Monday, 30. May 2016
02.12.2013
 
 

China plant Erdöl-Futures in Yuan statt in Dollars

F. William Engdahl

Seit dem ersten Erdölschock zu Beginn der 1970er Jahre, als der damalige US-Außenminister Henry Kissinger einen Nahostkrieg manipulierte und bewusst einen Anstieg der OPEC-Rohölpreise auf das Vierfache auslöste, gilt es zwischen Washington und Saudi-Arabien als fest vereinbart, dass die OPEC ihr Erdöl ausschließlich gegen Dollars verkauft. Kissinger sprach vom »Petrodollar-Recycling«. Solange Länder wie China, Japan oder Deutschland Dollars brauchen, um Erdöl zu kaufen, wird der Dollar gestützt. Jetzt plant China, das zu ändern. Die Folgen könnten gewaltig sein, sogar militärisch.

Die chinesische Warenterminbörse Shanghai Futures Exchange hat die Absicht bekannt gegeben, den Handel von Erdöl-Futures zukünftig in der eigenen Währung, dem Yuan, abzurechnen. Der Schritt könnte gewaltige Folgen haben. Bislang konnte sich ein Erdöl-Importland wie China gegen einen Preisanstieg nur durch den Kauf von Futures absichern, entweder auf dem Londoner InterContinental Exchange-Futures-Markt in London, der Nymex in New York oder der Dubai Futures Exchange in Dubai.

 

 

 

Die drei genannten Börsen verkaufen Öl ausschließlich auf Dollarbasis. Alle drei Börsen sind im Besitz derselben Wall-Street-Großbanken, die den Ölpreis beherrschen und manipulieren. Neben den jüngsten Spannungen oder Kriegen in Libyen, Syrien und bis vor Kurzem im Iran, durch die die Ölversorgung gefährdet wurde, gibt es weder hinsichtlich der real vorhandenen Menge noch hinsichtlich der Nachfrage nach Erdöl eine Erklärung, warum Öl heute zu einem Preis über 100 Dollar für das Barrel verkauft werden sollte. Durch die drei Erdöl-Futures-Börsen können die Wall-Street-Banken und die großen Ölkonzerne, die sie finanzieren – ExxonMobil, Chevron, BP und Shell –, die Preise hoch halten. Nach Einschätzung von Energie-Ökonomen würde sich ein echter auf Angebot und Nachfrage basierender Ölpreis heute bei 60 Dollar, möglicherweise sogar darunter, bewegen.

 

Seit Goldman Sachs Ende der 1980er Jahre in den Markt einstieg, ist der Handel mit Erdöl-Futures zu einer der wichtigen Säulen für die Wall-Street-Banken, die Ölkonzerne und vor allem den US-Dollar geworden. Hohe Ölpreise stützen automatisch den Dollar, denn Erdöl ist der mit Abstand wichtigste Rohstoff im Welthandel.

 

Der OPEC-Pakt

Wie ich in meinem Buch Mit der Ölwaffe zur Weltmacht (Kopp) detailliert darlege, hat Washington seit der Zeit, als Henry Kissinger im Oktober 1973 den »Jom-Kippur«-Krieg im Nahen Osten manipulierte und damit einen Anstieg des Ölpreises auf das Vierfache auslöste, sichergestellt, dass die OPEC ihr Öl gegen Dollars verkauft, egal wie hoch der Ölpreis steigt. Deutschland wollte in den 1970er Jahren unbedingt Erdöl gegen D-Mark kaufen und Japan gegen Yen, doch die OPEC blieb standhaft. 1975 besiegelte die US-Regierung den Pakt mit einem Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien, einem der größten in der Geschichte der USA.

 

Seit 1975 gab es nur zwei Ausnahmen von der Erdöl-Petrodollar-Vereinbarung. Die erste war Saddam Hussein in den Monaten, bevor der Irak von den USA zurück in die Steinzeit bombardiert wurde. Zuvor hatte Saddam mit der französischen Regierung vereinbart, den Verkauf von irakischem Erdöl in Euro abzurechnen. Ein, wenn auch bei Weitem nicht der einzige, Grund für die amerikanische Besetzung des Irak im Jahr 2003 war die Absicht, die Vereinbarung, irakisches Erdöl gegen Euro zu verkaufen, zu beenden. Außerdem begann der Iran, der unter wachsenden Druck vonseiten Washingtons und Israels geriet, sein Erdöl auch gegen Euro zu verkaufen. Kurz darauf wurden die Erdölverkäufe des Iran an das Ausland durch beispiellose Wirtschaftssanktionen eingeschränkt, ein wichtiger Faktor in der jüngsten atomaren Entspannungspolitik mit Washington.

 

Die chinesische Strategie

 

Durch Erdöl-Futures, bei denen der Preis in Yuan festgelegt wird, begibt sich Peking in eine offene Herausforderung gegenüber einer der Säulen des Dollar-Imperiums – der Fähigkeit der Wall Street, Erdöl in Dollar zu berechnen und den Preis zu bestimmen.

 

Rohstoff-Futures sind eine Art Finanzderivate, bei denen ein Käufer einwilligen kann, für später geliefertes Erdöl einen zuvor festgelegten Preis zu bezahlen. Liegt der Ölpreis zur Zeit der Lieferung über dem vereinbarten Betrag, gewinnt er die Differenz. Futures-Kontrakte kosten in der Regel deutlich weniger als das aktuelle Rohöl. Ursprünglich waren sie eine Art Absicherung für Erdölverkäufer und  käufer gegen unvorhergesehene Ereignisse, die sich auf den Ölpreis auswirken könnten. Normalerweise liegen sechs Wochen zwischen dem Tag der Verladung des Öls in einem Hafen am Golf bis zur Lieferung irgendwo in China. In der Zeit von der Unterzeichnung eines Kaufvertrags für Rohöl und der Lieferung könnte ein Krieg am Golf ausbrechen oder eine Wetterkatastrophe eintreten, die den Wert des Öls beeinflusst. Auf einem gesunden Futures-Markt sind Erdöl-Futures eine Methode, Gewinne und Verluste zwischen Käufern und Verkäufern – der Branche – zu stabilisieren. Heute ist der Handel mit Erdöl-Futures zu einem zentralen Teil des Gelderzeugungs-Kasinos an der Wall Street geworden.

 

Jetzt hat ein neues Kasino mit neuen Spielregeln und neuer Aufsicht eröffnet und droht, der Wall Street einen Teil ihrer Macht zu entreißen. China ist heute der weltgrößte Rohöl-Importeur.

 

Branchenexperten schätzen, dass die Shanghaier Futures in Yuan schon bald zur »Benchmark« für den Kauf und Verkauf von Erdöl in Asien werden könnten. Der Chef der Shanghaier Börse, Yang Maijun, sagt: »China ist als einziges Land der Erde gleichzeitig ein großer Produzent, Verbraucher und Importeur von Rohöl. Es erfüllt alle wesentlichen Voraussetzungen für die Errichtung eines erfolgreichen Rohöl-Futures-Kontrakts.«

 

Die Regierung in Peking stellt sich ganz deutlich hinter das Projekt. Der Yuan-Öl-Kontrakt ist von den obersten chinesischen Wirtschaftsplanungsbehörden, der National Development and Reform Commission, der State Administration for Foreign Exchange und der China Securities Regulatory Commission, bereits abgesegnet worden.

 

Gleichzeitig unternimmt China vorsichtige Schritte, den Yuan als voll konvertierbare internationale Handelswährung zu etablieren, neben Dollar, Euro oder dem japanischen Yen. In letzter Zeit hat die chinesische Zentralbank, die Peoples‘ Bank of China, unauffällig Gold aufgekauft. China hat in den letzten zwei Jahren mehr als 2000 Tonnen Gold importiert. Laut einem WikiLeaks-Telegramm von 2011 versucht die Peoples‘ Bank in aller Stille, den Renminbi zur neuen goldgestützten Reservewährung aufzubauen.

 

Mit dem neuen Erdöl-Futures-Handel in Yuan rückt diese Rolle des konvertiblen Yuans einen großen Schritt näher. Für Washington könnte es ein potenzieller Casus belli werden. Bleiben Sie dran….

 

 

 

 


 

 

 

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