Thursday, 30. June 2016
18.04.2014
 
 

Nach dem Rausschmiss des saudi-arabischen Spionagechefs Bandar Bush: Was nun?….

F. William Engdahl

Offizielle saudi-arabische Medien haben bestätigt, was Gerüchte schon seit Monaten besagten: Prinz Bandar bin Sultan, von 1983 bis 2005 Botschafter in Washington, ist als Chef des Geheimdienstes von Saudi-Arabien, dem Gegenstück zur CIA, abgelöst worden. Bandar hatte so enge Beziehungen zum US-Präsidenten aufgebaut, dass ihm George W. Bush den Spitznamen »Bandar Bush« verpasste. Der König hatte ihn als Geheimdienstchef eingesetzt und mit der Aufgabe betraut, Syriens Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen. Es stellt sich die interessante Frage, warum Bandar fallengelassen wurde und was auf ihn folgt.

Prinz Bandar sei »auf eigene Bitte« abgelöst worden, meldet die offizielle Nachrichtenagentur SPA. Seine Rolle im Syrienkrieg war umstritten, Augenzeugen im Lande behaupteten, Bandar sei dafür verantwortlich, dass Al-Qaida-Terroristen in Syrien im vergangenen Sommer Saringaswaffen erhielten. Der Einsatz sollte der syrischen Regierung angelastet werden, um Obama zum

militärischen Eingreifen zu bewegen. Saudi-finanzierte und belieferte Terroristen in Ghouta waren für etwas verantwortlich, was saudi-arabische und israelfreundliche US-Medien zu Obamas »roter Linie« umfunktionieren wollten. Es hätte um Haaresbreite geklappt.

 

Als Botschafter in Washington war Bandar 2003 sehr einflussreich dabei, die Regierung Bush-Cheney davon zu überzeugen, Saddam Hussein mit der Operation Shock and Awe zu stürzen.

 

Es wurde zu einem der katastrophalsten militärischen Fehlschläge der USA seit Vietnam, und es war die Grundlage für Bushs Mittelost-Politik gegen den Iran.

 

Bandar veränderte die strategische Politik der Bush-Regierung im Nahen und Mittleren Osten in Richtung auf die Unterstützung sunnitisch geprägter Länder gegen die schiitisch geprägten Staaten Iran, Irak, sowie Syrien unter Assad und die vom Libanon unterstützte Hisbollah im Jahr 2007.

 

In dem Prozess der Veränderung der Washingtoner Politik zur Unterstützung sunnitischer Nahoststaaten gegen die schiitischen – de facto ein noch immer tobender Religionskrieg innerhalb des Islam – schmiedete Bandar auch eine strategische Allianz Saudi-Arabiens mit Netanjahus Israel gegen den Iran. Es war der Beginn dessen, was später »Arabischer Frühling« genannt wurde und als Arabischer Albtraum endete.

 

Als US-Präsident Barack Obama im letzten September den Militärschlag gegen Syrien abblies, Berichten zufolge unter starkem Druck seiner eigenen militärischen Führung, zeigte sich Bandar verärgert und drohte mit der Beendigung der besonderen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA.

 

Bandar setzte pakistanische Trainer ein, um die »Army of Islam« unter der Führung von Zahran Alloush, einem radikal-salafistischen Dschihadisten und antischiitischen Kommandeur, aufzubauen. Alloushs Vater ist ein fundamentalistischer Prediger im Königreich Saudi-Arabien. Dabei handelte Bandar unabhängig von Washington und trieb einen weiteren Keil in die saudisch-amerikanischen Beziehungen.

 

In Europa erklärte er ganz offen, Saudi-Arabien gebe die jahrzehntelangen Verbindungen zu Washington auf. Angeblich soll er außer sich gewesen sein, als er erfuhr, dass die Obama-Regierung mit der neuen iranischen Regierung diplomatische Gespräche über das Atomprogramm aufnahm.

 

Nach dem Abgang von Bandar bleiben wichtige geopolitische Fragen. War es das direkte Resultat von Druck aus Washington auf den König von Saudi-Arabien? Kam es dazu, weil sich die Obama-Regierung mehr darauf konzentriert, Russland in der Ukraine zu schwächen, als in Syrien und im gesamten Nahen und Mittleren Osten ein chaotisches Debakel zu erleben, das sie nicht beherrschen kann? Wird die saudi-arabische Unterstützung für die syrischen Salafisten jetzt zurückgefahren? Oder gibt Washington jetzt den saudischen Aufrührern in Syrien die modernen Waffen, die sie verlangten, als Obama am 27. März zu Gesprächen mit König Abdullah in der Wüste Saudi-Arabiens zusammentraf?

 

 

 


 

 

 

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