Saturday, 1. October 2016
11.09.2013
 
 

Obama sollte wegen des Einsatzes von Chemiewaffen gegen Zivilisten lieber gegen Monsanto vorgehen als gegen Syrien

F. William Engdahl

Wenn es Präsident Obama und die US-Regierung ernst damit meinen würden, Mächten, die »chemische Massenvernichtungswaffen« einsetzen, eine Lektion zu erteilen, so würde er seine Streitkräfte nicht gegen Syrien richten – wo zurzeit noch niemand sagen kann, ob überhaupt und wenn ja, welche Chemikalien eingesetzt wurden und von wem –, sondern gegen Monsanto, Syngenta, Bayer AG, Dow Chemical und DuPont. Denn diese GVO-Konzerne sind die größten Verbreiter chemischer Waffen auf der Welt.

Aber leider nimmt keine Regierung dieses Problem ernst. Die Rede ist von Monsantos meistverkauftem Unkrautvernichtungsmittel Roundup, das neben dem Hauptwirkstoff Glyphosat einen ganzen Cocktail weiterer Zusatzstoffe enthält – die genaue Zusammensetzung ist ein

»Firmengeheimnis« –, aus denen dann eine der giftigsten Substanzen überhaupt entsteht. Eine neue Studie bringt Licht in die Sache.

 

Die amerikanische Biologin Rosemary Mason hat in Zusammenarbeit mit einer weltweit vernetzten Gruppe unabhängiger Wissenschaftler, Toxikologen, Imker und Umweltschützer eine aufschlussreiche Analyse erstellt.i Der soeben veröffentlichte 54-seitige Bericht trägt die Überschrift »Glyphosat: Vernichter der Gesundheit und Artenvielfalt – ein neuer stummer Killer«; sein Inhalt ist mehr als beunruhigend.

 

In der Studie werden der Einsatz von Glyphosat (Roundup®) und das Auftreten besonderer Krankheiten in der Bevölkerung historisch analysiert. Mason kommt zu dem Schluss: »Glyphosat, das meistverwendete Herbizid, schädigt durch seine Wirkung auf Darmbakterien die Gesundheit von Mensch und Tier. Glyphosat in der Nahrung verursacht zwei große Probleme: ein Defizit an Nährstoffen, insbesondere an Mineralstoffen und Aminosäuren, und eine systemische Toxizität.«

 

Die Studie vergleicht die Anwendung von Glyphosat bei gentechnisch verändertem Mais, Sojabohnen oder anderen Feldfrüchten mit der Häufigkeit bestimmter Krankheiten in verschiedenen Ländern. Die Resultate zeigten eine eindeutige statistische Korrelation zwischen dem direkten und indirekten Glyphosat-Verzehr und Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes, Autismus, Schilddrüsenkrebs, Leberkrebs, Parkinson, Altersdemenz und Alzheimer, entzündliche Darmerkrankungen und akute Niereninsuffizienz. In dem Bericht wird betont, dass Diagramme aus der britischen Krebsforschung, die von 1975 bis 2009 eine zunehmende Häufigkeit von Krebserkrankungen zeigen, mit den Diagrammen in den USA übereinstimmen. Andere Folgen seien Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, Herzerkrankungen, Depression, Unfruchtbarkeit, Geburtsschäden und andere Formen von Krebs. In Großbritannien, wo die Verwendung von Glyphosat in Gärten und in der Landwirtschaft sehr stark zugenommen hat, hat sich die Zahl der Brustkrebserkrankungen von 1975 bis 2010 fast verdoppelt.ii

 

Dennoch behaupten Monsanto, Bayer, Syngenta und andere Agrarchemiekonzerne weiterhin, ihre Unkrautvernichtungsmittel seien »umweltverträglich«, »für Anwender, die Öffentlichkeit und die Umwelt sehr sicher«, die Anwendung geschehe »zum Nutzen von Mensch und Umwelt«.

 

Anstatt ernsthafte unabhängige Langzeitstudien (keine Monsanto-Studien!) über die mögliche toxische Wirkung von Glyphosat zu verlangen, haben EU-Aufsichtsbehörden unter Druck der Industrie bei ihren Bestimmungen für den Einsatz von Agrarchemie den Wert für die als sicher geltende maximale Dosierung kürzlich gelockert. Jetzt wird Glyphosat während der gesamten Anbauperiode empfohlen, einschließlich des Einsatzes als Trocknungsmittel sieben bis zehn Tage vor der Ernte.

 

Durch dieses Verfahren verbleiben Rückstände auf den Pflanzen, die dann in die menschliche und tierische Nahrungskette gelangen. Aber nicht nur auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wird es versprüht, sondern auch im Umkreis von Gebäuden oder auf Industriearealen und entlang von Autobahnen und Eisenbahnen. In städtischen Gebieten wird es auf Pflanzen am Straßenrand und auf dem Straßenpflaster ausgebracht. Roundup wird gegen alle möglichen Unkräuter eingesetzt, es ist auch für die Unkrautbekämpfung in Forst- und Fischereigebieten zugelassen.

 

In der US-Landwirtschaft werden überwiegend gentechnisch veränderter Mais und Sojabohnen angebaut; dabei wird Monsantos Glyphosat-haltiges Roundup in großen Mengen versprüht. Farmer, die »Roundup Ready«-Sojasaatgut kaufen, sind vertraglich verpflichtet, auch Roundup abzunehmen. In der EU besteht zwar eine Kennzeichnungspflicht, doch gibt es dabei ein großes Schlupfloch, über das Monsanto GVO und Glyphosat-besprühte Feldfrüchte einschmuggelt: Für importiertes Viehfutter besteht keine Kennzeichnungspflicht, und in der europäischen Landwirtschaft wird sehr viel mit »Kraftfutter« für Rinder, Schweine und Geflügel gearbeitet. Das Kraftfutter besteht aus einer Mischung aus GV-Mais und -Soja, das von Cargill, ADM und Unternehmen des US-Getreidekartells nach Europa importiert wird.

 

Durch diesen Import von Tierfutter ist fast die gesamte Bevölkerung der EU – abgesehen von einigen wenigen, die es sich leisten können, sich ausschließlich von Bio-Produkten zu ernähren – Glyphosat-Toxinen ausgesetzt. Große Mengen von Gensoja werden zur Verwendung als Tierfutter und für bestimmte Lebensmittel nach Europa importiert. In unverantwortlicher Manier erlauben es die Aufsichtsbehörden der Industrie, den Rückstandshöchstgehalt für Glyphosat in importierten Lebensmitteln und Tierfutter zu erhöhen.

 

Wie Mason betont, wurden Rückstände von Glyphosat und Aminomethylphosphonsäure (AMPA) in Sojabohnenpflanzen, Blättern und Getreide gefunden. Wenn Glyphosat während der Wachstumsperiode mehrfach versprüht worden war, wurden höhere Werte festgestellt. 2013 wurden bei Untersuchungen an Stadtbewohnern in 18 europäischen Ländern bei jedem Dritten Glyphosat- und AMPA-Rückstände gefunden. Glyphosat ist in unserem Essen und unserem Trinkwasser. Dennoch haben die EU-Behörden die Rückstandshöchstgrenze von Glyphosat, Neonicotinoid-Insektiziden und vielen anderen Pestiziden heraufgesetzt.

 

Gentechnisch veränderte Feldfrüchte wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA zugelassen, nachdem Monsanto die Ergebnisse einer eigenen 90-Tage-Studie an Ratten vorgelegt hatte. Ende 2012 veröffentlichte dann ein Forscherteam um Gilles-Éric Séralini von der Universität Caen in Frankreich die expertenbegutachtete erste Langzeitstudie über die Wirkung von Roundup (Glyphosat+) und Monsanto-GV-Mais bei Ratten.

 

Wie Séralinis Gruppe erklärte, war die Dauer von Monsantos eigener Sicherheitsstudie, die nur über 90 Tage durchgeführt wurde und die Grundlage der EFSA-Zulassung für den Gen-Mais bildete, zu kurz, um Aussagen über chronische Toxizität zu ermöglichen. Die französischen Forscher führten eine Zweijahresstudie durch, bei der sie beobachteten, dass Roundup-toleranter Mais in Verbindung mit Roundup zu chronischen hormonellen Erkrankungen und geschlechtsabhängigen Krankheiten führte. Bei weiblichen Tieren war die Sterblichkeit infolge großer Mamma-Tumoren und einer Schädigung der Hypophyse um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Männliche Tiere litten an Leberstau, Nekrose, schweren Nierenerkrankungen und großen tastbaren Tumoren.

 

Die ersten Tumoren traten bei den Männchen nach vier Monaten auf, einen Monat später als die übliche Testdauer für GVO. Als die Arbeit im Oktober 2012 veröffentlicht wurde, tönten Industrie und Gentechnik-Wissenschaftler: »Schwindel!«. Gestützt auf einen EFSA-Bericht über Sérlinis Ergebnisse, in der von »wissenschaftlich methodischen« Fehlern die Rede war, erklärte die EU-Kommission, es gebe keinen Grund zur Besorgnis, weitere Studien seien nicht erforderlich!

 

Erst kürzlich untersuchte ein Team in den USA und Australien die Wirkung von GV-Futter von Monsanto bei Schweinen. Verglichen mit einer konventionell gefütterten Kontrollgruppe entwickelten die Schweine Organauffälligkeiten. GV-gefütterte Sauen wiesen eine im Durchschnitt um 25 Prozent schwerere Gebärmutter als konventionell gefütterte Sauen auf, das Ausmaß schwerer Entzündungen im Magen war bei Schweinen, die mit GV-Futter gefüttert wurden, deutlich größer. Das bestätigte die Erfahrung vieler Landwirte, wonach die Sterblichkeit bei Sauen, die mit GVO gefüttert wurden, im Vergleich zu konventionell gefütterten Tieren höher war. Sauen hatten Verdauungsprobleme, einige verendeten und die Ferkel hatten Durchfall.

 

Erst als der Druck zunahm, willigte die EFSA schließlich in eine zweijährige Fütterungsstudie für neue GVO ein. Dennoch ist die Neutralität der EFSA-Studien nach wie vor nicht gesichert, denn bei vielen Mitgliedern des wissenschaftlichen Gremiums über GVO besteht aufgrund der Zusammenarbeit mit Monsanto oder anderen Gentechnik-Unternehmen ein Interessenkonflikt.

 

Doch die Gefahren für Tier und Mensch in der EU und den USA rührt nicht nur von Glyphosat her. Viele landwirtschaftliche Flächen werden jetzt zusätzlich mit einer neuen Klasse von Pestiziden besprüht – doppelt tödlich, gewissermaßen.

 

In den letzten zehn Jahren wird das Versprühen einer neuen Klasse von chemischen Pestiziden, den so genannten Neonicotinoiden, die hauptsächlich von der Bayer AG (Poncho u.a.) und Syngenta hergestellt werden, für das dramatische Sterben ganzer Bienenvölker verantwortlich gemacht. Glyphosat, ein Herbizid, das die Hormonfunktion stört, ist schädlich für Regenwürmer, Singvögel, kleine Säugetiere und Bienen. Seit ungefähr zehn Jahren wird die Anwendung von Glyphosat während der gesamten Wachstumsperiode mit dem Versprühen der neuen systemischen Neonicotinoid-Insektizide kombiniert. Letzteres unterdrückt das Immunsystem bei Insekten und Säugetieren. Sowohl Glyphosat als auch Neonicotinoide sind hochgiftig für Wasserlebewesen, Amphibien, Bienen und Fische. Aufgrund wachsenden Drucks hat die EU-Kommission jüngst ein zweijähriges Moratorium für Neonicotinoide von Bayer und Syngenta gefordert. Die beiden Unternehmen klagen gegen die EU-Kommission, um das Verbot aufheben zu lassen.


Fußnoten:

 

i Rosemary Mason, GLYPHOSATE: DESTRUCTOR OF HUMAN HEALTH AND BIODIVERSITY – Another Silent Killer, 2. September 2013, PDF.

ii Ebenda.

 

 

 


 

 

 

 

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