Wednesday, 31. August 2016
17.06.2014
 
 

Washingtons »Sieg« im Irak

Dr. Paul Craig Roberts

Warum die Regierung der USA den Irak zerstört hat, wissen die amerikanischen Bürger noch immer nicht. Wahrscheinlich werden sie es auch nie erfahren – »nationale Sicherheit«, Sie wissen schon. »Nationale Sicherheit« ist das Mäntelchen, das die Verbrechen der US-Regierung verbirgt.

 

George Herbert Walker Bush, ein ehemaliger CIA-Direktor, der, weil er unter Ronald Reagan zum Vizepräsidenten auserkoren wurde, später Präsident wurde, war der letzte amerikanische Präsident, der Beherrschung kannte. Als Bush I. den Irak angriff, war das eine begrenzte Operation, die das Ziel hatte, Saddam Hussein aus dem Kuwait zu verjagen.

 

Kuwait war einst ein Teil des Iraks, aber eine westliche Kolonialmacht zog dort neue politische Grenzen, ähnlich wie es die KPdSU in der Ukraine tat. Kuwait verließ den Irak als kleines, unabhängiges Öl-Königreich.

 

Berichten zufolge bohrte Kuwait an der irakisch-kuwaitischen Grenze in einem schrägen Winkel nach Öl. Am 25. Juli 1990 fragte Saddam Hussein – während irakische Truppen an der Grenze zu Kuwait aufmarschierten – die amerikanische Botschafterin April Glaspie, ob die Regierung Bush eine Stellungnahme zu der Situation abgeben wolle. Hier ist die Antwort von Botschafterin Glaspie:

»Wir haben keine Meinung zu innerarabischen Konflikten wie Ihrem Streit mit Kuwait. Außenminister James Baker hat mich angewiesen, noch einmal darauf hinzuweisen, dass Kuwait, wie gegenüber dem Irak schon in den 1960er Jahren erklärt, kein Verbündeter Amerikas ist.«

Dieser Abschrift zufolge versichern hohe amerikanische Vertreter Saddam Hussein noch, dass Washington ihm nicht im Weg stehen würde, wenn er den Irak mit Kuwait wiedervereinigen und eine Gangsterfamilie daran hindern würde, irakisches Öl zu stehlen.

»Bei einer Pressekonferenz am nächsten Tag wurde Margaret Tutwiler, Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums, von Journalisten gefragt:

›Haben die USA den Irakern eine diplomatische Botschaft zukommen lassen, was den Aufmarsch von 30 000 Soldaten an der Grenze zu Kuwait angeht? Hat die Regierung der Vereinigten Staaten in irgendeiner Form protestiert?‹

Sie antwortete darauf: ›Mir ist von einem derartigen Protest nichts bekannt.‹«

»Am 31. Juli, zwei Tage vor der irakischen Invasion, sagte John Kelly, im Außenministerium als stellvertretender Staatssekretär für Nahost-Angelegenheiten zuständig, vor dem Kongress aus: ›Die USA haben keine Verpflichtung zur Verteidigung Kuwaits und sie haben nicht die Absicht, Kuwait zu verteidigen, sollte das Land vom Irak angegriffen werden.‹«

Hat man Saddam Hussein vorsätzlich ins Messer laufen lassen oder gab es nach dem Einmarsch des Iraks in Kuwait verzweifelte Anrufe von den arabischen Geschäftspartnern der Familie Bush? Egal, was der Grund für die dramatische, plötzliche und vollständige Kehrtwende der US-Regierung sein mag – das Ergebnis war eine Militäraktion, die fast einem Krieg gegen den Irak selbst gleichkam. Von 1990 bis 2003 war der Irak für die US-Regierung ein akzeptabler Gesprächspartner.

 

2003 fiel der Irak schlagartig in Ungnade. Warum, wissen wir nicht. Man tischte uns einen Haufen Lügen auf: Saddam Hussein verfügt über Massenvernichtungswaffen und bedroht damit Amerika, hieß es. Der Nationale Sicherheitsberater sprach davon, es drohe ein »Atompilz über einer amerikanischen Stadt«. Den Außenminister schickte man mit einem Bündel Lügen zu den Vereinten Nationen, wo er für die nackte Aggression der USA gegenüber dem Irak werben sollte. Das Sahnehäubchen war die Behauptung, die säkulare Regierung von Saddam Hussein habe »Verbindungen zu al-Qaida«, den Verantwortlichen für 9/11.

 

Da weder Kongress noch amerikanische Medien nachhaken wollten, woher denn auf einmal die Kehrtwende in der Irakpolitik kam, wird die »irakische Bedrohung« für Amerikas Bürger weiterhin ein Mysterium bleiben.

 

Washington hat die säkulare Regierung von Saddam Hussein zerstört, eine Regierung, die das Land zusammenhalten konnte ohne die von Amerika angeheizte Gewalt, die das Land in einen dauerhaften Kriegszustand gestürzt hat. Die Folgen von Washingtons Vorgehen sind jahrelange Gewalt. Diese Gewalt hat ein Ausmaß erreicht, das den Zeiten der amerikanischen Besatzung des Iraks ebenbürtig oder sogar noch größer ist.

 

Humanitäre Bedenken kennt man in Washington nicht, dort schert man sich einzig um die eigene Vormachtstellung. So wie in Afghanistan, Libyen, Somalia, Pakistan, dem Jemen, Ukraine und Syrien bringt Washington auch dem Irak nichts als Tod, fortwährenden Tod.

 

Am 12. Juni flohen 500 000 Bürger aus Mosul, der zweitgrößten Stadt des Iraks, dem Land also, das dank der amerikanischen Bemühungen mittlerweile »Frieden und Demokratie« genießen kann. Sie flohen, während die von den USA ausgebildete Armee in sich zusammenfiel und vor den Angriffen von al-Qaida davonrannte. Die von Washington installierte Regierung fürchtet nun, dass Bagdad als nächstes dran ist. Sie hat Washington um Luftunterstützung gegen die Al-Qaida-Truppen gebeten. Auch Tikrit und Kirkuk sind gefallen. Der Iran hat zwei Bataillone Revolutionsgarden in Marsch gesetzt, um die von Washington eingesetzte Regierung in Bagdad zu schützen.

 

Nach Veröffentlichung dieses Artikels dementierte Irans Präsident Hassan Rohani die Berichterstattung von Wall Street Journal, World Tribune, The Guardian, Telegraph, CNBC, Daily Mail, Times of Israel und anderen. Der Iran habe keine Truppen zum Schutz der irakischen Regierung entsandt, so Rohani. Wieder einmal haben die westlichen Medien mit Falschmeldungen eine falsche Realität erschaffen.

 

Erinnert sich noch jemand an die Propaganda, die Washington verbreitete, um Saddam Hussein zu stürzen und den Irakern »Frieden, Freiheit und Frauenrechte« zu bringen? »Wir müssen al-Qaida dort bezwingen, bevor sie zu uns kommt.« Dass sie zum damaligen Zeitpunkt gar nicht im Irak aktiv war, störte da nicht.

 

Erinnern Sie sich noch, dass die Neokonservativen versprachen, der Krieg werde ein »Spaziergang« von wenigen Wochen Dauer? Er werde nur 70 Mrd. Dollar kosten und sich quasi aus den irakischen Öleinnahmen selbst finanzieren? Dass der Wirtschaftsberater von George W. Bush gefeuert wurde, weil er es wagte, zu behaupten, der Krieg werde 200 Mrd. Dollar kosten? Der Ökonom Joseph Stiglitz und die Finanzexpertin Linda Bilmes von der Uni Harvard haben die tatsächlichen Kosten für den Irakkrieg errechnet: Er hat die amerikanischen Steuerzahler 3000 Mrd. Dollar gekostet, ein Preis, der das Sozialsystem der USA in Bedrängnis bringt.

 

Erinnern Sie sich noch an Washingtons Versprechen, dass Amerika dem Irak auf die Beine helfen werde, und zwar als Demokratie, in der jeder sicher sei und Frauen Rechte hätten? Wie sieht es heute aus?

 

Die zweitgrößte Stadt des Landes ist gerade von Al-Qaida-Einheiten überrannt worden, also von den Truppen, die man Washington zufolge schon ein paar Mal endgültig besiegt hat. Diese »besiegten« Kämpfer kontrollieren nun Mosul und eine ganze Reihe irakischer Provinzen. Washingtons Statthalter im Irak liegt mittlerweile auf den Knien und bettelt Washington um militärische Hilfe an und um Luftschläge gegen die Dschihadisten, die das unfähige Bush-Regime auf die muslimische Welt losgelassen hat.

 

Im Irak und in Libyen hat Washington es geschafft, in Syrien versucht man es: Regierungen zu zerstören, die die Dschihadisten im Griff hatten. Washington sieht sich nun der Möglichkeit gegenüber, dass eine dschihadistische Regierung den Irak und Syrien kontrolliert. Die vermeintliche Eroberung des Nahen Ostens durch die Neokonservativen wird zu einer Eroberung durch al-Qaida.


Washington hat die Büchse der Pandora geöffnet, das ist Washingtons Errungenschaft im Nahen Osten. Noch während der Irak al-Qaida in die Hände fällt, beliefert Washington die Al-Qaida-Einheiten in Syrien mit schweren Waffen. Kann ein Land noch blöder dastehen als die USA?

 

Wie lässt sich das erklären? Vielleicht so: Die Arroganz und der Hochmut der US-Regierung machen es Washington inzwischen unmöglich, rationale, logische Entscheidungen zu fällen. In Washington herrscht Größenwahn.

 

 

 


 

 

 


Interesse an mehr Hintergrundinformationen?


Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • Geldanlage: Die Lunte am Goldmarkt brennt
  • Unkorrekte Nachrichten zum Klimawandel
  • Seuchengefahr durch grüne Kreislaufwirtschaft
  • Forschung: Kann man neue Menschen drucken?

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Washingtons neue Strategie: das »Outsourcing« von Kriegen

F. William Engdahl

Es gibt ein neues Element in den Kriegen in Afghanistan, dem Irak, Syrien und jetzt auch der Ukraine: Washingtons gewaltiger Apparat aus Pentagon und CIA setzt auf Globalisierung und das »Outsourcing« der Führung seiner Kriege. Tatsächlich bedeutet es die Privatisierung des Krieges, ein Zurück zum Mittelalter, als Kriege noch Privatfehden zwischen  mehr …

Was Obama uns in West Point erzählt hat

Dr. Paul Craig Roberts

In West Point erzählte uns Obama unter dem Applaus der West-Point-Kadetten, dass »Amerikas Außergewöhnlichkeit« als Doktrin alles rechtfertigt, was Washington tut. Washington verstößt gegen amerikanisches und internationales Gesetz, indem man »Inhaftierte« foltert? Washington verstößt gegen die Nürnberger Prinzipien, indem man in Länder einfällt,  mehr …

Plant Obama mit den Saudis einen neuen Ölkrieg gegen Russland?

F. William Engdahl

In einem können wir uns sicher sein: Nach Washingtons blutigem Putsch in der Ukraine, der unter dem verlogenen Mantra von Demokratie Neonazis und Freimarkt-Plünderer an die Macht brachte, plant man in Washington nun, Russland als Opposition zur globalen Hegemonie der USA auszuschalten. Während Putin den Westen offenbar damit überraschte, dass er  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

EU spielt ukrainisches Roulette mit russischem Erdgas

F. William Engdahl

In der Frage der Sicherung eines neuen Vertrags über die Lieferung russischen Erdgases an die Ukraine spielt die EU ein gefährliches »ukrainisches Roulette«. Und die gegenwärtige Regierung in Kiew – mit einem Schokoladenkönig-Gangstermilliardär-Präsidenten, einem Scientology-Ministerpräsidenten und virulent antisemitischen Neonazis als  mehr …

»Die schwarze Flagge des Dschihad wird über London wehen!« In England wächst die Sorge vor Anschlägen im Land geborener Kämpfer

Redaktion

Terroralarme, Anschläge ähnlich wie die vom 11. September 2001 und die Ermordung britischer Bürger könnte bald die Straßen Englands heimsuchen – so und ähnlich lauten die Drohungen britischer Staatsbürger, die gegenwärtig Seite an Seite mit der gewalttätigsten Terrorgruppe kämpfen, die in Syrien und dem Irak aktiv ist.  mehr …

ISIS und die geplante »Balkanisierung« des Nahmittelostens

Kurt Nimmo

Nach Berichten der Medienkonzerne ist der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) der Großteil ihrer Waffen bei der Plünderung der Waffenlager nach dem Rückzug der irakischen Truppen aus Mosul in die Hände gefallen. Aber ISIS verfügte bereits vor der Einnahme der irakischen Stadt über erhebliche Mengen an Waffen; der Großteil  mehr …

Dem Schicksal ins Getriebe greifen – Wissenschaftler verändern Vorlieben und Verhalten durch Stimulation des Gehirns

Mike Bundrant

Wenn Ihnen bei dem Gedanken, jemand könnte per Knopfdruck Ihre Vorlieben und Entscheidungen im Leben verändern, unbehaglich zumute wird, ist jetzt die Zeit, sich Sorgen zu machen.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.