Dienstag, 6. Dezember 2016
13.11.2014
 
 

Elite-Universität Princeton macht es offiziell: Die USA sind zu einer Oligarchie geworden

F. William Engdahl

Mein Grundstudium habe ich an der Universität Princeton absolviert, einer der renommiertesten Elite-Hochschulen der USA. Es war Anfang der 1960er Jahre, meine Kommilitonen kamen aus angesehenen Privatschulen wie Andover oder Exeter, sie trugen Namen wie Firestone oder Prinz Faisal. Damals betrug die Unterrichtsgebühr 650 Dollar pro Jahr, genauso viel, wie ich für meinen gebrauchten Chevrolet von 1956 bezahlt hatte. Vor diesem Hintergrund las ich mit größtem Interesse über die Studie zweier Princeton-Professoren zum Thema Reichtum in Amerika seit 1981.

 

Martin Gilens ist Professor für Politische Wissenschaften an der Princeton University. Zusammen mit Professor Benjamin I. Page von der Northwestern University veröffentlichte er die Ergebnisse einer Analyse, die »unter Zuhilfenahme besonderer Daten erstellt wurde, darunter Messungen der Schlüsselvariablen für 1779 politische Fragen«. Im Schlussteil der Studie konstatieren die Autoren:

 

»Die multivariate Analyse zeigt, dass wirtschaftliche Eliten und organisierte Gruppen, die Unternehmensinteressen vertreten, erheblichen unabhängigen Einfluss auf die Regierungspolitik der USA ausüben, während Normalbürger und massenbasierte Interessengruppen wenig oder gar keinen unabhängigen Einfluss haben. Die Ergebnisse untermauern die Theorie der Dominanz einer Wirtschaftselite…«

 

Weiter heißt es, im Vergleich zu den Präferenzen der wirtschaftlichen Eliten und der Positionen organisierter Interessengruppen übten die Präferenzen der durchschnittlichen Amerikaner offenbar allenfalls einen kaum wahrnehmbaren, statistisch nicht signifikanten Einfluss auf die staatliche Politik aus. Zum Schluss wird noch einmal betont:

»… Unsere Analysen zeigen, dass die Mehrheit der amerikanischen Öffentlichkeit die Politik unserer Regierung tatsächlich nur wenig beeinflusst. Amerikaner erfreuen sich vieler Merkmale demokratischer Regierungsführung wie regelmäßige Wahlen, Rede- und Vereinigungsfreiheit sowie weitgehende (wenn auch umkämpfte) Bürgerrechte. Unserer Ansicht nach ist Amerikas Anspruch, eine demokratische Gesellschaft zu sein, ernsthaft bedroht, wenn die Politik von mächtigen Wirtschaftsorganisationen und einer kleinen Zahl sehr reicher Amerikaner dominiert wird.«

Bei einem Presseinterview erläuterte Gilens die Ergebnisse ihrer Analyse der politischen Entscheidungen der Regierung in der Zeit von 1981 bis 2002 und die Rolle der Eliten gegenüber der Rolle von Normalbürgern bei circa 1800 politischen Initiativen:

»Ein zentraler Faktor in unserem politischen System ist das Geld, bei der Wahlkampffinanzierung und in der Lobbyarbeit. Dazu kommt das Fehlen von Massenorganisationen, die die Stimme des Normalbürgers repräsentieren. Verantwortlich dafür ist zum Teil der Schwund bei den Gewerkschaften im Land, der in den letzten 30 bis 40 Jahren dramatische Züge angenommen hat. Ein weiterer Faktor ist das Fehlen einer sozialistischen oder Arbeiter-Partei.«

Anhand vieler empirischer Daten bestätigt die Studie, was ich als Amerikaner in den letzten 40 Jahren erlebt habe. Es gab einen stillen Staatsstreich der begüterten Klasse, einer amerikanischen Elite.

 

Namen wie Bill Gates, Warren Buffett, David Rockefeller, Sheldon Adelson (der wichtigste Finanzier von Mitt Romneys Präsidentschaftskampagne), die Koch-Brüder (die Hauptfinanziers der Tea-Party-Bewegung), George H.W. Bush und Familie. Das oberste eine Prozent hat die Grundzüge des amerikanischen Lebens, der Kultur und vor allem der Politik umgestaltet.

 

Die Entscheidung, Krieg gegen den Irak, Afghanistan oder Syrien zu führen, hängt nicht vom Willen durchschnittlicher Amerikaner ab. Obama wurde aufgrund seines Versprechens gewählt, das Folterzentrum der US Army in Guantanamo aufzulösen – ein Versprechen, das er auch sechs Jahre später noch nicht eingelöst hat.

 

Er wurde im ersten Monat seiner Amtszeit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und führte weiter Krieg in Afghanistan, Ägypten, Libyen und in jüngster Zeit in Syrien und der Ukraine.

 

Das sollte jeder im Kopf haben, der »Amerika« beurteilt. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben heute nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Land, in dem ich Anfang der 1960er Jahre aufwuchs, als ein gebrauchter Chevy 650 Dollar kostete und normale Amerikaner sich die Studiengebühren noch leisten konnten.

 

Die Oligarchie, die unter der dünnen Fassade von »Demokratie« die politische Kontrolle übernommen hat, hat das industrielle und soziale Gefüge der Vereinigten Staaten ruiniert.

 

Sie steht hinter dem Transatlantischen Handels- und Investitionsabkommen und der Deregulierung von Banken, damit sie die Erde ausplündern kann. Die neue Studie von Prof. Gilens aus Princeton ist der erfrischende, wenn auch akademische Versuch – zudem von einer der renommiertesten Elite-Universitäten –, zu beleuchten, was in Amerika in den letzten 30 Jahren falsch gelaufen ist und noch falsch läuft.

 

 

 

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Leser-Kommentare (26) zu diesem Artikel

14.11.2014 | 20:11

No. Harms

Ich will mal einen Gedanken anhand eines Beispieles in die Welt streuen, vielleicht ist das schon jemanden anderem aufgefallen. Der Facebook Gründer Teenager hat das doch nicht alleine geschafft. Das war eine langfristig angelegte Sache mit einem gewissen Netzwerk dahinter. Der Junge durfte sein Vermögen einstreichen als Aushängeschild. Gehen Sie mal auf Wikipedia Eintragungen zu ähnlichen Investitionen. Wem gehört die Wallstreet? Soweit so gut. Fortsetzung folgt.


14.11.2014 | 13:42

HJS "5%Club"

@ROMANUSS @ROTEPMAL......wenn Du- Ihr- unter niveauvolle Diskussion das ach so leidvolle Gejammere wie-----man müßte----sollte---könnte....hoffentlich---versteht, dann bleibt euch am Ende nur das Wehklagen...."aber dann nicht mehr auf dem üblichen hohen Niveau"....wie konnte das alles nur geschehen. Schaut euch einmal die Bilder der "vermeindlich Möchtigen" dieser Welt beim G20 Treffen an. Sehen so " Entscheidungsträger " - Verkünder aus, die sich...

@ROMANUSS @ROTEPMAL......wenn Du- Ihr- unter niveauvolle Diskussion das ach so leidvolle Gejammere wie-----man müßte----sollte---könnte....hoffentlich---versteht, dann bleibt euch am Ende nur das Wehklagen...."aber dann nicht mehr auf dem üblichen hohen Niveau"....wie konnte das alles nur geschehen. Schaut euch einmal die Bilder der "vermeindlich Möchtigen" dieser Welt beim G20 Treffen an. Sehen so " Entscheidungsträger " - Verkünder aus, die sich um ihre Zukunft Sorgen machen müßen? Die Kuschel -Wahrheiten, die gegenwärtig verbreitet werden, (dürfen) sind nur Valium fürs Volk. Ich weiß selbstverständlich das dumbes Hurra schreinen reiner Selbstmord ist. Es auf den richtigen Zeitpunkt, mit der entsprechenden Vorbereitung, ankommt. Aber solange das Kind nicht wirklich genannt wird ,auf den verschiedenen sogenannten Aufklärerseiten ängstlich darauf geachtet wird sich ja "politisch korrekt" zu verhalten wird sich gar nichts, aber auch gar nichts ändern.Ich frage mich wirklich wie Ihr eine Veränderung und vor allem vom wem erreichen wollt. Die Veränderung die auf jeden Fall....vom System....kommen wird, wird aber nicht eurer Vorstellung entsprechen. Also weiterhin viel Erfolg beim niveauvollen Diskutieren. AMEN


14.11.2014 | 00:35

rotepmal

Oh je, noch ein Weissager mit starkem Sendungsbewußtsein. Verschwindet doch mit Euren dümmlichen Sprüchen in Euer Paralleluniversum, da gibt es dann auch sicherlich ein Parallelforum. Was bekommt ihr für Eure ständigen Störmanöver?


14.11.2014 | 00:25

rotepmal

@Romanuss: Ziel dieser Teilnehmer ist offensichtlich, den Wert dieser Foren zu minnimieren oder auf Dauer zu zerstören, wie sie es früher mit POLITAIA gemacht habe. Es wird hier zu viel Wahrheit offen ausgesprochen. Wir Bürger übernehmen zusehens die Rolle der Politik und greifen an und decken auf. Mündige Staatsbürger sind denen ein Greuel - klar!


13.11.2014 | 22:02

Werner Häckel

@Horst : Ich stehe zu Ihnen . Bitte aber darum, dass wir nicht im Alleingang dieses dunkle Übel abschaffen können,sondern dass WIR NUR mit Wissen um unsere Vergangenheit zum khazarischem Lug und Trug und Hassden Brandstifter beseitigen können. Und dieses Wissen tragen wir uns -ausgehend von den Beiträgen der Autoren - sukzessive gemeinsam zusammen ! Ein paar Leute gehen dabei immer voraus . Das Schlimme m.E. ist allerdings der durch die " american way of life" zu 70 %...

@Horst : Ich stehe zu Ihnen . Bitte aber darum, dass wir nicht im Alleingang dieses dunkle Übel abschaffen können,sondern dass WIR NUR mit Wissen um unsere Vergangenheit zum khazarischem Lug und Trug und Hass
den Brandstifter beseitigen können. Und dieses Wissen tragen wir uns -ausgehend von den Beiträgen der Autoren - sukzessive gemeinsam zusammen ! Ein paar Leute gehen dabei immer voraus . Das Schlimme m.E. ist allerdings der durch die " american way of life" zu 70 % "verseuchte" Germane incl der damit verbundenen Gleichgültigkeit, Standpunktlosigkeit und z.B. Opportunität > solange der Michel " fressen,saufen,Fun hat und verreisen kann " ist diese seine Welt "allright" . Und ich möchte nicht wissen, wie sehr die bekannten Verbrecher unserer Welt über uns Deutsche schon lästern ,uns abqualifizieren etc. Schauen wir uns doch mal unsere Diener der US-Admin analytisch an : den Kohl, den Fischer, die Merkel ,den Schäuble , die Grünen , die kathol.Kirche etc. Ich halte hier besser auf. Ziehen Sie bitte mit uns, bleiben sie auf unserem / ihren Planeten . Beste Grüße W.H.


13.11.2014 | 21:44

Romanuss

@rotepmal: richtig, dieser HJS "5%Club"hat keine intelligenten Alternativen im Angebot: eben nur 5% Gehirnmasse. Schade, dass durch destruktive Kommentarbeiträge wie die von diesem HJS 0,5% Club eine niveauvolle Diskussion nicht möglich ist.

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