Sonntag, 20. August 2017
22.09.2014
 
 

China und Russland schließen strategisch wichtige Verträge über Energielieferung

F. William Engdahl

Erst vor wenigen Wochen haben Russlands Präsident Putin und der chinesische Staatspräsident Xi den »Energievertrag des Jahrhunderts« unterzeichnet – ein über 30 Jahre laufendes und 400 Milliarden Dollar teures Projekt für die Lieferung von Erdgas und den Bau einer russisch-chinesischen Pipeline. Nun lassen beide Länder weitere umfangreiche Vereinbarungen über die Lieferung von Erdgas, Erdöl und Kohle folgen. Insgesamt bedeutet beides eine deutliche strategische und geopolitische Wende in den Beziehungen zwischen den zwei eurasischen Mächten, die sich auf die Zukunft Europas und auch der USA auswirken wird.

 

Am 17. September informierte Alexei Miller, Chef der russischen Gazprom, Wladimir Putin über Verhandlungen mit der chinesischen Seite. Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax und die chinesische Xinhua melden, soll China über eine westlich verlaufende Pipeline mit 30 Milliarden Kubikmetern Erdgas versorgt werden. Genauso wie der frühere Vertrag über die »östliche« Gaspipeline hat auch der neue Vertrag eine Laufzeit von 30 Jahren.

 

Berichten zufolge wird er im November zwischen der Gazprom und der China National Petroleum Corporation (CNPC) unterzeichnet. Beide Seiten schlossen auch eine mögliche Verdopplung oder sogar Verdreifachung des Liefervolumens auf 60 bis 100 Milliarden Kubikmeter nicht aus. Die jetzt vereinbarten Gaslieferungen werden teilweise über bestehende russische Pipelines erfolgen.

 

Der neue Vertrag über die westliche Gaspipeline folgt auf die frühere Vereinbarung zwischen Russland und China, die nach über zehnjähriger Verhandlung im Mai 2014 unterzeichnet wurde. Dieses östliche Projekt oder East Route Gas Project erfordert den Bau einer Gaspipeline, über die China ab 2018 jährlich mit 38 Milliarden Kubikmetern Erdgas versorgt wird. Mit dem Bau der östlichen Route, offiziell »Power of Siberia« genannt, wurde in diesem Monat begonnen; der erste Abschnitt ist eine Pipeline von der ostsibirischen Stadt Jakutsk, die als kälteste Stadt der Welt gilt. Die Gesamtkosten der Pipeline werden sich auf 55 Milliarden Dollar belaufen.

 

Yamal LNG

 

Die beiden russisch-chinesischen Gaspipeline-Projekte sind längst nicht das Einzige, worüber zurzeit zwischen beiden Ländern verhandelt wird. Der stellvertretende Chef der chinesischen Energiebehörde Zhang Yuqing kündigte am 19. September, nur zwei Tage nach Bekanntgabe der westsibirisch-chinesischen Gespräche, an, China werde die Zusammenarbeit mit russischen Unternehmen am riesigen russischen Flüssiggas(LNG-)-Projekt Yamal »verstärken«. Die chinesische Seite, die eine eigene Technik zur Flüssiggaserzeugung entwickelt hat, wird diese im Yamal-Projekt für Gaslieferungen an China einsetzen.

 

 

Unter der russischen Halbinsel Yamal im Nordwesten Sibiriens, bekannt als das Yamal-Megaprojekt, lagern einige der größten bekannten Erdgasreserven der Welt. China und Russland reden zurzeit über eine signifikant vermehrte chinesische Mitarbeit an der Entwicklung von LNG aus Yamal. Laut dem aktuellen chinesisch-russischen Yamal-LNG-Projekt wird die China National Petroleum Corporation auf dem Süd-Tambeiskoje-Feld 200 Bohrungen betreiben sowie ein Pipeline-System, Einrichtungen zur Gasverarbeitung und eine Verflüssigungsanlage aufbauen. Das russische Gasunternehmen Novatek ist mit 60 Prozent an dem Projekt beteiligt; die chinesische CNPC und die französische Total mit jeweils 20 Prozent.

 

2008 vereinbarte Russland mit der amerikanischen ExxonMobil ein Joint Venture zur Entwicklung eines angrenzenden Gasfelds in Yamal. Falls die kürzlich von der EU und den USA verhängten Sanktionen verstärkt werden, könnte auch das Geschäft mit ExxonMobil auf Eis gelegt werden. Bei der Entscheidung für das Projekt mit China hatte Moskau ganz offensichtlich auch den Verlust der Beteiligung westlicher Firmen im Falle weiterer US-Sanktionen im Auge.

 

Auch Kohle …

 

Gleichzeitig unterzeichnete der russische Staatskonzern Russian Technologies, kurz Rostec, Anfang September einen Zehn-Milliarden-Dollar-Vertrag mit der staatlichen chinesischen Shenhua Group Corp. Ltd., dem größten Kohlebergbauunternehmen der Welt. Danach sollen zwei Kohlevorkommen in Sibirien und im russischen Fernen Osten erschlossen werden. Beide Unternehmen werden die Kohlelager von Ogoddsinskoje in der Region Amur erschließen; die Vorräte werden auf 1,6 Milliarden Tonnen geschätzt. Rostec erwartet den Beginn der Kohleförderung für 2019, die Jahresproduktion von bis zu 30 Millionen Tonnen soll hauptsächlich nach China exportiert werden.

 

Die Kooperation zwischen Rostec und Shenhua beschränkt sich jedoch nicht auf den Kohleabbau im russischen Amur-Gebiet. Beide Unternehmen werden in Port Vera in der Region Primorje ein Hafenterminal für Kohle mit einer Jahreskapazität von 20 Millionen Tonnen errichten. Mit dem Bau soll 2015 begonnen werden, die Inbetriebnahme ist für 2018/2019 vorgesehen. Dadurch wird Russland seine Kohleexporte auf die asiatisch-pazifischen Märkte deutlich erhöhen können.

 

Darüber hinaus umfasst das Projekt den Bau eines Kraftwerks und Hochspannungsleitungen nach China sowie den Aufbau einer Transportinfrastruktur. Damit soll dem Problem von Stromausfällen in der russischen Region Amur und in den nordöstlichen Gebieten Chinas begegnet und der Strombedarf gedeckt werden. Außerdem wird erwartet, dass 10 000 neue Arbeitsplätze plus 30 000 weitere Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie und im Umfeld entstehen.

 

Große geopolitische Auswirkungen

 

In einem Kommentar im russischen Fernsehen betonte Ministerpräsident Dmitri Medwedew am 20. September:

»Unsere Zusammenarbeit mit China ist strategisch wichtig. Wir pflegen hervorragende politische Kontakte, wir unterhalten exzellente wirtschaftliche Beziehungen. China ist unser strategischer Partner, wir sind daran interessiert, die Kooperation auszuweiten.«

Insgesamt könnten die jüngsten Energieverträge zusammen mit anderen Initiativen Russlands zur Vertiefung der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Verbindungen mit China und den anderen Ländern Eurasiens die geopolitische Weltkarte verändern – was die Kriegsfraktion in Washington mit Sicherheit nicht begrüßen wird.

 

Wie ich bereits zuvor betont habe, befindet sich die Welt in einer Phase der Umgestaltung, wie sie sich nur alle paar Jahrhunderte einmal ergibt. Eine Epoche geht zu Ende. Die einst unangefochtene globale Hegemonie der Mitgliedsländer der Atlantischen Allianz schwindet rapide.

 

Washington und die mächtigen superreichen Familien hinter der dortigen Macht sind offenkundig mit Hochdruck bemüht, ihren Machtverlust zu stoppen oder rückgängig zu machen. Selbst die Elite der EU-Länder, besonders Deutschlands, hat langsam die Nase voll von den Kriegen der US-Neokonservativen, der Angstmache im Zusammenhang mit Krankheiten wie Ebola, der Zerstörung der Ukraine, die die EU schwer trifft, Washington und die Wall Street jedoch nicht berührt. Die nächsten Monate werden viel entscheidender, als den meisten von uns bewusst ist; die einst mächtigen Institutionen verlieren ihre Macht, neue treten an ihre Stelle. Die jüngsten Wirtschaftsabkommen zwischen China und Russland sind ein äußeres Zeichen dieses epochalen Wandels.

 

 

 

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Leser-Kommentare (19) zu diesem Artikel

24.09.2014 | 13:06

franz

Wie unser ehemaliger Aussenminister Genscher anmahnt ,was und wem nutzen die Sanktionen.
Wir müssen unseren eigenen Weg , ohne die Kriegstreiber USA / Nato suchen.
Ein Partner Russland hat man mit diesen Maßnahmen vor den Kopf gestoßen.
Sind unsere Politiker im besonderen Merkel bestechlich ?
Die Politik von" Der CDU-Klicke und den unfähigen Mitläufern der SPD" gehört bei der nächsten
Wahl ein Denkzettel.


23.09.2014 | 14:35

leser

@ 22.09.2014 | 21:22 Prometeus, interessante Überlegungen, die Sie da anstellen. Vor allem deshalb, weil Sie über den Tellerrand hinaus schauen und interessante Fragen stellen. Der Spruch, "Geld verdirbt den Charakter" hat es so gesehen in sich. Ich glaube auch zwischen Ihren Zeilen zu erkennen, dass Sie sich mit der Vergangenheit sehr intensiv beschäftigt haben. Mittlerweile frage ich mich auch, ob das alles nicht vielleicht eine Prüfung für uns ist. Möglicherweise...

@ 22.09.2014 | 21:22 Prometeus, interessante Überlegungen, die Sie da anstellen. Vor allem deshalb, weil Sie über den Tellerrand hinaus schauen und interessante Fragen stellen. Der Spruch, "Geld verdirbt den Charakter" hat es so gesehen in sich. Ich glaube auch zwischen Ihren Zeilen zu erkennen, dass Sie sich mit der Vergangenheit sehr intensiv beschäftigt haben. Mittlerweile frage ich mich auch, ob das alles nicht vielleicht eine Prüfung für uns ist. Möglicherweise existieren ja wirklich verschiedene Ebenen und wir auf einer der Unteren müssen uns beweisen um aufsteigen zu können. Vielleicht befinden wir uns aber auch in einer „Matrix“, in der filmartig oder spielartig bestimmte Szenarien immer wieder durchlaufen werden. Grundsätzlich sehe ich das wie Sie, wenn sich am System nichts ändert und das Prinzip der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen bestehen bleibt, dann wird sich letztlich für die Masse nicht viel ändern. Wir haben dann andere "Herren" welche uns auf die selbe Art ausbeuten werden. Derzeit geht es jedoch darum dem kriegstreibenden Handeln der USA und deren Handlangern und ihrem Ziel dem Krieg, einen Riegel vor zu schieben. Ich glaube, das langfristig gesehen nicht Globalisierung, sondern die Rückkehr zu national unabhängigen Staaten welche in friedlicher Koexistenz miteinander leben die bessere Alternative darstellt. Ob der Mensch an sich fähig ist seine alten Denkmuster abzulegen und der Humanität im wahrsten Sinne des Wortes eine Chance zu geben bezweifle ich indes. Wenn wir wirklich nach Gottes Abbild erschaffen wurden, dann zeigt das, dass Gott auch eine kriegerische Seite besessen haben muss. Wobei ich Gott immer als intelligentere Spezies sehe und nicht als imaginäre Kraft, so wie die Religionen ihn sehen. Vielleicht gibt es wirklich einen "Plan" in dessen Verlaufe sich eine intelligente Spezies beweisen muss. Worin ich mir allerdings sicher bin ist, dass das was wir als Realität sehen ein Zerrbild unserer gesellschaftlichen und erzieherischen Prägung ist und unsere Welt eigentlich ganz anders funktioniert und aussieht. Erst wenn wir auf einem entspr. geistigen Niveau sind werden sich uns weitere Möglichkeiten bieten um die Welt in der wir uns bewegen besser zu verstehen. Evtl. ist unsere eigene totale Vernichtung in diesem "Entwicklungsplan" ja eine mögliche Option. Das Leben findet aber bekanntlich ja immer einen Weg....


23.09.2014 | 10:33

Livia

... und die werden ihre Geschäfte ganz bestimmt nicht in US-Dollar abwickeln! Das wird ein dicker Sargnagel für den Petrodollar! Und Rußland / China destabilisieren wie den nahen Osten geht nicht so einfach und Putin abservierren wie Ghaddafi wohl auch nicht! Die können nämlich auch ohne den "Westen" ganz gut autark sein! Aber umgekehrt??? Wenn man kein Wasser zwischen sich hat geht der Handel auch über Land und die Seemächte bleiben außen vor! China hat schon im...

... und die werden ihre Geschäfte ganz bestimmt nicht in US-Dollar abwickeln! Das wird ein dicker Sargnagel für den Petrodollar! Und Rußland / China destabilisieren wie den nahen Osten geht nicht so einfach und Putin abservierren wie Ghaddafi wohl auch nicht! Die können nämlich auch ohne den "Westen" ganz gut autark sein! Aber umgekehrt??? Wenn man kein Wasser zwischen sich hat geht der Handel auch über Land und die Seemächte bleiben außen vor! China hat schon im ausgehenden Mittelalter erkannt, daß Seefahrt nicht seins ist und es sie nicht braucht. Europa sollte sich Eurasien anschließen! Dort liegt die Zukunft des Planeten, nicht im untergehenden Imperium USA und bei den Zockern von der Wall Steet! Unsere Politiker sind entweder niebelungentreu, blind oder geschmiert, daß sie an der Westorientierung festhalten! Die ehemaligen Verbündeten Roms oder auch Napoleons wußten genau wann sie besser die Seiten wechseln damit sie nicht mit untergingen!


23.09.2014 | 09:03

Anni

Auf dieser Seite gibt es viele interessante Beiträge. Aufrüstung und Kriege sind keine Lösung. Wo soll das hinführen? Noch kann man an das Gute glauben. In jedem Menschen wohnt ein Teil vom Göttlichen. Die Apokalypse sagt zwar vieles voraus, aber noch haben wir Menschen die Möglichkeit, vieles davon abzuwenden. Eine Möglichkeit ist der Weg der Spiritualität. Gedanken sind Kräfte und wenn eine genügend große Zahl, scheinbar 144, intensiv meditieren würde, sehe die Welt viel besser...

Auf dieser Seite gibt es viele interessante Beiträge. Aufrüstung und Kriege sind keine Lösung. Wo soll das hinführen? Noch kann man an das Gute glauben. In jedem Menschen wohnt ein Teil vom Göttlichen. Die Apokalypse sagt zwar vieles voraus, aber noch haben wir Menschen die Möglichkeit, vieles davon abzuwenden. Eine Möglichkeit ist der Weg der Spiritualität. Gedanken sind Kräfte und wenn eine genügend große Zahl, scheinbar 144, intensiv meditieren würde, sehe die Welt viel besser aus. Die verstorbenen hohen Geister sind nicht weg. Entweder wirken sie mit aus dem Jenseits oder sie sind schon wieder geboren. Wir haben die große Chance, bei ernsthaftem Streben und gutem Willen, Kontakt zu lieben Verstorbenen aufzunehmen.--- Natürlich ist beides nötig, zum einen der spirituelle Weg und zum anderen das Aufwachen für die realen Probleme. Denn das Böse verliert an Macht, wenn es ans Licht gezerrt wird. Es lebe die Wahrheit! Ich bin dankbar, dass Putin so besonnen agiert.


23.09.2014 | 03:49

markus

eine neue eiszeit bricht an zwischen ost und west. der osten sucht sich neue handelspartner für abtrünnige europäer die sich liieber darauf einschwören den klamm gewordenen amis die stange zu halten.auf eine art auch verständlich: der verfall des dollars wär ein desaster weltweit. das hätte auswirkungen auf alle währungen der welt, dessen ist man sich bewusst. das hat man erkannt , egal ob ost oder west. eine lösung scheint sich auch schon abzu zeichnen , die...

eine neue eiszeit bricht an zwischen ost und west. der osten sucht sich neue handelspartner für abtrünnige europäer die sich liieber darauf einschwören den klamm gewordenen amis die stange zu halten.auf eine art auch verständlich: der verfall des dollars wär ein desaster weltweit. das hätte auswirkungen auf alle währungen der welt, dessen ist man sich bewusst. das hat man erkannt , egal ob ost oder west. eine lösung scheint sich auch schon abzu zeichnen , die weltwirtschaftsmärkte werden einfach neu verteilt um den supergau zu entfliehen. russland hat ja schon neue handelspartner gefunden (siehe china und weitere brics staaten).amerika bekommt europa und durch die unruhen in syrien und irak noch das ein oder andere sahnehäuptchen obendrauf.und damit keiner vor dem mob sein gesicht verliert, verpackt man das ganze in eine art kasperleteather , wobei leider die ukraine den kopf für herhalten muss.irgendwann ergibt sich eine puttsituation und man einigt sich, sobald sich helles licht am horizont abzeichnet.bleibt nur zu hoffen diese helle licht ist keine versehentlich gezündete a-bombe.denn dann hätte wir ein ganz anderes problem.


22.09.2014 | 21:22

Prometeus

@F. William Engdahl: Danke für Ihren Beitrag, den ich wie auch andere von Ihnen immer wieder gerne lese! Menschen, die auf der politischen Ebene ihr Interesse entwickeln und die bis dato nur über Ihre Schulbildung verfügen, können sich durch Ihre Werke ein Stück weiter fortbilden und den Prozess des Entdeckens und Erkundens der Matrix voranbringen. Für mich war das auch eine Station und dann bin ich weiter und weiter gegangen und gehe immer noch weiter. Wie steht es mit Ihnen Mr....

@F. William Engdahl: Danke für Ihren Beitrag, den ich wie auch andere von Ihnen immer wieder gerne lese! Menschen, die auf der politischen Ebene ihr Interesse entwickeln und die bis dato nur über Ihre Schulbildung verfügen, können sich durch Ihre Werke ein Stück weiter fortbilden und den Prozess des Entdeckens und Erkundens der Matrix voranbringen. Für mich war das auch eine Station und dann bin ich weiter und weiter gegangen und gehe immer noch weiter. Wie steht es mit Ihnen Mr. Engdahl? Wo wollen Sie denn hin? Ich meine Sie beschreiben den Film, den wir alle schauen schon ganz gut und sachlich und Sie deuten die Äußeren Dinge wahrheitsgetreuer als der Mainstream. Soweit so gut. Aber es ist und bleibt ein Film. Ich habe konkrete Fragen an Sie: Wieso ist China eine Weltmacht? Was hat dazu geführt, daß binnen 30-40 Jahren, also in gerade Mal anderthalb Generationen, aus einem Agrarstaat die führende Industrienation wurde. Just nun befindet sich China im Transit von einem Technologiekopierer zum Technologieinnovatoren. D.h. wiederum, China fängt jetzt erst an! Bisher haben die sich nur in Position gebracht. Wenn Sie die, die diesen kometenhaften Aufschwung Chinas ursächlich ermöglicht haben richtig identifizieren, dann stellen sich weitere, sehr delikate Fragen, die das übliche dialektische Spiel zwischen Gut & Böse, Ost & West, Schwarz & Weiß gehörig durcheinander würfeln. Ich darf uns alle hier mal „Truther“ nennen. OK? Bescheuertes Wort, aber um dem Kind einen Namen zu geben und der Einfachheit halber. Also, wir Truther sehen in Russland eher das Gute als in den USA und beten für die eurasische Achse Deutschland-Russland-China. So weit, so gut. Bin ja auch dabei. Nur plagen mich Zweifel? Sie nicht? Rom hat so vortrefflich begonnen, als „Licht der [damaligen] Welt“, als Republik und endete so verkommen, als Imperium. Die USA wurden als Antithese zum Britischen Empire gegründet und sind nun auf dem besten Wege das Britische Empire auf Anabolika zu werden. Wird die Welt tatsächlich besser, wenn Russen oder Chinesen so mächtig werden, daß Sie unbezwingbar den Ton angeben können? Ich habe da meine Zweifel. Die Geschichte lehrt mich: Macht korrumpiert. Wie der Ring der Macht, bei „Herr Der Ringe“: der Träger hat eine Zeit lang die Macht, ja. Aber dann verwandelt er sich. In etwas Schlechtes und Niederträchtiges und wird letztendlich ein besessener (doppeldeutig) Sklave. Wenn ich mir die Rohheit der Russen und Chinesen anschaue, vor allem der Männer, dann habe ich Angst vor dem Tag, an dem sie die Welt regieren werden. Wenn die hier angedeuteten Prinzipien allgemeingültig sind, dann wird zwangsläufig aus dem einstigen Befreier ein zukünftiger Sklaventreiber. Auch Russland und China können gemeine Imperien werden. Und dann? Was haben wir dann gewonnen? Hoffen wir oder besser unsere Nachkommen dann auf Brasilien oder Indien als die neuen wahren Republiken? Herr Engdahl, bei allem Respekt vor Ihrer Arbeit und ich werde „Sie“ gern weiter lesen: ich habe meine Zweifel, daß uns die politische Betrachtung allein tatsächlichen Frieden bringen wird. Seelenfrieden.

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