Montag, 5. Dezember 2016
29.04.2014
 
 

Kiewer Putschregime marschiert in Richtung Krieg mit Russland

F. William Engdahl

Das US-gestützte Putschregime in Kiew hat einen weiteren Schritt in Richtung auf einen De-facto-Krieg mit Russland unternommen. Nach der kürzlich erlassenen Order, auf ethnisch russische Demonstranten in der Ostukraine zu schießen, wird jetzt russischen Piloten und Flugbegleitern untersagt, nach der Landung in Kiew das Flugzeug zu verlassen. Letzteres ist ein Verstoß gegen internationale Vereinbarungen, wonach zivilen Flugzeugbesatzungen bei Zwischenlandungen das Recht auf Ruhepausen garantiert wird.

Das russische Außenministerium, das sich auf Informationen der russischen Fluglinie Aeroflot berief, beschuldigte Kiewer Beamte, den Flugzeugbesatzungen bei Flügen in die ukrainische Hauptstadt die nach den Flugsicherheitsbestimmungen erforderlichen Ruhepausen zu verweigern. Wörtlich erklärte das Ministerium: »Russland besteht darauf, dass diese unverantwortlichen Praktiken der Ukraine, die die Sicherheit des zivilen Flugverkehrs gefährden, uneingeschränkt aufgegeben werden

Das provokative Vorgehen einer im Kern emotional instabilen Koalition aus ausgesprochenen Neonazis, US-Agenten und unzufriedenen ehemaligen Ministern erzeugt ein Klima, das die diplomatische Deeskalation der Konfrontation zwischen der Ukraine und Putins Russland verhindert. Laut der kürzlich in Genf erreichten Vereinbarung zwischen Russland, dem ukrainischen Putschregime, der EU und den USA sollten nicht nur ethnisch russische Demonstranten in der Ostukraine entwaffnet werden, sondern auch die 5000 bis 10 000 Mitglieder der selbst ernannten terroristischen »Sicherheits«-Kräfte innerhalb des Prawyj Sektor (Rechter Sektor).

 

Vorsicht vor dem Prawyj Sektor

 

Zum Zeitpunkt, wo dies geschrieben wird, lehnt es der durch den Putsch ins Amt gekommene Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine, Andrij Parubij, ab, einer Abstimmung seines eigenen Parlaments in Kiew Folge zu leisten, wonach die illegalen Kämpfer des paramilitärischen Prawyj Sektor entwaffnet werden sollen.

 

Parubij weigert sich nicht nur, die de facto ungesetzlichen Terroristen des Prawyj Sektor zu entwaffnen, sondern gestattet ihnen, in geordneter Formation durch die Straßen der Ukraine zu ziehen, wo sie laut zuverlässigen Berichten von Anwohnern die Häuser ethnischer Russen oder sogar neutraler ethnischer Ukrainer stürmen und »im Namen des Volkes« die »Privatisierung« des Eigentums verkünden.

 

Für jeden, der mit Parubijs Hintergrund vertraut ist, kommt das nicht überraschend. Er war nämlich nicht nur verantwortlich für die extrem gewalttätige »Verteidigung« der Opposition gegen die demokratisch gewählte (falls der Westen das vergessen sollte) Regierung Janukowytsch auf dem Maidan-Platz von November bis Februar. Parubij ist auch Mitbegründer der Sozial-Nationalen Partei der Ukraine. Der andere Gründer war Oleh Tjahnybok, heute Vorsitzender der Swoboda-Partei. In der Sozial-Nationalen Partei der Ukraine verbanden sich radikaler Nationalismus, offener Antisemitismus und neonazistische Züge, beispielsweise im Namen und in dem der »Wolfsangel« nachempfundenen Hakenkreuz-Emblem.

»Wolfsangel«-Nazi-Emblem der ehemaligen von Andrij W. Parubij gegründeten Partei

 

In den letzten Tagen sind CIA-Chef John Brennan und US-Vizepräsident Joe Biden nach Kiew geflogen, um der stümperhaft agierenden Putschregierung Anweisungen zu erteilen. Vorangegangen waren wachsendes Chaos und Positionskämpfe in und zwischen den rivalisierenden Koalitionsparteien, die alle die Wahlen am 25. Mai gewinnen wollen. Nachdem Brennans »Top-secret«-Besuch durch den russischen Geheimdienst bekannt gemacht wurde, musste die CIA dies kleinlaut einräumen.

 

Tage später gingen ukrainische Soldaten mit militärischer Gewalt gegen ethnisch russische Demonstranten in der Ostukraine vor. Die anfänglichen Versuche erinnerten eher an die unfähigen Polizisten aus der legendären amerikanischen Filmserie Keystone Kops als an eine ernsthafte militärische Einheit. Unbewaffnete ethnisch russische Großmütter und Hausfrauen stellten sich den Panzern in den Weg und oft wechselten die ukrainischen Soldaten die Seiten und überließen die Panzer den Demonstranten. Mit der nachfolgenden Erklärung des Verteidigungsministeriums in Kiew, wonach es sich um »bewusste Täuschungsmanöver« gehandelt habe, um die Demonstranten hereinzulegen, machte sich Kiew noch mehr zum Gespött der Welt.

 

Jetzt ist die Bühne dafür bereitet, still und heimlich die ausgebildeten Killer und Terroristen des Prawyj Sektor ins Spiel zu bringen. Dazu zählen Hunderte speziell NATO-trainierter Terrorkommandos der paramilitärischen neonazistischen Ukrainischen National-Versammlung und deren paramilitärischem Zweig, der Ukrainischen Nationalen Selbstverteidigung oder UNA-UNSO. Seit dem 22. März 2014 hat sich die UNA-UNSO-Partei formell dem Rechten Sektor angeschlossen.

 

Die Truppen der UNA-UNSO sind als »Gladio B« oder als verdeckte Eingreifgruppe der NATO bezeichnet worden, die für Sabotage und Guerillakrieg gegen den »Feind« ausgebildet wurde. Seit ihrer Gründung durch ethnisch ukrainische Veteranen des verheerenden afghanischen Mudschahedin-Kriegs der 1980er Jahre waren die Mitglieder von UNA-UNSO ab 1990 an jedem »schmutzigen Krieg« der NATO gegen Russland beteiligt. Beispiele sind der CIA-Putsch, der Jelzin in Russland an die Macht brachte, und separatistische Kriege der 1990er Jahre in Tschetschenien und anderen Regionen.

Die Ähnlichkeit zwischen dem Emblem der UNA-UNSO und dem Nazi-Hakenkreuz ist beabsichtigt

 

Im März 2014 eröffnete Russland ein Strafverfahren gegen die Partei UNA-UNSO und einige ihrer Mitglieder, darunter auch der Vorsitzende Oleh Tjahnybok, wegen der »Organisation einer bewaffneten Bande«, die angeblich im ersten Tschetschenienkrieg gegen die russische 76. Luftangriffsdivision gekämpft hatte.

 

In den wenigen Wochen seit dem Putsch vom 22. Februar in Kiew wurde der Prawyj Sektor bei Schießereien erwischt. Einmal schossen Mitglieder des Prawyj Sektor auf drei Menschen in der Nähe des Maidan-Platzes, unter ihnen laut Bericht der Polizei von Kiew zwei Mitglieder anderer Milizen und der stellvertretende Chef der Kiewer Stadtverwaltung. Wenige Tage zuvor drohten maskierte Aktivisten des Prawyj Sektor mit dem Sturm des ukrainischen Parlaments, nachdem einer ihrer Anführer bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben gekommen war.

 

Heute behauptet der Prawyj Sektor, man habe ehemalige Offiziere des Innenministeriums und der Sicherheitsbehörden rekrutiert. Angeblich »koordinieren« sie ihre Aktionen mit den ukrainischen Streitkräften und dem Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat.

 

Der nächste Schritt Washingtons und der CIA wird vermutlich darin bestehen, Schläger des Prawyj Sektor und Terroristen einzusetzen, möglicherweise verkleidet als ukrainische Soldaten oder eingebettet in die Streitkräfte, die gewaltsam in die Ostukraine vorrücken und gegen die ethnisch russische Opposition vorgehen. In dieser Lage wird Putin, so hofft man in Washington, militärisch eingreifen, um das Leben russischer Bürger zu schützen. Dann wird die Fraktion der Kriegsfalken, die zurzeit einen schwachen und hypnotisierten Obama in dem sich entwickelnden Kriegsszenario als Geisel hält, über den nötigen casus belli verfügen, um militärisch gegen Russland einzuschreiten.

 

Es wäre eine Katastrophe – nicht nur für die Ukrainer, nicht nur für die Russen und für Putin. Es wäre eine Katastrophe für die Welt. Zu den Akteuren, die den heißen Krieg puschen, zählen Obamas Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice, UN-Botschafterin Samantha Power sowie die Europabeauftragte des US-Außenministeriums und neokonservative Ex-Mitarbeiterin von Dick Cheney, Victoria »Fuck the EU« Nuland. Im Hintergrund lauert verlässlichen Quellen zufolge Hillary Clinton, die darauf hofft, mit einem kriegerischen Wahlprogramm 2016 US-Präsidentin zu werden.

 

Die Welt muss verstehen, dass es in der Regierung in Washington eine Kriegsfraktion gibt, die mit Fug und Recht als »Geheimregierung« oder »Tiefer Staat« bezeichnet werden kann und deren Mitglieder anderen Kommandos als denen eines gewählten Präsidenten folgen. Ihre Loyalität liegt seit der Ermordung John F. Kennedys im November 1963 bei einer Gemeinschaft Superreicher, die den militärisch-industriellen Komplex beherrschen und die neokonservative Lobby in Washington steuern und finanzieren.

 

Diese geheime Gemeinschaft, die sich manchmal selbst als den »Good Club« bezeichnet, merkt, dass ihnen die Macht über die Welt entgleitet. Russland, China, Indien, Brasilien, Südafrika und viele andere aufstrebende Länder wenden sich vom US-Dollar ab und befreien sich von der wirtschaftlichen Dominanz der USA. Russlands Energiediplomatie zog Deutschland und andere wichtige Partner in der EU in eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. In dieser Welt würde eine Ukraine innerhalb der russisch geführten eurasischen Wirtschaftsunion in friedlicher Zusammenarbeit als ideale wirtschaftliche Brücke zwischen dem russisch-chinesisch-zentraleuropäischen Raum – einschließlich Iran, Syrien, Irak und möglicherweise weiterer Ölstaaten am Golf – und der EU dienen. Die Macht Washingtons und der üblen Superreichen, die diese Macht beherrschen – des Good Club – wären dann nur noch ein Relikt der Geschichte, und das zu Recht. Das ist der reale Hintergrund für Victoria Nulands Kriegs-»Diplomatie«.

 

Die Kriegsfraktion in Washington und ihre superreichen verdeckten Unterstützer haben offenkundig beschlossen, der Krieg sei das einzige Mittel, die Kontrolle wiederzugewinnen. Als Obama eine Minute vor zwölf versuchte, ihren geplanten Krieg in Syrien zu stoppen – einen Krieg, der zu einer direkten Konfrontation mit Russland, dem Iran und wahrscheinlich auch dem sehr vorsichtigen China geführt hätte –, beschloss dieselbe Kriegsfraktion, den Neonazi-Putsch in der Ukraine als ihren »Plan B« loszutreten. Er sollte dazu benutzt werden, Putin zu dummen Fehlern zu provozieren, die es ihr ermöglicht hätten, nicht nur einen neuen Kalten Krieg, sondern einen neuen realen und sehr heißen Krieg gegen Russland und später auch China zu provozieren. Beide sind die einzigen potenziellen Hindernisse für die wahnsinnige Besessenheit, die, wie es im Pentagon-Jargon heißt, »Full Spectrum Dominance« über die ganze Welt zu erreichen. Friedliebende Kräfte auf der ganzen Welt sind aufgerufen, diesen Wahnsinn zu stoppen und einen solchen Krieg zu verhindern.

 

 

 

 


 

 

 

 

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