Sunday, 28. August 2016
02.10.2014
 
 

Obamas törichte Sanktionen verschaffen Putin neue Gewinne beim Erdöl

F. William Engdahl

US-Präsident Barack Obama, oder zumindest die kriegslustigen Neokonservativen, die ihn zu Kriegen auf der ganzen Welt drängen, bekommen jetzt zu spüren, dass ihre törichten Wirtschaftssanktionen gegen Putins Russland das eigene Land treffen. Vor wenigen Tagen verkündete Russlands größte Ölgesellschaft, die staatliche OAO Rosneft mit ihrem Chef, dem Putin-Vertrauten Igor Setschin, die Entdeckung eines Giant-Ölfelds in der Arktis nördlich von Murmansk. Zu dumm, dass Obama Sanktionen gegen Setchin und sein Unternehmen verhängt und amerikanischen Firmen verboten hat, mit ihnen Geschäfte zu machen.

 

Am 27. September gaben Rosneft und der US-Ölkonzern ExxonMobil in einer gemeinsamen Erklärung die Entdeckung eines neuen riesigen Erdöllagers, des Universitetskaya-1 in der Karasee bekannt. Seit mehr als 20 Jahren hatten russische Ölgesellschaften davon geträumt, in der Arktis auf dort vermutete riesige Ölvorkommen zu treffen.

 

2011 unterzeichnete der CEO von ExxonMobil – der größte unter den amerikanischen Ölkonzernen und Kernstück der ursprünglichen Rockefeller-Erdölgruppe – mit Setschins Rosneft eine Vereinbarung über ein Joint Venture zur Bohrung in der russischen Arktis.

 

Die Flussdaten von Universitetskaya-1 lassen darauf schließen, dass hier 750 Millionen bis eine Milliarde Barrel hochwertiges, »sweet light« Rohöl entdeckt wurden. Nach heutigen Marktpreisen liegt der Wert zwischen 7,5 und zehn Billionen Dollar.

 

Der Fund in der Karasee ist nur der erste in einem Gebiet, das nach Ansicht von Experten potenziell zu einer der wichtigsten Rohöl produzierenden Regionen der Welt werden kann, größer als der Golf von Mexiko. Schätzungen zufolge ist Rosnefts Erkundungsgebiet Universitetskaya in der Karasee, die geologische Struktur, in der jetzt gebohrt wird, so groß wie die Stadt Moskau und damit groß genug, um über neun Milliarden Barrel Erdöl enthalten zu können.

 

Das erste Bohrloch war das teuerste in der Geschichte von ExxonMobil, die Kosten lagen bei rund 600 Millionen Dollar. Mit deutlichem Understatement erklärte Setschin vor der Presse: »Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Die Entdeckung ist ungeheuer wichtig, denn sie zeigt, dass in der Arktis Kohlenwasserstoffe lagern.«

 

Laut Setschin könnte in fünf bis sieben Jahren mit der Ölförderung auf dem Feld in der Karasee begonnen werden. Das neu entdeckte Feld heiße »Victory« – ein ziemlich ironischer Name.

 

Wegen der Wirtschaftssanktionen, die von David S. Cohen, dem Ressortleiter für Terrorismus und Finanz-Intelligence im US-Finanzministerium entworfen wurden, muss sich ExxonMobil zum 10. Oktober aus dem russischen Projekt zurückziehen und enorme Verluste hinnehmen, wenn es nicht gegen die Sanktionen der US-Regierung verstoßen und hohe Strafen zahlen will.

 

Die Obama-Regierung hat mit der neuen Einheit für Finanz- und Wirtschaftskriegsführung im Finanzministerium ein gewaltiges Eigentor geschossen. Bravo Washington! Sie haben gerade einem der größten US-Konzerne großen Schaden zugefügt.

 

Als ExxonMobil den Vertrag mit Rosneft abschloss, wettete der Konzern darauf, dass die Arktis, das größte potenzielle Erdölgebiet der Welt, für das eigene Unternehmen die Sicherung langfristiger Versorgung mit Rohöl bedeuten könnte.

 

Die Wette erwies sich als richtig, und zwar genau in dem Moment, als die törichten Bürokraten in der Obama-Regierung Sanktionen gegen Setschin und das Arktis-Projekt verhängten, mit dem sie Russland schaden wollten.

 

Rosneft blickt jetzt nach China

 

Da nun ExxonMobil und höchstwahrscheinlich auch Morgan Stanley als die Instanz, die die Milliarden für die Ausweitung der Bohrungen im nächsten Frühjahr organisierte, durch die US-Sanktionen ausgebremst werden, wendet sich Setschin ostwärts, nach China. Für Rosneft trifft es sich gut, dass ExxonMobil in dem Moment aus dem Geschäft gezwungen wird, wo die kompliziertesten und schwierigsten Abschnitte des Projekts abgeschlossen sind.

 

Am 1. September bestätigte Präsident Putin persönlich der chinesischen Seite die finanzielle Beteiligung staatlicher chinesischer Ölgesellschaften an einer Tochtergesellschaft von Rosneft, dem Onshore-Unternehmen Vankor.

 

Es wird die bisher größte chinesische Beteiligung an einer russischen Ölgesellschaft. Mit diesem Vertrag werden die wachsenden Energie-Verbindungen zwischen China und Russland vertieft – genau das Gegenteil dessen, was Washington mit seiner geopolitischen Eurasien-Strategie erreichen wollte.

 

Wie der US-Stratege Zbigniew Brzezinski 1997 in seinem Buch The Grand Chessboard (deutscher Titel: Die einzige Weltmacht – Amerikas Strategie der Vorherrschaft) schreibt, müsse Amerikas Geopolitik vor allem darauf gerichtet sein, zu verhindern, dass ein vereinigtes Eurasien zu einer wirtschaftlichen Konkurrenz für Amerikas globale Hegemonie werde.

 

O je, Herr Obama, da haben Sie wohl gerade genau das Gegenteil getan. Und das war ziemlich dumm – Sie haben die Folgen und die vielfältigen Auswirkungen Ihres Handelns nicht durchdacht.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (19) zu diesem Artikel

03.10.2014 | 20:42

Henning B.

Das war doch genauso vorherzusehen. Die USA haben sich mit ihrer Politik ins eigene Fleisch geschnitten. Das zeugt doch von der Dummheit der Politiker an sich, nicht nur der unseren. Schade nur für uns.


03.10.2014 | 13:24

Rudolf-Robert Davideit

Tja Pferdchen,
Negerinnen und Russinnen stellen diese "Invasoren" ihren Männern als Vorbilder dar! Sowas kann sehr weh tun!
Ich mein Vorschlag: Die hiesigen Invasoren gegen Chinesen austauschen.


03.10.2014 | 12:45

Rudolf-Robert Davideit

Wird Z. BRZEZINSKI nicht als OBAMAs Doktorvater geführt?


03.10.2014 | 12:35

Phil.Hippos

Unterschätzen wir die Beherrscher Amerikas bitte nicht. Viel wichtiger ist denen, daß Mittel- und Westeurope nichts bekommt von dem süssen Öl und Russland sich notgedrungen noch mehr an China bindet oder sich gar ausliefert. Letztlich können die chinesischen Massen irgendwann die sibirischen Schätze auch selbst ganz gut bergen, und dann wird kein west- und mitteleuropäischer Verbündeter den Russen zur Seite stehen da die sich durch amerikanischen Druck aus jeder...

Unterschätzen wir die Beherrscher Amerikas bitte nicht. Viel wichtiger ist denen, daß Mittel- und Westeurope nichts bekommt von dem süssen Öl und Russland sich notgedrungen noch mehr an China bindet oder sich gar ausliefert. Letztlich können die chinesischen Massen irgendwann die sibirischen Schätze auch selbst ganz gut bergen, und dann wird kein west- und mitteleuropäischer Verbündeter den Russen zur Seite stehen da die sich durch amerikanischen Druck aus jeder wirtschaftlichen Verbindung mit Russland zurück ziehen mussten und es nichts zu verteidigen gäbe an eigenen Interessen in Russlands menschenleeren Gebieten. Die Beherrscher Amerikas führen nicht Krieg gegen Russland oder die islamische Welt, sie führen Krieg gegen uns, weil sie sehr gut wissen, dass ein altes Europa verbunden mit dem rohstoffreichen Russland ein unschlagbarer Block wäre.


03.10.2014 | 02:31

Martha Pfahl

Kommt man bei einem Preis von ca. 100 Dollar/Barrel und 1 Mrd. Barrel, nicht "nur" auf 100 Mrd. US-Dollar, oder wo ist mein Denkfehler?


02.10.2014 | 23:38

Elisabeth

Schön, dass Sie "die kriegslustigen Neokonservativen" oder wer immer dahinter steht erwähnen. Wer das Buch von Steven Greer "Verbotene Wahrheit, verbotenes Wissen" gelesen hat, weiss mit welchen perfiden und teuflischen Mitteln Menschen gefügig gemacht werden.

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