Friday, 27. May 2016
31.01.2011
 
 

Energie aus Biomasse ist teurer als vermutet

Edgar Gärtner

Noch vor wenigen Jahren schien es, als könne der Hunger in der Welt ein für allemal der Vergangenheit angehören. Die Welternährungsorganisation FAO war im Jahre 2006 nahe daran, den Hunger für besiegt zu erklären. Denn trotz des kräftigen Wachstums der Weltbevölkerung war die Kalorienaufnahme je Kopf zwischen 1965 und 2005 von kaum über 2.000 auf fast 2.800 gestiegen. Zwischen 1950 und dem Beginn des 21. Jahrhunderts hatte sich die Weltgetreideproduktion mehr als verdreifacht. Doch in den letzten Jahren sind diese Erfolgsmeldungen verstummt. Der Grund ist eine nie dagewesene Explosion der Nahrungsmittelpreise, die in Ländern wie Mexiko oder Algerien und Tunesien schon zu Hungerrevolten geführt hat. Deren Ursachen sind vielfältig. Witterungsunbilden wie Überschwemmungen oder Trockenheit erklären die Preissprünge aber nur zum Teil.

In etlichen Fällen war die durch Subventionen im Namen des »Klimaschutzes« geförderte Umwidmung landwirtschaftlicher Anbauflächen für die Produktion von Biotreibstoffen die Hauptursache für Preissprünge bei Grundnahrungsmitteln. Im Glauben daran, die energetische Nutzung von Biomasse sei »klimafreundlich«, weil bei ihrer Verbrennung nicht mehr angeblich klimaschädliches CO2 freigesetzt werde, als die Pflanzen bei ihrem Wachstum gebunden hatten, wurden in Deutschland sogar Weizenkraftwerke gebaut. Die EU-Kommission versprach den durch sinkende Getreide- und Milchpreise gebeutelten Bauern eine rosige Zukunft als »Energiewirte«. Nicht wenige von ihnen gaben ihren bisherigen Broterwerb auf und investierten mithilfe günstiger Kredite in Biogasanlagen. Übersehen wurden dabei nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die sozialen und ökologischen Kosten der Umwidmung von Agrarflächen im Sinne der »Klimapolitik«.

Auf einer internationalen Konferenz über »grüne Energien« in Athen bedauerte inzwischen sogar der als US-Präsidentschaftskandidat gescheiterte, dafür aber als Weltuntergangsprophet umso erfolgreichere und mit dem Friedensnobelpreis geadelte Al Gore, dass er einst aus rein wahltaktischen Gründen die Subventionierung der Herstellung von Bio-Äthanol aus Mais für die Beimischung zu Kfz-Treibstoffen unterstützt habe. Im Jahre 2009 sei die Bio-Äthanol-Herstellung in den USA mit fast acht Milliarden Dollar subventioniert worden. Über 40 Prozent der US-amerikanischen Maisernte oder 15 Prozent der Welt-Maisernte seien zu Treibstoff verarbeitet worden. Das habe nicht ohne Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise bleiben können. Er plädierte deshalb dafür, in Zukunft stattdessen Biotreibstoffe der zweiten Generation aus landwirtschaftlichen Abfällen oder aus Holz von Plantagen schnell wachsender Baumarten wie Pappeln, Eukalyptus usw. zu fördern, da diese nicht mit der Nahrungsmittelherstellung konkurrieren.

Doch neuerdings warnt das in diesem Zusammenhang unverdächtige Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sogar vor Illusionen hinsichtlich der zweiten Generation von Biotreibstoffen. Die PIK-Forscher Tim Beringer und Wolfgang Lucht weisen in ihrer kürzlich in der Fachzeitschrift Global Change Biology – Bioenergy veröffentlichten Computersimulations-Studie nach, dass die weltweit bestehende landwirtschaftliche Anbaufläche kaum ausgeweitet werden kann. Sie werde für die Ernährung der weiter wachsenden Weltbevölkerung gebraucht. Plantagen für Energiepflanzen müssten auf Flächen angelegt werden, die derzeit noch nicht intensiv genutzt werden. Darunter seien aber ökologisch wertvolle Wälder und Feuchtgebiete. Eine hohe Ausbeute erreichten Energieplantagen nur bei intensiver Bewässerung. Dem stehe jedoch vielerorts die Wasserknappheit entgegen. Wenn die Politik davon ausgehe, dass im Jahre 2050 bis zu 20 Prozent des weltweiten Strom- und Wärmebedarfs aus der Verbrennung oder Vergärung schnell wachsender Pflanzen gedeckt werden müssen, dürfe sie nicht vergessen, dass dafür ein hoher Preis bezahlt werden muss, unterstreicht PIK-Forschungsbereichsleiter Wolfgang Lucht. »Wie viel Energie zu welchen Umweltkosten erzeugt werden kann, ist eine immer noch strittige Frage«, schließt Lucht.

 

 


 

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