Saturday, 30. July 2016
17.08.2014
 
 

Eurasische SOZ-Länder bedrohen die Hegemonie der NATO

F. William Engdahl

Schon wieder gibt es eine nicht beabsichtigte Konsequenz aus Washingtons extrem aggressiver Außenpolitik. Jetzt geschieht, was eigentlich hatte verhindert werden sollen: Die Länder der großen eurasischen Landmasse nähern sich einander an und bilden einen wirtschaftlichen, politischen und sogar militärischen Block, de facto als Gegengewicht zu der geplanten »einzigen Supermacht« Amerika.

 

Der Name des Blocks ist »Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit«, abgekürzt »SOZ«, vielleicht geläufiger in der englischen Version »Shanghai Cooperation Organization, SCO«. Bei ihrem jüngsten Jahrestreffen verständigten sich die derzeitigen Mitgliedsstaaten zum ersten Mal seit 2001 auf die Aufnahme von vier neuen Ländern – mit möglicherweise weitreichenden Auswirkungen.

 

Am 31. Juli kamen die Außenminister der sechs Gründungsstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit – Russland, China, Tadschikistan, Kasachstan, Usbekistan und Kirgistan – in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe zu Beratungen zusammen; sie einigten sich erstmals auf die Aufnahme neuer Mitglieder.

 

Bei ihrem nächsten Jahrestreffen im September dieses Jahres wird die SOZ mit Indien, Pakistan, dem Iran und der Mongolei vier »Beobachter«-Staaten aufnehmen. Ein kurzer Blick auf die Landkarte Eurasiens enthüllt die enorme Bedeutung dieses Schritts.

 

Dass China, Russland und die vier anderen den Iran aufnehmen, ist keine große Überraschung, denn sowohl China als auch Russland haben das Land in den letzten Jahren standhaft gegen die amerikanischen Wirtschaftssanktionen und den Vorwurf des Missbrauchs des Nuklearprogramms zur Entwicklung der Atombombe verteidigt. Dass allerdings zusammen mit dem Iran auch Indien und Pakistan aufgenommen werden, bedeutet einen schweren Schlag für Washingtons Strategie der Einkreisung Chinas.

 

Angefangen mit der Ausrufung des »Kriegs gegen den Terror« nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat die damalige US-Regierung George W. Bush Pakistan in den Afghanistankrieg hineingezogen, buchstäblich mit gezogener Waffe, die auf General Musharrafs Kopf gerichtet war. Gleichzeitig versuchte Washington, Indien, traditionell ein Feind Pakistans, in eine neue, vornehmlich gegen China gerichtete »Sonderbeziehung« mit Washington zu locken.

 

Die Mongolei, Heimat des legendären Dschingis Khan, die heute zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt zählt, war jahrzehntelang die Mongolische Volksrepublik, eng verbunden mit der Sowjetunion bis zu deren Zusammenbruch im Jahr 1991.

 

Wenn sie nun in die SOZ aufgenommen wird, bedeutet das eine erhebliche Schwächung für den Plan der NATO, in dieser strategisch wichtigen Region einen Keil zwischen China und Russland zu treiben.

 

Alles, was sie brauchen

 

Die Länder der erweiterten SOZ haben jetzt alles, was sie brauchen, um vielleicht für das ganze nächste Jahrhundert zum Zentrum globalen Wirtschaftswachstums zu werden – vorausgesetzt natürlich, es kommt nicht zu einem Krieg. Und ebenso vorausgesetzt, sie machen nicht den Fehler, privaten Banken einen Blankoscheck über ihre Volkswirtschaften auszustellen.

 

In diesem Zusammenhang ist es aufschlussreich, das mittlerweile berühmte Buch eines amerikanischen Schülers der britischen Geopolitik, Zbigniew Brzeziński, zu zitieren. In seinem Buch Die einzige Weltmacht erklärt der Berater des US-Präsidenten:

»Das Gebot lautet, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen und damit auch für Amerika eine Bedrohung darstellen könnte. Ziel dieses Buches ist es deshalb, im Hinblick auf Eurasien eine umfassende und in sich geschlossene Geostrategie zu entwerfen. (Seite 16)

In diesem Zusammenhang kommt es darauf an, wie Amerika mit Eurasien umgeht. … Eine Macht, die Eurasien beherrscht, würde über zwei der drei höchstentwickelten und wirtschaftlich produktivsten Regionen der Erde gebieten. Ein Blick auf die Landkarte genügt, um zu erkennen, dass die Kontrolle über Eurasien fast automatisch die über Afrika nach sich zöge und damit die westliche Hemisphäre und Ozeanien [Australien] gegenüber dem zentralen Kontinent der Erde geopolitisch in eine Randlage brächte. Nahezu 75 Prozent der Weltbevölkerung leben in Eurasien, und in seinem Boden wie auch seinen Unternehmen steckt der größte Teil des materiellen Reichtums der Welt. Eurasien stellt 60 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts und ungefähr drei Viertel der weltweit bekannten Energievorkommen. (Seite 54)«

Professor Alexei Maslow von der Moskauer Hochschule für Ökonomie sprach über die Bedeutung der Ausweitung der SOZ-Mitgliedschaft auf den Iran und die anderen Beobachterstaaten, die nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen jetzt endlich zustande kommt: »Die SOZ ist auf dem Weg, ein Gegengewicht zur Rolle der NATO in Asien zu bilden. Dementsprechend wollen diese Länder aktiv an der SOZ beteiligt sein, die sie als Hüter ihrer Interessen betrachten. Gegenwärtig erstarkt die SOZ, weil die amerikanische Politik gegenüber Asien übermäßig hart darauf gerichtet ist, die Interessen dieser Länder zu unterdrücken.«

 

Die Aufnahme der neuen Mitglieder erfolgt im Anschluss an das Treffen der BRICS-Staaten im vergangenen Monat in Brasilien, bei dem sich Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika auf die Gründung einer unabhängigen BRICS-Infrastrukturbank geeinigt hatten, die zum von Washington kontrollierten IWF und der Weltbank in Konkurrenz treten soll. Dass die eurasische SOZ nun bald zehn Mitglieder umfassen wird, bedeutet einen weiteren schweren Schlag für Brzezińskis und Washingtons Traum von den USA als einziger Supermacht.

 

Bleibt die Frage, wie die »amerikanischen Oligarchen« – David Rockefeller, Bill Gates, die Familie Bush und andere – auf das Entstehen einer multipolaren Welt reagieren werden. Washingtons Krieg in der Ukraine deutet darauf hin, dass ihre einzige Antwort darauf bestehen wird, einen neuen Weltkrieg auszulösen,wie sie es schon einmal vor 100 Jahren getan haben, als das britische Weltreich existenziell bedroht war.

 

 

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Leser-Kommentare (23) zu diesem Artikel

21.08.2014 | 21:06

Ulrich

@Peter R., ich denke Sie haben Recht, ich würde auch nicht gerne "unter russischer Herrschaft" leben. Das wäre aber auch nicht die Absicht der jetzigen russischen Führung. Ich habe mir vor ein paar Tagen nochmals "Putin´s Liebeserklärung an die Deutschen" bei youtube angesehen, und da hat er alles Wichtige in wunderbarer Sprache (auf deutsch) mitgeteilt, mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Dieses Video kann ich nur jedem empfehlen!


19.08.2014 | 05:09

Peter R

Unter russischer Herrschaft zu leben ist gewiss genauso wenig interessant, wie unter der USA als "Weltverbesserer" Was uns die angloamerikanische Kultur bringt, bzw gebracht hat, sehen wir jeden Tag im Fernsehen. Volksverdummung nennt sich das. Europa könnte als wichtiges Zünglein an der Waage, jetzt die entscheidende, bessere Richtung vorgeben. Nur habe ich daran starke Zweifel, denn EUROPA ist die Abkürzung für: Eine Unmenge Riesiger Ochsen Pariert Amerika.


19.08.2014 | 00:44

Ulrich

Die Waffe, mit der diese wahnsinnigen Vertreter der "Neuen Weltordnung" zurückgeschlagen werden können, ist die Abkehr vom betrügerischen Schneeballsystem (Zins- und Zinseszins- System) der Federal Reserve Bank. Und genau hier setzen die SOZ- und BRICS- Staaten an. Wenn der Dollar als Welt- Leitwährung verschwindet, löst sich auch die restliche Macht der "Achse des Bösen" auf. Gefährlich ist es natürlich trotzdem, denn die "Erleuchteten" haben eine...

Die Waffe, mit der diese wahnsinnigen Vertreter der "Neuen Weltordnung" zurückgeschlagen werden können, ist die Abkehr vom betrügerischen Schneeballsystem (Zins- und Zinseszins- System) der Federal Reserve Bank. Und genau hier setzen die SOZ- und BRICS- Staaten an. Wenn der Dollar als Welt- Leitwährung verschwindet, löst sich auch die restliche Macht der "Achse des Bösen" auf. Gefährlich ist es natürlich trotzdem, denn die "Erleuchteten" haben eine unglaubliche Militärmaschinerie zur Verfügung, sind bereit, sie einzusetzen, und denken,in ihren unterirdischen Basen und Städten auch nach einem Atomkrieg weiterleben zu können. Wie gesagt, ich halte sie wirklich im wahrsten Sinne des Wortes für geisteskrank. Aber die Hoffnung (auf bessere Zeiten) stirbt zuletzt ...


19.08.2014 | 00:33

Ulrich

Ich hoffe inbrünstig, dass dieser Wahnsinn der anglo-amerikanischen "Neuen Weltordnung", sprich faschistischen Weltdiktatur bald zu Ende geht, je schneller, desto besser! Wenn ich das noch erleben könnte, würde ich vielleicht doch noch zum Glauben an Gott zurückfinden. Denn was seit Jahrhunderten, speziell in der heutigen Zeit stattfindet, ist doch wahrhaftig "des Teufels"!


18.08.2014 | 17:58

hans sundermann

Auch wenn ich weiß,daß der Großteil der Koppleser dreidimensional denkende Materialisten ( die Betonung liegt in diesem Fall auf denkend) sind, doch der Hinweis: In dem Buch der Bücher - die Bibel - sind mehr als 300 Prophetien ausgesprochen, die allesamt eingetroffen sind. Mögen doch die geneigten Leser einmal in Wickpedia den Begriff "Gog von Magog" eingeben. Anschließend eine Bibel kaufen und alle Begriffe mit dem Fürsten von Magog suchen, anschließend den 1.Mose 10...

Auch wenn ich weiß,daß der Großteil der Koppleser dreidimensional denkende Materialisten ( die Betonung liegt in diesem Fall auf denkend) sind, doch der Hinweis: In dem Buch der Bücher - die Bibel - sind mehr als 300 Prophetien ausgesprochen, die allesamt eingetroffen sind. Mögen doch die geneigten Leser einmal in Wickpedia den Begriff "Gog von Magog" eingeben. Anschließend eine Bibel kaufen und alle Begriffe mit dem Fürsten von Magog suchen, anschließend den 1.Mose 10 - Völkertafel - aufschlagen und die richtige Zuordnung vornehmen. Nicht erschrecken, manche Erkenntnisse tun weh.J


18.08.2014 | 13:39

Margrit Steer

Sind viellkeicht die USA deshalb momentan so scharf dabei mit Putin zu stichlen und benutzen de EU und Merkel dazu?

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