Montag, 5. Dezember 2016
28.12.2010
 
 

Bevölkerungskontrolle im Fokus der US-Außenpolitik

F. William Engdahl

US-Außenministerin Clinton hat eine beispiellose Erhöhung der staatlichen Mittel für Bevölkerungskontrolle und -reduzierung in Entwicklungsländern angekündigt, die zum »Kernstück der US-Außenpolitik« werden sollen. Seit Mitte der 1970er-Jahre, als Henry Kissinger als Außenminister das berüchtigte Geheimdokument NNSM-200 verfasste, durch das die Bevölkerungskontrolle insgeheim auf die Agenda der US-Außenpolitik gesetzt wurde, sind weltweite Geburtenkontrolle und verdeckte Reduzierung der Bevölkerung ein wichtiges Ziel der Eugenik-Politik der USA.

US-Außenministerin Clinton hat ein neues Programm angekündigt, das ihren Angaben zufolge zum Kernstück der US-Außenpolitik werden soll. Das neue Programm trägt die Bezeichnung Global Health Initiative (Weltweite Gesundheits-Initiative). Es wird finanziell großzügig gefördert, und das zu einer Zeit, in der die US-Regierung in Schulden versinkt. Laut Clinton werden die USA in den nächsten sechs Jahren für weltweite Programme zur Empfängnisverhütung und zur Verbesserung des Angebots für »Familienplanung« 48 Milliarden Euro aufwenden. Mit anderen Worten: Neues Kernstück der US-Außenpolitik sind Eugenik und Bevölkerungskontrolle.

Clinton kündigte das Programm bei einer Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung an. Ausdrücklich sagte sie: »Zusätzlich zu weiteren Mitteln haben wir ein Programm ins Leben gerufen, das zum Kernstück unserer Außenpolitik werden wird, die Global Health Initiative, in der wir uns verpflichten, innerhalb von sechs Jahren 63 Milliarden Dollar (48 Milliarden Euro) für die weltweite Gesundheitsförderung bereitzustellen. Unterstützt werden unter anderem Anstrengungen zur Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit, zur Verhinderung von Millionen ungewollter Schwangerschaften und Millionen neuer HIV-Infektionen. Mit dieser Initiative schlagen wir neue Wege zur Krankheitsbekämpfung und Gesundheitsförderung ein.« (1)

 

Für diejenigen, die mit der doppeldeutigen Orwellschen Sprache der US-Regierung nicht vertraut sind: Sie spricht hier über Eugenik als Priorität der US-Außenpolitik. Wie ich in meinem Buch Saat der Zestörung anhand zahlreicher geschichtlicher Beispiele erläutere, war die Eugenik eine auf falschen Argumenten beruhende pseudowissenschaftliche Bewegung, die nach dem Ersten Weltkrieg in den USA und in England mit dem Ziel entstand, die genetische Kontrolle über die menschliche Bevölkerung zu übernehmen, indem die gesellschaftlich »Unerwünschten« ausgesondert und systematisch Eliten »gezüchtet« werden sollten. Es ist kaum bekannt, dass die Rockefeller-Stiftung aus New York die Eugenik-Forschung in Nazideutschland bis zum Kriegsausbruch 1939 finanziell unterstützt hat, und zwar in Form von Forschungsgeldern für die Kaiser-Wilhelm-Institute. Zu dieser Eugenik-Forschung gehörten die Zwangssterilisierung der »Unerwünschten« und fürchterliche Menschenversuche, die von der Rockefeller-Stiftung und den führenden Vertretern der American Eugenics Society als »Modell« gepriesen wurden. Als nach dem Ende des Krieges in den Nürnberger Prozessen die Naziverbrechen öffentlich bekannt wurden, ließen die Rockefellers aus politischen Gründen verlauten, der neue Name der Eugenik sei jetzt Genetik. (2)

1974 verfasste Henry Kissinger, ein Günstling der Familie Rockfeller, als Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Nixons das streng geheime Memorandum NSSM200. Es trug den Titel »Die Bedeutung des weltweiten Bevölkerungswachstums für die Sicherheit und ausländischen Interessen der USA«. Beraten von John D. Rockefeller III. Population Council führte Kissinger das geradezu abenteuerliche Argument ins Feld, die nationale Sicherheit der USA sei von der Einführung von Bevölkerungskontrollmaßnahmen in ausgewählten Entwicklungs- und Schwellenländern, wie Brasilien, Indonesien oder der Türkei abhängig, die über reiche Bodenschätze und Öl verfügten. (3)

Kissinger behauptete, ohne eine Reduzierung der Bevölkerung in solchen Ländern gerieten die jeweiligen Regierungen unter wachsenden Druck, ihren Rohstoff- und Ölreichtum zur Finanzierung der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung einzusetzen. NSSM unterlag strenger Geheimhaltung, bis es 1990 freigegeben wurde.

Unter so harmlos und humanitär klingenden Sätzen wie »Verbesserung der Reproduktionsmedizin«, von der Clinton sprach, sind US-Regierung und Institutionen wie der UN Fund for Population Activities (UN-Bevölkerungsfonds, der heute in United Nations Population Fund umbenannt ist, aber immer noch UNFPA abgekürzt wird), nachweislich in Sachen massenhafter Zwangssterilisation von Frauen und erzwungenen Abtreibungen aktiv. Ende der 1990er-Jahre bat der peruanische Diktator Alberto Fujuimoro den UNFPA, die Aufsicht über sein »Nationales Bevölkerungsprogramm« zu übernehmen, in dessen Rahmen rund 300.000 arme Frauen in Peru gegen ihren Willen sterilisiert wurden. Außerdem wurden solche Frauen ohne ihr Wissen als Versuchskaninchen missbraucht, um neue Medikamente zu testen, oft genug mit tödlichen Folgen.

Der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) fördert seit Jahrzehnten weltweit Abtreibung,

Freut sich Clinton darüber, dass Bevölkerungskontrolle Ziel der US-Außenpolitik ist?

Zwangssterilisation und radikale Maßnahmen zur Reduzierung der Bevölkerung. Wie Clinton jetzt erläuterte, hat die US-Regierung die finanziellen Mittel für die Organisation erhöht: »Dieses Jahr haben die USA die Mittel für Reproduktionsmedizin durch den UN-Bevölkerungsfonds erneuert, weitere Gelder sind auf dem Weg. (Applaus.) Der US-Kongress hat kürzlich mehr als 648 Millionen Dollar an Auslandshilfen für Familienplanung und reproduktionsmedizinische Programme bewilligt. Das ist der größte Betrag seit mehr als zehn Jahren – ich sollte vielleicht noch hinzufügen: seit wir zuletzt einen Demokraten zum Präsidenten hatten. (Applaus.)« (4)

Zusätzlich kündigte Clinton eine neue Global Health Initiative der USA an, die sie als »Kernstück« der US-Außenpolitik bezeichnete. Damit werden in den nächsten sechs Jahren 63 Milliarden Dollar aus amerikanischen Steuergeldern für die Förderung von Abtreibung, Sterilisierung und »Familienplanung« auf der ganzen Welt zur Verfügung gestellt. Dabei besteht – nicht zuletzt aufgrund der Wirksamkeit der seit rund 35 Jahren mit amerikanischer Unterstützung betriebenen Maßnahmen der UN zur Bevölkerungskontrolle und aufgrund der Milliardenförderung – die drohende Gefahr für die Menschheit keinesfalls in einer »Bevölkerungsexplosion« (von der Eugenik-Verfechter wie Englands Prinz Philip so gern reden), sondern vielmehr in einem weltweiten Bevölkerungsrückgang.

Bevölkerungsreduzierung in Entwicklungsländern wird jedoch nicht nur Bestandteil der US-Außenpolitik. Nach Angaben im Jahresbericht für 2008 hat die UNFPA ihre Förderung vornehmlich von europäischen Regierungen erhalten. Von den insgesamt 845 Millionen Dollar wurden 118 Millionen von den Niederlanden gespendet, 67 Millionen von Schweden, 62 Millionen von Norwegen, 54 Millionen von Dänemark, 53 Millionen von Großbritannien, 52 Millionen von Spanien und 19 Millionen von Luxemburg. Die Europäische Kommission steuerte zusätzlich 36 Millionen Dollar bei.

 

Im Mai 2009 trafen sich in der New Yorker Wohnung des Präsidenten der Rockefeller University David Rockefeller, Bill Gates, Ted Turner von CNN, Warren Buffett und ausgewählte weitere »Milliardäre«, um einen Verein zu gründen, dem sie in bester Orwellscher Manier den Namen The Good Club gaben. Bei der Gelegenheit wurde angeblich vor allem darüber diskutiert, wie sich die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten reduzieren ließe. Hillarys State Department steht wohl schon in den Startlöchern.

 

__________

Quellen:

(1) Hillary Rodham Clinton Secretary of State, Remarks on the 15th Anniversary of the International Conference on Population and Development, Washington D.C., 8. Januar 2010.

(2) F. William Engdahl, Saat der Zerstörung: Die dunkle Seite der Gen-Manipulation, Kopp Verlag, Rottenburg 2007, S. 132 ff.

(3) Henry Kissinger, National Security Study Memorandum 200: Implications of Worldwide Population Growth for U.S. Security and Overseas Interests, 24. April 1974, National Security Council, Washington D.C., unter http://www.population-security.org/11-CH3.html.

(4) Hillary Rodham Clinton, a.a.O.

 

 

 


 

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