Saturday, 27. August 2016
15.02.2016
 
 

Die Neokonservativen arbeiten auf einen umfassenderen Krieg in Syrien hin

Dr. Paul Craig Roberts

Während Sie hoffentlich das Wochenende genießen konnten, bereiteten die durchgeknallten Neokonservativen, die die westliche Außenpolitik kontrollieren, sowie ihre türkischen und saudi-arabischen Vasallen möglicherweise das Ende der Welt vor.

 

Jeder, der der Berichterstattung der westlichen Medien vertraut, besitzt keine zutreffende Vorstellung von dem, was gegenwärtig in Syrien geschieht. Ich werde daher eine kurze Zusammenfassung vorausschicken und Sie dann auf zwei ausführliche Artikel zur Lage hinweisen.

 

Das neokonservative Obama-Regime arbeitete gezielt auf den Sturz der syrischen Regierung unter Führung ihres Präsidenten Baschar al-Assad hin. Die westlichen Medien betrieben und betreiben weiterhin im Interesse Washingtons eine Propagandakampagne, die den demokratisch gewählten syrischen Präsidenten Assad als »brutalen Diktator, der Chemiewaffen gegen seine eigene Bevölkerung einsetzt« präsentiert. Washington organisierte und unterstützte Stellvertretergruppen, die sich einen demokratischen Anstrich gaben, und schickte sie in den bewaffneten Konflikt mit den syrischen Streitkräften.

 

Im Zuge der weiteren Eskalation des Konflikts markierte Washington einzelne sogenannte »rote Linien«, deren Überschreiten die USA als Rechtfertigung für ein direktes Eingreifen zum Sturze Assads bezeichneten. Dazu gehörte etwa der Einsatz von Chemiewaffen gegen die Handlanger Washingtons. Sollte es dazu kommen, würden die USA nach Syrien einmarschieren.

 

Nachdem diese »rote Line« verkündet worden war, kam es zu einem Chemiewaffenangriff unter falscher Flagge oder vielleicht auch einem Unfall, den Washington dazu benutzte, zu behaupten, Assad habe trotz der amerikanischen Warnung die rote Linie überschritten.

 

Die Vorbereitungen für einen Einmarsch wurden in Gang gesetzt, scheiterten aber an zwei gewichtigen Hindernissen. Der britische Premierminister David Cameron, ein willfähriger Handlanger Washingtons, musste im Parlament eine Niederlage einstecken, als die Abgeordneten sich weigerten, einer britischen Beteiligung an der Invasion zuzustimmen. Damit konnte sich Washington nicht mehr hinter England verstecken und musste daher mit dem Vorwurf einer willkürlichen Aggression, eines Kriegsverbrechens, rechnen.

 

Die russische Diplomatie war der zweite Stolperstein, denn es gelang den Russen, eine international überwachte Zerstörung aller Chemiewaffen in Syrien durchzusetzen.

 

Nachdem ihr Invasionsplan gescheitert war, schickten die frustrierten Neokonservativen nun ihre »Gotteskrieger«, die sie bereits beim Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi eingesetzt hatten, nach Syrien, um dort endlich Assad zu Fall zu bringen. Diese Dschihadisten waren zunächst unter der Bezeichnung »Islamischer Staat in Syrien« (ISIS), dann als »Islamischer Staat im Irak und der Levante« (ISISL) und zuletzt als »Islamischer Staat» (IS) oder »Daesch« bekannt; wobei Letzteres einen beleidigenden Beiklang hat. Vielleicht hat der häufige Namenswechsel dazu beigetragen, dass die westliche Öffentlichkeit den Überblick verloren hat und nicht mehr genau weiß, wer dort nun eigentlich unter welcher Bezeichnung und Zusammensetzung agiert.

 

Washington behauptet nun, den Islamischen Staat zu bekämpfen, während es in Wirklichkeit alles in seiner Macht Stehende unternimmt, um einen Erfolg des russisch-syrischen Bündnisses zu verhindern, das tatsächlich dabei ist, den Islamischen Staat zu besiegen.

 

Der Grund für den Krieg in Syrien liegt in der Unterstützung Washingtons für den Islamischen Staat (IS). Der frühere Chef des Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency (DEA), General Michael Flynn, erklärte vor Kurzem öffentlich, die Regierung Obama habe die bewusste Entscheidung getroffen, den ISIS zu unterstützen.

 

Das Beharren der Neokonservativen darauf, dass »Assad gehen muss«, bedroht die Sicherheit Russlands, des Iran und der Hisbollah im Libanon. Die libanesische Hisbollah ist die Miliz, die schon zweimal Versuche vonseiten Israels verhindern konnte, den Südlibanon wegen seiner Wasservorkommen zu besetzen und zu annektieren. Die Hisbollah ist in Bezug auf ihre Versorgung mit Waffen und Geld auf syrische und iranische Unterstützung angewiesen. Israel will die Hisbollah unbedingt loswerden.

 

Der Islamische Staat, den Washington in Syrien zu errichten versucht, würde es Washington ermöglichen, den Iran und Russland zu destabilisieren, indem man den terroristischen Dschihad in diese Länder »exportiert«.

 

In der Russischen Föderation und in einigen der früher zur Sowjetunion gehörenden Teilrepubliken, die gegenwärtig mit Russland zusammenarbeiten, leben muslimische Bevölkerungen. Wenn es Washington gelänge, Russland in innere Konflikte zu verwickeln, könnte es Russland als Hindernis auf dem Weg zur weltweiten Hegemonie beseitigen ((Bitte passenden Begriff finden; dem Wege ist doppelt)). Gleichzeitig könnten nichtpersische Bevölkerungsteile im Iran durch eine dschihadistische Ideologie radikalisiert werden, was dann zur Destabilisierung des Iran genutzt werden könnte.

 

Um sich vor diesen Entwicklungen zu schützen, haben sich Russland, der Iran und die Hisbollah entschieden, Syrien zu unterstützen. Russland wurde offiziell von der syrischen Regierung um Unterstützung gebeten. Das Eingreifen der USA in Syrien ist illegal.

 

Die russischen Luftangriffe zur Unterstützung der syrischen Armee setzen den Islamischen Staat massiv unter Druck. Die Invasoren sind dabei, aus Syrien hinausgedrängt zu werden. Die Neokonservativen wollen diese Niederlage auf keinen Fall hinnehmen.

 

Washington bereitet daher eine Invasion in Syrien durch die Türkei und Saudi-Arabien vor. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass Syrien in zwei Teile aufgespalten wird, wobei sich Washington den östlichen Teil mit den Erdölvorkommen aneignen will.

 

Möglicherweise handelt es sich hier auch um einen Bluff, mit dem man Russland dazu bringen will, einer Beilegung des Syrien-Konflikts zuzustimmen, die für russische, iranische und syrische Interessen wenig vorteilhaft ist. Andererseits kann die russische Regierung nicht das Risiko eingehen, es könnte sich bei dieser Entwicklung nur um einen Bluff handeln. Sollten amerikanisch-türkisch-saudische Streitkräfte als Erste Rakka und Deir ez-Zor erreichen, wäre die Teilung Syriens besiegelt.

 

Die Russen könnten in diesem Wettlauf als Erste die betreffende Region erreichen, wenn sie Fallschirmjäger einsetzen. Die verrückte Politik der Neokonservativen gibt damit mit anderen Worten der russischen Regierung einen großen Anreiz, erstmalig russische Bodentruppen in dem Konflikt einzusetzen. Sobald russische Bodentruppen vor Ort sind, kann man davon ausgehen, dass die verrückten Neokonservativen einen Konflikt zwischen russischen Bodentruppen und amerikanisch-türkischen Kräften provozieren würden. Ein umfassender Krieg wäre die Folge, in dem keine Seite nachgeben würde.

 

Zum »Vormarsch auf Rakka« empfehle ich diesen englischsprachigen Artikel. Und hier eine Einschätzung des Bloggers The Saker zur Brisanz der gegenwärtigen Lage.

 

 

 

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