Wednesday, 27. July 2016
28.01.2015
 
 

Der Ausbau der neuen russisch-chinesischen Beziehung

F. William Engdahl

Während die Obama-Regierung geradezu besessen bemüht ist, die EU – die darüber immer weniger erfreut ist – für weitere Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu gewinnen, manövriert Präsident Putin Washington auf sehr geschickte Weise aus. Anstatt sich auf die Provokationen von USA und NATO in der Ukraine zu fixieren, knüpft Russland engere strategische Verbindungen zur Volksrepublik China, der zweiten großen eurasischen Landmacht. Dabei bettelt Putin aber keinesfalls in Peking um Geld, sondern beide Partner bauen ein strategisches Gegengewicht gegen eine wildgewordene angloamerikanische Elite, der die Macht entgleitet.

 

Unwichtig sind alle die diplomatischen Versicherungen, die der stellvertretende chinesische Ministerpräsident und andere in den letzten Wochen abgegeben haben, wonach China die besondere Rolle der Vereinigten Staaten als einzige Supermacht respektiere. Die Realität beweist: In der geopolitischen Weltordnung vollzieht sich eine grundlegende, wohlüberlegte Veränderung.

 

Russland und China unterzeichnen nicht nur umfangreiche Verträge über die Lieferung von Erdöl und Erdgas, die Russland vor den negativen Folgen des möglichen Verlusts des Energiemarkts der EU abschirmen, sondern beide Mächte haben sich auf eines der weltgrößten gemeinsamen Infrastrukturprojekte geeinigt, das in ganz Eurasien neue Märkte entstehen lassen wird.

 

Die Umgestaltung Eurasiens

 

Russland und China haben sich auf den Bau einer 7000 Kilometer langen Eisenbahnverbindung von Peking nach Moskau geeinigt, die nach Angaben der Pekinger Stadtregierung 242 Milliarden Dollar kosten wird. Die Reise von Peking über Kasachstan nach Moskau soll zwei Tage dauern. Die Bauzeit wird voraussichtlich acht bis zehn Jahre betragen. Es ist das ehrgeizigste Eisenbahn-Infrastrukturprojekt in der Geschichte Eurasiens, es übertrifft sogar den Bau der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Russland.

 

Der neue Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnkorridor (in Gelb) wird den eurasischen Wirtschaftsraum grundlegend verändern

Im Oktober 2014 unterzeichneten China und Russland eine Vereinbarung zum Bau der ersten Teilstrecke der Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverbindung von Peking nach Moskau. Darin wird festgelegt, dass chinesische Firmen und ihre russischen Partner eine 770 Kilometer lange Hochgeschwindigkeits-Trasse zwischen Moskau und Kasan anlegen. Kasan ist eine wichtige Metropole an der Wolga.

 

Im vergangenen November, als die US-Sanktionen und der von den USA manipulierte Ölpreisverfall das Projekt umso dringlicher machten, erklärte Alexander Mischarin, Vizepräsident der staatlichen russischen Eisenbahnen OAO, ein Teilstück bis zur russischen Grenze werde 60 Milliarden Dollar kosten, die Fahrzeit von Peking nach Moskau werde von fünf Tagen auf 30 Stunden verkürzt.

 

Mischarin verglich das neue Transportnetzwerk »in Ausmaß und Bedeutung« mit dem Suezkanal. In Wirklichkeit geht es jedoch weit über den Suezkanal hinaus, denn es entsteht ein einheitliches Hochgeschwindigkeitsnetz, das die neuen Märkte Eurasiens von Peking bis Moskau verbindet. In dem Gebiet leben etwa 4,4 Milliarden Menschen.

 

Für deutsche Politiker könnte es nützlich sein, sich die neue Eisenbahnkarte einmal genauer anzuschauen, vielleicht würden sie dann erkennen, wo die Zukunft Deutschlands und der Europäischen Union liegt.

 

Ein kleiner Hinweis: Sie liegt nicht in einer amerikanischen schuldengeblähten Wirtschaft, die Europa nur den Schwindel des Transatlantischen Freihandelsabkommens zu bieten hat. Die vier Pferde oben auf dem Brandenburger Tor in Berlin schauen ostwärts, in Richtung Moskau. Sanktionen schneiden die deutsche Wirtschaft von der Teilnahme an einem der größten Bauprojekte der Weltgeschichte ab. Man ist geneigt zu fragen, warum.

 

Eine russische Renaissance?

 

Die neue Eisenbahnverbindung von Moskau nach Peking ist vermutlich das bedeutendste Infrastrukturprojekt in Eurasien, seit der brillante russische Eisenbahnminister, spätere Finanzminister und Ministerpräsident Graf Sergei Witte in den 1890er Jahren die Transsibirische Eisenbahn baute, um ganz Russland miteinander zu verbinden.

 

Witte, ein Schüler des vergessenen deutschen Nationalökonomen Friedrich List, begriff, welch zentrale Rolle die Eisenbahn- und sonstige Infrastruktur beim Aufschwung Deutschlands nach der Gründung des Zollvereins in den 1830er Jahren gespielt hatten, und wie bedeutsam der Bau der transkontinentalen Eisenbahn in den Vereinigten Staaten gewesen war. Durch Wittes Wirtschaftspolitik wurde eine echte wirtschaftliche Renaissance im russischen Reich gestartet, mit Bauernreformen, wirtschaftlicher Entwicklung und anderen politischen Maßnahmen, die ihm den Hass der Londoner City und der Wall Street einbrachten.

 

Gegenüber Zar Nikolaus II. vertrat Witte am Vorabend des Ersten Weltkriegs den Standpunkt, es werde für Russland verhängnisvoll sein, auf der Seite der Engländer in den Krieg gegen Deutschland einzutreten. Er hatte recht und er starb – symbolisch oder nicht – an einem Gehirntumor, unmittelbar nachdem der Zar, veranlasst von verschiedenen Intrigen, Deutschland den Krieg erklärte.

 

Dieser verheerende Krieg vor 100 Jahren, der zur vom Westen finanzierten bolschewistischen Revolution von 1917 führte, hat bis heute die Entwicklung des enormen Wirtschaftspotenzials Russlands und Eurasiens verhindert.

 

Das ändert sich jedoch gerade, es vollzieht sich eine neue Art von russischer Revolution auf der Basis von Frieden und wirtschaftlicher Stabilität, ironischerweise unter dem Druck des laufenden Kriegs der NATO, finanziell und militärisch, gegen die eurasische Integration.

 

Die Integration Eurasiens, formell über Russlands Eurasische Wirtschaftsunion und die von China und Russland angeführte Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit, aber auch informell über die wachsende Zahl bilateraler Vereinbarungen zur wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit zwischen den beiden eurasischen Großmächten – Russland und China –, ist genau das, was die NATO und die neokonservativen Kriegsfalken in der Obama-Regierung zu verhindern suchen, sei es in der Ukraine oder über Obamas gegen China gerichteten militärischen Schwenk nach Asien.

 

Das Problem für die armen Seelen in Washington und an der Wall Street besteht jedoch darin, dass Kriege nicht mehr so funktionieren wie früher. Die Welt hat es satt, in den Kriegen des sprichwörtlichen einen Prozents zu sterben.

 

 

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Leser-Kommentare (38) zu diesem Artikel

26.02.2015 | 16:40

rotepmal

Danke Herr Engdahl, das war ein guter weitere Tritt in den deutschen Arsch derjenigen, die es bitter nötig haben. Bitte weiter so, die Zeit arbeitet für Leute wie WIR.


03.02.2015 | 19:44

Holger Jahndel

EIR NEWS http://www.bueso.de Für ein Trennbanksystem und Glass Steagall - Bürgerbewegung Solidarität, siehe auch Forum für ein Neues Paradigma und Schiller Institut und Parteizeitung "Neue Solidarität"! Zeit-Fragen > 2013 > Nr. 12 vom 18.3.2013 > Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt «Mit den gewählten Sparmassnahmen mehr Schaden als Nutzen erzielt» http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1396 In Griechenland...

EIR NEWS http://www.bueso.de Für ein Trennbanksystem und Glass Steagall - Bürgerbewegung Solidarität, siehe auch Forum für ein Neues Paradigma und Schiller Institut und Parteizeitung "Neue Solidarität"! Zeit-Fragen > 2013 > Nr. 12 vom 18.3.2013 > Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt «Mit den gewählten Sparmassnahmen mehr Schaden als Nutzen erzielt» http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1396 In Griechenland setzt sich der Hunger fest... In Griechenland setzt sich der Hunger fest - Zeit-Fragen http://www.zeit-fragen.ch/ Zeit-Fragen 2012 Nr.13 vom 26.3.2012 http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=77 7 VWL, Geopolitik, Währungen http://www.steinbergrecherche.com


31.01.2015 | 15:28

Di Dago

@Ben Das ist ja das Perfide! Wir haben eigentlich noch für mehrere 100 Jahre Öl und Gas! Es werden laufend, naja laufend ist vielleicht "etwas" übertrieben, Superquellen gefunden. Z.B. vor Griechenland, was meinen sie warum Griechenland in den Ruin gestürzt wird? Die Ölkonzerne wollen sich die Quellen, für ein Appel und ein Ei, kaufen von einem Pleite Staat, der verkaufen muss! Da ich im Energiehandel lagen Jahre gearbeitet habe, hatte ich auch das Glück Ölhändler...

@Ben Das ist ja das Perfide! Wir haben eigentlich noch für mehrere 100 Jahre Öl und Gas! Es werden laufend, naja laufend ist vielleicht "etwas" übertrieben, Superquellen gefunden. Z.B. vor Griechenland, was meinen sie warum Griechenland in den Ruin gestürzt wird? Die Ölkonzerne wollen sich die Quellen, für ein Appel und ein Ei, kaufen von einem Pleite Staat, der verkaufen muss! Da ich im Energiehandel lagen Jahre gearbeitet habe, hatte ich auch das Glück Ölhändler kennen zu lernen. Die sagten mir klar und deutlich, wenn der Club of Rome z.B., die Aussage macht wir haebn noch für 20 Jahre Öl, bedeutet das nur, dass man mit dem heutigen Stand der Technik, das Öl noch 20 Jahre Gewinnbringend fördern kann! Und das ist alles! Es gibt keinen Mangel an Öl und Gas und den wird es auch nie geben! Bis uns das Öl ausgeht in vielleicht 1000 Jahren, wenn überhaupt, denke ich werden wir andere Antriebskonzepte haben. Ein Gut wird nur knapp gehalten um den Preis zu (s)teuern..... Geschnallt?


31.01.2015 | 15:17

Di Dago

@Aue Vielen Dank für diese Schmähschrift! Bist Du mit mir Verwandt? Das könnten meine Worte sein! Amis dumm wie Brot, aber immerhin mit Uniabschluss!


29.01.2015 | 20:21

Friedrich Pieper

Die griechisch orthodoxe und russisch orthodoxe Kirche haben ihren gemeinsamen Quellpunkt in Griechenland.Unsere indogrmanische Kultur und auch die klassische Altertumskunde sind das eigentlich Herz Europas, das sich zur Zeit nach Osten verschiebt.China ist seit Laotse und Konfuzius ein gebildetes Volk und setzt sich mit aller Kraft für die Souveränität aller Völker der Erde ein. Mächte, die kriegerische Ambitionen haben und nicht mehr auf die Bürger hören, die rufen::"wir...

Die griechisch orthodoxe und russisch orthodoxe Kirche haben ihren gemeinsamen Quellpunkt in Griechenland.Unsere indogrmanische Kultur und auch die klassische Altertumskunde sind das eigentlich Herz Europas, das sich zur Zeit nach Osten verschiebt.China ist seit Laotse und Konfuzius ein gebildetes Volk und setzt sich mit aller Kraft für die Souveränität aller Völker der Erde ein. Mächte, die kriegerische Ambitionen haben und nicht mehr auf die Bürger hören, die rufen::"wir sind das Volk", werden langfristig den Planeten Erde zerstören. Russland hat unter dem Zaren die deutsche Kultur und Friedensliebe aufgenommen. Der Kommunismus und auch der Nationalsozialismus in Deutschland wurden von anglosächsischen und amerikanischen politischen Bestrebungen erst entfacht.Der amerikanische Bürger weiß dass durch seine guten Historiker. Die Welt hofft, das Amerka den Völkern im Osten die Hand reicht, damit die ganze Welt friedlich bleibt.Es heißt nicht umsonst:"der Stärkere gibt nach!"Nicht Darwin, sondern Christus muss Recht bekommen.


29.01.2015 | 16:17

Realgar

@ Martha Pfahl : Die Chinesen sind tatsächlich schon in Europa, auch wenn man das in den derzeitigen Landkarten noch nicht sehen kann. Als Griechenland vor einiger Zeit in den heftigsten Turbulenzen war und die Menschen massenweise auf die Strassen gingen, war eine Meldung zu lesen, das in Griechenland zumindest ein Hafen komplett zum Verkauf stand. Wenig später war zu lesen, dass sich die Volksrepublik China dort eingekauft hätte. Diese Nachricht könnte sogar noch hier bei Kopp...

@ Martha Pfahl : Die Chinesen sind tatsächlich schon in Europa, auch wenn man das in den derzeitigen Landkarten noch nicht sehen kann. Als Griechenland vor einiger Zeit in den heftigsten Turbulenzen war und die Menschen massenweise auf die Strassen gingen, war eine Meldung zu lesen, das in Griechenland zumindest ein Hafen komplett zum Verkauf stand. Wenig später war zu lesen, dass sich die Volksrepublik China dort eingekauft hätte. Diese Nachricht könnte sogar noch hier bei Kopp zu finden sein. In meiner Heimat Schleswig-Holstein haben die Chinesen mehrere Tausend Hektar an Waldfläche aufgekauft und wollen noch mehr dazu kaufen, um ihren künftigen Holzbedarf zu sichern. MfG Realgar

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