Samstag, 3. Dezember 2016
07.02.2015
 
 

Putin und der Iran mischen die Karten neu

F. William Engdahl

Seit die USA Russland mit ihren Finanz- und Wirtschaftssanktionen de facto den Krieg erklärt haben, legt die russische Außenpolitik eine – gelinde gesagt – beeindruckende Dynamik an den Tag. Ob es ausreicht, den ökonomischen Belagerungszustand Washingtons zu brechen und einer echten globalen Alternative den Weg zu ebnen, ist noch nicht klar.

 

Klar ist hingegen, dass Wladimir Putin und die Fraktion der Industriebarone, die ihn unterstützen, sich nicht ängstlich wegducken. Das jüngste Beispiel ist der Besuch des russischen Verteidigungsministers in Teheran zu Verhandlungen über eine militärische Kooperation. Deren Bedeutung ist enorm, für beide Länder, aber auch für die Zukunft Eurasiens.

 

Am 20. Januar wurde in Teheran ein Abkommen über eine militärische Zusammenarbeit Russlands und des Iran unterzeichnet. Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu und der iranische Minister für Verteidigung und Logistik der Streitkräfte, Hossein Dehghan, unterzeichneten die neue Vereinbarung. Zu deren Bedeutung sagte Schoigu: »Es wurde eine theoretische Basis für die Zusammenarbeit im militärischen Bereich gelegt.« Zudem hätten sich beide Seiten auf »bilaterale Kooperation in praktischen Fragen sowie die Förderung der militärischen Fähigkeiten der Streitkräfte unserer Länder« geeinigt.

 

Beide sähen die »Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran im gemeinsamen Kampf gegen die Einmischung externer Kräfte in die Angelegenheiten der Region«, betonte Irans Verteidigungsminister Dehghan. Um sicherzustellen, dass seine Worte nicht missverstanden würden, setzte er hinzu, der Grund für die Verschlechterung der Lage der Region sei eine US-Politik, die sich »in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischt«.

 

Die Annäherung der beiden eurasischen Länder, die beide an das strategisch wichtige Kaspische Meer angrenzen, hat enorme Auswirkungen auf die weltweite Geopolitik. Die Regierung Obama hat in den letzten 18 Monaten versucht, den Iran mit Zuckerbrot (dem Versprechen, die Sanktionen aufzuheben) und Peitsche (Wirtschaftssanktionen) zu locken, um Teheran zu deutlichen Zugeständnissen beim Atomprogramm zu bewegen.

 

Bis vor Kurzem war Russland trotz der US-Sanktionen wegen der Ukraine bereit, Washington gegenüber »Vertrauen« zu zeigen, indem man sich an den 5+1-Atomverhandlungen mit dem Iran beteiligte, um Teheran zu größeren Zugeständnissen bei dessen Atomprogramm zu bewegen. Im Rahmen dieses Programms hat Russland das kürzlich fertiggestellte Kernkraftwerk Buschehr gebaut, das erste in Nahmittelost. Diese Phase ist eindeutig vorüber, Irans Position bei den Verhandlungen mit den USA, Frankreich, Deutschland und Großbritannien ist stärker geworden, Sanktionen oder nicht.

 

Iran, Syrien und Pipeline-Kriege

 

Washington benutzt das Atomprogramm als Hebel bei dem Versuch, den Iran zu zwingen, seinen Verbündeten Baschar al-Assad in Syrien fallenzulassen. Damit wäre der Weg frei für Katar, einen engen Verbündeten Saudi-Arabiens und Sitz der größten Erdgasfelder im Persischen Golf. Katar, der wichtigste finanzielle Unterstützer der US- und Israeli-trainierten ISIS-Terroristen in Syrien und im Irak, will sein Erdgas über Syrien und die Türkei in die EU exportieren.

 

Der Iran, dem ebenfalls ein Teil des großen Erdgasfelds North Pars im Persischen Golf gehört, unterzeichnete im Juni 2011 mit Assad und dem Irak einen Vertrag über den Bau einer neuen, 1500 Kilometer langen Erdgaspipeline vom iranischen Hafen Asaluyeh, in der Nähe des South-Pars-Feldes, nach Damaskus in Syrien, über die das Erdgas aus dem South-Pars-Feld transportiert werden sollte. Von Damaskus aus würde die Pipeline über den Libanon zum Mittelmeer und weiter auf den Gasmarkt der EU verlaufen. Sie gaben ihr den Namen »islamische Pipeline«.

 

Das Volumen des iranischen Erdgases wäre bescheiden im Vergleich zu der von der russischen Gazprom ursprünglich geplanten South-Stream-Pipeline. Nach Deckung des regionalen Bedarfs (vor dem Krieg in Syrien) blieben über diese Iran-Irak-Syrien-Pipeline geschätzte 20 Milliarden Kubikmeter pro Jahr für Europa, im Vergleich zu 63 Milliarden von der South Stream.

 

Der Verlierer wäre Katar, ein sunnitisch-islamisches Land, das den ISIS und die Moslembruderschaft und andere charmante Dschihadisten finanziert. 2009 hatte sich Katar mit dem Vorschlag für eine Pipeline Katar-Syrien über die Türkei in die EU an Assad gewandt, war damit jedoch abgeblitzt.

 

Assad waren seine Beziehungen zu Russland und zur Gazprom wichtiger gewesen. Um die Zeit der Unterzeichnung des Vertrags über die islamische Pipeline im Juni 2011 beschlossen Washington, Saudi-Arabien und Katar einen vollen Krieg, mit dem Assad gestürzt und durch ein sunnitisches Regime ersetzt werden solle, das Katar und Washington freundlicher gesonnen wäre. Wohl kaum ein Zufall.

 

Engere militärische Verbindungen zwischen Iran und Russland

 

Heute sind Russland und der Iran die beiden standfesten Verbündeten Assads in seinem Krieg, Syrien von US-ausgebildeten ISIS-Terroristen zu befreien. Die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Teheran war bis jetzt jedoch zurückhaltend.

 

2010 hatte Dmitri Medwedew, damals als russischer Präsident zuständig für die Außen- und Verteidigungspolitik seines Landes, sehr versöhnliche Schritte unternommen, um sich auf Washingtons »gute Seite« zu schlagen. Es war die Zeit von Hillary Clintons törichtem »Reset« in den amerikanisch-russischen Beziehungen, nachdem Putin damals aus dem Präsidentenamt geschieden war und Obama als »Friedens-Demokrat« sein Amt angetreten hatte.

 

Eines der teuersten Manöver Medwedews war die Unterzeichnung einer präsidialen Verfügung im September 2010, mit der er ein von den USA gesponsertes UN-Verbot von Waffenverkäufen an den Iran unterstützte. Das Verbot war Teil der US-Sanktionen gegen den Iran wegen dessen Atomprogramms. Für die russische Rüstungsindustrie bedeutete das Verbot in den Folgejahren Einbußen von 13 Milliarden Dollar im Verkauf von militärtechnischem Gerät an den Iran, so zumindest eine Schätzung des Center for Analysis of World Arms Trade (CAWAT).


Außerdem annullierte Medwedew rückwirkend den Kauf vom Iran bereits bezahlter moderner russischer S-300-Boden-Luft-Raketensysteme. Der Iran verklagte daraufhin das russische Staatsunternehmen Rosoboronexport vor dem Vergleichs- und Schiedsgerichtshof der OSZE in Genf.

 

Bis jetzt war die Frage der S-300 ein wichtiger Streitpunkt zwischen Teheran und Moskau. Doch laut einem Bericht von DebkaFile.com, einer Website, der Verbindungen zum israelischen Geheimdienst nachgesagt werden, hat Russland nicht nur eingewilligt, die S-300-SAM-Raketensysteme zu liefern, die der Iran 2007 gekauft hatte, sondern zusätzlich werde Russland auch moderne S-400-Raketensysteme an den Iran liefern. Die Website zitiert das iranische Verteidigungsministerium: »Beide Länder haben beschlossen, das Problem der S-300 zu lösen.«

 

Col. Gen. Leonid Iwaschow, ein ehemaliger Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums, fügte hinzu: »Es wurde ein Schritt in Richtung Zusammenarbeit in Wirtschaft und Waffentechnologie vollzogen, zumindest für defensive Systeme wie die S-300 und S-400.«

 

 

Nach Angaben von Militärspezialisten ist die S-400 der amerikanischen PAC-3-Patriot-Rakete weit überlegen. Sie gilt als das erste System der Welt, das selektiv verschiedene Arten von Raketen verwenden kann, sowohl die zuvor entwickelten als auch die neuen SAMs. Es ist mobil, was die Entdeckung schwermacht. Es kann gegen strategische Bomber wie die B-1, FB-111 und B-52H eingesetzt werden, aber auch gegen Flugzeuge zur elektronischen Kriegsführung wie die EF-111A und EA-6, Aufklärungsflugzeuge wie die TR-1, AWACS-Luftaufklärer wie die E-3A und E-2C, Kampfflugzeuge wie die F-15 und F16, Tarnkappenflugzeuge wie die B-2 und F-117A, strategische Marschflugkörper wie den Tomahawk und ballistische Raketen in einer Entfernung von bis zu 3500 Kilometern.

 

Außerdem war die größte Geldverschwendung des Pentagons, das Kampfflugzeug Lookheed Martin F-35, nicht dazu angelegt, in den Radius der S-300P/S-400-Systeme einzudringen. Ups…

 

Der US F-35 ist eine atomwaffenfähige Massenvernichtungswaffe, er galt zu Beginn im Jahr 2001, unter Rumsfeld, als das »Kampfflugzeug der Zukunft«. Er ist mehr als zehn Jahre überfällig, doppelt so teuer wie geplant und wird im Lauf seines Einsatzlebens 1,5 Billionen Dollar kosten, von denen rund 400 Milliarden bereits ausgegeben sind. Durch Obamas obligatorische Kürzung des Verteidigungshaushalts im Rahmen der »Sequestrierung« vor zwei Jahren mussten auch beim F-35 und anderen kostspieligen Pentagon-Projekten deutliche Einschnitte gemacht werden. Unter Berufung auf den ISIS in Syrien und im Irak und den »Konflikt« mit Russland über die Ukraine sieht Obamas jüngster Verteidigungshaushalt vor, die obligatorischen Kürzungen der Sequestrierung um 35 Milliarden Dollar zu überschreiten.

 

Wenn der DebkaFile-Bericht über das S-400-Raketensystem an den Iran zutrifft – und danach sieht es aus –, ist die Geopolitik der gesamten Auseinandersetzung zwischen der Regierung Obama und Russland, dem Iran, Syrien und bald auch China, in der Tat, sehr dumm.

 

Die Schlacht wird geführt von Tunnelblick-Kriegsfalken in Obamas Umfeld wie Sicherheitsberaterin Susan Rice. Sie scheinen unfähig, Verbindungen zwischen Ereignissen zu erkennen, und sind damit, per definitionem, keine intelligenten Menschen. Sie werden geleitet vom amerikanischen militärisch-industriellen Komplex, allen voran Lockheed Martin, wichtiger Vertragspartner beim desaströsen F-35. Sie werden geleitet von einer sehr reichen, machtsüchtigen Oligarchie, die manchmal denkt, ihr gehöre die Welt. Tatsächlich verlieren sie, wie jüngste Ereignisse zeigen, durch ihre Dummheit die Welt, die sie zu beherrschen glaubten. Manche nennen so etwas das Gesetz der nicht beabsichtigten Konsequenzen.

 

 

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Leser-Kommentare (37) zu diesem Artikel

05.06.2015 | 15:18

Leonidas 300

Ich habe das genau erwartet und es ist gekommen wie ich seite Monate schon gedacht habe.
WOW Barby let´s go Party!!! es Kommt noch viel schlimmer wenn Russland machen wurde ganz genau was ich es mir vorgestellt habe. es ist eigentlich nicht zum lachen aber man sieht dadurch wie die anderen Primitv und dumm gestellt sind. 1 2 3 schachmatt und wer mit der Schmarn angefangen hat er ist dann selber schuld :)


14.02.2015 | 23:08

SOHRAB

Es tut mir leid,liebe Freunde,aber ich bin fast davon ueberzeugt,dass Merkel mit Amerikaner falches Spiel treibt.Die Frau weiss um die Macht von Finanzwelt und ihrer Diener( Englich-amerikaniche Politiker+ NSA-CIA-MI6 und....),sie weiss ,das die gekaufte diener Presse, sie sehr schnell wie den Wulf kaput schlagen kann ,und das Volk wird alles glauben.


12.02.2015 | 17:12

Raphael

Die einzigen Karten die hier gemischt werden sind die des Satans . Der Prinz,der sie legen wird, heisst Vlad Putin,denn er hat einen bösen Gedanken gefasst ,dass er seine Horden sammeln möchte um Israel ,die Heilige zu vernichten-doch Gott der Allmächtige wird sein(Putin) vorhaben vernichten wie uns in epischen Detail geschildert wird, durch den Propheten Ezekiel 38-39. www.cainite.net


12.02.2015 | 16:32

Norbert Franke

Ich bin heute beim Stöbern im Internet auf diese Seite gestoßen und möchte als erstes sagen, gut das es Euch gibt,schlimm ist das alles was ich hier lese meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Hört bitte nicht auf die Wahrheit zu berichten den sie ist das Einzigste was man nicht töten kann.


11.02.2015 | 19:01

Friedensgebet

Hoffentlich wachen viele bald genug auf - verteilt die Infos weiter was das Zeug hält. Deutschland muss schnellstens aus der NATO austreten oder noch besser die USA ausschließen, die ständig die NATO-Satzung verletzen (Angriffskriege, Drohnentötungen...) und alle US-Waffen auf deutschem Boden konfiszieren und vernichten.


09.02.2015 | 10:39

Bürgerkrieg

Es wäre ein großer Fehler, die US-Machteliten zu unterschätzen. Die wissen genau was sie wollen. Einen Krieg, den sie noch gewinnen können, ohne große Verluste einzustecken! Dazu läuft Ihnen aber die Zeit weg und die Vasallen in Europa scheinen allmählich zu begreifen, dass sie als Kanonenfutter für die Größenwahnsinnen im Pentagon und an der Wallstreet herhalten sollen!

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