Friday, 25. April 2014
21.08.2013
 

König von Saudi-Arabien stützt Ägypten den Rücken gegenüber Washington

F. William Engdahl

Diese Website zählt zu den wenigen, die darüber berichtet haben, dass der Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft und seiner gesamten Regierung durch das ägyptische Militär mit geheimer Unterstützung Saudi-Arabiens und mehrerer Golfstaaten vor sich ging, die sich damit Washingtons Plänen widersetzten.

Jetzt hat der saudische König Abdullah dies in einer offenen Unterstützungserklärung für die ägyptische Militäraktion gegen die, wie der König sagte, »Terroristen« bestätigt. Es ist der bislang deutlichste Ausdruck dafür, dass zwischen Washington und den Saudis ein schweres und sich

verschärfendes Zerwürfnis besteht – vielleicht in einem Ausmaß, das es seit dem Abkommen zwischen US-Präsident Roosevelt und dem damaligen König Ibn Saud im Jahr 1945 nicht mehr gegeben hat.

 

In seiner öffentlichen Erklärung vom 16. August betonte König Abdullah: »Das Volk und die Regierung des Königreichs Saudi-Arabien standen und stehen an der Seite unserer Brüder in Ägypten gegen Terrorismus, Extremismus und Aufwiegelung und gegen jeden, der versucht, sich in die inneren Angelegenheiten Ägyptens einzumischen…« So viel zu Obamas Aufruf zum »Dialog« zwischen Armee und Muslimbruderschaft.

 

Jordanien und die Vereinigten Emirate schlossen sich umgehend der saudischen Unterstützung für Armeechef und Verteidigungsminister General Abdul Fattah al-Sisi an. Sie kam nach tagelangen gewaltsamen Protesten von Unterstützern der Muslimbrüder in mehreren ägyptischen Städten. Bei Zusammenstößen zwischen dem Militär und Demonstranten, die Mursis Rückkehr forderten, gab es Hunderte von Toten. Gleichzeitig versuchen Regierungen der NATO-Länder unter Führung Washingtons, den Druck auf die provisorische Regierung zu erhöhen, Mursi und die »demokratisch gewählte« Regierung wieder einzusetzen.

 

Die USA sagten gemeinsame Manöver mit Ägypten ab und warnten, die »traditionellen« militärischen Beziehungen mit den USA seien gefährdet, falls das Militär nicht einlenke. Angela Merkel telefonierte am 16. August mit dem französischen Präsidenten Hollande, beide riefen die EU dazu auf, die Beziehungen zu Ägypten zu »überdenken«. In der bisherigen Reaktion der EU und Washingtons zeigt sich, dass sie unter Druck stehen, etwas zu unternehmen.

 

Der EU kann kaum daran gelegen sein, die saudische Führung zu einem neuen Ölembargo wie beim Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 zu provozieren. Jetzt schafft diese offene Unterstützung durch König Abdullah von Saudi-Arabien für das Einschreiten der Militärs eine völlig neue Dimension der Krise.

 

Erdoğans hochriskantes Dilemma

 

Bemerkenswert ist an diesem Machtkampf, der jetzt internationale Dimensionen gewinnt, dass der türkische Präsident Tayyip Erdoğan zu den vereinzelten Stimmen gehört, die das Eingreifen des ägyptischen Militärs vom 3. Juli verdammen. Seine Regierung drohte damit, die Beziehungen zu Ägypten wegen des Vorgehens gegen die Unterstützer der Muslimbruderschaft auszusetzen. Nach Berichten gut informierter türkischer Quellen, die der Autor persönlich erhielt, soll Erdoğans islamistische AKP-Partei, die als Schwesterorganisation der Muslimbruderschaft gilt, die letzte Wahl mithilfe einer saudischen »Wahlkampfspende« von zehn Milliarden Dollar gewonnen haben.

 

Dass es Erdoğan vor zwei Jahren nicht gelungen ist, beim geplanten Putsch gegen die Regierung von Baschar al-Assad in Syrien und dem Ersatz durch eine Regierung der Muslimbruderschaft als Washingtons militärischer Stellvertreter zu agieren, hat ihm interne Schwierigkeiten beschert, zum Beispiel die massiven Proteste der letzten Monate und den Ruf nach seinem Rücktritt.

 

Dass er gegen den eindeutigen Wunsch der Saudis, sich die Bedrohung durch die Muslimbruderschaft in der ganzen islamischen Welt vom Hals zu schaffen, Stellung bezieht, wird ihn weiter von seinen größten finanziellen Unterstützern isolieren.

 

Angesichts brodelnder Unruhen in der gesamten Türkei als Protest gegen die Verurteilung von ungefähr 200 Gewerkschaftsführern, pensionierten türkischen Generälen und prominenten Journalisten zu unverhältnismäßig hohen Gefängnisstrafen wegen angeblicher »Verschwörung« zum Staatsstreich gegen die Regierung Erdoğan und die AKP gerät Washingtons islamistisches Modell zunehmend aus den Fugen.

 

Der Krieg in Syrien, der jetzt ganz offen von Al-Qaida-Anhängern und de facto mit US-Unterstützung geführt wird, bedeutet für Washingtons Muslimbruderschaft-Strategie eines Regimewechsels in der gesamten arabischen Welt einen herben Rückschlag. Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani, der größte Unterstützer des Kriegs gegen Assad in Syrien und Sponsor der Organisation der Muslimbruderschaft, dankte überraschend zugunsten seines eher gemäßigten Sohns Tamim ab. Offensichtlich wollte er den Zorn des großen Nachbarn Saudi-Arabien nicht riskieren. Dieser Regimewechsel in Katar bedeutet eine zusätzliche Isolierung für die Türkei in der Region.

 

Trotzdem ist zurzeit eindeutig, dass die USA nicht beabsichtigen, die Unterstützung für die Muslimbruderschaft aufzugeben, weder in Ägypten, noch in Syrien, noch im gesamten islamischen »Krisenbogen« von Afghanistan bis Marokko. Die Zukunft Amerikas als allein herrschende Supermacht ist untrennbar mit dem Projekt des Greater Middle East verbunden, von dem George W. Bush nach der Irakinvasion von 2003 sprach. Neu ist für die Planer in Washington, dass sich ehemalige gehorsame »Vasallen«-Staaten wie Saudi-Arabien oder Ägypten weigern, dem Diktat zu folgen. Offenkundig muss Washington für eine solche Lage noch einen »Plan B« entwickeln.

 

 

 

 


 

 

 

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