Sunday, 29. May 2016
20.04.2014
 
 

Dollar verliert rapide den Status als Weltreservewährung

F. William Engdahl

Mit der törichten Entscheidung, wegen der Annektierung der Krim Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu verhängen, hat Washington Moskau zu der Reaktion gezwungen, Gazprom-Papiere nicht nur auf dem Dollar-Markt, sondern auch auf dem schnell wachsenden Yuan-Markt zu verkaufen. Die USA haben sich selbst in den Fuß geschossen.

OAO Gazprom, der größte Erdgasproduzent der Welt, plant für die nächsten Tage die Ausgabe von Papieren in chinesischen Yuan. Wegen der angedrohten Sanktionen der Obama-Regierung steigen die Zinsen für Gazprom-Schulden in Dollar dramatisch, während die in Yuan fallen, sodass es attraktiv wird, die Papiere in Yuan auszugeben. Die Entscheidung ist aber nicht nur in

geschäftlicher Hinsicht sinnvoll. Sie beschleunigt vielmehr den Trend anderer Länder, sich vom US-Dollar als Weltzentralbank- und Reservewährung für den Handel zu lösen.

 

 

Kriege mit dem Geld anderer Länder

 

Die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung ist nicht nur ein Statussymbol. Seit der Schaffung der Währungsordnung von Bretton Woods im Jahr 1944 war der Dollar als Reservewährung das Herzstück der amerikanischen Macht. Nachdem Präsident Nixon im August 1971 die Konvertierbarkeit von Dollars in ausländischem Besitz gegen Goldreserven der USA aufhob, ist der Dollar zu einer Papierwährung geworden, deren relativer Wert nach oben und unten schwankt.

 

Ungeachtet der schlimmsten Wirtschaftsdepression in den USA seit den 1930er Jahren und ungeachtet des jahrzehntelangen US-Handelsdefizits im Verein mit der in die Höhe schnellenden Staatsverschuldung von gegenwärtig 103 Prozent des BIP ist die US-Regierung dank der Rolle des Dollars als Reservewährung in der Lage, Kriege in Syrien, Libyen, Afghanistan und anderswo zu finanzieren. Andere Länder, die Waren gegen Dollars kaufen, müssen Dollarüberschüsse für den Handel vorhalten, also investieren ihre Zentralbanken den Handelsüberschuss in »sicheren« US-Staatspapieren.

 

Paradoxerweise hat das bisher bedeutet, dass die USA bis in allerjüngste Zeit in der Lage waren, ihre ausländischen Kriege und den billionenschweren Rüstungshaushalt mit Dollars aus China, Russland und anderen Ländern zu finanzieren. Als der Euro 2010 zur Bedrohung für den Status des Dollars als Reservewährung wurde, weil Washington billionenschwere Haushaltsdefizite aufhäufte, begannen China und andere Länder mit dem Ankauf von Euro-Anleihen, um ihr Risiko bei einem möglichen US-Bankrott zu diversifizieren.

 

Um den Aufstieg des Euro zu verhindern, lancierte Washington finanzielle Kriegsführung über Schlüsselbanken an der Wall Street wie Goldman Sachs und JPMorgan Chase und über die US-Ratingagenturen Standard & Poor‘s und Moody‘s und die US-Zentralbank (Federal Reserve), um den Wechsel zum Euro zu stoppen. Sie nannten es »Griechenland-Krise«. Der Euro fiel und der Dollar war plötzlich ein »sicherer Hafen«.

 

Doch die Zentralbanken anderer Länder merkten, dass der Dollar seinen Wert verlor, weil Washington weiter unbegrenzt Geld druckte, um die bankrotten Wall-Street-Banken zu retten – die Federal Reserve spricht von »Quantitativer Lockerung«. China, Russland und andere wichtige Handelsnationen haben still und heimlich begonnen, Alternativen zum Einsatz des Dollars zu entwickeln.

 

Ein neuer Bericht des Internationalen Währungsfonds enthüllt einen dramatischen Wandel in der Rolle des US-Dollars als Reservewährung. 23 Länder geben an, chinesische Yuan als offizielle Reserven zu halten.

 

Und das, obwohl der Yuan, ähnlich wie der französische Franc nach dem Zweiten Weltkrieg, noch nicht voll gegen andere Währungen konvertibel ist. China nähert sich der Konvertibilität in vorsichtig gemessenem Tempo. Nicht nur halten 23 andere Zentralbanken offiziell Yuan, sondern zwölf weitere haben in Yuan investiert, ohne dies offiziell anzugeben.

 

Der dramatischste Aspekt des IWF-Berichts liegt darin, dass die relative Rolle des US-Dollars bei den Reserven der Zentralbanken dramatisch schwindet. Der Dollar ist zwar noch die größte Reservewährung, aber während im Jahr 2000 noch rund 55 Prozent aller Reserven weltweit in Dollar gehalten wurden, ist der Anteil heute auf 33 Prozent gesunken. Und der Trend beschleunigt sich. Der IWF führt den Yuan nicht als offizielle Reservewährung an, weil er noch nicht voll konvertibel ist. In der IWF-Statistik fällt der Yuan unter die Kategorie »andere Währungen«. Der Anteil der »anderen Währungen« hat sich laut IWF seit der US-Irak-Invasion 2003 verdoppelt.

 

In den letzten Jahren hat die chinesische Zentralbank in Vorbereitung auf die volle Konvertibilität des Yuan riesige Mengen Gold aufgekauft. Jetzt, wo sich russische Unternehmen immer mehr ostwärts nach China orientieren, könnte sich der Wechsel weg vom Dollar dramatisch beschleunigen, sodass die US-Zinsraten in die Höhe getrieben würden und der Druck auf die Staatsausgaben in Washington stiege.

 

Obamas törichte Sanktionsdrohungen gegen Moskau treiben nur die Orientierung großer russischer Konzerne wie Gazprom und Norilsk Nickel auf den riesigen asiatischen Markt voran. Russische Bergbauunternehmen wie die OAO GMK Norilsk Nickel, der weltgrößte Nickelproduzent, haben ihr Engagement auf den asiatischen Märkten im letzten Monat erhöht. Und im Mai reist Präsident Wladimir Putin nach Peking. Es wird erwartet, dass er dort einen 30-Jahres-Vertrag über Gaslieferungen an China unterzeichnen wird.

 

Der NATO-geführte Putsch in der Ukraine und die nachfolgende Krise haben den Trend nicht nur russischer Unternehmen, sich ostwärts zu orientieren, dramatisch verstärkt. Andere Länder könnten merken, dass sie eines Tages Opfer von Sanktionen aus Washington werden können, und versuchen, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Washingtons Politik des »harten Kerls« der Welt wird auf Washington zurückschlagen, und zwar auf eine Weise, die bislang nur wenige verstehen.

 

 

 


 

 

 

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