Wednesday, 28. September 2016
14.07.2014
 
 

BRICS bedrohen das US-Weltbank-Monopol

F. William Engdahl

Die fünf BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – verzeichnen weltweit das schnellste wirtschaftliche Wachstum. Jetzt wollen sie ihre eigene internationale BRICS-Entwicklungsbank gründen, um die von den USA beherrschte Weltbank zu umgehen. Die fünf aufstrebenden Volkswirtschaften bedeuten die größte Herausforderung für die wirtschaftliche Hegemonie der »Alten Welt«, das von den USA und der EU dominierte System von Bretton Woods.

 

Durch die Gründung einer eigenen internationalen Infrastruktur-Kreditbank wird die globale Finanzmacht gewissermaßen auf den Kopf gestellt. Zusammen mit anderen Initiativen derselben Länder, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren, wird auch die Macht des von der Wall Street geprägten Amerikanischen Jahrhunderts in geopolitischer Hinsicht infrage gestellt. Wie der russische Finanzminister Anton Siluanow mitteilte, werden führende Vertreter der BRICS-Staaten bei ihrem nächsten Gipfeltreffen vom 14. bis 16. Juli in Brasilien eine Vereinbarung zur Gründung der New Development Bank mit einem Kapital von 100 Milliarden Dollar unterzeichnen.

 

»Die Frage des Kapitals ist geklärt. In drei Positionen herrscht Einigkeit: autorisiertes Kapital von 100 Milliarden Dollar, zweckbestimmtes Kapital aus Mitgliedsländern von 50 Milliarden Dollar und eingezahltes Kapital das die Länder innerhalb von sieben Jahren einzahlen müssen von zehn Milliarden Dollar«, erklärte Siluanow. Das eingezahlte Kapital könne auf Antrag bis auf 40 Milliarden Dollar aufgestockt werden. Das Kapital wird zwischen den fünf Mitgliedsländern gleichmäßig aufgeteilt.

 

Sehr zur Unbill Washingtons und Londons beantragen auch andere aufstrebende Länder die Mitgliedschaft in der neuen Bank. »Die Bank steht auch neuen Teilnehmern aus den Mitgliedsländern der Vereinten Nationen offen, allerdings ist vereinbart, dass der Anteil der BRICS nicht unter 55 Prozent fällt«, sagte Siluanow. Indonesien und die Türkei sind Kandidaten für eine Vollmitgliedschaft; Argentinien, Ägypten, der Iran, Nigeria und Syrien haben ihr Interesse am Beitritt erklärt. Wenn sich auch nur einige der genannten Länder an der Bank beteiligten, würde sich das gesamte politische und wirtschaftliche Machtgleichgewicht vom »Norden« auf den »Süden« verlagern.

 

Gesamtbevölkerung und wirtschaftliches Gewicht der fünf BRICS-Staaten sind, vorsichtig formuliert, beeindruckend: Fast drei Milliarden Menschen mit einem Gesamt-BIP von mindestens 16,039 Billionen Dollar und geschätzten vier Billionen Dollar an Devisenreserven. Das erste gemeinsame Treffen auf Regierungsebene der Fünf fand 2005 im russischen Jekaterinburg statt, damals wurden erste Schritte zur Koordinierung der Politik, insbesondere der Wirtschaftspolitik, vereinbart. Paradoxerweise war der Name »BRIC« zunächst die Wortschöpfung eines Wall-Street-Bankers vom Investmenthaus Goldman Sachs, mit der für Investitionen in die schnell wachsenden Volkswirtschaften geworben werden sollte. Die Fünf haben seither beschlossen, dass sie als Gruppe weit mehr Einfluss auf die Weltpolitik nehmen können als jeder für sich allein.

 

De-Dollarisierung

 

Die Gründung der 100-Milliarden-Dollar-Entwicklungsbank wird ein schwerer Schlag für die in Bretton Woods gegründeten Finanzinstitutionen Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF). Seit 1944 halten die Finanzmächte der Wall Street und der Londoner City ein Monopol auf Kapitalfonds für Infrastrukturprojekte in Schwellenländern, wo Kapitalquellen bisher knapp waren.

 

Die Politik von IWF und Weltbank wurde als neue Form des Kolonialismus der Industrieländer, insbesondere der USA, scharf kritisiert. Kredite wurden nur für Projekte vergeben, die westlichen Interessen dienten. Ein Beispiel dafür war die Weltbank-Finanzierung für eine 3,7 Milliarden Dollar teure private Pipeline vom Tschad durch Kamerun für die US-Ölgesellschaft ExxonMobil, die als humanitäre Katastrophe beschrieben wird, weil auf dem Gebiet lebende indigene Stämme vertrieben wurden. Das Projekt diente nicht der Wirtschaft beider Länder, sondern nur ExxonMobil.

 

Wie ich bereits in früheren Beiträgen für diese Website beschrieben habe, sind die beiden führenden BRICS-Staaten Russland und China bereits aktiv dabei, die Rolle des Dollar im bilateralen Handel zurückzufahren. Auch der Iran bewegt sich weg vom Dollar. Der vielleicht schwerste Schlag gegen die Rolle des Dollars im Welthandel kommt von Frankreich. Als Teil der offiziellen Reaktion auf die beispiellose von der US-Regierung verhängte Neun-Milliarden-Dollar-Strafe gegen die führende französische Bank BNP Paribas hat die französische Regierung angekündigt, auf größere Distanz zum Dollar zu gehen.

 

Christian Noyer, Chef der französischen Nationalbank Banque de France und Vorstandsmitglied der Europäischen Zentralbank, kündigte an, Frankreich und andere Länder würden als Reaktion auf das Vorgehen gegen die BNP den Plan, den Dollar zu umgehen, beschleunigt vorantreiben. Er verwies darauf, dass BNP Paribas bei der Abwicklung von Geldern für den Sudan, den Iran oder Kuba nicht gegen EU-Gesetze verstoßen habe. Es sei eine einseitige Aktion der USA, solche Transaktionen zu verbieten.

 

Durch die Verhängung von Wirtschaftssanktionen konnte Washington in den letzten Jahren andere Länder erpressen und damit kontrollieren sowie die Zusammenarbeit mit Ländern wie Russland, dem Iran oder rohstoffreichen Ländern wie dem Sudan oder Syrien blockieren. Jetzt deutet einiges darauf hin, dass es große EU-Länder satt haben, sich von einer im Niedergang begriffenen einzigen Supermacht in Washington Vorschriften machen zu lassen.

 

Christophe de Margerie, Chef des großen französischen Ölkonzerns Total, erklärte diese Woche vor der Presse: »Es wäre nicht realistisch, ohne den Dollar auszukommen, aber es wäre gut, den Euro stärker zu nutzen. Es gibt keinen Grund, für Erdöl mit Dollars zu bezahlen.« Dass der Ölpreis in Dollar pro Barrel angegeben werde, bedeute nicht, dass in dieser Währung auch bezahlt werden müsse.

 

Wie Frankreichs Finanzminister Michel Sapin mitteilte, werden die Finanzminister der Euro-Zone bei ihrem nächsten monatlichen Treffen darüber diskutieren, wie der Euro im internationalen Handel stärker genutzt werden kann. Der Euro hatte sich nach dem US-Finanzkrach von 2007 bis 2008 rapide zu einer alternativen internationalen Reservewährung entwickelt. Es traf sich gut für Washington, dass 2010 die griechische Finanzkrise ausbrach, genau zu dem Zeitpunkt, als China und andere Dollar-Investoren sich dem Euro zuzuwenden drohten.

 

Zurzeit sind grundlegende Veränderungen in der globalen Finanz-Geopolitik im Gang. Die kommenden Wochen und Monate werden einiges entscheiden. Klar ist, dass die Großbanken der Wall Street und der Londoner City ihre globale Macht nicht ohne harten Kampf abgeben werden.

 

 

 

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Leser-Kommentare (12) zu diesem Artikel

16.07.2014 | 20:37

p.g.

ich finde diese neue entwicklung auf dem bankensektor auch sehr gut. es wird ein gegengewicht zur us amerikanischen vorherrschaft gebildet. die kriegs - und rüstungsbedingte ausweitung der us dollar geldmenge hing und hängt wie ein damoklesschwert über der weltwirtschaft. den gegenwert dieser papierflut hat wohl noch niemand hinterfragt. vielleicht ist dies ein richtiger schritt zur befriedung der welt. wie schon john perkins schrieb läuft die us amerikanische interessenlage in...

ich finde diese neue entwicklung auf dem bankensektor auch sehr gut. es wird ein gegengewicht zur us amerikanischen vorherrschaft gebildet. die kriegs - und rüstungsbedingte ausweitung der us dollar geldmenge hing und hängt wie ein damoklesschwert über der weltwirtschaft. den gegenwert dieser papierflut hat wohl noch niemand hinterfragt. vielleicht ist dies ein richtiger schritt zur befriedung der welt. wie schon john perkins schrieb läuft die us amerikanische interessenlage in fremden ländern immer in drei schritten ab. 1) das jeweilige land mit falschberatungen unter zuhilfenahme gefälschter statistiken in die überschuldung und damit in die finanzielle abhängigkeit treiben. 2) installation von us amerika hörigen regierungspersonal, wenn das nicht gelingt 3) krieg mit dem argument demokratische strukturen herstellen zu müssen. beispiele gefällig - vietnam, irak, lybien, ukraine, mittelamerika, iran (leider fehlgeschlagen), naher osten, syrien (mitten drin) u.a.m.


16.07.2014 | 09:35

TomTom

Ich finde das persönlich sehr gut. Aber ich möchte auch nicht die Gefahr verhehlen, durch die USA in einen, nicht nur Wirtschafts-, Krieg zu geraten. Die USA haben immer wieder die Kriegskeule herausgeholt, wenn es nicht nach ihrem Willen geht. Und dabei tuen mir nicht nur die betroffenen Länder, sondern auch das amerikanische Volk leid, die einmal mehr ihre Kinder für die Interessen des Großkapitalismus und Neokolonialismus opfern werden.


15.07.2014 | 23:37

Peter Saunders

Es ist wichtig, dass diese Brics ihre Waehrung auf Gold oder andere Edelmetalle od Erdoel, -gas etc. stuetzen, denn, wie wir ja alle wissen ist die U.S. Waehrung reines Papiergeld, das weder von irgendeinem dieser vorher genannten Edelmetalle od. irdischen Nutzbereiche gestuetzt wird! So kann man diese globale Waehrungsdiktatur realistisch stuerzen.


15.07.2014 | 08:05

Livia

Na hoffendlich bald! Den goldgedeckten nordafrikanischen Denar hat man ja zu verhindern gewußt, indem man die ganze Region per "arabischen Frühling" destabilisiert hat - und dabei offensichtlich Steinzeitislamisten genehmer sind als eben Planer, die an der Entmachtung der USA bezüglich der Dollarvorherrschaft arbeiten! Bei den BRICS - Staaten dürfte Vergleichbares zumndest erheblich schwieriger sein ; obwohl ich mir sicher bin, daß verdeckt schon daran...

Na hoffendlich bald! Den goldgedeckten nordafrikanischen Denar hat man ja zu verhindern gewußt, indem man die ganze Region per "arabischen Frühling" destabilisiert hat - und dabei offensichtlich Steinzeitislamisten genehmer sind als eben Planer, die an der Entmachtung der USA bezüglich der Dollarvorherrschaft arbeiten! Bei den BRICS - Staaten dürfte Vergleichbares zumndest erheblich schwieriger sein ; obwohl ich mir sicher bin, daß verdeckt schon daran "gearbeitet" wird! Amerikanischen NGOs gehören eben überall des Landes verwiesen wenn man den Frieden langfristig sichern will. Die Ukraine läßt grüßen. Der Remimbi steht bereit den Dollar in großen Teilen abzulösen und es ist die Frage, ob man überhaupt eine "Weltwährung" braucht! Eine solche räumt ihrem Herausgeber einfach zu viel Macht über das Weltwirtschaftsgeschehen ein, auch eine Weltbank ist überflüssig. Staaten können auch auf bilateraler Ebene in Handelsbeziehungen treten, ohne Recheneinheitsmittel des Imperiums, welches nur diesem zu zusätzlicher Machtfülle verhilft. Frankreich war besetzt und "Die Engländer haben wir ausgenommen wie eine Weihnachtsgans!"; Bretton Woods war also ein amerikanisches Diktat allein zu deren Nutzen - DAS müssen die Europäer endlich mal begreifen. Verlieren die Amerikaner die Dollar-Vorherrschaft, sind sie wirtschaftlich und damit auch sonst am Ende. Günstigstenfalls lösen sie sich in ihre Bundesstaaten auf! Einst lebten dort 500 Nationen, die den Rest der Welt in Ruhe gelassen haben - da sollte man wieder hinkommen und 50 sind schon mal ein guter Anfang!


14.07.2014 | 21:55

Weichenberger Armin

Ach ne, die Welt erwacht und macht endlich die Augen auf. Die Amis sind das größte Übel auf dieser Welt seit Anfang der 20-ziger Jahre. Aber seit vorsichtig, denn nimmt man ihnen die Macht, werden sie mit allem und auf alles schießen was ihnen in die quere kommt. Der Beginn des 3. Weltkriegs ist nicht mehr weit entfernt. Aber nach diesem wird die Welt für viele Menschen besser und gerechter sein, so schrieb es schon Nostradamus.


14.07.2014 | 20:16

Revoluzzer2000

Endlich! Der Westen hat mit seiner Einmischung in der Ukraine das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Putin lässt sich vom Westen eben nicht für "dumm" verkaufen. Wenn Europa Klug ist, was ich allerdings bezweifle bei diesen Pfeifen von Politikern, dann orientiert es sich Richtung Osten und lässt das Freihandelsabkommen mit diesem "failed state" USA!

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