Friday, 29. July 2016
27.01.2014
 
 

Nahost-Energie-Geopolitik wird gerade SEHR interessant

F. William Engdahl

Dass Russen durchweg passionierte Schachspieler sind, definitiv weit mehr als die meisten Amerikaner und wahrscheinlich auch mehr als die meisten Europäer, ist bekannt. Präsident Wladimir Putin spricht oft genug über seine Liebe zum Schach. Entweder er selbst oder jemand in seiner Umgebung oder beide zusammen haben offenbar Israel und Washington in ein neues geopolitisches dreidimensionales Schachspiel verwickelt, und das in einem Moment, wo seine beiden Schachgegner – Benjamin Netanjahu und Barack Obama – Probleme haben, die Figuren schon auf einem zweidimensionalen Schachbrett zu bewegen. Der jüngste Zug beinhaltet einen russischen Energievertrag mit der Palästinensischen Autonomiebehörde und mit dem Iran.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat gerade eine viertägige Gesprächsrunde mit Präsident Wladimir Putin in Moskau beendet. Zu den Themen gehörte der Abschluss einer russischen Investition und Beteiligung in Höhe von einer Milliarde Dollar an der Entwicklung eines Erdgasfeldes vor der Küste des Gazastreifens. Die Vereinbarung zwischen Abbas und Putin

 

erfolgt nicht einmal einen Monat nachdem das russische Staatsunternehmen SojusNefteGas einen Exklusivvertrag über Exploration, Entwicklung und Förderung unterzeichnete, der Russland die Rechte über 2200 Quadratkilometer syrischer Gewässer einräumt.

Damit hat Moskau erstmals im boomenden Levantinischen Becken Fuß gefasst. Wie der geologische Dienst der USA 2010 berichtete, enthält das Becken, das sich über Syrien, Libanon, Israel, Zypern und den Gazastreifen erstreckt, mindestens 123 Billionen Kubikfuß förderbares Erdgas und 1,7 Milliarden Barrel Erdöl.

 

Das Energiedreieck Russland-Syrien-Palästina würde die gesamte Kalkulation in der gewaltigen Energie-Bonanza im östlichen Mittelmeerraum verändern. Diese neue Bonanza begann, als israelische Energiekonzerne in einem Joint Venture mit Noble Energy aus Houston, Texas, 2010 vor der Küste Israels das riesige Erdgasfeld Leviathan entdeckten. Im März 2011 – wenige Tage bevor der von Saudi-Arabien und Katar finanzierte Terror in Syrien losbrach – hatte Syriens Präsident Baschar al-Assad mit dem Iran und dem Irak eine historische Vereinbarung über den Bau einer Erdgaspipeline unterzeichnet.

 

Über die Pipeline sollte Erdgas vom riesigen iranischen Pars-Feld am Persischen Golf durch Syrien entweder in den Libanon oder nach Syrien transportiert und von dort auf den wachsenden Erdgasmarkt in der EU verschickt werden. Katar sitzt auf dem anderen Ende des Pars-Feldes und will offenbar die syrisch-iranische Erdgas-Konkurrenz dadurch ausschalten, dass al-Qaida und andere Söldner finanziert werden, die die Ordnung in Syrien zerstören. Die Moslembruderschaft genießt einen besonderen Exil-Status unter dem Schutz des Emirs von Katar.

 

Iran-Syrien-Russland-Palästina

 

Putins überraschende Vereinbarung mit Abbas über die Entwicklung der palästinensischen Offshore-Erdgasvorkommen und die Vereinbarung mit Syrien sind offenkundig Teil einer weit umfangreicheren geopolitischen Energie-Strategie. Als die amerikanisch-iranischen Gespräche über das Atomprogramm Fortschritte machten und die Aufhebung der US- und EU-Wirtschaftssanktionen ins Gespräch gebracht wurde, kündigte Putin – überraschend und irritierend für Präsident und Regierung in Washington – an, Russland werde in einem Tauschgeschäft 500 000 Barrel iranischen Erdöls täglich kaufen, als Gegenleistung für bestimmte russische Waren.

 

Wenn dieser Vertrag unter Dach und Fach gebracht wird, würden die iranischen Erdölexporte dadurch um 50 Prozent gesteigert, der Wirtschaft würden Schätzungen zufolge monatlich 1,5 Milliarden Dollar zufließen. Seit Verhängung der US-Sanktionen gegen den Iran im Juli 2012 sind die Erdölexporte auf die Hälfte gesunken, dem Iran entgehen bis zu fünf Milliarden Dollar an monatlichen Einnahmen.

 

Das Tauschgeschäft zwischen Putin und dem Iran hat Washington überrascht. Es würde die Sanktionsstrategie, die die Republikaner im US-Kongress verschärfen und nicht etwa beenden wollen, durchkreuzen. Was sich da herausbildet, ist eine informelle russisch-syrisch-iranische Achse wirtschaftlicher Kooperation, die Russland erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges vor 23 Jahren einen Hebel im Nahen und Mittleren Osten verschaffen würde. Diese Aussicht ist für Washington alles andere als erwünscht. Die Frage ist, was es tun kann, um sie jetzt zu stoppen – in einem Moment, wo die Beziehungen zwischen Washington und Tel Aviv an der Grenze der Belastbarkeit stehen und die USA versuchen, sich so schnell sie können aus dem Nahen Osten zurückzuziehen.

 

 

 


 

 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Das Ende des Sozialstaats
  • Wenn Versicherer zu Schnüfflern werden
  • Neue Rekorde beim Absatz von Pharmaprodukten
  • Manipulation des Gehirns: Geheime Versuche an »Menschenmaterial«

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Russland schaltet sich in die Erdöl-Bonanza im östlichen Mittelmeer ein

F. William Engdahl

Die Kriege um die Herrschaft in Syrien – es sind zurzeit mehr als nur einer im Gange – haben ihren Hintergrund in einem nicht erklärten Krieg über die riesigen neu entdeckten Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Region. Wir haben bereits darüber berichtet. Russland hatte es zunächst in brillanter Manier geschafft, US-Präsident Obama die Möglichkeit  mehr …

Wird Israel zum großen Player im Bereich Energie?

F. William Engdahl

Kaum beachtet von der übrigen Welt – die zurzeit damit beschäftigt ist, die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm und den Kollaps der Freien Syrischen Armee zu verfolgen – entsteht im Nahen Osten ein völlig neuer Energie-Gigant. Zum ersten Mal seit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 sind dort riesige Vorkommen von Erdgas und auch  mehr …

Russisch-chinesischer Erdgasvertrag verändert die Landkarte Eurasiens

F. William Engdahl

China und der staatliche russische Erdgaskonzern Gazprom haben einen Vertrag unterzeichnet, der die beiden großen Länder Eurasiens wirtschaftlich und politisch einander näher bringen will – was Washington definitiv nicht gefällt.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Brisantes Interview: Crash in Deutschland noch nicht abgewendet

Redaktion

Wir haben ein interessantes Interview mit Bestsellerautor Michael Grandt geführt. »Deutschland vor dem Kollaps« hieß im Spätsommer die These zur Lage der Nation. Sein Buch war bereits nach kürzester Zeit restlos ausverkauft und ist jetzt druckfrisch in der zweiten Auflage erschienen.  mehr …

Bewegen wir uns in Richtung eines größeren Krieges? Weltweite Militarisierung und die Weltwirtschaft: »Die Lage ist wie 1914 … kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs«

Redaktion

Der bekannte Ökonom Nouriel Roubini twitterte vom Jahrestreffen der Reichen und Mächtigen im Rahmen des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos: »Viele Redner vergleichen 2014 mit 1914, als der Erste Weltkrieg ausbrach und niemand damit gerechnet hatte. Ein Schwarzer Schwan in Form eines Krieges zwischen China und Japan?« Und:  mehr …

Zuerst stoppt die HSBC die Bargeldausgabe, dann stellen die Lloyds-Geldautomaten ihren Dienst ein

Tyler Durden

Als erstes vermasselte die englische Großbank HSBC den Versuch, eine Art Kapitalkontrolle einzuführen, als sie erklärte, größere Bargeldabhebungen müsse man nunmehr begründen. Zudem seien sie aus »Kundenschutzgründen« (vor was sollen sie denn geschützt werden – vor ihrem eigenen Geld?), nur in begrenztem Umfang möglich. Diese Mitteilung dürfte die  mehr …

Die Wahrheit: Menschen im Zwielicht

Redaktion

Wollen wir nicht alle geliebt und bewundert werden? Unsere Pleiten, Fehlschläge und Pannen sollen möglichst nicht bekannt werden. Doch manche, die im Rampenlicht stehen, haben derzeit dunkle Flecken auf ihren angeblich weißen Westen.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.