Samstag, 21. Januar 2017
01.08.2016
 
 

Graham E. Fuller, wo waren Sie in der Nacht vom 15. Juli?

F. William Engdahl

Vieles ist über den gescheiterten Putschversuch in der Türkei vom 15. Juli geschrieben worden. Die Regierung Erdoğan hat auf den im Exil lebenden Fethullah Gülen in Saylorsburg, Pennsylvania, hingewiesen und förmlich seine Auslieferung gefordert, damit er sich türkischen Gerichten stellt. Washington hat das bisher verweigert.

 

Da innerhalb der Türkei landesweit weiterhin umfangreiche Nachforschungen der Polizei und Sicherheitskräfte laufen, tauchen fast täglich neue vernichtende Einzelheiten auf, die auf die Schlüsselrolle der CIA hinter ihrer Fethullah-Gülen-Bewegung (genannt »FETO« für »Fethullah, Terrororganisation« auf Türkisch) und auf das US-Militär verweisen. Jetzt berichten die türkischen Medien, dass niemand anderer als Gülens Mentor, der »ehemalige« CIA-Mann Graham E. Fuller, sich zusammen mit einer anderen »ehemaligen« CIA-Person, dem engen Mitarbeiter Fullers Henri J. Barkey, in der Nacht vom 15. Juli in einem Luxushotel auf einer der Prinzessinnen-Inseln im Marmarameer, etwa 20 Minuten von Istanbul entfernt, aufgehalten hat.

 

Während Washington unnachgiebig jede und alle Beteiligungen an dem gescheiterten türkischen Putschversuch vom 15. Juli bestreitet, enthüllen türkische Medien detaillierte Informationen über die Beteiligung zentraler US-Persönlichkeiten als angebliche Organisatoren des Putschversuchs. Dazu gehört auch der frühere Kommandeur der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe der NATO in Afghanistan (ISAF), Armeegeneral John F. Campbell. Neue Enthüllungen nennen jetzt auch Henri J. Barkey, einen ehemaligen CIA-Mann, der zurzeit als Bernard L. and Bertha F. Cohen Professor an der Lehigh University in Bethlehem, Pennsylvania, tätig ist, und nur bequeme 26 Meilen oder 30 Minuten Fahrt über die PA-33 von Saylorsburg, dem Sitz des im Exil lebenden Fethullah Gülen, entfernt lebt. i

 

Laut Yeni Şafak, einer Istanbuler Tageszeitung, hatten sich in der Putschnacht des 15. Juli Henri Barkey und eine Gruppe von weiteren Personen, zumeist Ausländer, stundenlang in einem verschlossenen Raum im Splendid Palas Hotel auf der touristisch interessanten Prinzessinnen-Insel vor den Toren Istanbuls aufgehalten. Dem Vernehmen nach verfolgten sie bei ihren Gesprächen hinter verschlossenen Türen – laut Aussagen des Hotelpersonals – die Entwicklungen des Putsches im Fernsehen. Das Papier beruft sich auf eine Quelle der Einheiten für Nachrichtenwesen, Terrorbekämpfung, Cyber-Kriminalität und Strafverfolgung der Istanbuler Polizei. Diese berichteten, dass Barkey am 15. Juli, dem Tag des gescheiterten Putschversuchs in der Türkei, in dem Hotel ein Treffen mit 17 hochrangigen Personen, die meisten davon Ausländer, abhielt.

 

Nach Aussagen des Hotel-Managements hielt Barkey eine »Sitzung in einem speziellen Raum ab, die stundenlang bis in den Morgen des 16. Juli hinein dauerte. Sie verfolgten den Putschversuch über Fernsehkanäle«, so das Hotelpersonal gegenüber der Polizei. ii

 

Auch Graham E. Fuller?

 

Andere Berichte von unabhängigen, meist gut informierten türkischen Journalisten besagen, dass sich unter den anwesenden Gästen bei Barkey in der Putschnacht auch der frühere CIA-Führungsoffizier und ehemalige CIA-Stationsleiter in der Türkei, der Mentor von Fethullah Gülen, Graham E. Fuller, befand. Das wäre keine Überraschung. Fuller und Barkey sind beide alte CIA-Mitarbeiter in Langley. Beide waren lange mit türkischen Angelegenheiten befasst. Sie haben sogar zusammen ein Buch mit dem Titel »Turkey’s Kurdish Question« (Die kurdische Frage der Türkei) geschrieben. iii

Tatsächlich hat anscheinend vor Kurzem den 78-jährigen gewitzten CIA-Veteranen Fuller der Hafer gestochen. Er behauptet, sich vor Jahren von der Agentur in den Ruhestand verabschiedet zu haben, als er an die mit der CIA verbundene RAND Corporation übergewechselt ist. Doch tauchte er während des Bombenanschlags beim Bostoner Marathonlauf wieder aus der Versenkung auf, offenbar um aus einem Gefühl heraus sofort zu versuchen, seine Verbindung zu den beiden tschetschenischen Brüdern, die wegen dieses Ereignisses angeklagt worden waren, abzustreiten. Fuller musste später zugeben, dass die Brüder Zarnajew einen Onkel hatten, den »Onkel Ruslan«, auch bekannt als Ruslan Zarnajew, der früher einmal bei Dick Cheneys Firma Halliburton in Zentralasien gearbeitet hatte. Onkel Ruslan hatte eine Weile in Fullers Hause gelebt, als er Fullers Tochter heiratete. iv Das war bizarr genug, aber sicher nur ein »Zufall« ... Doch wenn Fuller nicht den Wunsch gehegt hatte, die Scheinwerfer auf sich selbst zu ziehen, hätte er besser daran getan, nur den Mund zu halten und es hochkochen zu lassen. Das war nicht sehr professionell für einen ehemaligen CIA-Spion.

 

Jetzt beeilte sich Fuller wieder, auf seinem persönlichen Blog zu bestreiten, dass er hinter Fethullah Gülen und dem türkischen Coup stand. Seine Blog-Mitteilung ist ein weit ausholender Lobgesang auf seinen Protegé Gülen. Er schreibt: »Gülen stammt aus einer unpolitischen, mehr sufistischen, mystischen und sozialen Tradition. Gülen ist an einem langsamen, tiefen sozialen Wandel, einschließlich einer höheren weltlichen Ausbildung interessiert ... Wenn ich mir den dramatisch fehlgeschlagenen Putschversuch gegen Erdoğan der letzten Woche betrachte, ist es – glaube ich – recht unwahrscheinlich, dass Gülen der Drahtzieher dahinter war.« Erdoğan hat meines Wissens nie Gülen »Drahtzieher hinter dem Putsch« genannt. Er hat gesagt, dass das Gülen-Netzwerk eine Schlüsselrolle bei seiner Durchführung gespielt hat. Die Drahtzieher sitzen, wenn man den Begriff wohlwollend gebraucht, an anderer Stelle, in Tampa, Florida, im Hauptquartier von Centcom und in Langley, Virginia.

 

Trotz Fullers ungeschickten Versuchs, Gülen reinzuwaschen, ist gut dokumentiert, dass die gleiche vom CIA unterstützte Organisation Gülens in den 1990er-Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, sich beeilte, in allen ehemals sowjetischen zentralasiatischen Republiken von der Türkei über Tschetschenien bis Dagestan in Russland, über Usbekistan, Kirgisistan und bis Xinjiang in China Gülen-Schulen einzurichten.

 

1999 empfahl Fuller, als er noch bei der RAND Corporation war, muslimische Kräfte einzusetzen, um die Interessen der USA in Zentralasien gegen China und Russland zu fördern. Er erklärte: »Die Politik, die Weiterentwicklung des Islam anzuleiten und ihn gegen unsere Gegner zu unterstützen, hat sich gegen die Russen in Afghanistan wunderbar bewährt. Die gleichen Lehren lassen sich weiterhin anwenden, um das zu destabilisieren, was an russischer Macht übrig geblieben ist, und vor allem, um dem chinesischen Einfluss in Zentralasien entgegenzuwirken.«v

 

Fullers Buch Turkey's New Geopolitics: From the Balkans to Western China (Die Neue Geopolitik der Türkei: Vom Balkan bis Westchina) wurde 1993 veröffentlicht, gerade als Gülens Organisation eine Reihe von Gülen-Schulen errichtete, die es auf die Kinder der örtlichen Eliten Zentralasiens auf der ganzen Strecke bis hinunter in die Provinz Xinjiang in Westchina, der Heimat vieler muslimischer Turkvölker, der Uiguren, abgesehen hatten. Bis Mitte der 1990er-Jahre, Mitten im Chaos der postsowjetischen Boris-Jelzin-Ära, gab es über Kasachstan, Tadschikistan, Aserbaidschan, Turkmenistan, Kirgisistan, Usbekistan und sogar Dagestan und Tatarstan in Russland verstreut über 75 Gülen-Schulen.

 

2011 ließ Osman Nuri Gündeş, ehemaliger Leiter des Auslandsgeheimdienstes für die »türkische CIA« und ab Mitte der 1990er-Jahre Erster Geheimdienstberater von Premierministerin Tansu Çiller, mit seinem Buch, das nur auf Türkisch veröffentlicht wurde, eine Bombe platzen. Darin deckte Gündeş, damals 85 Jahre alt und im Ruhestand, auf, dass in den 1990er-Jahren die Gülen-Schulen, die damals überall in Zentralasien auftauchten, Hunderten von CIA-Agenten unter dem Deckmantel »muttersprachlicher Englischlehrer« einen Standfuß boten. Nach Gündeş »deckte die Gülen-Bewegung auf diese Weise an ihren Schulen allein in Kirgisistan und Usbekistan 130 CIA-Agenten«.vi

 

Vollständige Offenlegung?

 

Dann gestand Fuller noch etwas ein, dass ein »Mir scheint, du protestierst zu viel« nahelegt. Er schreibt: »Vollständige Offenlegung: Es ist öffentlich dokumentiert, dass ich im Jahr 2006 als Privatmann im Zusammenhang mit Gülens Antrag auf eine Greencard (Arbeitserlaubnis) einen Brief geschrieben habe, in dem ich darlege, dass ich nicht glaube, Gülen stelle eine Gefahr für die Sicherheit der USA dar ...«vii

 

Natürlich liefern Langley-Spione ihrer Natur nach niemals eine »vollständige Offenlegung«. Fuller unterlässt den Hinweis, dass sein Brief von einem zweiten, 31 Jahre lang leitenden CIA-Veteranen, George Fidas, und von einem angeblichen CIA-Mann, dem damaligen US-Botschafter in der Türkei, Morton Abramowitz, selbst Vorstandsmitglied von George Soros‘ internationaler Crisis Group, unterzeichnet worden war. Sibel Edmonds, ehemalige Übersetzerin des FBI aus dem Türkischen und »Whistleblowerin«, machte Abramowitz zusammen mit Graham E. Fuller als Teil einer finsteren Kabale innerhalb der US-Regierung namhaft, die, wie sie herausgefunden hatte, Netzwerke aus der Türkei benutzte, um ein kriminelles »Deep state«-Vorhaben (»tiefer Staat«, Bezeichnung für einen antidemokratischen Staatsapparat innerhalb des Staates) im gesamten Bereich der Turkvölker von Istanbul über die gesamte russische Föderation bis nach China voranzubringen. Zum Netzwerk, das sie dokumentierte, gehörten auch bedeutende Beteiligungen am Heroinhandel aus Afghanistan – vielleicht eine der Quellen für Gülens großen Reichtum. viii

 

Fuller unterlässt es auch zu sagen, dass das US-Außenministerium seiner erfolgreichen Intervention zur Gewährung des Sonderstatuts einer unbegrenzten Greencard für Gülen durch die CIA widersprochen hat. Dessen Anwälte hatten ausgeführt: »Aufgrund der großen Geldmenge, die Gülens Bewegung einsetzt, um ihre Projekte zu finanzieren, gibt es Behauptungen, dass er geheime Abkommen mit Saudi-Arabien, dem Iran und mit Turk-Regierungen unterhält. Es bestehen Verdachtsmomente, dass die CIA die Finanzierung dieser Projekte mitträgt.« ix

 

Die Vorstellung, dass Graham E. Fuller an dem vorliegenden CIA-Gülen-Putschversuch in der Türkei beteiligt sein dürfte, erhält durch eine weitere Bekundung Fullers zusätzlich Glaubwürdigkeit. Fuller hatte in den 1980er-Jahren, damals noch bei der CIA, eine Schlüsselrolle im Krieg der Mudschahedin gegen die Sowjetunion in Afghanistan gespielt. Das war ein Guerillakrieg, für den die CIA einen jungen Saudi-Araber namens Osama bin Laden rekrutiert hatte, um die Terror-Ausbildung islamischer Dschihadisten in Pakistan zu beaufsichtigen.

 

Das Ziel von Fullers ungewöhnlichem Blog-Eintrag ist eindeutig. Er will klarstellen, dass weder er, Fuller, noch sein Protegé, Gülen, etwas mit dem Coup zu tun hatte. Daher müssen wir fragen: »Graham E. Fuller, wo waren Sie in der Nacht des 15. Juli?«

 

Der General mit zwei Milliarden Dollar

 

Einzelheiten sind auch aufgetaucht, die die Rolle einer militärischen Schlüsselfigur bei der Instrumentierung des türkischen Militärs für den gescheiterten Putsch nahelegen. Laut Yeni Şafak, einer Erdoğan nahestehenden Zeitung, hat der kürzlich in den Ruhestand versetzte Leiter des US-Kommandos in Afghanistan, ISAF, General John F. Campbell, sich nicht wie im März dieses Jahres angekündigt zurückgezogen, um seinen Rosengarten zu pflegen und Golf zu spielen. Er hatte schon etwa acht Monate zuvor einen geheimen Auftrag erhalten, die türkische Militärführung für den Putsch zu gewinnen. Schon damals war offensichtlich geplant worden, Erdoğan zugunsten einer Übernahme des Landes und seiner wichtigsten Institutionen durch Gülen zu beseitigen. Man berichtet, dass Campbell vom Mai bis zum Tag des Putschversuchs in der Türkei mindestens zwei geheime Besuche zu streng geheimen Treffen auf dem Militärstützpunkt in Erzurum und auf dem NATO-Flughafen Incirlik bei Adana unternommen hatte.x

 

Genauso interessant ist der detaillierte Bericht der Zeitung, wie Campbell angeblich über einen Geldbetrag von zwei Milliarden Dollar verfügte, um damit die Kufen des türkischen Offizierskorps für den geplanten Putsch zu schmieren. Sie schrieb, dass die Niederlassung der United Bank of Africa Plc. (UBA) in Nigeria der wichtigste Ausgangspunkt der Geldgeschäfte mit den Putschisten war: »Millionen von Dollar waren von einer Gruppe CIA-Angehöriger von Nigeria in die Türkei transferiert worden. Das Geld, das an ein Spezialteam der CIA von 80 Personen gegangen war, wurde dazu verwendet, Generäle vom Putsch zu überzeugen.«xi

 

Für zwei Milliarden Dollar kann man vermutlich eine Menge Generäle kaufen. Der gleiche Bericht stellte fest, dass die CIA laut der gleichen Quelle die starke Verbreitung von Gülens Cemaat-Netzwerken in der Zentral- und Ost-Türkei für den geplanten Putsch eingesetzt hat. Der Bericht der Yeni Şafak gibt Zeugenaussagen von Gefangenen darüber wieder, wie das Militär für den Putsch unter den türkischen Offizieren auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik rekrutiert worden war: »Die Unterstützer, die auch unter der Kategorie ›diejenigen, die mit uns gehen‹ geführt wurden, erhielten eine gewaltige Menge Geld. Alle Soldaten und Offiziere in dieser Kategorie galten als ergebene Mitglieder der FETO-Terrorgruppe (d.h. der Organisation Gülen).«xii

 

Als meine Quellen haben mir unabhängige türkische Journalisten gesagt, dass die Infiltration der CIA in das türkische Militär über Jahrzehnte hinweg abgelaufen sei. Das geschah als Teil eines Vorgangs, bei dem alle nationalistischen, kemalistischen Generäle, die sich einer islamistischen Türkei unter Gülens Führung widersetzen könnten, hinausgedrängt wurden. Nach diesen Berichten wurden den Gülen-Rekruten in den unteren Rängen des Militärs heimlich die Antworten auf alle militärischen Prüfungsfragen zugesteckt, um ihre Aufnahme in die Offiziersränge sicher zu stellen. Diese Quellen schätzen, dass vor dem 15. Juli möglicherweise über 50 Prozent der oberen Ränge der türkischen Armee von Gülens Generälen besetzt waren.

 

Das Bild, das sich daraus von Gülen und seiner Organisation ergibt, ist kaum das, was Graham E. Fuller als »eine apolitische, mehr sufistische, mystische und soziale Tradition« beschreibt. Tatsächlich war Gülen Ende der 1990er-Jahre gezwungen, in die USA zu fliehen, nachdem die türkische Geheimpolizei seine Predigt hinter verschlossenen Türen an seine engsten Anhänger mitgeschnitten hatte. Darin soll er gesagt haben: »Ihr müsst, ohne dass jemand eure Existenz bemerkt, in den Arterien des Systems vordringen, bis ihr alle Machtzentren erreicht habt ... Ihr müsst die Zeit abwarten, bis ihr vollzählig seid und die Bedingungen reif sind, dass wir die ganze Welt auf unsere Schultern nehmen und sie tragen können ... Ihr müsst bis zu diesem Zeitpunkt warten, da ihr die ganze Staatsmacht in der Türkei in der Hand habt ...«xiii Das klingt ein bisschen nach Lenin mit einem Koran.

 

Dunfords überstürzte Reise

 

Einiges an wirklichem Feuer muss es hinter all dem Rauch geben, der aus der Türkei und der Regierung Erdoğan seit dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli aufsteigt. Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs der USA, Joseph »Fightin Joe« (»kämpfender Joe«) Dunford trat am 31. Juli überstürzt einen unerwarteten Besuch in die Türkei an.

 

Zum ersten Mal seit dem Putsch beschuldigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am 29. Juli General Joseph Votel, den Kommandeur des Zentralen Kommandos der Vereinigten Staaten, öffentlich, »auf der Seite der Putschisten zu stehen«. Bei einem Seminar der Denkfabrik des Aspen-Instituts in Washington hatte Votel am 28. Juli erklärt: »Wir hatten sicherlich Beziehungen zu vielen türkischen Politikern, insbesondere zu militärischen Führern. Ich mache mir daher Sorgen, was die Auswirkungen auf diese Beziehungen sein werden, während wir so weiter machen.« Er bezog sich auf die inhaftierten militärischen Gefangenen in der Türkei. Darauf antwortete Erdoğan: »Es ist nicht Ihre Sache, solche Entscheidungen zu treffen. Wer sind Sie? Erkennen Sie Ihre Stellung!«xiv

 

Je nachdem, was Erdoğan jetzt mit welchen Ländern weiterhin unternimmt, ob er formell die Türkei aus der NATO zurückzieht, ob er nach seinem für den 9. August angesetzten Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Unterstützung der Türkei beim Sturz des Assad-Regimes in Syrien ändert und sich Russland näher anschließt und vom Westen Abstand nimmt, könnte dies die gesamte geopolitische Situation der USA im Nahen Osten, in Eurasien bis hin zu Russland und darüber hinaus sogar bis nach China zu einer Katastrophe für die einst arroganten Putschisten, die alten gelangweilten Patriarchen der CIA und ihren Protegé Gülen werden lassen. Die nächsten Monate werden offensichtlich auf eine höchst unvorstellbare Weise kritisch werden.

 

 

 

Anmerkungen:


i Yeni Şafak, »CIAs clandestine meeting in Istanbul on coup night« (Geheimes Treffen der CIA während der Putschnacht in Istanbul), 25. Juli 2016.

ii Ibid.

iii Privater Austausch von E-Mails zwischen dem Autor und unabhängigen türkischen Journalisten über die Presseberichterstattung in türkischer Sprache vom 29. Juli.

iv F.William Engdahl, The Lost Hegemon: Whom the gods would destroy (Der verlorengegangene Hegemon, den die Götter vernichten würden), Wiesbaden, mineBooks, Kapitel 10, »The CIA Backs an Ottoman Caliphate in Eurasia« (Die CIA unterstützt ein ottomanisches Kalifat in Europa).

v Richard Labeviere, Dollars for Terror: The United States and Islam (Dollars für den Terror: Die Vereinigten Staaten und der Islam), Algora Publishing, 2000, S. 6.

vi Sibel Edmonds, »Additional Omitted Points in CIA-Gulen coverage & A Note from The Insider«, (Weitere unterlassene Punkte in der Berichterstattung über CIA/Gülen und eine Bemerkung aus The Insider), in: Boiling Frogs Post, 11. Januar 2011.

vii Graham E. Fuller, »Islamists at War in Turkey« (Islamisten im Krieg in der Türkei), 20. Juli 2016.

viii Sibel Edmonds, »Boston Terror CIAs Graham Fuller and NATO CIA Operation Gladio B Caucasus and Central Asia« (Boston Terror, Graham Fuller von der CIA und Gladio B Operation der NATO/CIA im Kaukasus und in Zentralasien), in: Boiling Frogs Post, 27. April 2013.

ix F. William Engdahl, a. a. O.

x Yeni Şafak, »US Commander Campbell: The man behind the failed coup in Turkey« (US-Kommandeur Campbell: Der Mann hinter dem fehlgeschlagenen Putsch in der Türkei), 25. Juli 2016.

xi Ibid.

xii Ibid.

xiii F. William Engdahl, a. a. O.

xiv Daily Sabah, »US Joint Chiefs of Staff chairman Gen. Dunford to visit Turkey following coup attempt« (Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs der USA, General Dunford, zu Besuch in der Türkei nach dem Putschversuch), 29. Juli 2016.

 

 

 

 

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