Saturday, 25. June 2016
31.07.2011
 
 

Zusammenschluss von Saatgutkonzernen führt zu weltweiter Herrschaft über die Nahrungsmittelversorgung

Ethan A. Huff

Betrachtet man die Geschichte der weltweiten Landwirtschaft, so war diese zu allen Zeiten ein breit gefächerter Sektor der jeweiligen Wirtschaft. In den meisten Kulturen waren kleine, autarke Familienbetriebe die Regel. Und obwohl die Höfe mit der Zeit größer wurden und die Betriebe sich spezialisierten, hoben die meisten auch weiterhin Getreide für die nächste Aussaat auf oder kauften ihr Saatgut von anderen Landwirten. Die Kontrolle über die Landwirtschaft blieb stets bei den Landwirten selbst.

Heute ist alles anders, denn große Chemie- und Agrobusinesskonzerne haben reihenweise Saatgutfirmen und andere Hersteller für landwirtschaftliches Zubehör entweder aufgekauft oder mit ihnen fusioniert. Ihre gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) mit transgenen Merkmalen haben erfolgreich Fuß gefasst.

Durch diesen Prozess, bei dem auch andere Faktoren eine Rolle spielen, übernehmen Konzerne immer mehr die Kontrolle über die Landwirtschaft und damit über die weltweite Nahrungsmittelversorgung.

Natürlich ist diese bedrückende Lage nicht über Nacht entstanden. Doch ab Mitte der 1990er-Jahre

hat sich mit der Einführung von GV-Kulturpflanzen das Tempo beschleunigt. Seither haben Multis wie Monsanto, DuPont und Syngenta schon weitgehend die Kontrolle über die weltweite Saatgutindustrie übernommen. Die Folge ist eine erhebliche Einschränkung von Artenvielfalt und Freiheit in der Landwirtschaft.

 

Dass es inzwischen möglich ist, Saatgut und Saatgutmerkmale patentieren zu lassen, hat alles nur noch schlimmer gemacht, denn natürliche oder alte Sorten von Saatgut lassen sich immer schwerer auftreiben. Viele Landwirte sehen für sich keine andere Möglichkeit, als mit dem Strom zu schwimmen.

Professor Philip H. Howard von der Abteilung Community, Agriculture, Recreation and Resource Studies an der Michigan State University hat 2009 eine Studie mit dem Titel Visualizing Consolidation in the Global Seed Industry: 1996-2008 veröffentlicht, in der er den Trend, dass die Landwirtschaft von Konzernen beherrscht wird, analysiert.

Der Bericht, der in einer Sonderausgabe der Zeitschrift Renewable Agriculture veröffentlicht wurde, bietet sowohl eine ausführliche Datenanalyse des dramatischen Wandels in der Landwirtschaft im Verlauf der letzten Jahrzehnte als auch eine höchst informative bildliche Darstellung dieser wahrhaft schockierenden feindlichen Übernahme.

Die »großen sechs« Pharma- und Chemiekonzerne haben in den letzten 15 Jahren Hunderte von Saatgutherstellern entweder übernommen oder Joint Ventures gebildet.

Um seinen Lesern ein besseres Verständnis über den Zustand der Saatgutindustrie zu vermitteln, hat Prof. Howard eine sehr informative Grafik erstellt, die zeigt, wer wirklich die Branche beherrscht.

Monsanto, DuPont, Syngenta, Bayer, Dow und BASF besitzen gemeinsam oder teilweise Hunderte ehemals unabhängige Unternehmen – wobei Monsanto natürlich alle anderen überragt.

Die Grafik können Sie über diesen Link anschauen.

Die blauen Ellipsen in dem Diagramm repräsentieren die Saatguthersteller, die zu allermeist von den Unternehmen in den roten Kreisen – allesamt Chemie- oder Pharmakonzerne – beherrscht werden. Die durchgezogenen grauen Pfeile bedeuten den vollständigen Besitz eines Unternehmens, gestrichelte Linien kennzeichnen eine Beteiligung.

Als Erstes springt ins Auge, in welchem Ausmaß Monsanto die Saatgutindustrie beherrscht. Laut Prof. Howards Analyse hat Monsanto allein im Verlaufszeitraum seiner Studie von 1996 bis 2008 mindestens 50 Saatgutfirmen übernommen.

Monsanto war bis Mitte der 1980er-Jahre in der Saatgutindustrie nicht oder nur unwesentlich aktiv, hat jedoch seither viele andere Hersteller übernommen und baut mithilfe der GVO die Kontrolle über die Nahrungsversorgung aus. Heute ist Monsanto der größte Saatguthersteller der Welt, und das transnationale Ungeheuer frisst noch immer weitere Unternehmen oder gründet »Partnerschaften« mit den unabhängigen Saatgutfirmen, die es noch gibt.

Hinter Monsanto besitzen oder beherrschen die übrigen fünf der »Großen Sechs«, die Prof. Howard illustriert – DuPont, Syngenta, Bayer, Dow und BASF – kollektiv einen großen Teil der verbleibenden Saatgutfirmen, die nicht zu Monsanto gehören oder von dem Konzern kontrolliert werden. Einer der wichtigsten Faktoren, die zu dieser Lage beigetragen haben, sind GVO und transgene, patentierbare Saatmerkmale, die von den industriellen Playern gemeinsam genutzt werden.

Sämtliche Konzerne der »Großen Sechs« haben Vereinbarungen mit einem oder mehreren der Übrigen. Ihr Erfolg ist weitgehend von GVO und der wachsenden Kontrolle über landwirtschaftliches Zubehör abhängig.

Wenn etwas noch schlimmer sein kann als Monsanto und dessen Herrschaft über den Saatgutmarkt, dann sind es die traulichen Beziehungen der Firmen untereinander. Prof. Howards Analyse zeigt, dass jedes Unternehmen der »Großen Sechs« zu mindestens einem der Übrigen Beziehungen unterhält. Und gemeinsam teilen sie sich die Kontrolle über die Saatgutindustrie.

Monsanto hat für seine transgenen Patente Lizenzaustauschverträge mit sämtlichen der genannten Unternehmen geschlossen; Dow mit allen außer Bayer; Syngenta mit Dow, Monsanto und DuPont; BASF mit Dow und Monsanto.

Was das alles zu bedeuten hat? Es bedeutet, dass sich diese schon jetzt beängstigende Oligarchie, die die Saatgutindustrie beherrscht, zu einem völligen Monopol entwickelt, natürlich mit Monsanto an der Spitze. Und in dem Maße, wie sich die transgene Technik weiterentwickelt, die die Landwirte zwingt, entweder mit dem Strom zu schwimmen oder den Betrieb zu schließen, könnte es schon bald so weit sein, dass es zu Monsantos Angebot keine Alternativen mehr gibt.

Man sollte meinen, die Landwirte wären sich dieser Übernahme bewusst und würden Widerstand leisten. Aber das Vorgehen der »Großen Sechs« bleibt zumeist unbemerkt, weil sie Saatgut und Chemikalien über verschiedene Anbieter und unter verschiedenen Namen verkaufen. Laut Prof. Howard gelingt es ihnen auf diese Weise, die Illusion von Wettbewerb und Wahlmöglichkeit aufrechtzuerhalten, während sie die Übernahmen vorantreiben.

 

Wie es so weit kommen konnte und was getan werden kann

Echter Wettbewerb in der Saatgutindustrie ist in den vergangenen Jahren aus vielerlei Gründen systematisch abgebaut worden. Neben der offenen Fusion und Übernahme durch Pharma- und Chemiekonzerne waren auch viele Landwirte einfach auch dazu bereit, die neueste Saatguttechnik zu übernehmen, auch wenn dies bedeutete, dass sie beim Saatgut keine freie Wahl mehr hatten und auf ihrem Betrieb zu intensivem Einsatz von Chemikalien und anderen synthetischen Stoffen gezwungen waren.

Wie Prof. Howard erklärt, hat ein Konzept, das als »Landwirtschaftliche Tretmühle« bekannt ist, maßgeblich zum Niedergang der alten Saatgutindustrie beigetragen. Da der Bedarf an Lebensmitteln ziemlich gleichbleibend ist, führt jede Produktionssteigerung zu fallenden Preisen.

Wenn also neue landwirtschaftliche Technologien aufkommen, zwingen Landwirte, die diese übernehmen, unabsichtlich alle anderen dazu, das Gleiche zu tun, nur um ihr Einkommensniveau zu halten. Übernehmen sie sie nicht oder halten mit den anderen Landwirten in der Tretmühle nicht Schritt, dann fallen sie irgendwann zurück oder werden ganz aus der Landwirtschaft verdrängt.

Weitere Faktoren sind Veränderungen in der Politik, die die Barrieren beseitigt haben, die Übernahmen in der Landwirtschaft früher im Weg standen. Durch die Entwicklung patentierter, transgener Merkmale ist es den Saatgutkonzernen gelungen, die bestehenden Hürden gegen Zusammenschlüsse in der Landwirtschaft zu überwinden.

Wenn Landwirte ihr GV-Saatgut nicht für die nächste Aussaat aufheben können, dann ist den Konzernen der stetige, alljährliche Cashflow allein aus dem Verkauf von Saatgut und den dazugehörigen Pestiziden und Herbiziden sicher. Dadurch wird die Landwirtschaft für räuberische Konzerne wie Monsanto zu einem weit profitableren Geschäft als früher.

Was ist nun aber der Ausweg? Prof. Howard empfiehlt die Nachbesserung der Antitrust-Gesetze, damit der ständige Eigentümerwechsel in der Saatgutindustrie und die schrittweise Übernahme der Nahrungskette durch einige wenige Konzerne verhindert wird. Eine andere Idee wäre eine Politik, die gegen das Phänomen der »Landwirtschaftlichen Tretmühle« vorgeht und stattdessen eine unabhängige, selbstversorgende Landwirtschaft fördert, durch welche die Kontrolle über die Nahrungsmittel bei den Menschen bleibt und nicht von den Konzernen übernommen wird.

Der beste Vorschlag ist wohl, die Praxis zu beenden, Patente auf lebende Organismen zu erteilen.

Wenn dieses höchst effektive Hindernis gegen eine Akkumulation wieder errichtet wird, besteht für multinationale Biotechkonzerne wie Monsanto kein Anreiz mehr, die Herrschaft über die Landwirtschaft zu übernehmen, weil es für sie keine Chance mehr gibt, mithilfe von patentiertem Saatgut massiv Reichtum und Kapital anzuhäufen.

 

Quellen für diesen Beitrag waren u. a.:

http://www.seedbuzz.com/knowledge-c...

http://www.naturalnews.com/files/se...

 

 


 

 

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