Wednesday, 23. May 2012
27.02.2010
 

Ebay-Auktion ruft Geheimdienst auf den Plan - Was ist auf den Spionagebändern?

Redaktion

Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen einen gebrauchten Computer und ein Kaufinteressent möchte zuvor von Ihnen unbedingt einen Ausdruck aller Dateien, die auf dem Rechner gespeichert sind. Klingeln bei Ihnen da einige Alarmglocken? Im Internet-Auktionshaus Ebay werden mitunter seltsame Dinge verkauft. Und rund um die Uhr scheinen nicht nur »normale« Ebayer die Käufe und Verkäufe zu beobachten. Kaum hatte jemand eine aus dem Kalten Krieg stammende – nicht mehr funktionierende – Spionageausrüstung ins Internet gestellt, da gab es eine ungewöhnliche Anfrage. Offenbar vom US-Geheimdienst. Oder doch von den Russen?

Manchmal räumen Menschen auf. Und das, was der eine wegwirft, könnte beim anderen vielleicht noch große Freunde auslösen. Und so stellt man diese Dinge ins Internet. Ein Ebayer hat nun mal aufgeräumt. Was er anbietet, das ist offenkundig alt und garantiert nicht mehr funktionsfähig: Bestandteile einer ziemlich gebrauchten Spionageausrüstung aus dem Kalten Krieg. Alter Spionage-Schrott. Da gibt es unter der Überschrift »Alte Spionageausrüstung 70er-Jahre« Kugelschreiber mit versteckten Wanzen, eine »Streichholzschachtel mit integrierter Wanze, wohl 60er-Jahre, ein Mini-Bandgerät, das in einem Buch versteckt wurde, wohl 60er-Jahre, eine Kassette mit geheimer Aufnahmefunktion und Ohrhörer, wohl 70er-Jahre …« Und so geht die Auflistung weiter. Für den Normalbürger sind diese Dinge wohl eher absolut uninteressant. Denn Spione versteckten Wanzen heute eher in USB-Sticks als in klobigen Bandgeräten, mit denen man in der Gegenwart ganz sicher sofort auffallen würde. Der Ebay-Verkäufer erwartet wohl selbst auch kein großes Käuferinteresse, schreibt er doch in seinem Angebot, dass die angebotenen Stücke eigentlich eher für ein Museum geeignet seien.

Doch kaum war das Angebot eingestellt, da gab es merkwürdige Rückfragen. Normal war die Rückfrage, ob die Ware auch in die USA verschickt würde. Doch dann kamen immer eindringlichere Mailanfragen, was denn auf den Bändern zu hören sei – und vor allem: In welcher Sprache? Diese Mailanfragen stammen von »John« und liegen uns vor. Der gute »John« will immer wieder wissen, ob auf den Bändern russisch gesprochen wird. Er möchte eine komplette Abschrift des Inhaltes der Bänder.

Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen einen gebrauchten Computer und ein Kaufinteressent möchte zuvor von Ihnen unbedingt einen Ausdruck aller Dateien, die auf dem Rechner gespeichert sind. Kommt Ihnen das merkwürdig vor? Dummerweise ist die angebotene Spionagetechnik laut Anbieter absolut mausetot. Und der Anbieter hat nicht die geringste Ahnung, ob auf den Bändern russisch, chinesisch oder gar nicht gesprochen wird. Der Anbieter fragt sich nun, ob »John« Amerikaner oder doch eher Russe ist und ob der nicht aus beruflichen Gründen anfragt. Vielleicht sitzt »John« ja im KGB-Archiv und er hat noch viel Platz in den Regalen. Oder sitzt »John« in Langley/Virginia im Archiv – bei der CIA? Überhaupt – was macht man heute noch mit einer Spionageausrüstung aus dem Kalten Krieg? Vielleicht sollte der Verkäufer den Erlös einfach spenden: An eine Organisation, die übrig gebliebene Kalte Krieger aus längst vergangenen Zeiten mit all ihren psychische Problemen betreut.

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