Thursday, 28. July 2016
04.03.2014
 
 

China und Pakistan vereinbaren wegweisendes Infrastrukturprojekt

F. William Engdahl

Während westliche Medien über Bankenkrisen berichten und einen wirtschaftlichen Rückgang in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt – der Volksrepublik China – melden, legt deren Führung ungerührt die Grundlage für ein Projekt, das zur weltweiten Lokomotive für realwirtschaftliches Wachstum bis ins nächste Jahrhundert hinein werden könnte.

Bei meinem kürzlichen Besuch in China konnte ich keine Anzeichen für einen Rückgang oder wirtschaftlichen Pessimismus entdecken. China hat das ökonomische Geheimnis realer Infrastrukturinvestition entdeckt und wendet es jetzt an, sowohl zum Ausbau der Wirtschaft im Inneren als auch zum Aufbau ganz neuer Exportmärkte für chinesische Produkte, unabhängig von den flauen Märkten der USA oder der EU. Das jüngste Beispiel ist Pakistan.

 

Beim Treffen des chinesisch-pakistanischen Komitees für Zusammenarbeit in Peking am 18. und 19. Februar unterzeichneten beide Regierungen mehrere Vereinbarungen. Pakistan wurde dabei vom Minister für Planung, Entwicklung und Reformen, Ahsan Iqbal, China durch den zweiten Vorsitzenden der Nationalen Kommission für Entwicklung, Reform und Finanzen, Zhang Xiaoqiang, vertreten.

 

Als Erstes plant China den Bau einer 19 Kilometer langen Autobahnverbindung vom Hafen von Gwadar an der Küste des Arabischen Meers in der pakistanischen Provinz Belutschistan zu einer Küstenautobahn, auf deren Bau sich beide Länder im vergangenen Jahr geeinigt hatten. Außerdem wird China mit fast einer Milliarde Dollar den Ausbau der Infrastruktur im und um den Hafen der Freihandelszone Gwadar finanzieren, darunter eine Anlage zur Wasseraufbereitung, ein Krankenhaus sowie ein neues Technik- und Berufsbildungszentrum, an dem die Arbeitskräfte für die neue Hafenstadt ausgebildet werden sollen. Darüber hinaus hat sich China bereit erklärt, den Bau eines Kohlekraftwerks in der Hafenstadt zu finanzieren, das 638,02 Millionen Dollar kosten wird. Insgesamt umfassen die Vereinbarungen Investitionen in Höhe von über 1,5 Milliarden Dollar in die darniederliegende Wirtschaft Pakistans.

 

Die Entscheidung Chinas für den Ausbau des Hafens Gwadar ist Teil eines weit ambitionierteren Infrastrukturplans. Insgesamt könnten sich die chinesischen Investitionen in Pakistan auf über zwölf Milliarden Dollar belaufen. Die beiden Länder verhandeln über einen Gesamtplan zur Schaffung eines neuen Wirtschaftskorridors, der Gwadar an der pakistanischen Küste mit der chinesischen Provinz Xinjiang verbinden könnte, und zwar durch eine Straßen-, Eisenbahn- und Glasfaserverbindung zur Stärkung des gegenseitigen Handels.

 

Darüber hinaus werden Erdöl- und Erdgas-Pipelines ein zentraler Teil des Wirtschaftskorridors sein. Pakistan hat die Kontrolle über den Hafen an China abgetreten, ein Schritt, gegen den Washington und Indien bereits protestiert haben. Am Ende wird Gwadar zu einer Ölstadt werden, die den Treibstoffbedarf für Pakistan und China deckt. Der Bau der Ölraffinerie von Gwadar (Coastal Oil Refinery), ein Projekt, das China 2009/2010 zurückstellte, wird jetzt erneut geprüft, da China die Kontrolle über den Hafen erhalten hat. Die Raffinerie soll 60 000 Barrel Öl pro Tag produzieren.

 

Der Hafen Gwadar liegt sehr nahe dem Persischen Golf, über den etwa 40 bis 50 Prozent des Erdöls der Welt fließen. China, derzeit der weltgrößte Ölimporteur, erhält 50 Prozent seiner Erdölimporte aus dem Mittleren Osten. Die heutige Transportstrecke verläuft über den 10 000 Kilometer langen Seeweg Dubai-Shanghai-Ürümqi. »Das in der Raffinerie in Gwadar verarbeitete und raffinierte Erdöl kann über die kürzestmögliche Route, das ist Dubai-Gwadar-Ürümqi nach Ürümqi (Provinz Xinjiang, China) exportiert werden, eine Wegstrecke von 3600 Kilometern. Dazu wird eine Erdölpipeline durch den Energiekorridor über die Karakorum-Autobahn und den Kunjirap-Pass nach Westchina verlegt«, erklärte ein offizieller pakistanischer Vertreter.

 

Eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und dem Iran ist für die Erdöl- und Erdgaspipelines von größter Bedeutung. Der Iran liefert zurzeit Erdöl und Erdgas an die Türkei, China und Indien. Doch Washington macht Druck, um Pakistan dazu zu bewegen, die Öl- und Gasimporte aus Teheran einzustellen. Für die USA ist es eine Frage grundlegender Geopolitik. Würde der Iran mit seinen riesigen unerschlossenen Erdgasvorkommen und den erheblichen Erdölreserven an solch eine Pipeline angeschlossen, erhielten Pakistan und China damit Zugang zu Energie, unabhängig von den gegenwärtigen Tanker-Routen durch die Straße von Malakka und das Ostchinesische Meer, die viel länger und unter Washingtons Asien-Schwenk höchst angreifbar sind.

 

In meinem vor Kurzem erschienenen Buch China in Gefahr beschreibe ich im Detail die Einkreisungsstrategie des Pentagon gegen China, die so genannte »Perlenketten«-Strategie. Deren zentrales Ziel ist es, die Entwicklung unabhängiger Handelsbeziehungen wie den Ausbau des Wirtschaftskorridors Gwadar-Xinjiang zu verhindern.

 

Schon jetzt werden entlang des Belutschistan-Korridors Terrorgruppen aktiviert, und es ist zu erwarten, dass die »Unabhängigkeits«-Bewegung Belutschistans Unterstützung von der NATO und von Indien erhält, wenn das Projekt zwischen China und Pakistan umgesetzt wird. Das ist mehr als Mutmaßung von meiner Seite. Es beruht auf einer sorgfältigen Analyse der Fußabdrücke der radikal-islamischen Dschihad-Gruppen, die bereits in Belutschistan mobil machen, und der Kommentare von deren CIA-Unterstützern. Mehr dazu in nächster Zeit.

 

 

 

 


 

 

 

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