Sunday, 26. June 2016
23.06.2014
 
 

ISIS im Irak riecht nach einer Operation »Schmutziger Krieg« von CIA und NATO

F. William Engdahl

Seit der dramatischen Einnahme von Mosul am 10. Juni sind die westlichen Mainstreammedien voll von Horrorstorys über die militärische Eroberung des Irak durch die Kämpfer der Bewegung Islamischer Staat in Irak und Syrien mit der merkwürdigen Abkürzung »ISIS« – in der ägyptischen Mythologie ist Isis die Göttin der Fruchtbarkeit und der Magie. Das Bild, das die Medien präsentieren, ergibt immer weniger Sinn.

 

An die Öffentlichkeit gelangte Details deuten darauf hin, dass ISIS und der militärische »Aufstand« im Irak und in geringerem Maße auch im Nachbarland Syrien von Langley, Virginia und anderen CIA- und Pentagon-Stellen geplant und gelenkt wird – und zwar als nächste Stufe

der Verbreitung von Chaos im Irak, dem zweitgrößten Ölstaat der Welt, und in Syrien, um dort die jüngsten Bemühungen um eine Stabilisierung der Lage zu unterlaufen.

 

Seltsame Fakten

 

Schon die Einzelheiten des militärischen Erfolgs des ISIS im irakischen Erdölzentrum Mosul sind suspekt. Nach Angaben gut informierter irakischer Journalisten überrannte der ISIS die strategisch wichtige Region Mosul, Sitz einiger der ergiebigsten Erdölquellen der Welt, praktisch ohne Gegenwehr.

 

Einem Bericht zufolge erzählten Einwohner von Tikrit von Szenen, bei denen »Soldaten friedlich ihre Waffen und Uniformen an Kämpfer übergaben, von denen man normalerweise erwartet hätte, sie würden Regierungssoldaten auf der Stelle erschießen«.

 

Quelle: Privatfoto ohne weitere Angaben

 

Man erzählt uns, maskierte Psychopathen des ISIS hätten »Waffen und Munition von den flüchtenden Sicherheitskräften« erbeutet – Waffen und Munition, die von der amerikanischen Regierung geliefert worden waren. Die Offensive fällt zeitlich mit einem erfolgreichen Vorstoß des ISIS im Osten Syriens zusammen. Wie irakische Journalisten melden, waren sunnitische Stammesoberhäupter in der Region dafür gewonnen worden, sich mit dem ISIS gegen die Regierung des Schiiten al-Maliki in Bagdad zu verbünden. Man versprach ihnen bessere Bedingungen unter einer ISIS-Sunni-Scharia als unter Bagdads antisunnitischer Herrschaft.

 

Laut New York Times ist der Kopf hinter dem militärischen Erfolg des ISIS der General Ibrahim al-Duri, ehemals Chef der Baath-Partei und Nachfolger Saddam Husseins. Al-Duri ist angeblich der Chef der irakischen Rebellengruppe Armee der Männer des Naqshbandi-Ordens und des Obersten Kommandos für Dschihad und Befreiung, jeweils gestützt auf seine langjährige Führungsposition in der Naqshbandi-Sekte im Irak.

 

2009 erklärte US-General David Petraeus als Chef des US Central Command vor Reportern, al-Duri halte sich in Syrien auf. Irakische Parlamentsabgeordnete hingegen behaupteten, er sei in Katar. Seltsam ist, dass es al-Duri, der seit 2003 auf der US-Liste der meistgesuchten Männer im Irak stand, auf wundersame Weise geschafft hat, einer Verhaftung zu entgehen und jetzt zurückzukehren und weite sunnitisch geprägte Landesteile zurückzuerobern. Glück, oder gut platzierte Freunde in Washington? Auch die finanzielle Unterstützung für die ISIS-Dschihadisten kommt Berichten zufolge von den drei engsten Verbündeten der USA in der sunnitischen Welt – Kuwait, Katar und Saudi-Arabien.

 

US-amerikanische Pässe?

 

Jetzt melden gut informierte jordanische Stellen, dass Schlüsselmitglieder des ISIS 2012 von amerikanischen CIA- und Sondereinsatzkräften in geheimen Lagern in Jordanien ausgebildet wurden. Der amerikanische, türkische und jordanische Geheimdienst hätten in der jordanischen Stadt Safawi in der nördlichen Wüstenregion unweit der Grenze zu Syrien und zum Irak ein Trainingscamp für syrische Rebellen unterhalten. Saudi-Arabien und Katar, die beiden Golfmonarchien, die den Krieg gegen Assad in Syrien maßgeblich finanzieren, hätten auch für das Training des ISIS in Jordanien bezahlt.

 

Öffentlich war von einem Training »nicht-extremistischer« muslimischer Dschihadisten für den Kampf gegen das Assad-Regime in Syrien die Rede, in Wirklichkeit wurden in den geheimen US-Trainingscamps in Jordanien und anderen Ländern vielleicht mehrere Tausend muslimische Kämpfer in Techniken der irregulären Kriegsführung, Sabotage und allgemeiner Terroroperationen ausgebildet. Washingtons Behauptung, man habe besonders darauf geachtet, keine »Salafisten« oder Dschihad-Extremisten auszubilden, ist ein Witz. Wie wollen sie denn testen, ob ein Rekrut kein Dschihadist ist? Gibt es eine spezielle Dschihad-DNS, die CIA-Ärzte entdeckt haben?

 

Jordanische Regierungsvertreter enthüllen die Einzelheiten, weil sie fürchten, dass dieselben ISIS-Terroristen, die heute auf den Straßen Mosuls »Ungläubige« zu Dutzenden oder – wenn wir ihrer eigenen Propaganda Glauben schenken – zu Hunderten enthaupten, ihre Schwerter schon bald gegen Jordaniens König Abdullah richten könnten, um ihr angehendes Kalifat zu erweitern. Der frühere Mitarbeiter im US-Außenministerium Andrew Doran schrieb in dem konservativen Magazin National Review, einige ISIS-Kämpfer besäßen US-amerikanische Pässe. Das bedeutet natürlich keine Unterstützung durch die Obama-Regierung. Hmm…

 

Der iranische Journalist Sabah Zanganeh betont: »ISIS war nicht stark genug, Mosul allein zu erobern und zu besetzen. Was geschehen ist, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Sicherheits- und Geheimdiensten einiger Länder der Region und extremistischen Gruppen innerhalb der irakischen Regierung.«

 

Tschetschenischer Kommandeur?

 

Das nächste seltsame Steinchen des ISIS-Puzzles ist der Dschihadist, der als »militärischer Lenker« der jüngsten ISIS-Siege genannt wird, Tarkan Batiraschwili. Wenn dieser Name nicht sehr arabisch klingt, dann deshalb, weil er nicht arabisch ist. Tarkan Batiraschwili ist Russe, oder vielmehr ethnischer Tschetschene aus der tschetschenisch-georgischen Grenzregion. Um ihm jedoch ein etwas arabischeres Flair zu verleihen, wird er auch Emir (was sonst?) Umar al-Shishani genannt. Das Problem ist, dass er ganz und gar nicht arabisch aussieht. Kein dunkler, sondern vielmehr ein roter langer Bart – eine Art tschetschenischer Barbarossa.

 

Laut einem im November 2013 erschienenen Bericht des Wall Street Journal hat Emir Batiraschwili die Kriege in Syrien und im Irak zum »geopolitischen Kampf zwischen den USA und Russland« gemacht. Das war das Ziel führender Neokonservativer in CIA, Pentagon und State Department [Außenministerium]. Die CIA brachte Hunderte saudi-arabischer Mudschahedin und andere ausländische Veteranen aus dem Krieg gegen die Sowjets in Afghanistan nach Tschetschenien, um Russland, das Anfang der 1990er Jahre zu kämpfen hatte, zu bedrängen und insbesondere die russische Ölpipeline zu sabotieren, die direkt von Baku am Kaspischen Meer nach Russland verläuft. James Baker III und seine Freunde im angloamerikanischen Big Oil hatten einen anderen Plan. Er hieß BTC-Pipeline, gehörte einem US-BP-Erdölkonsortium und verlief über Tiflis in das NATO-Mitgliedsland Türkei, ohne russisches Territorium zu überqueren.

 

Batiraschwili ist nicht für Fürsorglichkeit bekannt. Im vergangenen Jahr musste er sich entschuldigen, nachdem er seinen Leuten befohlen hatte, einen verwundeten »feindlichen« Soldaten zu enthaupten, der sich dann als Kommandeur verbündeter Rebellen entpuppte. Über 8000 ausländische dschihadistische Söldner sind angeblich im ISIS aktiv, darunter mehrere Tausend Tschetschenen, aber auch Dschihadisten aus Saudi-Arabien, Kuwait, Ägypten und Berichten zufolge auch chinesische Uiguren aus der Provinz Xinjiang.

 

Laut Jeffrey Silverman, Vertreter der amerikanischen Website Veterans Today (VT) in Georgien, ist Batiraschwili »ein Produkt des gemeinsamen Programms der USA, des Potomac Institute über eine vom US-Geheimdienst gegründete Frontorganisation namens Jvari, Leuten vom Potomac Institute und des nationalen Sicherheitsrats von Georgien, das bis in die ersten Tage der Pankissi-Schlucht zurückreicht«. »Jvari« ist auch der Name eines berühmten orthodoxen Klosters aus dem 6. Jahrhundert in Georgien.

 

Was immer an Einzelheiten bekannt wird, schon jetzt ist klar, dass sich seit dem Fall von Mosul einige der größten Erdölfelder der Welt plötzlich in der Hand von Dschihadisten und nicht mehr einer irakischen Regierung befinden, die entschlossen ist, den Erdölexport deutlich zu erhöhen. Mehr zu diesem Aspekt lesen Sie in Kürze in einem weiteren Artikel.

 

 

 

 


 

 


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