Monday, 29. August 2016
05.06.2014
 
 

Putsch in der Ukraine führt Russland und China enger zusammen

F. William Engdahl

Der wachsende Druck, den Washington auf Russland und China ausübt, bringt die beiden eurasischen Großmächte in engere wirtschaftliche und sogar militärische Zusammenarbeit. Das jüngste Anzeichen dafür ist die Unterzeichnung eines Mammut-Erdgas-Vertrags zwischen Peking und Moskau vor wenigen Tagen. Der Vertrag mit einem Umfang von 400 Milliarden Dollar und einer Laufzeit von 30 Jahren wurde nach fast 20 Jahren festgefahrener Verhandlungen unterzeichnet. Die geopolitischen Implikationen sind enorm.

Die historische Vereinbarung zwischen der staatlichen russischen Gazprom und der chinesischen staatlichen CNPC (China National Petroleum Corporation) ist der größte je vereinbarte einzelne Handelsvertrag. Er wurde zum Abschluss zweitägiger strategischer Gespräche zwischen dem russischen Präsidenten Putin und Chinas Präsident Xi Jinping in Anwesenheit von Putin unterzeichnet. Vorgesehen ist die jährliche Lieferung von 38 Milliarden Kubikmetern russischen Erdgases an China. Zum Vergleich: Gazproms Verkäufe nach Europa stiegen im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 174,3 Milliarden Kubikmeter.

 

Seit dem Jahr 2000 ist die Erdgasnachfrage in China infolge der wachsenden industriellen Basis um mehr als das Sechsfache gestiegen, ein Ende ist nicht in Sicht. Mit einer jetzt vereinbarten langfristigen Infrastrukturverbindung mit Russland werden die beiden Volkswirtschaften

wahrscheinlich enger miteinander verbunden als je zuvor.

 

Russland wird rund 70 Milliarden Dollar in Pipelines und entsprechende Infrastruktur investieren, um das ostsibirische Erdgas bis zur chinesischen Grenze zu befördern. China wird weitere 22 Milliarden Dollar investieren, um es an seinen endgültigen Bestimmungsort in chinesischen Industriestädten zu bringen.

 

Schon ab 2018 soll das Erdgas fließen. Russland wird außerdem seine Ölexporte nach China auf eine Million Barrel pro Tag verdoppeln. Der Vertrag ist ein Meilenstein bei der engeren Bindung der Volkswirtschaften der beiden eurasischen Mächte.

 

Darüber hinaus bedeutet er einen erheblichen Rückschlag für Washingtons geopolitische Strategie, die Mächte des eurasischen Kontinents gegeneinander aufzubringen, um die Entstehung eines mächtigen Rivalen für – wie Zbigniew Brzeziński es nennt – »Amerikas unangefochtene Hegemonie« zu verhindern. Nach Ansicht des Bilderberg-Beobachters Daniel Estulin steht die geopolitische Bedeutung des russisch-chinesischen Deals ganz oben auf der Tagesordnung der laufenden Bilderberger-Konferenz in Kopenhagen.

 

Als Wladimir Putin zum zweiten Mal sein Amt als russischer Präsident antrat, verkündete er die Schaffung eines eurasischen gemeinsamen Wirtschaftsraums als seine oberste Priorität. Russland, Kasachstan, Weißrussland und später auch Armenien haben sich darauf geeinigt, formell bis 2015 eine Eurasische Wirtschaftsunion in Gang zu bringen.

 

Tatsächlich löste die Entscheidung der Regierung von Wiktor Janukowytsch in der Ukraine, sich Russlands Eurasischer Union anzuschließen, die Proteste aus, die Washington dann den illegalen Staatsstreich und die Einsetzung eines russlandfeindlichen Marionettenregimes in Kiew ermöglichten.

 

Auch Putin »schwenkt« nach Asien

 

Die Erdgas- und Erdöldeals sind nur ein Teil einer zukünftigen mehrdimensionalen strategischen Partnerschaft – sozusagen Putins Antwort auf Obamas »Asien-Schwenk« in der US-Militärpolitik. Der chinesische Präsident Xi hat die Errichtung einer »Neuen Wirtschaftlichen Seidenstraße« für China zur strategischen Priorität erklärt. Dazu gehört der Bau neuer Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverbindungen entlang der historischen Seidenstraße Zentralasiens durch Russland bis zu europäischen Häfen, beispielsweise Hamburg und Bremen.

 

Bei einer kürzlichen Chinareise konnte ich direkt erleben, welche Bedeutung die chinesische Regierung dem Infrastrukturprojekt Seidenstraße beimisst, mit dem ganz Eurasien wirtschaftlich verbunden und neue Märkte erschlossen werden sollen. Täglich brachten staatliche chinesische Medien detaillierte historische und aktuelle Berichte über die Bedeutung der Seidenstraße. Chinesische Bürger sprachen mit Stolz und großem Optimismus über das Projekt.

 

Wenn die Seidenstraßen-Infrastruktur bis auf die Türkei ausgedehnt wird, würde auch dieses wichtige Land in den entstehenden eurasischen Wirtschaftsraum einbezogen. Es könnte zu einem entscheidenden wirtschaftlichen Kreuzungspunkt zwischen Zentralasien, dem Nahen und Mittleren Osten und Europa werden, sofern es Erdoğan gelingt, den Einfluss des von der CIA unterstützten Fetullah Gülen in Schach zu halten und die Türkei gegenüber China und Russland zu öffnen – was zum jetzigen Zeitpunkt nicht unwahrscheinlich scheint.

 

Während ihrer zweitägigen Gespräche in Shanghai einigten sich Putin und Xi auf ein russisch-chinesisches Joint Venture zum Bau kommerzieller Flugzeuge und leistungsfähiger Hubschrauber sowie die gemeinsame Entwicklung im Bereich Petrochemie. Es spiegelt die engeren Beziehungen zwischen Peking und Moskau wider und – noch wichtiger – Russlands »Schwenk nach Asien«.

 

Die russisch-chinesische Zusammenarbeit umfasst aber nicht nur Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch eine engere militärische Kooperation. Während seines Besuchs in Shanghai beobachtete Putin zusammen mit Xi das gemeinsame russisch-chinesische Marinemanöver Joint Sea 2014 im Ostchinesischen Meer. Beide Seiten kündigten die Zusammenarbeit der Streitkräfte beider Länder auch auf anderen Feldern an. In vielerlei Hinsicht ist die Geografie ähnlich wie in den Tagen von Stalin und Mao; aber die Bedingungen angesichts der enormen wirtschaftlichen Entwicklung Chinas seit 1979 sind heute ganz anders. Jede Seite kann wesentliche Elemente in die engere Kooperation einbringen.

 

Putins Asien-Diplomatie

 

Putins neuer Schwenk nach Asien betrifft nicht nur China, sondern sieht auch potenziell bedeutende Wirtschaftsverträge mit Japan und beiden Koreas vor, die Washingtons jüngsten Bemühungen, absichtlich Spannungen zwischen China, Japan und Südkorea zu erzeugen, einen Dämpfer verpassen könnten. Russland hat kürzlich ohne große Fanfare einen Schuldenstreit mit Nordkorea beigelegt; zehn Milliarden Dollar Schulden wurden erlassen, für die restliche eine Milliarde Dollar wurden großzügige Bedingungen eingeräumt.

 

Die russische Gazprom und das nordkoreanische Energieministerium haben sich auf den Bau einer Erdgaspipeline geeinigt, die in der Nähe der Siedlung Chassan am Tumen-Fluss die russisch-nordkoreanische Grenze überqueren soll. Die Pipeline würde dann durch die Demokratische Volksrepublik Korea zur Republik Korea (Korea Gas Co.) verlaufen. Damit würde sie in einer sich herausbildenden neuen Spielart russischer »Gasdiplomatie« sowohl Nordkorea als auch Südkorea mit Gas versorgen. Das Projekt wird seit mehr als zehn Jahren diskutiert, das neue Element ist der energische Einsatz Moskaus, es voranzubringen. Im September wird Putin zu einem Besuch nach Japan reisen, wo die Regierung Abe – von den USA ermuntert – China mit Provokationen über eine unbewohnte Inselgruppe im Südchinesischen Meer, auf der große Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet werden, überzieht.

 

Wichtiger noch ist ein ähnliches russisches Projekt zum Bau einer modernen Eisenbahnverbindung von Südkorea durch Nordkorea nach Russland, wo sie an die Transsibirische Eisenbahn anbinden soll. Damit würden erstmals direkte Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverbindungen von der Republik Korea zu den europäischen Märkten möglich, die Kontrolle der US Navy über die Meere wäre weniger bedrohlich.

 

Washingtons dreister Coup und die Destabilisierung der Ukraine und der ukrainisch-russischen Beziehungen seit November letzten Jahres hat die engeren Verbindungen zwischen Russland und seinen östlichen Nachbarn, insbesondere China, befördert. Präsident Obama wird es vielleicht schon bald bedauern, auf die Kriegsfalken in CIA und Außenministerium oder auf die Leiterin seines Nationalen Sicherheitsrats und »Chefkreuzzüglerin« Susan Rice gehört zu haben. Susan Rice scheint einen unheimlichen und ungesunden Einfluss auf den Präsidenten auszuüben.

 

 

 

 


 

 

 


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