Saturday, 30. July 2016
03.12.2015
 
 

Erdoğans Russisches Roulette ‒ nur aus Rache wegen des Öls?

F. William Engdahl

Alle öffentlich zugänglichen Informationen rund um den absichtlichen und widerrechtlichen Abschuss des russischen SU-24 Jagdbombers im syrischen Luftraum am 24. November zeigen, dass die Aktion vorsätzlich geschah und sorgfältig vorbereitet war. Die entscheidende Frage lautet: Von wem und zu welchem Zweck? Der russische Ministerpräsident hat auf die Verluste hingewiesen, welche die Türkei in den letzten Tagen erlitten hatte, weil russische Bombenangriffe den illegalen Öl-Schmuggel der ISIS Terroristen aus den besetzten Ölfeldern bei Mosul unterbunden haben. Das dürfte aber nur die Spitze eines sehr großen Eisbergs gewesen sein.

 

Zunächst ist es wichtig, die Rolle der Türkei im illegalen Ölschmuggel genau zu prüfen. Dieser war Berichten zufolge die Hauptquelle, aus der sich die Terrorbanden des IS in Syrien und im Irak

finanziert haben. In einem Artikel, den ich im August für diese Webseite geschrieben habe, führte ich den Nachweis, dass der in Harvard ausgebildete 35-jährige Sohn des türkischen Präsidenten Erdoğan, Bilal Erdoğan, bis über den Kopf am Schmuggel gestohlenen irakischen Öls, der über die Türkei auf diverse Märkte verlief, beteiligt ist.

 

Dieses illegale Öl finanzierte die wichtigsten Aktivitäten des ISIS im Irak und in Syrien. An diesen Punkt hatte der russische Präsident Putin auf dem jüngsten Treffen der G-20 in Antalya, in der Türkei den US-Präsidenten Obama und andere vorsichtig erinnert. Die 14 Monate währenden, angeblichen Bombardierungen der USA von Zielen der ISIS hatten sich kein einziges Mal gegen die Öl-Karawanen gerichtet, die sich von Mosul und von anderen durch den ISIS besetzten Standorten durch die Türkei zu den Tankschiffen im Besitz von Bilal Erdoğan bewegten.

 

Erdoğans Energievetternwirtschaft

 

Gürsel Tekin, der stellvertretende Vorsitzende der türkischen Republikanischen Volkspartei CHP, erklärte kürzlich in einem Interview in türkischen Medien: »Präsident Erdoğan behauptet, dass es nach den Regeln der internationalen Transportkonventionen keine rechtliche Handhabe in Bezug auf die illegalen Aktivitäten Bilals gäbe und dass sein Sohn ordentliche Geschäfte mit den registrierten japanischen Unternehmen betreibe. Doch tatsächlich steckt Bilal Erdoğan bis zum Hals in Komplizenschaft mit dem Terrorismus. Aber so lange sein Vater im Amt ist, wird er für jede gerichtliche Verfolgung unerreichbar sein.« Bilal Erdoğans Seetransport-Unternehmen besitzen eigene spezielle Kai-Anlagen in den Häfen von Beirut und Ceyhan, um das vom ISIS herausgeschmuggelte Rohöl auf Tanker in Richtung Japan zu verladen. Die türkischen Oppositionsparteien werfen dem kriegslüsternen Präsident Erdoğan auch vor, die Skandale über Bilals Verstrickung in den Abtransport von irakischem Öl zu beschönigen. Dieser hat den ISIS zur weltweit reichsten Terrorgruppe gemacht. Tekin fügte hinzu, dass BMZ Ltd, ein Seetransport-Unternehmen Bilals, das den Öl-Handel für ISIS abwickelt, »ein Familienunternehmen ist, an dem Präsident Erdoğans nahe Verwandte Anteile halten und dazu öffentliche Gelder missbraucht und illegale Kredite von türkischen Banken aufgenommen hatten«.

 

Die Beziehungen der Regierung Erdoğan zu den Öl-Transaktionen des ISIS wurden ausdrücklich in einer Presseerklärung des russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew vom 25. November erwähnt. Darin heißt es: »Die Maßnahmen der Türkei stellen grundsätzlich klar, dass das Land den ISIS deckt. Dies ist kaum verwunderlich angesichts von Berichten, wonach bestimmte türkische Beamte ein ureigenes Interesse an billigen Öllieferungen aus dem Islamischen Staat haben

 

Die dreisten Handlungen der Kabalen Erdoğans wurden schon einen Tag nach dem ungerechtfertigten und beispiellosen Abschuss des russischen Bombers und des Rettungshubschraubers durch die Türkei noch ein bisschen läppischer und durchsichtiger. Der Intimus des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan, Ahmet Davutoğlu, ernannte den Schwiegersohn des Präsidenten, den 37-jährigen, in den USA ausgebildeten Berat Albayrak zum türkischen Energieminister. Damit wären der neue Energieminister und der ölige Bilal Erdoğan Schwäger. Das hält zur Absicherung alles fest in der Familie zusammen.

 

Erdoğan ein »Einzeltäter«?

 

Dass der tyrannische Erdoğan, seine Luftwaffe und seine Nachrichtendienste unmittelbar am Abschuss der russischen SU-24 beteiligt waren, ist unbestritten. Die wichtigere Frage lautet jedoch, ob Erdoğan und seine Regierung als »Einzeltäter« gehandelt haben. Hierbei stellen sich gleich mehrere düstere Fragen.

 

Es wurde nachgewiesen, dass Israel tief in die Zusammenarbeit mit dem ISIS in Syrien, insbesondere in dem Gebiet der Golanhöhen verwoben ist. Genie Energy, ein Unternehmen mit engen Verbindungen zu Dick Cheney und Jacob Lord Rothschild, hatte vor Kurzem behauptet, eine gewaltige Öllagerstätte in dem von Israel besetzten Gebiet der syrischen Golanhöhen entdeckt zu haben. Ein kürzlich vorgelegter UN-Bericht gab detaillierte Augenzeugenberichte über den Verkehr zwischen israelischen IDF-Soldaten und ISIS Terroristen wieder. ISIS hatte sich auch in auffälliger Weise von Angriffen auf Israel zurückgehalten.

 

Chris Dalby, ein Analytiker bei Oilprice.com, schrieb im September 2014: »Die elf Ölfelder, die der IS im Irak und in Syrien kontrolliert, haben ihm eine weitgehend unabhängige Finanzierungs-Maschine beschert. Berichte zeigen, dass die vom IS kontrollierten Ölfelder im Irak zwischen 25 000 und 40 000 Fass Öl pro Tag in einem geschätzten Wert von etwa 1,2 Millionen $ liefern, bevor das Öl nach dem Iran, nach Kurdistan, in die Türkei und nach Syrien geschmuggelt wird

 

Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtete, dass Israel seit Juni 2014 bis zu 75 Prozent seines Ölbedarfs aus dem Irak importiert. Doch nimmt man an, dass es aus dem kurdischen Gebiet des Irak stammt. Die irakische Regierung behauptet, dass das Öl dem Irak gehört und nur vom irakischen Ölministerium verkauft werden kann. Als recht günstig für Israel hat sich erwiesen, dass der Ausbruch des ISIS-Terrors und die Eroberung der Öl-Region von Mosul in der Nähe des kurdischen Gebiets sowie die Eroberung anderer irakischer Ölfelder durch den ISIS nach dem Juni 2014 die irakische Regierung ihrer üppigen Öl-Einnahmen beraubt und die Ausbreitung des ISIS erleichtert haben.

 

Laut Falastin News Palestine, hat der ISIS beträchtliche Bestände an Rohöl, das während der letzten Monate auf den Ölfeldern gewonnen worden war, eingenommen. Vor den jüngsten russischen Bombeneinsätzen auf Ziele der ISIS-Ölanlagen in Syrien hat ISIS irakisches Erdöl durch kurdisches Gebiet an türkische Raffinerien geliefert. Die Nachrichtenagenturen berichten weiter, dass irakisches Öl auch über den Mittelmeerhafen Ceyhan in der Türkei nach Israel geliefert wird. Israelische und türkische Unternehmen transportieren das Öl auf Routen an die Grenzen, die vom ISIS kontrolliert werden.

 

Die Financial Times berichtete unter Berufung auf einen Beamten des US-Schatzamtes, dass die Regierung von Bashar al-Assad über Mittelsmänner gezwungen wurde, ihr eigenes syrisches Öl vom ISIS zu kaufen.

 

Jetzt hat als eine der absurdesten Entwicklungen in diesem sinnlosen Krieg Washingtons gegen Bashar al-Assad die Abteilung für finanzielle Kriegsführung im US-Schatzamt, das treffend Ministerium für Terrorismus und Finanzspionage genannt wird, über seinen geschäftsführenden Direktor Adam Szubin verlauten lassen, man sei im Begriff, dem Assad-Regime neue Sanktionen aufzuerlegen, weil es ISIS-Öl, das syrisches und irakisches Öl ist, das der ISIS Anfang 2014 gestohlen hatte, gekauft habe. Szubin hatte in einem der reichlich absurden Argumente Washingtons der letzten Zeit als Grund, »bestehende Verbindungen Syriens zum ISIL«, den dort bevorzugten Namen für ISIS, genannt.

 

Somit hatte vielleicht zum ersten Mal seit den 1950er Jahren ein Flugzeug des NATO-Mitglieds Türkei, in Verletzung aller Vorgehensweisen der NATO, bewusst ein russisches Flugzeug, das das Land nicht bedroht hatte, abgeschossen, und das in einer Konfrontation, die leicht zu einem Weltkrieg hätte eskalieren können.

 

Das Merkwürdige, was man jetzt beobachtet, ist das, was aus Washington und London verlautet. Washington beeilte sich, das zu bestätigen, was sich jetzt als türkische Lüge herausgestellt hat, nämlich dass man die russische SU-24 über fünf Minuten lang zehnmal verwarnt hätte abzudrehen und keine Antwort bekommen habe. Dann machte Großbritanniens Premier David Cameron, der Washington immer entgegenkommt, die verrückte Aussage: »Die Fakten sind in dieser Angelegenheit noch nicht geklärt, doch ich denke, wir sollten das Recht der Türkei, seinen Luftraum zu schützen, respektieren ...«

 

Sehr viele ernsthafte Fragen müssen in dieser höchst gefährlichen Eskalation der Syrien-Krise von allen Beteiligten genau untersucht werden. Mein männlicher Instinkt sagt mir, Recep Erdoğan würde niemals ein so gefährlich kühnes und unerlaubtes Vorgehen gegen Russland, von dem die Türkei mit bis zu 50 Prozent ihrer Erdgasimporte und zu einem gewaltigen Teil ihrer Dollar-Einkommen aus Tourismus abhängt, riskiert haben, nur weil das Ölgeschäft der Familie mit dem ISIS durch russische Düsenjäger wegbombardiert wird.

 

Offenbar gibt es ernstzunehmende heimliche Hintermänner, die Erdoğan angestachelt haben, diese Tat zu begehen. Welche Rolle – wenn überhaupt ‒ hat bei dem Abschuss der SU-24 und danach des russischen Rettungshubschraubers der emotional labile, neokonservative und russenfeindliche US-Verteidigungsminister, Ash Carter, gespielt?

 

Welche Rolle hatte ‒ wenn überhaupt eine ‒ der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, der »kämpferische« Joe Dunford? Welche Rolle hatten – wenn überhaupt eine ‒ die britischen Geheimdienste? Was für ein Spiel haben – wenn überhaupt eines ‒ die israelische IDF und der Mossad bei der türkischen Tat getrieben?

 

Es wäre interessant, wenn Russland einen Interpol-Haftbefehl gegen Bilal Erdoğan erließe und ihn in einem ehrlichen, internationalen Tribunal wegen Kriegsverbrechen vor Gericht stellen würde. Ich könnte mir vorstellen, dass der junge Bilal, wenn man ihn aus der Geborgenheit seines Papas in der Türkei herausnehmen würde, wie der sprichwörtliche Kanarienvogel singen würde.

 

Klar ist, dass Erdoğan und seine Partner in diesem Verbrechen, wer auch immer diese sein mögen, gerade einen großen Schritt der Eskalation zu einem Weltkrieg unternommen haben. Ist es nicht an der Zeit, dass wir damit aufhören, derart inkompetenten Leuten zu erlauben, über unser Schicksal zu bestimmen? Ich denke schon.

 

 

 

 

 

 

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