Monday, 29. August 2016
03.11.2015
 
 

Neue chinesische Eisenbahnlinie verbindet Äthiopien mit dem Roten Meer

F. William Engdahl

Nichts symbolisiert den Niedergang Europas und den Aufstieg Eurasiens besser als der Bau einer modernen Eisenbahnverbindung von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zum Hafen von Dschibuti am Roten Meer durch die chinesische Civil Engineering Construction Corporation und China Railway Group (CREC). Die Verbindung ersetzt eine alte zerfallene Eisenbahnstrecke, die Ende des 19. Jahrhunderts von Frankreich während der Kolonialzeit gebaut wurde.

 

Was, wann, wo…

 

Die chinesische Eisenbahngesellschaft steht kurz vor der Fertigstellung der 656 Kilometer langen elektrifizierten Eisenbahnverbindung von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zum Seehafen von Dschibuti am Roten Meer. Durch das Projekt entstehen vor Ort 5000 neue Arbeitsplätze. Es ermöglicht Äthiopien, den Export wichtiger Güter wie Kaffee und Sesam auszubauen. Außerdem werden äthiopische Arbeiter von Ingenieuren der chinesischen Civil Engineering Construction Corporation ausgebildet.

Bisher waren 250 äthiopische Studenten zur Ausbildung im Eisenbahnsektor in China – eine gute Adresse, denn schließlich ist China heute weltweit führend im Eisenbahnbau. Die Kosten betragen 1,2 Milliarden Dollar, die zu 70 Prozent von der chinesischen Export-Import-Bank und zu 30 Prozent von der äthiopischen Regierung aufgebracht werden. Es ist eine der ersten elektrifizierten Eisenbahnstrecken in Ostafrika; die Züge erreichen eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern.

 

Berichten zufolge ist die Wartung einfacher und billiger als die der früheren französischen Diesellokomotiven, deren letzte 2008 außer Dienst genommen wurde. Die Lokomotive wird mechanisiert und mit Strom aus lokal erzeugter Wasserkraft betrieben.

 

Die Strecke von Addis Abeba zum Roten Meer ist Teil eines Netzes geplanter Infrastruktur, das das landumschlossene Äthiopien durch acht Eisenbahnkorridore mit einer Gesamtlänge von 4744 Kilometern durchzieht und dadurch Handelswege in die Nachbarländer Kenia, Südsudan und Sudan sowie – besonders wichtig – zum Hafen von Dschibuti schaffen wird.

 

Eine weitere geplante Strecke wird die Region Afar anbinden; dort wirbt Äthiopien für den Abbau von Pottasche für die Düngemittelproduktion. Die mangelnde Straßen- und Eisenbahninfrastruktur belastet die Wirtschaft schwer. Schlechte Straßen und alte Lastwagenflotten bedeuten, dass der Warentransport von Addis Abeba nach Dschibuti Tage dauern kann. Die neue Eisenbahnstrecke verkürzt diese Zeit auf rund acht Stunden – ein enormer Schub für die Wirtschaft und ein Beispiel für die transformative Kraft gut geplanter Infrastruktur.

 

Die neue, von China gebaute Eisenbahnverbindung von Addis Abeba zum Roten Meer öffnet Äthiopien direkt für den Handel mit China und Asien

 

Das große Infrastrukturprojekt trägt den Namen »GTP«, Wachstums- und Transformationsplan der Regierung von Äthiopien, mit dem das Land in den nächsten zehn Jahren aus der Armut geführt und das landwirtschaftliche und industrielle Potenzial auf das eines Landes mit mittleren Einkommen gehoben werden soll.

 

Weitere Pläne des GTP sehen den Bau neuer Straßen und Dämme für die Stromproduktion aus Wasserkraft vor. Es sollen Wachstumsraten von mindestens acht Prozent jährlich erzielt werden. Zusätzlich zu den chinesischen Firmen bewerben sich auch Unternehmen aus der Türkei und Brasilien um andere Teile des GTP.


Warum…

 

Die Chinesen haben eindeutig ihre Hausaufgaben gemacht, als sie entschieden, die Wirtschafts-Infrastruktur in Äthiopien aufzubauen. Mit 96 Millionen Menschen ist Äthiopien nach Nigeria das zweitbevölkerungsreichste Land in Afrika. Selten erwähnt wird seine Lage am Großen Afrikanischen Grabenbruch, der sich von der Bekaa-Ebene im Libanon über 6000 Kilometer bis nach Mosambik in Ostafrika erstreckt.

 

Viele Geophysiker vermuten im Äthiopischen oder Ostafrikanischen Grabenbruch einige der größten Mineralstofflager der Welt, außerdem Erdöl und Erdgas in vergleichbaren Mengen wie in Saudi-Arabien. Bis heute haben die koloniale Besetzung durch Mussolini und mangelnde Entwicklung während des Kalten Krieges verhindert, dass diese Vorkommen dem Land zugutekommen. Das ändert sich nun.

 

Für die Chinesen gibt es viele Gründe, die Eisenbahnverbindung zwischen dem Hafen von Dschibuti und dem zweitgrößten Markt in Afrika zu bauen. Zum einen sollten chinesische Firmen nach Äthiopien gebracht werden, die dort zu niedrigeren Kosten produzieren können als in China selbst. Dort sind die Löhne in den letzten zehn Jahren ständig gestiegen.

 

Die Kombination niedrigerer Lohnkosten – manchmal nur zehn Prozent der vergleichbaren Löhne in China – und ausreichend Strom aus Wasserkraft und jetzt der Zugang zum Meer machen das Land erstmals zu einem Magneten für nennenswerte ausländische Direktinvestitionen.

 

Ein Beispiel für die in letzter Zeit gestiegenen Löhne in China ist eine durchschnittliche Firma in Henan, rund 800 Kilometer von der Küste entfernt. Die Löhne sind dort in den fünf Jahren bis September 2014 um 103 Prozent gestiegen. In Chongqing, 1700 Kilometer flussaufwärts am Jangtse, betrug der Zuwachs 80 Prozent. In Guangdong 82 Prozent. Ein ungelernter Fabrikarbeiter in Äthiopien verdient im Monat rund 30 Dollar. In Südafrika, dem größten Produktionsland in Afrika, liegt der durchschnittliche Monatslohn bei 1200 Dollar, in China bei rund 560 Dollar.

 

Nach einer Schätzung der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) stiegen ausländische Direktinvestitionen 2013 im Vergleich zum Vorjahr um fast 250 Prozent auf 953 Millionen Dollar. Die Regierung erwartet für 2015 einen Rekord an ausländischen Direktinvestitionen, eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber den 1,2 Milliarden Dollar 2014 auf einen Rekordwert von 1,5 Milliarden Dollar.

 

Wenn im Januar die neue Eisenbahnverbindung zum Roten Meer den Betrieb aufnimmt, ist zu erwarten, dass die ausländischen Direktinvestitionen weiter steigen, denn besonders chinesische, indische und türkische Firmen hocken bereits in den Startlöchern.

 

Im Mai 2014 kamen Chinas Ministerpräsident Li Keqiang und Äthiopiens Ministerpräsident Hailemariam Desalegn in Addis Abeba zu Gesprächen zusammen. Nach ihrem Treffen erklärte Hailemariam vor der Presse, China unterstütze »Äthiopiens große Vision, Afrikas führendes Produktionsland zu werden«.

 

Was sich um den Bau einer scheinbar unbedeutenden Eisenbahnverbindung in einem landumschlossenen ostafrikanischen Land durch China herausbildet, könnte ein Baustein für die erste große wirtschaftliche Entwicklung Afrikas der neueren Geschichte werden, etwas, das europäische Kolonialmächte von Frankreich über Belgien und Portugal bis Großbritannien mit aller Macht zu verhindern suchten.

 

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (13) zu diesem Artikel

04.11.2015 | 00:42

Ruth

In Leipzig fand der Opernball statt. Diesmal mit dem Namen Shalom aus Israel. Es kamen 2000 geladenen Gäste. Und im Gebäude des Deutschen Bundestages findet noch ca. 2 Wochen die Wanderausstellung: Israelis und Deutsche statt. Viel Vergnügen bei der Besichtigung.


03.11.2015 | 18:48

hausmann

in Deutschland durfte seit dem zweiten Weltkrieg das fach Geopolitik nicht mehr gelehrt werden . aus gutem grund : der derzeitigen politischen Führung geht ein gespür für diese tatsachsen vollkommen ab .was wir in Deutschland haben , das sind jede menge parteienforscher , die mit dafür sorgen , dass die atlantischen Kräfte an die richtigen stellen kommen , dass der Meinungsaustausch zu diesen zukunftsthemen flachzangenmässig abgebügelt wird . gleichzeitig werden die deutschen mit...

in Deutschland durfte seit dem zweiten Weltkrieg das fach Geopolitik nicht mehr gelehrt werden . aus gutem grund : der derzeitigen politischen Führung geht ein gespür für diese tatsachsen vollkommen ab .
was wir in Deutschland haben , das sind jede menge parteienforscher , die mit dafür sorgen , dass die atlantischen Kräfte an die richtigen stellen kommen , dass der Meinungsaustausch zu diesen zukunftsthemen
flachzangenmässig abgebügelt wird . gleichzeitig werden die deutschen mit Konsum und grüner Romantik
dekadent gebildet . langsam reicht es ? oder ?


03.11.2015 | 18:27

Frank Großmann

Götz von Berlichingen Mir sagte mal ein Chinese, "Wir sind Asiaten, aber nicht blöd". Ich denke die Chinesen wie auch die US Amerikaner, oder Franzosen haben auch einige Militärstützpunkte im Lande. Allau akbar gab es auch schon vor 100 Jahren, trotzdem sind die Franzosen oder Briten immer damit fertig geworden. Es glaubt doch niemand das die Chinesen zusehen wie US geführte "Farbenrevolutionen" denen den Profit abnehmen.


03.11.2015 | 17:19

Götz von Berlichingen

"Die Lokomotive wird mechanisiert und mit Strom aus lokal erzeugter Wasserkraft betrieben" So, so. Die Lok wird "mechanisiert", was soll an dieser Lok mechanisiert werden? Und wie soll der Strom in die Lok kommen, wenn keine Oberleitung vorhanden ist, Induktion? Oder handelt es sich um eine "eierlegende Wollmilchsau im Transportwesen"... das wäre allerdings mal eine Meldung wert. Die Chinesen sind genauso rücksichtslos wie die anderen...

"Die Lokomotive wird mechanisiert und mit Strom aus lokal erzeugter Wasserkraft betrieben" So, so. Die Lok wird "mechanisiert", was soll an dieser Lok mechanisiert werden? Und wie soll der Strom in die Lok kommen, wenn keine Oberleitung vorhanden ist, Induktion? Oder handelt es sich um eine "eierlegende Wollmilchsau im Transportwesen"... das wäre allerdings mal eine Meldung wert. Die Chinesen sind genauso rücksichtslos wie die anderen "Weltbeglücker" auch. Nur Frankreich od England hat eben abge...wirtschaftet. China mit seinen 1,3 Milliarden Menschen kann sich das erlauben, mal 5000 od mehr Facharbeiter für einen Eisenbahnline "auszuleihen". Deutschland, die BRD, dieses Land mit seiner moribunden Demographie kann nur zugucken, wie andere Völker sich ihre Zukunft sichern. Und, ob das ein Gückstreffer für die Chinesen wird, muss bezweifelt werden. In diesem Land sind 80 unterschiedl. Völker zusammengewürfelt. Morgen rotten sich einzelne Gruppen zusammen und jagen den "Fortschritt" mit dem Ruf "Allahu akbar" in die Luft, da kommt dann Freude auf...


03.11.2015 | 17:06

Thomas Wunderlich

Ich lache mich schlapp. Führend im Eisenbahnbau. Da werden sich einige Leute nur noch in den Allerwertesten beißen. Ich drücke denen die Daumen mit den Projekten www.DDRZweiPunktNull.de


03.11.2015 | 15:43

Elisa

Freut mich, dass China seine Wirtschaft mit der wirtschaftlichen Entwicklung afrikanischer Staaten geschickt zu verbinden weiss. Auf diese Art hat wenigstens auch die einheimische Bevölkerung einen Gewinn davon. Dort, wo die USrael-Oberclique mit den Briten, Franzosen und der EU, voran Deutschland, herrschen, dort wartet für die einheimische Bevölkerung der besetzten Länder früher oder später der Erstickungstod. Dort, wo die Chinesen das Zepter in die Hand nehmen, dort fängt die...

Freut mich, dass China seine Wirtschaft mit der wirtschaftlichen Entwicklung afrikanischer Staaten geschickt zu verbinden weiss. Auf diese Art hat wenigstens auch die einheimische Bevölkerung einen Gewinn davon.

Dort, wo die USrael-Oberclique mit den Briten, Franzosen und der EU, voran Deutschland, herrschen, dort wartet für die einheimische Bevölkerung der besetzten Länder früher oder später der Erstickungstod. Dort, wo die Chinesen das Zepter in die Hand nehmen, dort fängt die Wirtschaft an, sich zunehmend positiv zu entwickeln. Das ist doch ein mächtiger Unterschied.

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