Saturday, 1. October 2016
05.04.2014
 
 

Plant Obama mit den Saudis einen neuen Ölkrieg gegen Russland?

F. William Engdahl

In einem können wir uns sicher sein: Nach Washingtons blutigem Putsch in der Ukraine, der unter dem verlogenen Mantra von Demokratie Neonazis und Freimarkt-Plünderer an die Macht brachte, plant man in Washington nun, Russland als Opposition zur globalen Hegemonie der USA auszuschalten. Während Putin den Westen offenbar damit überraschte, dass er umgehend ein Referendum auf der Krim akzeptierte, wieder Teil Russlands zu werden und die Ukraine zu verlassen, ist es eindeutig, dass die USA nach neuen Wegen suchen, Russland aufs Kreuz zu legen. Eine Waffe, die dabei in Erwägung gezogen wird, ist so neu nicht – die Ölwaffe.

Heute wie schon in den 1980er Jahren ist Russlands Achillesferse die übermäßige Abhängigkeit der Wirtschaft von Erdöl- und Erdgasexporten. Russland ist nach Saudi-Arabien und den USA der drittgrößte Erdölproduzent der Welt. In meinem Buch Mit der Ölwaffe zur Weltmacht lege ich dar, wie US-Außenminister George Shultz zusammen mit dem damaligen Präsidenten George Bush senior Saudi-Arabien unter Druck setzte, den Weltmarkt mit saudi-arabischem Erdöl zu

überschwemmen. Mit verheerenden Folgen für die schwache Wirtschaft der Sowjetunion.i

 

Anfang 1986 lag der durchschnittliche Ölpreis weltweit bei 33 Dollar pro Barrel. Bis Juni war der Preis auf die Hälfte, also 16 Dollar, gefallen, er rutschte weiter ab auf schließlich weniger als zehn Dollar. Russland steckte in einem US-geführten Krieg in Afghanistan fest und sah sich durch Reagans Raketenabwehr-Initiative, »Star Wars« genannt, zu riesigen Verteidigungsausgaben herausgefordert. Der Kollaps der sowjetischen Erdölerlöse trug maßgeblich zum endgültigen Zusammenbruch der Sowjetunion drei Jahre später bei.ii

 

1986 bezog die UdSSR rund 66 Prozent ihrer dringend benötigten Deviseneinnahmen aus Erdöl- und Erdgasexporten. Heute, mehr als 28 Jahre später, ist Russland immer noch von diesen Exporten abhängig. 2008, als der Ölpreis im Schnitt wie heute bei 100 Dollar für das Barrel lag, machten die Erdöl-Einnahmen mit rund 35 Prozent mehr als ein Drittel der russischen Exporterlöse aus. Zählt man Erdöl und Erdgas zusammen, lag der Anteil der Kohlenwasserstoff-Exporte am Gesamtexporteinkommen 2008 bei 65 Prozent. Kohlenwasserstoff-Exporte erzeugten 50 Prozent der gesamten Haushaltseinkünfte.iii Dieser Wert gilt im Wesentlichen bis heute, und das ist die Achillesferse der russischen Wirtschaft.

 

Obama in Saudi-Arabien

 

Am 28. März reiste Präsident Obama nach Riad und von dort weiter in das Wüstenlager von König Abdullah, um über »Beziehungen« zu sprechen. Die Medien der Welt ereiferten sich über die unterwürfige Verbeugung des US-Präsidenten vor dem saudischen König, ein Fauxpas, den kein anderer Staatschef der Welt begehe, nur die Untertanen verbeugten sich vor dem König. Aber kein Wort wurde darüber verloren, ob über eine Neuauflage des US-saudi-arabischen umgekehrten Erdölschocks von 1986 gesprochen wurde.

 

Bei einer Pressekonferenz am 20. März in Berlin rief der amerikanische Spekulant und Milliardär George Soros Obama dazu auf, pro Tag 500 000 Barrel aus den gewaltigen strategischen Erdölreserven auf den Markt zu werfen, um Russland zu »bestrafen«. Die strategischen Erdölreserven (SPR, Strategic Petroleum Reserve) der USA liegen zurzeit in der Größenordnung von 700 Millionen Barrel. Philip Verleger, der als Berater der Regierungen Ford und Carter tätig war, erklärte, damit könnten die USA die globalen Ölpreise um bis zu zwölf Dollar pro Barrel drücken. Das würde für Russland rund 40 Milliarden Dollar an entgangenen Einnahmen durch den Verkauf von Erdgas und Erdöl bedeuten, es entspräche zwei Prozent der gesamten Wirtschaft. Ende März verkaufte die Obama-Regierung auf dem Weltmarkt fünf Millionen Barrel SPR-Erdöl, behauptete jedoch, dies stehe nicht im Zusammenhang mit der Krim. Wahrscheinlich war es ein Warnschuss, um sich Putins Aufmerksamkeit zu sichern.

 

Manche berechnen: Wenn es Obama gelänge, die Kooperation Saudi-Arabiens zu gewinnen und gemeinsam mit den Reserven der USA den Weltmarkt auch nur für ein paar Monate zu überschwemmen, könnte dies verheerende Auswirkungen für die Finanzen Russlands haben. Würde König Abdullah einwilligen, die saudi-arabische Förderung von derzeit 9,7 auf ungefähr zehn Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen, würde dies zusammen mit dem Verkauf von 500 000 bis 750 000 Barrel pro Tag aus den strategischen Reserven der USA die russischen Erdöleinnahmen empfindlich treffen.

 

Würde sich Saudi-Arabien Washington anschließen, würde die Weltmacht Russland getroffen, die bisher das wichtigste Hindernis für einen Saudi-geführten Krieg zum Sturz von Baschar al-Assad in Syrien, dem Verbündeten des Iran und Feind Saudi-Arabiens, darstellte. Wir können sicher sein, dass in Washington und Riad hinter verschlossenen Türen lebhaft über ein solches Szenario diskutiert wird.

 

20-Milliarden-Dollar-Tauschgeschäft zwischen Russland und dem Iran

 

Neben der Krim hat Putins Russland Washington und Saudi-Arabien auch auf einem anderen Schauplatz gegen sich aufgebracht. Seit Monaten führen Putin und seine Regierung auf hoher Ebene Gespräche mit Teheran über ein Tauschgeschäft Erdöl gegen Ausrüstung, das Berichten zufolge über zwei bis drei Jahre laufen und einen Marktwert von 20 Milliarden Dollar haben soll.

Es heißt, Moskau würde täglich bis zu 500 000 Barrel iranisches Erdöl kaufen, als Gegenleistung für russische Ausrüstung und Waren. Die russische Ausrüstung würde Raketen und Teile für Atomreaktoren umfassen. Ein iranischer Vertreter erklärte vor der Presse: »Der Iran kann rund 300 000 Barrel pro Tag über das Kaspische Meer und den Rest über den Golf, möglicherweise über den Hafen Bandar Abbas, eintauschen.«

 

Washington hat mit einer wütenden Attacke reagiert, weil Moskau angeblich die US-Wirtschaftssanktionen gegen den Iran »unterlaufe«. Die Ironie liegt darin, dass mit den Sanktionen Druck auf den Iran ausgeübt werden soll, die Atomwaffen aufzugeben, von denen noch niemand bewiesen hat, dass der Iran sie überhaupt besitzt. Wenn Washington einseitig Wirtschaftssanktionen gegen den Iran oder jetzt gegen Russland verhängen darf, weil man deren Politik nicht mag, könnte der Tag kommen, an dem dasselbe gegen die EU passiert.

 

Die Option eines Ölkriegs gegen Putins Russland ist eindeutig nicht ausgeschlossen. Bleiben Sie dran, liebe Leser!

 


Fußnoten

 

i F. William Engdahl, Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, Kopp Verlag.

ii Andreas Benedictow, Daniel Fjærtoft und Ole Løfsnæs, »Oil dependency of the Russian economy: an econometric analysis«, Discussion Papers No. 617, Mai 2010, Statistics Norway, Research Department.

iii Ebenda.

 

 

 


 

 

 

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