Sunday, 24. July 2016
04.03.2015
 
 

Eisenbahn-Diplomatie zwischen Peking und Moskau auf Hochtouren

F. William Engdahl

Russland und China vertiefen im gegenseitigen Interesse die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Mit der endgültigen Entscheidung beider Regierungen für den Bau einer wichtigen Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverbindung zwischen Moskau und Peking wurde jetzt eine neue Stufe erreicht. Erst vor wenigen Wochen waren umfangreiche Energieverträge zwischen den beiden eurasischen Ländern unterzeichnet worden. Russland wendet sich immer deutlicher von der EU ab und orientiert sich auf die Region, deren Wirtschaft die höchsten Zuwachsraten der Welt verzeichnet.

 

Am 27. Februar gab Russlands stellvertretender Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch im Rahmen eines Wirtschaftsforums in Krasnojarsk bekannt, beide Länder hätten sich auf einen Vorschlag geeinigt, den Chinas Ministerpräsident Li Keqiang bei seinem Moskaubesuch im Oktober 2014 unterbreitet hatte: den Bau eines 7000 km langen und 242 Milliarden Dollar teuren Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnkorridors von Peking durch Kasachstan und Russland bis Moskau. Teil des Projekts ist eine Hochgeschwindigkeitsverbindung von Moskau nach Kasar in der russischen autonomen Republik Tatarstan.

Während die Volkswirtschaften der EU immer tiefer in die Verschuldung rutschen und Investitionen in die eigene Eisenbahn- und sonstige Infrastruktur stagnieren, blüht in China der Aufbau der Infrastruktur. In kaum mehr als 30 Jahren ist das Land zum weltweit führenden Spezialisten im Eisenbahnbau geworden, davon zeugen Projekte in ganz China und über die Grenzen hinaus. Im vergangenen Jahr erklärte die chinesische Regierung den Bau einer transeurasischen Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverbindung, der so genannten Neuen Seidenstraße, zur höchsten Priorität für den Staat.

 

Nach der Fertigstellung des Projekts wird die Reisezeit von Moskau nach Peking statt zurzeit sechs Tage nur noch zwei Tage betragen. Viel wichtiger als der Personenverkehr ist jedoch, dass auch der Gütertransport durch Eurasien wesentlich beschleunigt wird. Die Eisenbahnverbindung wird im eurasischen Hinterland buchstäblich völlig neue Märkte »schaffen«.

 

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Gegenwärtig dauert die 803 km lange Eisenbahnreise von Moskau nach Kasar 14 Stunden und sieben Minuten. Durch die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung sind es nur noch drei Stunden und 30 Minuten. Dadurch können neue wirtschaftliche Beziehungen entstehen.

 

Ähnlich ist die Lage für Nischni Nowgorod. Es bedeutet, dass sich mehr wirtschaftlicher Verkehr und Logistikverbindungen entwickeln; mit dem Wirtschaftswachstum kann auch die Abwanderung und Entvölkerung des russischen Binnenlands gestoppt und umgekehrt werden.

 

 

Wie Alexander Mischarin, der erste Vizepräsident der Russischen Eisenbahnen, im vergangenen November sagte, wird die Verbindung zur russischen Grenze von Moskau nach Kasachstan 60 Millionen Dollar kosten, die Reisezeit von Moskau nach Peking wird 30 Stunden betragen. Mischarin schätzt, dass der Bau acht bis zehn Jahre dauern wird. Er verglich das neue Eisenbahnnetz »in Umfang und Bedeutung« mit dem Suezkanal.

 

Während die EU mit einer Finanzkrise in der Euro-Zone konfrontiert ist – von Griechenland bis Frankreich, Italien und Spanien – und während die Investitionsneigung angesichts wiederholter von den USA befohlener wirtschaftlicher und finanzieller Sanktionen gegen Russland sinkt, bauen die beiden eurasischen Länder wirtschaftlich bedeutsame, langfristige Überland-Verbindungen auf, die Zbigniew Brzeziński, dem Guru der US-Außenpolitik, Bauchschmerzen bereiten. 1997, als Amerika nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die unangefochtene einzige Supermacht der Welt war, schrieb Brzeziński:

lautet das Gebot, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen und damit auch für Amerika eine Bedrohung darstellen könnte. … In diesem Zusammenhang kommt es darauf an, wie Amerika mit Eurasien umgeht. Eurasien ist der größte Kontinent der Erde und geopolitisch axial. Eine Macht, die Eurasien beherrscht, würde über zwei der drei höchstentwickelten und wirtschaftlich produktivsten Regionen der Erde gebieten. Ein Blick auf die Landkarte genügt, um zu erkennen, dass die Kontrolle über Eurasien fast automatisch die über Afrika nach sich zöge und damit die westliche Hemisphäre und Ozeanien gegenüber dem zentralen Kontinent der Erde geopolitisch in eine Randlage brächte. Nahezu 75 Prozent der Weltbevölkerung leben in Eurasien, und in seinem Boden wie auch seinen Unternehmen steckt der größte Teil des materiellen Reichtums der Welt. Eurasien stellt 60 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts und ungefähr drei Viertel der weltweit bekannten Energievorkommen.

Genau diese eurasische Herausforderung besteht jetzt und sie ist der wirkliche Grund für den US-Krieg in der Ukraine und die Versuche zur wirtschaftlichen und militärischen Einkreisung Chinas. Ob es Washington gelingt, noch mehr Chaos und Unordnung zu schüren, bleibt abzuwarten.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (39) zu diesem Artikel

05.03.2015 | 22:42

rotepmal

@Alexander Leibitz: "Psychopathen sind oft gewitzt und können sich gut ausdrücken. Sie können amüsante und unterhaltsame Gesprächspartner sein, bereit zu schneller und gewandter Entgegnung, und sie können unwahrscheinliche, aber überzeugende Geschichten erzählen, die sie selbst in ein gutes Licht rücken. Sie können sehr effektiv darin sein, sich selbst gut darzustellen, und sind oft sehr liebenswert und charmant." Autor?


05.03.2015 | 15:36

rotepmal

@Günter: Eine gigantische Umlenkung der weltweiten Kapitalströme, raus aus Spekulation und hin zur werthaltigen Währung und den damit verbundenen prospirierenden Wirtschaften.


05.03.2015 | 15:29

rotepmal

@Alexander Leibitz: "Psychopathen sind oft gewitzt und können sich gut ausdrücken. Sie können amüsante und unterhaltsame Gesprächspartner sein, bereit zu schneller und gewandter Entgegnung, und sie können unwahrscheinliche, aber überzeugende Geschichten erzählen, die sie selbst in ein gutes Licht rücken. Sie können sehr effektiv darin sein, sich selbst gut darzustellen, und sind oft sehr liebenswert und charmant." Autor?


05.03.2015 | 10:45

Jörgi

Hunger ist die schlimmste Form von Terrorismus - Europas Hähnchen des Todes für Afrika. Ist doch klar das sich die Russen von den größten Terroristen dieser Welt, den westlichen Kapitalisten, los eisen. Die Juden wollten Hitler sicher auch nicht als Freund gewinnen. Hoffentlich können die die Chinesen wieder auf den richtigen Weg bringen, bevor die unser aller Ökosystem total zerstört haben. Russische Smartphones mit austauschbarem Akku und unter Gewerkschaftsbedingungen in China...

Hunger ist die schlimmste Form von Terrorismus - Europas Hähnchen des Todes für Afrika. Ist doch klar das sich die Russen von den größten Terroristen dieser Welt, den westlichen Kapitalisten, los eisen. Die Juden wollten Hitler sicher auch nicht als Freund gewinnen. Hoffentlich können die die Chinesen wieder auf den richtigen Weg bringen, bevor die unser aller Ökosystem total zerstört haben. Russische Smartphones mit austauschbarem Akku und unter Gewerkschaftsbedingungen in China hergestellt wären mir lieber als der Mörder/Ausbeutungsapfel aus den USA.


05.03.2015 | 10:20

thomas414

"Wie Alexander Mischarin, der erste Vizepräsident der Russischen Eisenbahnen, im vergangenen November sagte, wird die Verbindung zur russischen Grenze von Moskau nach Kasachstan 60 Millionen Dollar kosten"......soll wohl heißen 60 Milliarden, wäre ja sonst ein echtes Schnäppchen!


05.03.2015 | 06:55

rotepmal

@Manfred Friedmann: Sie sollten sich einen anderen Nicknamen zulegen, wie wäre es mit Manfred Hetzmann, den ein Dummmann sind Sie offensichtlich nicht. Die Codewörter Eurasien und BRICS, wie Sie sie nennen, stehen für die schlimmsten Albträume der "negativen Eliten" seit dem Betriebsunfall "Gründung der USA". Mit letzterem sind sie in den dann folgenden Jahrhunderten wieder klar gekommen aber in einer Welt, die auf Prosperität und Zusammenarbeit zum...

@Manfred Friedmann: Sie sollten sich einen anderen Nicknamen zulegen, wie wäre es mit Manfred Hetzmann, den ein Dummmann sind Sie offensichtlich nicht. Die Codewörter Eurasien und BRICS, wie Sie sie nennen, stehen für die schlimmsten Albträume der "negativen Eliten" seit dem Betriebsunfall "Gründung der USA". Mit letzterem sind sie in den dann folgenden Jahrhunderten wieder klar gekommen aber in einer Welt, die auf Prosperität und Zusammenarbeit zum gegenseitigen Überleben basiert, in der Frieden nicht nur die vorübergehende Abwesenheit von Krieg bedeutet, können sie nicht mehr mitspielen und wandern in den Orkus.

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