksystem und ein neues Glass Steagall Gesetz, BüSo und "Neue Solidarität" und internationals "Forum für ein neues Paradigma" zu den BRICS Staaten!

http://www.bueso.de EIR Nachrichtenagentur

EIR NEWS

http://www.larouchepac.com

American Free Press, siehe auch die Artikel von Pat Buchanan

http://www.americanfreepress.net


25.09.2015 | 23:18

galaxy

GENIAL, die Artikel von Dr. Paul Craig Roberts !


25.09.2015 | 22:57

Aufklaerer

@Putinversteher. Sorry, hab´s gerade erst gelesen, das war gut. Aber war die Hexe anno dazumal nicht wunderschön?


25.09.2015 | 20:25

Jo Ker

Steht alles in der Bibel. Man müßte diese nur beachten. Schaut nicht Gut aus für Europa !

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