TEPCO: Kernschmelze in Fukushima bereits 16 Stunden nach dem Erdbeben – mit weiteren Kernschmelzen ist zu rechnen
Ethan A. Huff
Nun ist die Wahrheit doch ans Licht gekommen: Vertreter der Tokyo Electric Power Company (TEPCO) räumten jetzt ein, dass die Brennstäbe im Reaktorblock 1 des Daiichi-Kernkraftwerks in Fukushima bereits 16 Stunden, nachdem das verheerende Erdbeben und der nachfolgende Tsunami am 11. März 2011 die Region getroffen hatten, zu schmelzen begonnen hatten. Auf die Frage, warum es mehr als zwei Monate gedauert habe, diese wichtige Informationen zu veröffentlichen, erklärten die TEPCO-Vertreter, bis vor Kurzem habe das Unternehmen nicht gewusst, wie die Lage in den Reaktorblöcken tatsächlich aussehe, da wesentliche Daten gefehlt hätten – und neue Berichte deuten darauf hin, dass mit weiteren Kernschmelzen zu rechnen ist.
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Einem Bericht des japanischen Internet-Nachrichtenportals The Mainichi Daily News (MDN) zufolge erklärten TEPCO-Vertreter vor Kurzem, aufgrund neu vorliegender Daten wisse man nun, dass der
Wasserpegel in den Druckbehältern im Reaktorblock 1 bereits innerhalb weniger Stunden nach dem Stromausfall gegen 15:30 Uhr am 11. März schnell zu sinken begann. Gegen 19:30 Uhr hätten die Brennstäbe völlig frei gelegen, und um 21:00 Uhr habe die Temperatur des Reaktorkerns bereits erschreckende 2.800 °C bzw. 5.072 °F erreicht. Gegen 6:50 Uhr am folgenden Morgen habe dann eine völlige Kernschmelze eingesetzt.
Während der ganzen Zeit, als aufgrund des Zusammenbruchs der Stromversorgung die Kühlsysteme in einigen Reaktorblöcken nicht arbeiten konnten, und auch während der Monate danach, war also bekannt, dass der Wasserspiegel in Reaktorblock 4 aufgrund von Lecks ständig sank. Dennoch spielte TEPCO weiter den Unwissenden und handelte so, als ob das Unternehmen keine Ahnung davon hätte, wie ernst die Lage im Kraftwerk tatsächlich war. Aber das Unternehmen war sich mit Sicherheit auch ohne detaillierte Informationen darüber im Klaren, dass eine Kernschmelze die sichere Folge ist, wenn die Kühlsystem vollständig ausfallen und die Brennstäbe ganz frei liegen – selbst normale Menschen ohne kerntechnisches Fachwissen können Zwei und Zwei zusammenzählen, um zu dem gleichen Schluss zu kommen.
Aber offenbar ist TEPCO überzeugt, es könne weiterhin, den Unwissenden spielen, die
Weltöffentlichkeit werde ihm dies schon abnehmen. Aber diese neuen Enthüllungen beweisen, dass das Unternehmen die Folgewirkungen, die sich aus der ganzen Situation ergeben, im besten Fall massiv unterschätzt, im schlimmsten Fall aber die Wahrheit bewusst zurückhält. Wie auch immer, die Situation ist weitaus düsterer und schlimmer, als uns allen Glauben gemacht wurde.
»[TEPCO] hätte davon ausgehen müssen, dass eine Kernschmelze unvermeidlich ist, wenn die Kühlung der Reaktoren aufgrund des Stromausfalls unmöglich ist«, erklärte der Experte für Reaktorsicherheit Prof. Hiroaki Koide von der Universität Kyoto gegenüber MDN, »TEPCOS immer wieder vorgebrachte Erklärung, der Schaden an den Brennstäben sei begrenzt, hat sich als falsch erwiesen.«
Kurz nach den Enthüllungen zum Reaktorblock 1 berichtete die britische Tageszeitung The Telegraph, in zwei weiteren Reaktorblöcken stehe möglicherweise noch eine Kernschmelze bevor. Die Bemühungen, die Brennstäbe in den Blöcken 2 und 3 zu kühlen, seien gescheitert. Nach Aussagen von Experten drohe in diesen Reaktoren bald eine Kernschmelze, wenn sie nicht sogar schon längst eingesetzt habe.
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