Friday, 30. September 2016
18.08.2014
 
 

Schon fast 300 000 Selbstmorde indischer Bauern nach GVO-Missernten

Ethan A. Huff

Die westlichen Medien spielen die tatsächlichen Gefahren durch gentechnisch veränderte (GV ) Feldfrüchte, besonders im Entwicklungssektor, herunter. Tatsächlich haben seit 1995 fast 300 000 indische Bauern Selbstmord begangen, als direkte Folge steigender Schulden und Missernten vor allem von Baumwolle, für die Big Biotech patentierte transgene Sorten entwickelt hat.

 

Laut einem Bericht der indischen Zentralstelle für die Erfassung von Verbrechen (National Crime Records Bureau, NCRB) gab es von 1995 bis 2011 in Indien 290 740 Selbstmorde von Bauern, die durch die Einführung von GVO in den wirtschaftlichen Ruin und die Armut getrieben wurden. Für die Zeit danach gibt es keine offiziellen Zahlen, es hat aber vermutlich mehrere Tausend weitere Selbstmorde gegeben, sodass die Zahl bei 300 000 oder noch höher liegen dürfte.

 

Wie die Philosophin, Physikerin und Umweltaktivistin Dr. Vandana Shiva in einer sehr sorgfältigen Studie darlegt, sind GVO-Pflanzentechnologien ein Trojanisches Pferd, mit dem sich multinationale Konzerne die Kontrolle über die weltweite Nahrungsversorgung verschaffen. Mit falschen Versprechungen von gesteigerten Ernteerträgen und niedrigeren Kosten haben Firmen wie Monsanto indische Bauern in Vertragsvereinbarungen gelockt, durch die sie von einem zentralisierten Landwirtschaftssystem abhängig wurden, das viele von ihnen in den Bankrott geführt hat.

 

 

Bevor Monsanto dank der 1988 von der Weltbank verordneten Saatgut-Politik alles veränderte, bauten indische Bauern Baumwolle aus eigener Zucht zusammen mit anderen Feldfrüchten an, die sie wirksam vor eindringenden Sorten und durch Insekten übertragene Krankheiten schützten. Da die Samen der Baumwollpflanzen natürlich waren, konnten die Bauern einen Teil zurückhalten und im nächsten Jahr erneut aussäen, ohne Lizenzgebühren für neues Saatgut bezahlen zu müssen.

 

Natürlich war das System nicht perfekt. Aber es gab indischen Bauern die Freiheit, ihre eigenen landwirtschaftlichen Ziele zu verfolgen, und stürzte sie nicht in hohe Schulden, in denen viele von ihnen jetzt durch Monsantos GVO stecken. Laut Dr. Shivas Untersuchung hat das neue System aus indischen Bauern praktisch Sklaven gemacht, die jetzt an Vertragsvereinbarungen mit Big BioTech gebunden sind, aus denen sie nicht herauskommen.

 

»Durch Patente auf Saatgut ist Monsanto zum ›Gott des Lebens‹ auf unserem Planeten geworden, der für die Erneuerung des Lebens von Bauern, den ursprünglichen Züchtern, Abgaben kassiert«, schrieb Dr. Shiva auf der Website Global Research.

 

»Es sind betrügerische Samen – des Betrugs, Monsanto sei der Schöpfer von Samen und Leben, des Betrugs, dass Monsanto Bauern verklagt und in die Verschuldung treibt, gleichzeitig aber vorgibt, für das Wohlergehen der Bauern zu arbeiten, und des Betrugs, GVO ernährten die Welt. GVOs können sich nicht gegen Krankheiten und Unkraut wehren, sondern haben vielmehr zum Auftauchen von Superkrankheiten und Superunkräutern geführt.«

 

Monsanto hat illegal die Kontrolle über 95 Prozent des indischen Baumwoll-Saatguts übernommen, ohne Konsequenzen

 

Dr. Shiva dokumentiert, wie Monsanto Ende der 1980er Jahre nach Indien kam; sie beschreibt die schrittweise Übernahme des Landwirtschaftssystems des Landes. Es begann mit der Deregulierung des indischen Saatgutsektors, die eine allmähliche Konzentration zur Folge hatte. Monsanto kaufte alle Saatgutfirmen auf, die es in die Hand bekommen konnte, mit den übrigen wurden Joint Ventures gebildet oder Lizenzvereinbarungen getroffen.

 

Allmählich bestand der allgemeine Saatgut-Pool, der den indischen Bauern zur Verfügung stand, fast ausschließlich aus Monsanto-Samen, die als Wundersamen etikettiert und vermarktet wurden, die die indischen Bauern reich machen und Nahrung für alle liefern würden. Nach der Einführung erwies sich, dass die »Terminator«-Samen genau das Gegenteil bewirkten – Hunderttausende indischer Bauern verloren ihre Ernte, ihr Bankkonto, ihren Lebensunterhalt und in vielen Fällen das Leben, weil sie den GVO-Köder geschluckt hatten.

 

»Samen, die eine gemeinsame Ressource der Bauern gewesen waren, wurden ›geistiges Eigentum‹ Monsantos, für das Lizenzgebühren erhoben wurden, sodass das Saatgut teurer wurde«, erklärt Dr. Shiva. »Offen bestäubte Baumwollsamen wurden durch Hybride, darunter GVO-Hybride, ersetzt … Baumwolle, die früher in einem Mix mit anderen Nahrungspflanzen angepflanzt wurde, musste jetzt in Monokultur angebaut werden und war dadurch viel anfälliger für Seuchen, Krankheiten, Dürre und Missernten.«

 

Heute gehören Monsanto volle 95 Prozent der indischen Baumwollsamen, das ist nach allgemein akzeptierten Standards ein Beinahe-Monopol. Es ließ sich natürlich nur durch Betrug und illegales Vorgehen erreichen, einschließlich von offenen Feldversuchen, die Ende der 1990er Jahre durchgeführt wurden, ohne von der indischen Regierung zugelassen worden zu sein. Monsanto führte sie, obwohl illegal, trotzdem durch und übernahm schließlich die Kontrolle über die gesamte Industrie.

 

»Monsantos Saatgut-Monopol, die Vernichtung von Alternativen, das Kassieren von Superprofiten in Form von Lizenzgebühren und die zunehmende Verwundbarkeit von Monokulturen hat ein Klima von Schulden, Selbstmorden und Not auf dem Land geschaffen, das zu einer Epidemie von Selbstmorden unter indischen Bauern geführt hat«, erklärte Dr. Shiva abschließend.

 

 

Quellen für den Beitrag waren u.a.:

 

IndiaTimes.com

TheGuardian.com

GlobalResearch.ca

ProjectCensored.org

NaturalNews.com

 

 

.

Leser-Kommentare (7) zu diesem Artikel

18.08.2014 | 20:29

Irene

Silke: Und wer betreibt die massive Abholzung des Regenwaldes? Da stecken sehr wohl Konzerne dahinter. Wer profitiert den am Meisten durch die Rodung?


18.08.2014 | 13:43

Silke

Guter Artikel, aber ein wichtiger Aspekt fehlt: Baumwolle braucht viel Wasser, seit Jahrzehnten sinkt durch intensive Landwirtschaft in dem 1,3 Milliarden Menschen starken Land der Grundwasserspiegel. Die massive Abholzung des Regenwaldes vermindert dazu die Regenmenge. Damit sinken die Erträge der Baumwolle und auch von Getreide eh. (Suchtipps: "Indien, Grundwasserspiegel). Auch ohne Mansanto stände Indien vor einem riesigen Problem, daher macht man es sich zu einfach dem...

Guter Artikel, aber ein wichtiger Aspekt fehlt: Baumwolle braucht viel Wasser, seit Jahrzehnten sinkt durch intensive Landwirtschaft in dem 1,3 Milliarden Menschen starken Land der Grundwasserspiegel. Die massive Abholzung des Regenwaldes vermindert dazu die Regenmenge. Damit sinken die Erträge der Baumwolle und auch von Getreide eh. (Suchtipps: "Indien, Grundwasserspiegel). Auch ohne Mansanto stände Indien vor einem riesigen Problem, daher macht man es sich zu einfach dem Konzern alleine die Schuld zu geben.


18.08.2014 | 10:55

IS

was ich an kopp immer gut gefunden habe, ist, dass ihr so ein breites specktrum an websiten als quellen hattet. besonders in den verlinkten artikeln, wurde ich oft auf websiten aufmerksam die dann teilweise zu oft besuchtenb seiten von mir wurden. die websiten der tazfazwelt kenne ich ja selber. das finde ich derzeit verbesserungsfähig danke und lg


18.08.2014 | 10:37

herta

politiker sind eben kaufbare marionetten der großindustrie. besonders in amerika. aus diesem grunde konnte monsanto u.a. so groß werden. zu unser aller schaden. ttip gibt uns den rest. nicht umsonst werden diese verhandlungen im geheimen (besonders demokratisch) geführt.


18.08.2014 | 09:37

Livia

In dem Spielfilm das Omen III erklärte der Teufelssohn, daß er die Welt beherrscht, wenn er die Landwirtschaft kontrolliert und ließ Ackerland aufkaufen. ... offensichtlich ein Lehrfilm für Monsanto! Das Problem ist doch, daß Großkonzerne und ressortübergreifende Gesellschaften entstehen konnten. Anstatt das Zunftwesen abzuschffen, weil England und die USA es nicht hatten, hätte man die Beiden dazu bringen müssen es einzuführen. Dumm gelaufen für die Menschheit!


18.08.2014 | 07:49

Rene F.

@Bruno Weil alle geschmiert sind ! Monsanto und Co. hat überall seine Marionetten positioniert ( Medien, Richter, Unternehmen, Abgeordnete, usw)

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Indien: Ausverkauf an Monsanto – gentechnisch veränderte Organismen und die größeren Zusammenhänge

Colin Todhunter

Am 15. August dieses Jahres jährt sich die Unabhängigkeit Indiens von England zum 67. Mal. Einigen vermag es vielleicht seltsam erscheinen, dass ein Land einerseits öffentlich seine Unabhängigkeit feiert, während es sie andererseits weniger öffentlich an Außenstehende abtritt. Die glänzende Fassade der Flaggen und der über die Köpfe hinweg  mehr …

Bauern in El Salvador wehren sich gegen amerikanischen GVO-Imperialismus

Jonathan Benson

Die USA versuchen, die Menschen in El Salvador nach dem Vorbild des Trojanischen Pferds mit einem neuen »Hilfspaket« reinzulegen. Danach soll das zentralamerikanische Land gentechnisch verändertes (GV) Saatgut von Monsanto kaufen und als Gegenleistung das hart verdiente Geld amerikanischer Steuerzahler erhalten.  mehr …

Es sind das giftige Herbizid Roundup und Glyphosate, Dummkopf!

F. William Engdahl

Die provokative Überschrift ist eine Abwandlung von Bill Clintons berühmtem Slogan aus seinem Präsidentschaftswahlkampf 1992 gegen den damaligen Präsidenten George H. W. Bush: »It’s the economy, stupid!«, zu Deutsch: »Es ist die Wirtschaft, Dummkopf!«. Sind die chemischen Gifte in dem Unkrautvernichter Roundup, der zusammen mit allen gentechnisch  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Die Akte Wikipedia – die Sabotagequelle

Janne Jörg Kipp

Wikipedia ist die wohl beliebteste Informationsquelle weltweit geworden. Die so genannte freie Enzyklopädie verdrängte sogar das 244 Jahre alte Standardwerk Encyclopædia Britannica, und das innerhalb von nur zehn Jahren. Aufklärungsjournalist Michael Brückner deckt in seinem neuen Buch nun auf, wie skrupellose Propagandisten Wikipedia zur  mehr …

Auswanderer: Vom Traum zum Albtraum

Markus Gärtner

Wer hat noch nicht darüber nachgedacht, irgendwann auszuwandern? Mindestens 160.000 gut ausgebildete Deutsche kehren ihrer Heimat jedes Jahr den Rücken zu. Und dann?  mehr …

Eurasische SOZ-Länder bedrohen die Hegemonie der NATO

F. William Engdahl

Schon wieder gibt es eine nicht beabsichtigte Konsequenz aus Washingtons extrem aggressiver Außenpolitik. Jetzt geschieht, was eigentlich hatte verhindert werden sollen: Die Länder der großen eurasischen Landmasse nähern sich einander an und bilden einen wirtschaftlichen, politischen und sogar militärischen Block, de facto als Gegengewicht zu der  mehr …

Das Kochbuch für die Krise

Redaktion

Gehören Sie zu den Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden? Dann mussten Sie bislang nie Hunger leiden. Für die meisten Deutschen ist es »normal«, immer etwas zu essen zu haben.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.