Monday, 26. September 2016
29.05.2013
 
 

Monsanto steht weltweit unter Druck

F. William Engdahl

Am 25. Mai protestierten in mehr als 50 Ländern Millionen ganz normale Bürger gegen Monsanto, den weltweit führenden Saatguthersteller. Demonstrationen gab es auch in Berlin, München und Frankfurt am Main. Vor den rund 200 Teilnehmern der Frankfurter Demo betonte der Autor dieses Beitrags, was an dieser Protestaktion so ungewöhnlich war und warum Monsanto extrem nervös wird.

Monsanto und die großen GVO-Konzerne wie BASF, Syngenta, Bayer AG oder DuPont haben seit 20 Jahren Erfahrung damit, den Widerstand gegen ihre gefährlichen patentierten Produkte in Schach zu halten. In der Vergangenheit waren die Protestdemonstrationen von bekannten Nicht-Regierungsorganisationen wie Greenpeace oder Friends of the Earth organisiert worden. Aber der March Against Monsanto (Marsch gegen Monsanto) vom 25. Mai war ein neues Phänomen,

denn der Protest wurde nicht von einer Organisation gesponsert. Im Februar hatte der Aktivist Tami Canal aus den USA die Facebook-Seite March Against Monsanto gestartet und als Termin den 25. Mai festgelegt. Aus diesen winzigen Anfängen wurden die Demos durch die Basis organisiert, und zwar ausschließlich über Twitter oder Facebook. Einzelne erfuhren im Internet von der Idee, Monsanto an einem Tag weltweit an den Pranger zu stellen, die Nachricht verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer.

 

Das Phänomen gleicht dem, was angeblich vor zwei Jahren bei den Protesten des Arabischen Frühlings in Tunesien und Ägypten geschah. Nur gab es dieses Mal keine US-Regierung, die Millionen gefälschter Protest-Tweets formulierte. Dieses Mal war der Protest real, und Berichten zufolge ist die GVO-Lobby besorgt, dass er sich ausweiten könnte.

 

Das Problem mit Monsanto

 

Wie ich in der neuen Auflage meines Buchs Saat der Zerstörung darlege, besteht das grundlegende Problem gentechnisch veränderter (GVO-) Lebensmittel darin, dass sie genetisch und biologisch instabil sind. Wie mir einige der weltweit führenden Experten auf diesem Gebiet bestätigen, kennt die Wissenschaft keine gentechnische Veränderung, die stabil wäre. Sie mutieren ständig. Außerdem sind alle gentechnisch veränderten Produkte in der menschlichen und tierischen Nahrungsmittelkette der vergangenen Jahre in erster Linie zu einem Zweck verändert worden: 80 Prozent der GVO wurden so genmanipuliert, dass sie gegen bestimmte chemische Verbindungen, die Pestizide, unempfindlich sind. Das Präparat Roundup von Monsanto ist eines der bekanntesten, sie alle sind hochgiftig. Die Pflanzen werden manipuliert, so dass sie gegen dieses tödliche Gift resistent werden. Roundup tötet dann alles in seiner Umgebung, außer dem Mais, den Sojabohnen oder anderen Feldfrüchten von Monsanto. All diese Chemikalien sind für die menschliche Nahrungskette genauso gefährlich wie das Gen-Saatgut selbst.

 

Zum einen ist Monsanto der größte Eigentümer von Saatgut auf der Welt. Der Konzern hat sämtliche kleinen Hersteller aufgekauft, um seinem Saatgut für Weizen, Reis, Mais, Sojabohnen usw. eine Monopolstellung zu verschaffen. Zum zweiten hat Monsanto eine Firma aufgekauft, die das Patent für das so genannte »Terminator«-Saatgut besaß, das dadurch auf Monsanto überging. Diese Pflanzen begehen nach einer Saison Selbstmord. Die Landwirte können also nicht mehr wie früher einen Teil ihrer Ernte für die Aussaat im nächsten Jahr beiseite legen. So etwas hatte es zuvor nie gegeben. Der Name »Monsanto« steht somit als »Metapher« für gentechnische Veränderung der Nahrungskette, es ist mit Abstand der größte Konzern. Natürlich gibt es andere Unternehmen wie Syngenta in der Schweiz und BASF, ein Monsanto-Partner in Deutschland. Es gibt Dow Chemical und DuPont. Aber Monsanto ist der Größte unter diesen vier Reitern der GVO-Apokalypse.

 

Das strategische Interesse der US-Agrobusiness-Lobby wirbt seit 1992 – damals war Bush senior Präsident der Vereinigten Staaten – für patentiertes Saatgut von Feldfrüchten wie Mais, Sojabohnen oder Reis. Monsanto wandte sich damals an das Weiße Haus. Bei vertraulichen Gesprächen willigte der Präsident ein, dass es für GV-Produkte keinerlei staatliche Unbedenklichkeitstests geben werde, bevor sie für den Verzehr freigegeben würden.

 

In dieser Zeit wurde der Begriff der »substanziellen Äquivalenz« geprägt – eine trügerische Doktrin, denn schaut man sich den Namen an, so ist er keinesfalls wissenschaftlich rigoros. Bis vor Kurzem gab es keine Resultate von Langzeittests, außer den Ergebnissen von 90-Tages-Kurzstudien, die Monsanto bei der Regierung einreichte, um zu belegen, »alles sei bestens«. Jetzt liegen die Aussagen von Whistleblowern vor, wonach sie gezwungen wurden, die wissenschaftlichen Daten für Monsanto so zu frisieren, dass es aussah, als seien die Ergebnisse positiv. Hier haben wir den klassischen Fall, wo der Fuchs den Hühnerstall bewacht: Monsanto bestätigt die Sicherheit seiner eigenen Produkte.

 

Aber erst die Idee eines Monopols für Saatgut, ein Patent auf weltweites Monopol-Saatgut, macht das Thema Monsanto und GVO in vielen Ländern so wichtig. Der Konzern lässt nichts unversucht, die EU-Kommission in Brüssel zu bestechen und zu beeinflussen. Im vergangenen Jahr gab die Universität Caen in Frankreich die Ergebnisse einer Studie bekannt, die auch in der expertenbegutachteten wissenschaftlichen Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology veröffentlicht wurden. Professor Séralini und Kollegen zeigten, dass bei Ratten, die mit Genmais von Monsanto gefüttert wurden, im Vergleich zu konventionell gefütterten Tieren überdurchschnittlich oft Krebstumoren auftraten. Sie wiesen enorme Organschäden auf, bis zu 80 Prozent in der Gruppe der GV-gefütterten Ratten entwickelten Krebstumoren, die Todesrate war dreimal so hoch wie bei normalen Ratten.

 

Die Studie wurde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) unterdrückt. Wie sich herausstellt, unterhielten die meisten der Wissenschaftler in dem EFSA-Gremium Verbindungen zu Monsanto. Der Konzern versucht also auf dem Weg der Korruption, sich den Weg freizumachen. In Kalifornien tut er alles, eine Kennzeichnungspflicht zu verhindern, da diese den Absatz seiner Produkte in Amerika mindern würde. Doch allmählich wachen die Menschen auf. Sie verändern ihre Haltung, nicht nur gegen Monsanto, sondern allgemein gegen den Einsatz von Biotechnik bei unserer Nahrungskette. Es gibt also Hoffnung für die Zukunft!

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