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Der ursprünglich vorgebrachte Grund für die Einrichtung von AFRICOM, dessen Hauptstützpunkt sich nicht in Afrika, sondern in Stuttgart in Deutschland befindet, bestand darin, Maßnahmen gegen den Terrorismus in Ländern wie Somalia, wo der Zusammenbruch funktionierender Regierungsstrukturen zu einer sehr instabilen und gefährlichen Situation geführt hatte, zu koordinieren. Zwar waren einige afrikanische Länder froh darüber, Rüstungsgüter von den USA zu bekommen, viele, vor allem Südafrika, äußerten aber auch Bedenken.
Neben dem Motiv des Kampfes gegen den Terrorismus haben verschiedene Kommentatoren auch Erdöl als möglichen Grund ins Spiel gebracht. Analysten der Erdölindustrie gehen davon aus, dass
die Vereinigten Staaten ab 2015 ein Viertel ihrer Erdölimporte aus afrikanischen Ländern decken werden. Libyen ist mit 47 Milliarden Barrel an nachgewiesenen Reserven (und es existieren möglicherweise noch weitere bisher unentdeckte Lagerstätten) der größte afrikanische Erdölproduzent. Ihm folgen mit 37,5 Mrd. Barrel Nigeria, Angola mit 13,5 Mrd. Barrel, Algerien mit 13,4 Mrd. Barrel und der Sudan mit 6,8 Mrd. Barrel. Kleinere afrikanische Länder wie Gabun und Äquatorial-Guinea verfügen im Verhältnis zu ihrer Größe ebenfalls über eine beträchtliche Erdölproduktion. [Die Erdöl-Analystin] Antonia Juhasz vermutete 2008 Erdöl politische Motive hinter dem Aufbau von AFRICOM: »Man befürchtet, eine größere amerikanische Militärpräsenz in Afrika könne ähnlich wie im Irak die Militärmacht überfordern, während gleichzeitig innenpolitische Feindseligkeiten, regionale Instabilität und die Gegnerschaft zu den USA zunehmen. Das eigentliche Ziel dieser beiden Operationen ist identisch: die Sicherung des Zugangs der großen Erdölkonzerne zu den regionalen Erdölvorkommen.
Libyen, Nigeria, Angola und Algerien sind alle Mitgliedstaaten der OPEC, des Kartells der erdölproduzierenden Länder, deren gemeinsames Vorgehen bei der Festsetzung der Förderquoten einen erheblichen Effekt auf die Entwicklung des Erdölpreises hat. Zahlreiche amerikanische Erdölkonzerne haben in den afrikanischen erdölproduzierenden Ländern investiert, so auch in Libyen. Auch wenn die Regierung unter Muammar al-Gaddafi den Großteil der ausländischen Erdöleinrichtungen verstaatlichte, als sie 1969 nach dem Sturz von König Idris an die Macht gekommen war, sind doch einige größere ausländische Erdölkonzerne, darunter auch amerikanische Unternehmen, mit Investitionen in Libyen an gemeinsamen Projekten mit dem libyschen Staat beteiligt. Zu diesen Konzernen gehören Marathon, Hess, Conoco, Gulf, Occidental, BP, Repasol (Spanien), ENI (Italien) und Total (Frankreich) sowie noch andere.
2009 äußerte Gaddafi erstmals die Absicht, möglicherweise auch die verbleibenden ausländischen Erdöleinrichtungen in Libyen zu verstaatlichen (zum damaligen Zeitpunkt war AFRICOM bereits eingerichtet worden). Diese Drohung wurde nach Beginn der NATO-Operationen gegen Libyen in der vergangenen Woche wiederholt. Aber im Augenblick haben die von den USA und der Europäischen Union verhängten Sanktionen die libyschen Erdölexporte zu einem Rinnsal verkümmern lassen, was zu einem weltweiten Anstieg der Benzinpreise führte. Ein massives Eingreifen, das die Absetzung Gaddafis und zugleich größeren geschäftlichen Spielraum für diese Erdölkonzerne nach sich zöge, könnte durchaus zu den Motiven für diese Intervention gerechnet werden. Dies gilt vor allem für die größeren EU-Mitgliedsstaaten, die von libyschen Erdöllieferungen abhängig sind.
Ein Gegengewicht zum chinesischen Einfluss in Afrika
Aber es gibt noch einen anderen Grund, der von einigen Analysten als Motiv für den Aufbau von
AFRICOM herangezogen wird: AFRICOM als Gegengewicht zum zunehmenden wirtschaftlichen Einfluss Chinas in Afrika. AFRICOM ist zwar primär eine militärische Einrichtung, aber zu ihr gehören auch zivile Operationen, die die Herzen und den Verstand der Afrikaner durch Entwicklungsprojekte gewinnen helfen sollen.
Der Vorstandschef von Rogers Holdings, Carmel Davis, brachte das Thema 2008 in einem Artikel zur Sprache. Davis hält es für positiv, dem chinesischen Einfluss in Afrika entgegenzutreten, weil chinesische Unternehmen dazu neigten, sich nicht in die Angelegenheiten der Regierungen der afrikanischen Länder einzumischen, in denen sie investieren. Nach Davis’ Ansicht ist das schlecht, er würde lieber die amerikanischen Geschäftsbeziehungen dazu benutzen, politische Veränderungen in afrikanischen Ländern durchzusetzen, sodass sie sich in eine demokratische, kapitalistische Richtung entwickeln könnten. Das Unternehmen von Davis hat offensichtlich mehr mit Restaurants und weniger mit Erdöl zu tun, aber möglicherweise hat er durchaus recht, wenn er sagt, »die Erfahrungen Chinas fallen vielleicht bei afrikanischen Führern auf fruchtbaren Boden«, weil es China gelang, massives Wirtschaftswachstum ohne Machtverlust der herrschenden kommunistischen Partei zu erreichen. Noch ein weiterer Faktor mache die Zusammenarbeit mit China möglicherweise [für afrikanische Politiker] ebenfalls attraktiv: »Anders als die mit der Wirtschaftshilfe verbundenen Auflagen der Bretton-Woods-Organisationen [der Internationale Währungsfonds und die Weltbank] und der westlichen Regierungen, die von Nichtregierungsorganisationen und der öffentlichen Meinung beeinflusst sind, bietet China eine marktorientierte Beziehung mit bereitwilligen Käufern, die ausdrücklich Auflagen vermeiden wollen.« Anders gesagt, die Aufnahme von Handelsbeziehungen mit China wird von vielen Afrikanern als Möglichkeit gesehen, wirtschaftliche Bedürfnisse ohne politische Einmischung unter dem Vorwand eines »Eingreifens aus humanitären Gründen« zu befriedigen. Und China kauft viel afrikanisches Erdöl.
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